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    <title>Texte über Afrika</title>
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    <description>Hier schreibt die Lektorin und Autorin Dorrit Bartel über Afrika: Reisen, Bücher, Alltag, Erlebnisse ...</description>
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      <title>Texte über Afrika</title>
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      <title>Lesungstermine Frühjahr 2026</title>
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&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    
          Ich lese immer noch gern aus meinem Buch "Der Äthiopier" und freue mich, dass ich im Frühjahr 2026 drei Termine habe, zu denen ich es neuen Lesern vorstellen darf. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Vielleicht kommst Du bei einer der Gelegenheiten vorbei, das würde mich freuen. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          20. Februar 2026, 18:30 Uhr, Berlin Schmöckwitz
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Gemeindesaal der Evangelischen Gemeinde Berlin-Schmöckwitz, Alt Schmöckwitz 1, 12527 Berlin
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          26. März 2026, 19:30 Uhr, Preetz
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ratssaal in Preetz, Bahnhofstraße. 27, 24211 Preetz
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          9. Mai 2026, 15 Uhr, Berlin Köpenick
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Lesebühne Bett &amp;amp; Buch, Rudower Str. 1, 12557 Berlin
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ich freue mich. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Thu, 12 Feb 2026 09:56:12 GMT</pubDate>
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    <item>
      <title>Meine Lesung im German House in Addis Abeba</title>
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      <content:encoded>&lt;div&gt;&#xD;
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&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
    
           
         &#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
  
         Definitiv ein Highlight meiner Äthiopienreise war die Lesung, die ich auf der Terrasse des German House, dem Büro der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit in Addis Abeba, halten durfte.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Es schloss sich ein Kreis: Als ich vor inzwischen acht Jahren in Äthiopien ankam, ahnte ich nicht, dass ich mich in den folgenden Jahren intensiv mit der neueren Geschichte des Landes und der Lebensgeschichte des Äthiopiers Adane beschäftigen, einen Roman über ihn schreiben und dafür sogar den Literaturpreis der noon Foundation Mannheim "Aufstieg durch Bildung" bekommen würde.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Und nun durfte ich in der Stadt, in der alles anfing, mein Buch vor einem wunderbaren Publikum aus der deutschsprachigen Community vorstellen. Das hat große Freude gemacht, sowohl die Lesung als auch die auf die spannenden Fragen hinterher zu antworten und lange bei Wein mit den Gästen zu plaudern. Es stellte sich für mich heraus, dass hier - wo die Zuhörer mit dem Land, über das ich schrieb, vertrauter sind - andere Fragen gestellt wurden als in Deutschland. Das war für mich eine tolle Erkenntnis - ich ahnte es bereits vorher und war eine Stunde vor der Lesung plötzlich total aufgeregt und überzeugt davon, die falschen Ausschnitte aus dem Buch herausgesucht zu haben. Hier, wo die Menschen viel genauer Bescheid wussten. Aber da war es zu spät, mir noch andere Ausschnitte zurechtzulegen. Glücklicherweise ließen sich die Gäste - trotzdem? - von Adanes Geschichte in den Bann ziehen, was ich auch an den Gesprächen nach der Lesung spüren konnte. 
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Danke an die tollen Mitarbeiter der GIZ, die diese Veranstaltung möglich gemacht haben. An Addis, die in ihrer Moderation treffende und berührende Worte gefunden hat, an die Kollegen, die für das leibliche Wohl der Gäste gesorgt haben, an Sandra Brüning für die schönen Fotos und vor allem an das sehr aufmerksame und interessierte Publikum.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Es war mir ein Fest. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Thu, 12 Feb 2026 09:24:15 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Die Staatenlenker von Äthiopien</title>
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  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Galerie+Unitiy+Park.jpg"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Da hängen nun ihre Bilder einträchtig nebeneinander in den Museen von Addis Abeba: Haile Selassie neben Mengistu Haile Mariam und dieser wiederum neben Meles Zenawi, gefolgt vom eher glücklosen Hailemariam Desalegn, der 2018 von Abiy Ahmed abgelöst wurde. Diese Bilder erwecken den Eindruck einer Kontinuität, die es so nicht gegeben hat. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Zur aktuellen Modernisierung Äthiopiens – mit der Abiy Ahmed sich seinen Platz in den Geschichtsbüchern sichern will – gehören auch neue Museen: Das Adwa Victory Memorial, das Palast Museum und der Unity Park, der auf 40 Hektar eine Art Mini-Äthiopien zeigt, mit Pavillons verschiedener Regionen, einem Zoo, typische äthiopischen Pflanzenarten sowie mehreren Palastgebäuden des früheren Kaisers Melinek II. Ich habe alle diese Orte besucht. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  
         Angefangen habe ich mit dem Adwa Victory Memorial. Ein Museum für die Schlacht von Adwa 1896 im Äthiopisch-Italienischen Krieg, in dem Italien versuchte, Äthiopien zu seiner Kolonie zu machen. Doch die Äthiopier wehrten sich erfolgreich. Die Niederlage, die sie den Italienern zufügten, wird oft (und von den Äthiopiern sehr gern) mit dem Zusatz „vernichtend“ versehen. Ich bin nicht dafür, Schlachten oder Kriege zu verherrlichen, aber mit dieser Schlacht sicherte sich Äthiopien die Unabhängigkeit. Das bestimmt bis heute das nationale Bewusstsein: Äthiopien ist das einzige afrikanische Land, das nie kolonialisiert worden ist. Gleichzeitig war dieser Sieg auch ein Zeichen für andere afrikanische Länder: Es war möglich, sich den europäischen Kolonialmächten zu widersetzen. Insofern reicht die Bedeutung dieses Sieges über Äthiopien hinaus. Dafür steht dieses Museum, in dem mir vor allem einheimische Besucher begegnen. 
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ebenfalls neu ist das Palast Museum: Der Palast, in dem der letzte Kaiser von Äthiopien, Haile Selassie, lebte, inklusive Garten mit Kapelle und diversen anderen Nebengelassen. Neu ist ein Glasbau, in dem der Rundgang über das Gelände beginnt und in dem ein Teil des Fuhrparks von Haile Selassie ausgestellt ist. Natürlich ist er Nobelmarken gefahren und viele der Fahrzeuge waren Geschenke namhafter Autohersteller. Als Kaiser brauchte man natürlich Fahrzeuge für unterschiedliche Zwecke, so hatte er u.a. ein Auto, mit dem er hauptsächlich zur Kirche gefahren ist. Ein anderes, das nur dafür da war, ausländische Staatsoberhäupter vom Flughafen in Addis abzuholen. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Nicht ausgestellt ist der blaue VW Käfer, mit dem er im September 1974 aus eben diesem Palast entfernt wurde. Das Militär hatte die Macht übernommen und regierte anschließend etwa eineinhalb Jahrzehnte. Der Kaiser lebte danach noch knapp ein Jahr im Hausarrest im Seitenflügel eines anderen Palastes, ehe er vom neuen Regime ermordet wurde.  Mengistu Haile Mariam hieß der neue Herrscher, der für den gewaltsamen Tod des Kaisers verantwortlich war. Eines Kaisers, der Äthiopien seinerzeit in die Moderne führte. Eines Kaisers, der auf der Weltbühne präsent war und die Gründung der Organisation für Afrikanische Einheit initiierte, die Vorgängerorganisation der heutigen Afrikanischen Union. Andrerseits war dieser Kaiser auch dafür verantwortlich, dass in der Hungersnot von 1973 zehntausende Äthiopier starben. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Im Adwa Victory Memorial gibt es auch ein Kino und dort sah ich einen Dokumentarfilm über die Grausamkeit, mit der die Militärjunta die Familie Haile Selassies behandelte: Der Kaiser wurde ermordet, ebenso weitere Familienmitglieder, mehrere Frauen der Familie saßen 14 Jahre ohne Prozess im Gefängnis, ehe es internationalen Freunden gelang, ihre Freilassung zu erwirken.  
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Über die Zeit der Militärjunta (1974 bis 1991) gibt es ein kleines, berührendes Museum im Zentrum von Addis, auch das habe ich besucht. Mehrere Wände des Museums sind bedeckt von Fotos der – zumeist sehr jungen – Opfer des Derg, an einer Stelle des Museums gibt es die Nachbildung eines Massengrabs, daneben Wände voller Gefäße mit Knochen und Schädeln, die nicht identifiziert werden konnten. Es wird geschätzt, dass dem Derg etwa eine halbe Million Menschen zum Opfer fielen. Besonders berührt hat mich die Aufforderung, dem Museum Informationen über weitere Opfer zukommen zu lassen. So wurde für mich fühlbar, dass jene Zeit nicht einfach nur Vergangenheit ist, sondern bis heute in das Leben von Familien hineinwirkt. Ein Mitarbeiter des Museums erzählte mir, die Arbeit des Museums stehe ganz unter dem Motto: Never again. Nie wieder. Eine Formulierung, die wir in Deutschland auch kennen. Inwieweit wir ihr gerecht werden, wird sich zeigen. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          1991 wurde Mengistu gestürzt, er floh nach Simbabwe, wo er bis heute lebt. Er wurde in Abwesenheit in Äthiopien zunächst zu lebenslanger Haft und später zum Tode verurteilt. Gestürzt wurde er von der Volksbefreiungsfront von Tigray, deren Chef Meles Zenawi als Präsident bzw. als Premierminister die Geschicke Äthiopiens von 1991 bis zu seinem Tod 2012 lenkte. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Vor diesen blutigen Hintergründen muten die einträchtig wirkenden Galerien seltsam an. Immer wieder wundere ich mich, wenn ich die Portraits von Haile Selassie, Mengistu Haile Mariam und Meles Zenawi in einer Reihe sehe. Es ist ein bisschen so, als würden wir in Deutschland Wilhelm II, Adolf Hitler, Wilhelm Pieck und Konrad Adenauer nebeneinander hängen haben. Was uns nicht in den Sinn käme. Aber wer weiß schon, welches der bessere Umgang mit der eigenen Geschichte ist. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Wed, 21 Jan 2026 06:38:38 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Addis Abeba - Acht Jahre später</title>
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      <content:encoded>&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Addis+2025.jpg" alt="Airport Road in Addis Abeba"/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Als ich im Februar 2018 zum ersten Mal in Addis Abeba war, überraschten mich viele Dinge. Sehr eindrücklich sind mir noch die Nachttemperaturen in Erinnerung, die bei 8 bis 10 Grad liegen können und wenn dann auch noch etwas Wind dazukommt, kann das richtig unangenehm sein. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eine andere Überraschung boten mir die jungen Männer an der Rezeption meines Guesthouses. Als ich nämlich meinte, ich hätte Lust auf ein Bier, sprang einer von ihnen auf brachte mir eine leere Bierflasche. Die Erklärung wurde nachgeliefert: In Äthiopien kann man nur volle Bierflaschen kaufen, wenn man eine leere mitbringt. Manchmal klappt es auch gegen das glaubhafte Versprechen, die Pfandflasche ganz sicher wieder in den Laden zurückzubringen; aber verlassen sollte man sich darauf nicht. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ich ahnte damals noch nicht, dass ich mich in der Folge einige Jahre mit dem Land und seiner jüngeren Geschichte beschäftigen würde, um in „Der Äthiopier“ die wechselvolle Lebensgeschichte von Adane zu schreiben. Das war sicher die nachhaltigste Überraschung jener Reise. 2020 schrieb ich das Buch fertig und buchte einen Flug nach Addis. Ich wollte mir mit Adane Zeit nehmen, das Buch noch einmal durchzuarbeiten, um zu schauen, wo ich etwas verändern müsste. Doch dann kam der Bürgerkrieg und ich konnte nicht reisen. Adane und ich erledigten die Arbeit per Telefon, so dass das Buch trotzdem fertigwurde. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Gern hätte ich Adane, der über der Arbeit ein Freund geworden war, noch einmal besucht. Doch der Bürgerkrie
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    
          g währte zwei Jahre und auch nach dem Waffenstillstand 2022 blieb die Lage in Äthiopien fragil. Adane starb 2023, ohne dass wir uns noch einmal sahen. Ich rechnete nicht damit, noch einmal nach Äthiopien zu reisen. Weil die Lage instabil blieb und ich nur noch einen sehr bedingten persönlichen Kontakt zu dem Land habe: Manchmal schreibe ich mir Nachrichten mit Adanes Sohn, den ich aber nie persönlich getroffen habe. Und über das Netzwerk, das Adane mit mehreren Menschen in Deutschland und Äthiopien geknüpft hatte, bekomme ich hin und wieder Nachrichten aus seiner Familie. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Doch nun bin ich wieder in Addis. Deutsche Freunde von mir arbeiten hier und haben in ihrer Wohnung in Addis ein Gästezimmer, das ich für ein paar Wochen beziehen durfte. Es ist ein modernes Haus in einem modernen Viertel, ringsum Botschaften, Hotels und ein Glaspalast der Weltbank. Die Airport Road, die ich von meinem Zimmer im 10. Stock sehen kann, entspricht ganz den Vorstellungen, die Abiy Ahmed für das künftige Äthiopien hat: Eine vierspurige Straße mit einem grasbedeckten Mittelstreifen auf dem auch ein paar Palmen gepflanzt wurden, gesäumt von breiten Bürgersteigen – hier sogar mit einer Fahrradspur. Nicht, dass ich bisher viele Fahrradfahrer gesehen habe, aber das kann sich ja ändern. Solche Straßen entstehen gerade im ganzen Land und sind Teil der Modernisierung Äthiopiens. Auch in Harar, wo wir an meinem ersten Wochenende in Äthiopien waren, habe ich diese Art von Straßen gesehen, zum Teil schon fertiggestellt, oft aber noch im Bau befindlich. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ich habe zu dieser Modernisierung noch gar keine Meinung. Einerseits ist diese Entwicklung beeindruckend. Andrerseits vermisse ich in diesen Tagen das, was für mich meine Afrika-Aufenthalte (Afrika hier bewusst geschrieben, da ich das in mehreren afrikanischen Ländern so erlebt habe) immer so besonders machte: Kleine, eher improvisierte Märkte, auf denen sich viele Menschen tummeln, einander grüßen und eine Art von Gemeinschaft bilden. Händlerinnen oder Schneiderinnen am Straßenrand, bei denen immer ein paar Verwandte und Freunde sitzen, so dass es dort nicht nur um Arbeit und Geldverdienen geht, sondern auch um das soziale Miteinander. An der Airport Road unter mir gibt es das – selbstverständlich – nicht. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          An einem der vergangenen Tage bin ich von meinem Quartier aus in die andere Richtung gegangen, und habe dort einen solchen Markt gefunden, der sich ein paar Straßen entlangzieht, habe an einem der kleinen Stände Kaffee getrunken, der hier immer noch frisch gekocht wird – es braucht also immer etwas Zeit für einen solchen Kaffee – und war für einen Moment getröstet von allem Kummer des Lebens.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          In den nächsten Wochen werde ich mich zwischen diesen beiden Polen bewegen: dem tröstlichen, gemeinschaftlichen Miteinander einerseits und den vierspurigen Straßen andererseits. Vor- und Nachteile von beidem betrachten, Grautöne aufspüren. Vielleicht werde ich am Ende immer noch keine Meinung dazu haben. Vielleicht muss ich das auch nicht.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  
         Lachen musste ich, als ich von meinen Freunden einen Auftrag bekam. Sie hatten vor ihrer Abreise in die Weihnachtsferien nach Deutschland noch einen Empfang gegeben. Es war ein sehr schöner Abend auf der Dachterrasse des Hauses, der Abend war windstill, so dass die kühlen nächtlichen Temperaturen nicht unangenehm waren. Es waren vor allem internationale Gäste da und ein einheimischer Caterer, der Drinks mixte und Bier oder Wein ausschenkte. Bier wurde allerdings kaum getrunken und so steht nun hier noch eine fast volle Kiste Bier. Ich solle mich daran gütlich tun, so der Auftrag, und wenn ich das Bier ausgetrunken habe, den Caterer anrufen, damit der seine Kiste mit den leeren Flaschen wieder abholen könne. Nicht etwa, damit hier Platz wird, denn davon gibt es genug. Sondern weil Leergut auch im modernen Äthiopien kostbar ist.  
        &#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Mon, 22 Dec 2025 17:10:45 GMT</pubDate>
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      <g-custom:tags type="string">Äthiopien,Reisen</g-custom:tags>
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    </item>
    <item>
      <title>Gartenlesung</title>
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      <description />
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    
          Endlich ist Sommer geworden und deshalb lade ich am 30. August mit meiner lieben Kollegin Caroline Kemps de Escalante zu einer Lesung unter einer Zehlendorfer Rotbuch ein. Caroline liest aus ihrem Roman "Aschebraut", ich aus "Der Äthiopier". 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die „Aschebraut“ von Caroline setzt dort ein, wo das Aschenbrödel zu Ende ist – die Geschichte war einfach noch nicht auserzählt. Freut Euch auf die packende Fortsetzung.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Der Roman „Der Äthiopier“ von Dorrit erzählt – nach einer wahren Geschichte – die aufregende Lebensgeschichte von Adane, der in seinem Leben zwischen Äthiopien und Deutschland einmal mehr aufsteht als er fällt.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Für Getränke zu fairen Preisen wird gesorgt sein und falls das Wetter nicht mitspielt, gibt es eine Regenvariante.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Wir freuen uns auf einen wundervollen Nachmittag mit Märchen und Abenteuer. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Wenn Du dabei sein möchtest, schicke mir eine Nachricht - ich schicke Dir dann genaue Daten, so die Lesung noch nicht ausgebucht ist. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 19 Aug 2025 14:45:17 GMT</pubDate>
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      <g-custom:tags type="string">Aktuelles,Äthiopien</g-custom:tags>
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    </item>
    <item>
      <title>Ein Blick auf Afrika von der anderen Seite</title>
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      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Dorrit liest: Afrika ist kein Land von Dipo Faloyin 
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Afrika-ist-kein-Land.jpg"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Als ich den Titel dieses Buches zum ersten Mal las, dachte ich, er sei ironisch gemeint. Denn das – so meinte ich – hätte sich doch nun wirklich überall herumgesprochen, dass Afrika ein Kontinent ist. Oder? Und dann geschah es just in diesen Wochen: Irgendjemand sprach in meinem Umfeld von dem schönen Land Afrika. Der Titel ist also beides: Ironie und Aufklärung. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Diese Mischung aus Ironie und Aufklärung findet sich im gesamten Buch immer wieder und macht die Lektüre zu einem anregenden und informativen Vergnügen. Der Nigerianer Dipo Faloyin nimmt sich verschiedener Aspekte des Afrika-Bildes in Europa bzw. Amerika an und zeigt eine andere Perspektive auf den Kontinent. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Wie zum Beispiel auf die Berliner Konferenz 1884/85, bei der europäische Mächte Afrika unter sich aufteilten, willkürliche Grenzen zogen, die kolonialen Interessen entsprachen und nicht ansatzweise die Bedürfnisse derer berücksichtigten, die dort lebten. Soweit oft noch bekannt und bis heute deutlich sichtbar auf der Karte des Kontinents mit vielen schnurgeraden, mit dem Lineal gezogenen Grenzen. Faloyin beschreibt, wie die Folgen dieser Aufteilung bis heute nachwirken. Als die Länder in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts ihre Unabhängigkeit von den Kolonialmächten erlangten, fanden sie sich in Zusammenschlüssen von Stämmen, die im Grunde nichts miteinander zu tun hatten. Die frisch unabhängig gewordenen Nationen standen vor der Frage, ob sie die künstlich gezogenen Grenzen rückabwickeln sollten oder versuchen, etwas aus den „Zwangsgemeinschaften“ zu machen. Sie versuchten sich in letzterem. Mit allen Schwierigkeiten, die es mit sich bringt, wenn Völker willkürlich von Fremden zusammengezwungen werden. Dieser letzte Aspekt war mir selbst so nicht klar gewesen, mein Blick war eher ein westlicher: Ja, war schlimm, diese Berliner Konferenz, ist ja nun aber lange her und nicht mehr zu ändern. Für mein Leben, für das Leben in Deutschland hat das völkerrechtliche Verbrechen von vor 140 Jahren keine Konsequenzen mehr, auch wenn es hier geplant wurde. Für die Bevölkerung der betroffenen Staaten aber durchaus. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  
         Ein Kapitel widmet Faloyin der Helfer-Industrie. Es gibt ja nach wie vor in Europa bzw. dem Westen die Meinung, wir hätten jetzt wirklich mal genug Geld dorthin geschickt und es sei doch an der Zeit, dass „die dort“ auch endlich ohne unser Zutun auskommen. 
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Dabei ist vielen nicht klar, dass auch der Westen von der Helfer-Industrie profitiert: Angestellte von Hilfsorganisationen haben großes Interesse daran, dass die Hilfe für Afrika und ihre Jobs bestehen bleiben. Prominente lassen sich für ihr Engagement feiern und ignorieren Hinweise von Afrikanern, dass sie mit ihren Aktionen unnötigerweise das – für den Westen auch bequeme – Narrativ vom armen Afrika fördern und reproduzieren. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Besonders berührt und getroffen hat mich das Kapitel darüber, wie Afrika in der Kunst, vor allem in Filmen dargestellt wird. Das Kapitel von schmerzhaft beißender Ironie stellt bloß, wie Afrika und die Afrikaner gern als Kulisse benutzt werden, um Geschichten von Weißen zu erzählen. Wie Afrika noch immer von Weißen erzählt wird. Und wie ermüdend es für Afrikaner ist, sich dieser Erzählung entgegenzustellen. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ein weiteres Kapitel widmet sich den gestohlenen Artefakten, die die Museen in Europa füllen. Denjenigen, aus deren Kultur sie stammen, ist der Zugang zu ihrem kulturellen Erbe verwehrt; es ist ja nicht so, dass ich Nigerianer einfach mal ins Flugzeug setzen und in London oder Berlin Benin-Bronzen ansehen können. Und noch immer verweigern europäische Museen mit Ausreden von erstaunlicher Kreativität die Rückgabe. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  
         In dem Kapitel „Die Geschichte der Demokratie in sieben Diktaturen“ schreibt Faloyin, dass weniger als 10 % von Afrika autoritär regiert wird. Der Eindruck mag ein anderer sein – was auch an der Berichterstattung über Afrika liegt. Dieses Kapitel erzählt von der Politik in sieben verschiedenen Ländern und davon, wie die Kolonialzeit bis heute nachwirkt, z.B. in Ruanda. Oder wie sehr heutige Politik noch immer verbunden ist mit westlichen Interessen, wie der Kampf um Ölvorkommen, z.B. in Nigeria, zeigt. 
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Heiter kommt hingegen das Kapitel „Die Jollof-Kriege: Eine Lovestory“ daher. Jollof-Reis, heißt in den verschiedenen, vorwiegend westafrikanischen Ländern unterschiedlich und wird jeweils ein bisschen anders zubereitet wird. Selbstverständlich ist jedes Land davon überzeugt, den besten Jollof-Reis zuzubereiten. Da Dipo Faloyin Nigerianer ist, muss man nach der Lektüre dieses Kapitels davon ausgehen, dass in Nigeria der beste Jollof-Reis gekocht wird. (Das werde ich selbstverständlich niemals gegenüber meinen senegalesischen Freunden erwähnen.) 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Das Schlusskapitel „Was kommt als Nächstes?“ berichtet von hoffnungsvollen Entwicklungen: Zivilen Protesten gegen Polizeigewalt in Nigeria, Demonstrationen gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen in Namibia und von Botswana, einem Land mit großen Diamantvorkommen, in dem die Regierung die Erlöse aus diesen Vorkommen für die Bevölkerung einsetzt. Nicht nur dieses Kapitel macht Hoffnung. Das ganze Buch setzt den Stereotypen etwas entgegen, in denen Afrika oft gesehen und erzählt wird. Afrika ist so anders als die Erzählung darüber. Ein Kontinent positiven und negativen Seiten, wie jeder andere auch. Ein Kontinent mit vierundfünfzig Ländern, mit einer jungen, optimistischen und resilienten Bevölkerung. Ein Kontinent, auf den sich ein anderer Blick lohnt – der von Dipo Faloyin auf jeden Fall.  
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  
         Dipo Faloyin 
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;b&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Afrika ist kein Land
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Aus dem Englischen von Jessica Agoku
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Erschienen im Suhrkamp Verlag
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
    
           
         &#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Thu, 31 Jul 2025 08:43:35 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/ein-blick-auf-afrika-von-der-anderen-seite</guid>
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    </item>
    <item>
      <title>Online-Lesung und Buchverlosung</title>
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      <content:encoded>&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Buchverlosung_klein-1e3db518.jpg"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;font&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/font&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;font&gt;&#xD;
      
           Am 7. August 2025 um 19:30 Uhr lade ich zu einer Online-Lesung aus meinem preisgekrönten Roman 
           &#xD;
      &lt;a href="/der-aethiopier"&gt;&#xD;
        
            "Der Äthiopier"
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
           ein. Der Roman erhielt in diesem Jahr den
           &#xD;
      &lt;a href="/preisverleihung-mannheim"&gt;&#xD;
        
            Literaturpreis "Aufstieg durch Bildung"
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
      
           der noon Foundation Mannheim. 
          &#xD;
    &lt;/font&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;font&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
             
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/font&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;font&gt;&#xD;
      
           Unter den Gästen der Lesung verlose ich - privat - drei signierte Exemplare der neuen Ausgabe von "Der Äthiopier",
          &#xD;
    &lt;/font&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;font&gt;&#xD;
      
           erschienen im RavenPort Verlag am 31. Mai 2025
          &#xD;
    &lt;/font&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;font&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/font&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;font&gt;&#xD;
      
           Der Link wird Dir am Tag der Lesung zugesandt. 
          &#xD;
    &lt;/font&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;font&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/font&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;font&gt;&#xD;
      
           Ich freue mich auf Dich. 
           &#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
             
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/font&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;font&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/font&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;font&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Bitte melde Dich hier an: 
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/font&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Fri, 25 Jul 2025 10:23:25 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/online-lesung-und-buchverlosung</guid>
      <g-custom:tags type="string">Aktuelles,Äthiopien,Adane</g-custom:tags>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Ein Tag für "Der Äthiopier" - Preisverleihung in Mannheim</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/preisverleihung-mannheim</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Preisverleihung+Mannheim7.docx.jpg"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            ﻿
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      
           Am 22. März war es so weit: In Mannheim fand die Preisverleihung für den Literaturpreis „Aufstieg durch Bildung“ 2025 statt, den ich für den Roman „Der Äthiopier“ bekam.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Weil ich danach oft gefragt wurde, erzähle ich hier kurz die Vorgeschichte. Ich hatte eine der letzten Ausschreibungen für den Preis gesehen, zu einer Zeit, als ich noch an dem Roman schrieb, und damals schon gedacht: Wenn ich irgendwann so weit bin mit dem Roman, dass eine Veröffentlichung bevorsteht, sollte ich das Manuskript für diesen Preis einreichen. Das Thema Bildung spielt in dem Roman eine große Rolle – auf Adanes Weg von der Savanne in die Schule und an die Universität bis zu seinem eigenen Engagement, mit dem er Jahrzehnte später selbst Kindern aus der Savanne den Schulbesuch ermöglichte. Bildung war der große Bogen seines bewegten Lebens.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Als ich im vergangenen Jahr die Veröffentlichung des Romans vorbereitete, fand ich die aktuelle Ausschreibung des Preises. Noch immer fand ich, dass Adanes Geschichte unbedingt dieser Jury vorgestellt werden musste und sandte also das Manuskript – wie gefordert – anonymisiert und mit ausgewählten Textstellen nach Mannheim. Viel Hoffnung hatte ich nicht – schließlich hatte ich schon fast drei Jahre bei Agenturen und Verlagen geklappert, weil ich sicher war, dass es ein gelungenes Buch ist, aber offenbar recht allein mit meiner Meinung war. Immerhin war ich sicher genug, es selbst herauszugeben.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Rasch vergaß ich die Einreichung wieder, irgendwann im September dachte ich mal einen flüchtigen Moment lang, dass ich vermutlich irgendwann lesen würde, wer ein besseres Manuskript eingereicht hatte. Und vergaß es wieder, so dass der Anruf Ende Oktober eine echte und willkommene Überraschung war.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Und dann begannen die Vorbereitungen der noon Foundation für die Preisverleihung – gestemmt vom Stifterehepaar Esther und Herbert Noack, deren E-Mails mir in den Wintermonaten in Dakar immer willkommen waren. Aus jeder Zeile sprach ihre Vorfreude auf die Preisverleihung und der Wunsch, es zu einer besonderen Veranstaltung zu machen – vor allem für mich als Preisträgerin, aber auch für alle anderen Beteiligten und die Gäste.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Und es gelang: Ich hatte einen wunderbaren Tag in Mannheim. Bereits am Vorabend der Veranstaltung lernte ich Esther und Herbert Noack kennen, zu einem Ortstermin am Veranstaltungsort, der Stadtbibliothek Mannheim. Auf dem gemeinsamen Weg vom Hotel zur Bibliothek erhielt ich eine kleine Stadtführung und nach dem Besichtigungstermin noch einen Drink, bei dem wir uns über die Stadt, den Preis und das Schreiben austauschten.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Etwas aufgeregt war ich am Samstagmorgen schon, eine Veranstaltung, die sich hauptsächlich um mein Buch drehen sollte – das ja, wie erwähnt – drei Jahre lang vergeblich ein Verlags-Zuhause gesucht hatte. Es tat gut, zu hören, dass die Jury in ziemlicher Einigkeit meinen Text ausgesucht hatte, wie Dorothea Birkholz in der Laudatio verriet. Ein anderes Detail verriet sie ebenfalls: Niemand aus der Jury hatte dem Text widerstehen können; alle hatten das komplette Manuskript (ca. 350 Seiten) gelesen, obwohl ich gemäß den Ausschreibungsbedingungen nur etwa 130 Seiten für die Jury ausgewählt und gekennzeichnet hatte.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Zur Begründung für die Wahl sagte Dorothea Birkholz von der Jury:
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Der Äthiopier“ hat uns überzeugt. Doch warum? Ist es die Sprache, die sich in Stil und Ausdrucksweise den Lebensphasen der Hauptperson anpasst und dadurch so lebendig und authentisch ist? Ist es die Erzählweise, die unseren Blick auch auf Kleinigkeiten lenkt und uns so intensiv am Geschehen teilhaben lässt? Oder ist es das Verknüpfen von konkreten, politischen Gegebenheiten mit einem persönlichen Schicksal, das zeigt, wie unterworfen individuelles Schicksal von Einzelnen ist? Ganz sicher aber war es auch das Leitmotiv im Handeln des Helden, dass Bildung der Schlüssel zur Lösung von Problemen – nicht nur in Deutschland und in Äthiopien – sein kann.
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Das Schicksal des Mannes aus Afrika kann somit exemplarisch für ein Leben stehen, in dem die Fremdheit des afrikanischen Kontinents mit der Vertrautheit des Lebens in Deutschland (anfänglich in der DDR, später im vereinigten Deutschland) zusammengefügt ist. Da gibt es kein besser oder schlechter, kein rückständig oder fortschrittlich, ja, keine Wertung, nur anerkennendes und wertschätzendes Beschreiben.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Vielen Dank an die Jury für diese berührenden Worte zu dem Roman.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Vorher begrüßte Herbert Noack von der noon Foundation die etwa 60 Gäste der Veranstaltung, der Bürgermeister für Bildung, Jugend und Gesundheit Dirk Grunert sprach ein Grußwort – in dem er vor allem die Verdienste der
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://www.noon-foundation.de/" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           noon Foundation Mannheim
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            für die Stadt hervorhob, auf die ich hier auch verweisen möchte: Die Stiftung fördert die Bildung und Erziehung, insbesondere von bedürftigen Kindern und Jugendlichen aus bildungsfernen Schichten, in der Rhein-Neckar-Region. Eine wertvolle Initiative. Christine Wieder, die Leiterin der Stadtbibliothek, hielt ebenfalls ein Grußwort – und hob darin vor allem die Vorleseprojekte von Esther Noack in Ihrem Haus vor.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Zwischendurch konnten wir alle uns von vielen Worten erholen, wenn
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Juliana_Saib" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           Juliana Saib
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            auf dem Klavier spielte.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Die anschließende Lesung aus dem Roman war so spannend, dass anschließend alle Exemplare des Buches verkauft wurden, die die
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://buecher-bender.buchhandlung.de/shop/" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           Buchhandlung Bender
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            mitgebracht hatte, eine der ältesten Buchhandlungen Deutschlands. – Und ich hatte zuvor noch skeptisch gesagt: „Naja, was Sie heute nicht verkaufen, können Sie dann ja in die Buchhandlung mitnehmen.“ Dafür blieb dann nichts mehr übrig.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich signierte fleißig und kam mit dem einen oder anderen Gast noch ins Gespräch, trank noch ein oder zwei Glas Wein – ehe Herbert Noack, die Jurymitglieder und ich zum gemeinsamen Mittagessen aufbrachen. Das dauerte über drei Stunden bei anregenden und angeregten Gesprächen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Was für ein Tag! Eine Ehrung für mein Buch, über die ich mich noch immer sehr freue – auch weil sie so unerwartet war.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Danke an alle Beteiligten.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            ﻿
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      
           Hier ein paar Fotos von der Preisverleihung – das Kostüm habe ich mir übrigens extra für diesen Anlass in Dakar nähen lassen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Wed, 16 Apr 2025 14:59:11 GMT</pubDate>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Preisverleihung+Mannheim7.docx.jpg">
        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Der Sound von Dakar</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/der-sound-von-dakar</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/20250102_163403_copy_997x1330.jpg"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ich schreibe diesen Text in meinem Quartier in Dakar Ouakam, einem der jüngeren Viertel der Stadt, das wächst und wächst. Das erkennt man gut an den vielen Baustellen. Einige davon befinden sich leider in meinem direkten Umfeld. Vor drei Jahren wurde das Dachgeschoss des Hauses, in dem ich wohne, zu einer Terrasse mit zwei kleinen Zimmern ausgebaut. Wochenlang dröhnten Hammerschläge direkt über meinem Kopf - so laut, dass sie in einer Videokonferenz zu Irritation bei einer Kollegin in Europa führten. In den vergangenen beiden Jahren wurde ein Haus genau gegenüber gebaut. Das ist nun fertig und ich sehe auch schon erste Bewohner dort. Das hat mich bei meiner Ankunft vor knapp drei Monaten sehr gefreut – von dort war also kein Hämmern mehr zu erwarten, kein Kreischen von Kreissägen. 
           &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Leider gibt es genau neben unserem Haus schon seit Jahren ein halbfertiges, und der Bauherr hat beschlossen, dass daran just in diesen Tagen weitergebaut werden muss. Es wird gerade die Etage auf meiner Höhe gebaut und wenn ich morgens die Vorhänge vor meinem Fenster öffne, winken mir die Bauarbeiter zwischen zwei Hammerschlägen ein fröhliches „Bonjour“ zu. 
           &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eines Tages wird dieses Viertel mal ein sehr gemütliches, ruhiges sein; auf einer kleinen Freifläche vor dem Haus wurden inzwischen sogar ein paar Bäume gepflanzt und Bänke aufgestellt. Mit ähnlichen Freiflächen in Berlin ist diese allerdings nicht vergleichbar, die Bäume sind zwar da, prägen die Freifläche jedoch (noch) weit weniger als der Bauschutt, der dort ebenfalls abgelegt wird. Vor drei Wochen hatten sich mal ein paar Männer am Sonntagvormittag getroffen, um den Platz vom Müll zu befreien. Doch leider hat das nur dazu geführt, dass die Baustellen sich darüber freuen, wieder mehr Platz für neuen Müll zu haben.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          So sitze ich also hier, lasse mir über meine Active-Noise-Cancelling-Kopfhörer Waldgeräusche einspielen – was einen seltsamen Klangmix in meinen Kopf spült: Vogelzwitschern mit Hammerschlägen, die leider nicht ganz gecancelt werden. Ich tröste mich damit, dass es alles in allem für Dakar ein gutes Zeichen ist: die Wirtschaft brummt, die Stadt wächst, Wohnungen entstehen.
           &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Mehrfach am Tag gesellen sich zu diesen Geräuschen die Rufe des Muezzins, die nächste Moschee ist nur etwa einhundert Meter entfernt. Das ist nicht die einzige Moschee, deren Ruf ich höre, nur die nächste. An normalen Tagen ruft der Muezzin fünf Mal zum Gebet. Freitags singt er außerdem stundenlang, denn das ist der Haupt-Bet-Tag der Muslime. Und es gibt spezielle Feiertage, an denen den ganzen Abend gesungen wird, nach einer immer wiederkehrenden Melodie, die etwas Meditatives hat.
           &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Andere Geräusche der Stadt gesellen sich dann noch dazu: klappernde Scheren von mobilen Schneidern, Angebote von fliegenden Händlern aus scheppernden Lautsprechern, rangierende LKW, ratternde Motorroller, hupende Autos. Insbesondere in den Vormittagsstunden das durchdringende Hupen der Müllautos. So funktioniert nämlich die Müllabfuhr hier: Wenn das Müllauto am Straßenrand parkt und sein Signal gibt, strömen die Anwohner mit ihren Müllsäcken oder Eimern dorthin. Oder die Hausmeister – ich habe das große Glück, in einem Haus mit einem wunderbaren Hausmeister zu wohnen, so dass ich die volle Mülltüte nur vor der Wohnungstür abstellen muss, um den Rest kümmert sich Souleiman, ein junger Einwanderer aus Mali, der auch für alle sonstigen Wohnungsangelegenheiten zur Verfügung steht. Und er kann Karate, was vielleicht auch mal nützlich sein kann.
           &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Weiterhin sind da die jungen Männer, die einen Großteil des Tages auf den Stufen des Hauses gegenüber sitzen, miteinander scherzen oder diskutieren, auf ihren Smartphones Musik hören oder Fußballmatches verfolgen. Natürlich ohne Kopfhörer, das Vergnügen wäre ja nur halb so groß, wenn man es nicht mit anderen teilt. Wenn der andere Lärm es zulässt, höre ich sie mit den Vorübergehenden im Austausch: „Ca va?“ „Merci, ca va?“ – Zwei von ihnen sind Besitzer von Pferden mit zugehörigen Wagen. Wenn sie nicht gerade unterwegs sind, um (Bau-)Material zu transportieren, sitzen sie dort und warten auf Kundschaft. Das Pferdegetrappel und -wiehern gehört ebenfalls zum Sound der Stadt. Wie auch krähende Hähne und meckernde Ziegen, wobei letztere in meinem direkten Wohnumfeld selten geworden sind – vermutlich gibt es nicht mehr genug Platz für sie inmitten der Baustellen und frisch errichteten Häuser. 
           &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Fehlen darf bei der Aufzählung nicht das Baby der Nachbarn, das gerade eine schwierige Phase durchmacht und manchmal eine Stunde lang schreit, gern spät am Abend. Oder die etwa zweijährige Tochter der Bonne (Haushälterin) im Haus gegenüber. Das Mädchen beginnt gerade, die Welt zu entdecken, wenn es nicht gerade auf dem Rücken seiner Mutter festgebunden ist, während diese die Stufen vor dem Haus fegt. Die Kleine läuft herum und wird mal von diesem oder jenem von der Straße zurückgehalten. Oder sie albert mit den Männern herum und tut ihre Bedürfnisse lautstark kund. Das ist der eher angenehme Sound der Stadt, in der sich ein Großteil des Lebens auf der Straße abspielt und die Nachbarn unaufdringlich ein Auge aufeinander haben. Auch auf mich.
           &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Daran musste ich denken, als ich vor etwa einem Jahr einen Artikel las, in dem ein schwedisches Projekt europaweites Interesse fand. Man wollte die Bürger einer Stadt im Norden Schwedens dazu animieren, einander häufiger „Hallo“ zu sagen. Als Maßnahme gegen Einsamkeit. Ich las darüber, während ich hier in Dakar saß, und wunderte mich: Daraus macht man in Europa ein vielbeachtetes Projekt? Hier wissen die Menschen intuitiv, dass diese Art des Umgangs miteinander wichtig ist. Dass wir Alle Teil einer Gemeinschaft sind und aufeinander achten müssen.
           &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  
         Es ist einer der Gründe, aus denen ich gern hier bin – allen Baustellen zum Trotz. Und vielleicht gewöhne ich mir ja in Berlin auch an, hier und da mal ein „Hallo“ an Unbekannte einzustreuen.
          &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Wed, 05 Mar 2025 11:59:03 GMT</pubDate>
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        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Pressespiegel für den Preis "Aufstieg durch Bildung" 2025</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/pressespiegel-fuer-den-preis-aufstieg-durch-bildung-2025</link>
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      <content:encoded>&lt;div&gt;&#xD;
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&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          "Der Äthiopier" erhält den Literaturpreis der noon Foundation Mannheim "Aufstieg durch Bildung" 2025 und wurde einige Mal in der Presse erwähnt.
           &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Hier eine Auswahl:
           &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://www.stiftungen.org/aktuelles/news-aus-stiftungen/detail/literaturpreis-aufstieg-durch-bildung-2025-an-dorrit-bartel-14274.html" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           https://www.stiftungen.org/aktuelles/news-aus-stiftungen/detail/literaturpreis-aufstieg-durch-bildung-2025-an-dorrit-bartel-14274.html
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://www.boersenblatt.net/news/preise-und-auszeichnungen/dorrit-bartel-erhaelt-literaturpreis-aufstieg-durch-bildung-351373" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           https://www.boersenblatt.net/news/preise-und-auszeichnungen/dorrit-bartel-erhaelt-literaturpreis-aufstieg-durch-bildung-351373
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           https://www.firmenpresse.de/pressinfo2134043-literaturpreis-aufstieg-durch-bildung-2025-an-dorrit-bartel.html
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           https://www.openpr.de/news/1270791/Literaturpreis-Aufstieg-durch-Bildung-2025-an-Dorrit-Bartel.html
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           https://schreiblust-leselust.de/literatur-news-oktober-2024
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich freue
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           mich - noch immer - sehr und bin jetzt schon gespannt auf die Begegnung mit der Jury, dem Stifter und den Gästen der Preisverleihung in Mannheim im März.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Wed, 04 Dec 2024 14:02:20 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/pressespiegel-fuer-den-preis-aufstieg-durch-bildung-2025</guid>
      <g-custom:tags type="string">Aktuelles</g-custom:tags>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/B%C3%B6rsenblatt.PNG">
        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/B%C3%B6rsenblatt.PNG">
        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Lieblingsplätze in Mecklenburg und Afrika</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/lieblingsplaetze-in-mecklenburg-und-afrika</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/2023-11-24-SVZ-fed06245.jpg"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
    
          Ich komme erst jetzt dazu, diesen Text einzustellen, im vergangenen Jahr hatte ich mal die Seite 3 der Schweriner Volkszeitung.
           &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Mit Claus Oellerking sprach ich damals über meine Reisen nach Afrika und das damals frisch erschienene Buch
          &#xD;
    &lt;a href="/Afrikas-Pulsschlag"&gt;&#xD;
      
           "Afrikas Pulsschlag"
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          , das inzwischen seine neue Heimat im Verlag LeseGlück gefunden hat.
         &#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Wed, 04 Dec 2024 13:37:34 GMT</pubDate>
      <author>183:880338813 (Dorrit Bartel)</author>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/lieblingsplaetze-in-mecklenburg-und-afrika</guid>
      <g-custom:tags type="string">Aktuelles</g-custom:tags>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/2023-11-24-SVZ.jpg">
        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/2023-11-24-SVZ.jpg">
        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>"Der Äthiopier" war im Radio</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/podcast-ueber-der-aethiopier</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Bookshot.JPG"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die österreichische Schriftstellerin, Journalistin und Podcasterin Valerie Springer hat mein Buch gelesen und im Campus &amp;amp; City Radio 94.4 St. Pölten vorgestellt. Ich freue mich über ihre Einschätzung und Leseempfehlung.
          &#xD;
    &lt;a href="https://www.cr944.at/book-shot/" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           https://www.cr944.at/book-shot/
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Nachzuhören auf spotify:
          &#xD;
    &lt;a href="https://open.spotify.com/episode/4VYjkrqZAl1lRciOmedBzN" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           https://open.spotify.com/episode/4VYjkrqZAl1lRciOmedBzN
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 03 Dec 2024 21:46:48 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/podcast-ueber-der-aethiopier</guid>
      <g-custom:tags type="string">Aktuelles,Äthiopien,Adane</g-custom:tags>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Bookshot.JPG">
        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Bookshot.JPG">
        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>"Der Äthiopier" und ich gewinnen einen Preis</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/der-aethiopier-und-ich-gewinnen-einen-preis</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Facebook+Posts%281%29.png"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wow, ich bekomme den Literaturpreis der noon Foundation "Aufstieg durch Bildung" 2025.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Und da ich selbst noch ganz sprachlos bin vor Freude darüber, poste ich hier den Pressetext der Stiftung, der auch hier nachzulesen ist:
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://www.stiftungen.org/aktuelles/news-aus-stiftungen/detail/literaturpreis-aufstieg-durch-bildung-2025-an-dorrit-bartel-14274.html" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           https://www.stiftungen.org/aktuelles/news-aus-stiftungen/detail/literaturpreis-aufstieg-durch-bildung-2025-an-dorrit-bartel-14274.html
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Und bin dann erst mal weg. Feiern.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Presseinformation - Kurztext
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Literaturpreis "Aufstieg durch Bildung" 2025 an Dorrit Bartel
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die Berliner Autorin Dorrit Bartel erhält den mit 5.000 € dotierten Literaturpreis „Aufstieg durch Bildung“ 2025 der noon Foundation, Mannheim. Unter 139 zum Wettbewerb eingereichten Texten überzeugte ihre kürzlich veröffentlichte Romanbiographie „Der Äthiopier“. Adane: Savannenkind, Missionsschüler, Student in der DDR, inhaftierter Politiker, Maurer und Maurermeister, Gründer eines Schülerwohnheims und Guide in Äthiopien. Mit unerschütterlichem Optimismus bewältigt er die Herausforderungen von Schule, Studium und Beruf – in der DDR, im vereinigten Deutschland und in Äthiopien. Adane weiß: Bildung ist der Schlüssel für die Lösung von Problemen. Glaubwürdig, direkt, unpathetisch, spannend und einfühlsam erzählt Dorrit Bartel von diesem bemerkenswerten Leben.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Der Literaturpreis wird in Präsenz im März 2025 in Mannheim verliehen. Er zeichnet Literatur über die vielschichtige Thematik des Bildungsaufstiegs aus – jenseits geradliniger Erfolgsgeschichten.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die noon Foundation, Mannheim, fördert Bildungs-, Kunst- und Kultur-Projekte.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a href="http://www.noon-foundation.de" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           www.noon-foundation.de
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Presseinformation - Langtext
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Literaturpreis "Aufstieg durch Bildung" 2025 an Dorrit Bartel
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die Berliner Autorin Dorrit Bartel erhält den Literaturpreis „Aufstieg durch Bildung“ 2025 der noon Foundation, Mannheim. Unter 139 zum Wettbewerb eingereichten Texten überzeugte ihre kürzlich veröffentlichte Romanbiographie „Der Äthiopier“.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Adane: Savannenkind, Missionsschüler, Student in der DDR, inhaftierter Politiker, Maurer und Maurermeister, Gründer eines Schülerwohnheims und Guide in Äthiopien. Sein wechselvolles Leben ist gekennzeichnet durch Liebe und Verantwortung für Frau und Kinder in Deutschland sowie durch die Verbundenheit mit seiner Großfamilie in Äthiopien. Die Politik durchkreuzt immer wieder seine Lebenspläne: in der DDR, im vereinigten Deutschland und in Äthiopien. Mit unerschütterlichem Optimismus nimmt er alle Herausforderungen an, auch die Härten. Aus seiner Freude am Lernen, von der Medizin über die Philosophie bis zum Handwerk, erwachsen dennoch immer neue Chancen. Adane weiß: Bildung ist der Schlüssel für die Lösung von Problemen – hier in Deutschland und in Äthiopien. Glaubwürdig, direkt, unpathetisch, spannend und einfühlsam erzählt Dorrit Bartel von diesem bemerkenswerten Leben.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die erneute Teilnahme so vieler Erzählungen und Romane deutschsprachiger Autorinnen und Autoren bestätigt das Interesse an diesem bildungspolitisch relevanten Thema.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Der von der noon Foundation, Mannheim, ausgelobte Literaturpreis ist mit 5.000 € dotiert und wird in Präsenz im März 2025 in Mannheim verliehen. Im Jahr 2019 wurde der Text „Der Duft der Bücher“ (Dittrich Verlag) von Jenny Schon ausgezeichnet, 2021 das Buch „Ein Mann seiner Klasse“ (Claassen-Verlag) von Christian Baron und 2023 die Erzählung „Innenseiten“ von Andrea Zech. Anfang 2026 wird der Preis erneut ausgeschrieben.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die noon Foundation, Mannheim, fördert Bildungs-, Kunst- und Kultur-Projekte.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a href="http://www.noon-foundation.de" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           www.noon-foundation.de
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Wed, 30 Oct 2024 19:42:18 GMT</pubDate>
      <author>183:880338813 (Dorrit Bartel)</author>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/der-aethiopier-und-ich-gewinnen-einen-preis</guid>
      <g-custom:tags type="string">Aktuelles</g-custom:tags>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Facebook+Posts%281%29.png">
        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
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        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Über ein unverdientes Privileg</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/ueber-ein-unverdientes-privileg</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Kedougou.jpg"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich habe dieser Tage meinen Flug nach Dakar für diesen Winter gebucht. Wie jedes Jahr vorerst nur den Hinflug, da ich noch keine Ahnung habe, wie lange ich bleiben oder ob ich noch in ein anderes afrikanisches Land reisen werde, von dem aus ich womöglich direkt zurück nach Berlin fliege … Obwohl ich das nun schon ein paar Jahre so mache, bin ich jedes Mal wieder aufgeregt, wenn ich das Ticket habe und die Tage und Wochen bis zu meinem Abflug herunterzähle. Ich freue mich auf mein anderes Leben auf dem anderen Kontinent, auf meine Freunde dort, auf das andere Lebensgefühl und – ich gebe es zu – auch darauf, in Sonne und Wärme zu arbeiten, während es in Berlin grau und kalt ist.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Was für ein Privileg, so reisen zu können: Niemanden fragen zu müssen, ob ich fliegen darf. Mit meinem deutschen Reisepass steige ich einfach so ins Flugzeug und bekomme in Dakar einen Stempel, der mir für drei Monate gestattet, mich frei in dem Land zu bewegen. Dabei interessiert es den senegalesischen Staat nicht, ob ich mit irgendjemanden dort verlobt oder besonders befreundet bin. Auch muss ich nicht beweisen, dass ich genug Geld habe, meinen Aufenthalt zu finanzieren. Ich muss lediglich eine Adresse angeben, unter der ich zunächst wohne, wobei unerheblich ist, wie lange ich unter der Adresse dann tatsächlich zu finden sein werde.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ein Privileg
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           , denke ich, während ich im Warteraum des Berliner Landesamt für Einwanderung sitze, um eine Verpflichtungserklärung für einen senegalesischen Freund – nennen wir ihn hier Omar – abzugeben, der seinerseits gern einmal nach Deutschland reisen möchte. Ich erkläre mit meiner Unterschrift, dass ich für alle Kosten aufkomme, die bei einer Reise von Omar nach Deutschland entstehen. Nicht dass Omar das nötig hat, aber vermutlich sind seine Chancen auf ein Schengen-Visum größer, wenn ich für ihn bürge.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Ich lernte Omar über gemeinsame Freunde im Januar 2023 in Kedougou, einer Stadt im Südosten des Senegal kennen. Er ist Bauunternehmer, seine Firma baut Straßen und Brücken in der Region Kedougou und liefert außerdem für Gold- und Kobaltminen im Senegal und in Guinea-Conakry Material und Personal. Er war ein großartiger Gastgeber, nicht nur, weil er mir für fünf Tage einen Chauffeur zur Verfügung stellte, der mich durch die Region fuhr: In den Nationalpark Niokolo-Koba, zu den Dindefelo-Wasserfällen, ins Bassari-Land, wo die Menschen noch weitgehend unberührt von der Zivilisation leben. Sondern auch, weil ich bei ihm zum ersten Mal ein aufgeräumtes afrikanisches Unternehmen kennenlernte. Das fiel mir zuerst beim Blick auf seinen Schreibtisch auf, der nach Arbeit, aber nicht nach Chaos aussah. Später führte er mich über den Hof, der nicht die kleinste Spur der in Afrika üblichen Dreckecken oder halbfertigen Gebäude aufwies, von denen man anderswo oft nicht sicher sein kann, ob sie sich je in ein fertiges verwandeln werden. Alles war aufgeräumt und sauber, selbst die Toilette, was in Afrika wirklich sehr selten ist, zumindest bei solchen, in die sich normalerweise keine Touristen verirren (und selbst dort ... aber das ist ein anderes Thema).
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Mir war sofort klar, dass Omar sein Unternehmen akribisch führt. Ich sah es zwei Tage später bestätigt, bei einer offiziellen Veranstaltung. Verschiedene Bauunternehmer präsentierten sich mit ihren Fahrzeugen, und während die LKW von Omars Konkurrenten die in Afrika üblichen schiefen oder kaputten Stoßstangen und gesprungene Scheiben aufwiesen, glänzten die Fahrzeuge von Omar makellos. Was sicher auch auf den senegalesischen
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Minister für Stadtentwicklung, Wohnungswesen sowie öffentliche Hygiene
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Eindruck gemacht hat, den
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Special Guest
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            dieser Veranstaltung. Am späten Nachmittag jenes Tages fuhr ich mit Omar und einem Kollegen noch an den Rand der Stadt Kedougou, wo Omar ein Grundstück besitzt, das er landwirtschaftlich bewirtschaften will. Da überraschte es mich schon nicht mehr, dass auch dort alles sehr aufgeräumt und die zukünftige Struktur der Farm bereits erkennbar war. Bei unserer Abfahrt schärfte Omar dem Angestellten vor Ort ein, das herumliegende Werkzeug nach getaner Arbeit ordentlich im Schuppen zu verstauen. Omar war übrigens auch der erste Afrikaner, der mir einmal fünf Minuten vor unserer Verabredung per WhatsApp mitteilte, dass er sich um ca. zehn Minuten verspäten werde. Solche Verspätungen sind in Afrika so üblich, dass sich sonst niemand die Mühe macht, sie anzukündigen.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Deutsche Freunde, denen ich von Omar erzähle, fragen mich regelmäßig, ob er in Europa gelebt und/oder studiert hat. Hat er nicht. Er hat alles im Senegal gelernt, vor allem in den zwei Jahren, in denen er eng mit einem Kanadier zusammenarbeitete. Omar sagt, es war manchmal hart, wenn alle seine Freunde Samstagabend feierten, während er arbeitete. Aber es war das, was er wollte. Man muss die Dinge tun, die einem wichtig sind, darin waren wir uns einig. Die Betonung lag auf: Tun.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Am Ende meines Aufenthalts in Kedougou rettete Omar mir beinahe noch das Leben. Ich hatte einen Nachtbus nach Dakar nehmen wollen, aber er ließ sich am Sonntag ohnehin von einem seiner Mitarbeiter nach Dakar fahren und fand, ich solle doch mit ihnen fahren. Ich entschied mich für die komfortable Variante. Abfahrt war um 6 Uhr morgens. Nach zwei Stunden Fahrt spendierte Omar ein Frühstück in einem Hotel, in dem es für den Kaffee echte Milch gab und nicht das übliche Milchpulver. Als ich vier Stunden später eine an Pinkelpause dachte, hielt der Jeep just in diesem Moment an einer Tankstelle. Diese unaufdringliche Zugewandtheit schätzte ich während der fünf Tage mit Omar besonders. Einen Teil der Fahrt verbrachten wir fassungslos schweigend, nachdem Omar mir die Radionachrichten von Wolof ins Französische übersetzt hatte: In der Nacht zuvor hatte es auf genau dieser Strecke einen Busunfall mit über fünfzig Toten gegeben. Auf einer provisorischen Umleitung fuhren wir über einen Feldweg an der Unfallstelle vorbei. Möglicherweise hätte ich genau in einem der Busse gesessen, wenn ich nicht mit Omar gefahren wäre. (Die Meldung über diesen Busunfall war übrigens im Jahr 2023 eine der wenigen Nachrichten, die es aus dem Senegal in die Hauptnachrichten des deutschen Fernsehens schafften und ich wunderte mich nicht zum ersten und auch nicht zum letzten Mal darüber, wie die Auswahl der Nachrichten aus afrikanischen Ländern zustande kommt. Und welches Bild sie in Deutschland vermitteln.)
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Es verstand sich von selbst, Omar bei unserer Verabschiedung in Dakar nach Berlin einzuladen. Den Teil mit dem Leben retten könnten wir weglassen, aber ich würde ihm gern etwas von Berlin und Deutschland und meinem normalen Leben zeigen. Damit er sich ein eigenes Bild machen kann.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           In der folgenden Zeit texteten wir hin und wieder – mal schickte er Bilder vom Treffen junger afrikanischer Unternehmer in Bamako, mal vom Weg zu Minen in Guinea-Conakry oder Ruanda, wo er plante, ein Tochterunternehmen zu eröffnen. Einmal kündigte er seinen Besuch in Berlin an: Er plane den Besuch einer Messe für Baumaschinen in Norwegen und wolle auf dem Rückweg einen Abstecher nach Berlin machen. Dann hörte ich sehr lange nichts von ihm, die Zeit seines angekündigten Besuchs verstrich, und ich vermutete, dass man ihm kein Visum gegeben hatte. Was er sehr viel später indirekt bestätigte, als er fragte, ob ich ihm eine Einladung für ein Schengen-Visum schicken könne.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich habe in meiner Einladung (ein Schreiben für Omar, eines für die Botschaft) nicht behauptet, dass wir ineinander verliebt oder ein Paar sind, wie es sonst manchmal gemacht wird. Ich habe einfach eine Kurzform dessen geschrieben, was ich in diesem Text erzähle, und die deutsche Botschaft gebeten, Omar ein Visum zu erteilen. Ich bin gespannt, ob er demnächst einfach in Berlin aus dem Flugzeug steigen und sich für drei Monate frei in Deutschland bewegen darf. So wie ich es in seinem Heimatland darf – durch das unverdiente Privileg, in Deutschland geboren worden zu sein.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Wed, 23 Oct 2024 13:31:41 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/ueber-ein-unverdientes-privileg</guid>
      <g-custom:tags type="string">Senegal,Reisen</g-custom:tags>
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        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Buchpremiere "Der Äthiopier"</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/buchpremiere-der-aethiopier</link>
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      <content:encoded>&lt;div&gt;&#xD;
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&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Buchpremiere "Der Äthiopier"
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Lesung mit Musik von Claudio Tambele
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Wann: 27. August 2024 19 Uhr (Einlass ab 18:30 Uhr) 
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wo: Cafe Manstein4, Mansteinstraße 4 in 10783 Berlin
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Selbstverständlich gibt es das Buch auch zu kaufen und gern signiere ich es auch.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Ich freu mich drauf.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Sat, 10 Aug 2024 21:02:15 GMT</pubDate>
      <author>183:880338813 (Dorrit Bartel)</author>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/buchpremiere-der-aethiopier</guid>
      <g-custom:tags type="string">Aktuelles,Äthiopien,Adane</g-custom:tags>
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    </item>
    <item>
      <title>Lesung am 13. April 2024</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/lesung-am-13-april-2024</link>
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      <content:encoded>&lt;div&gt;&#xD;
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&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Lesung aus "Afrikas Pulsschlag"
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            mit
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Musik
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           von
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            GAMBO LA UXICA
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Moderation: Liane Römer
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wann: 13. April 2024, 15:30 bis ca. 17:30 Uhr
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wo: Campus am Ziegelsee, 19055 Schwerin, Ziegelseestraße 1
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Tickets im Vorverkauf: Campus-Büro 16 €, Restkarten am Einlass 18 €       
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            19055 Schwerin, Campus-Büro, Ziegelseestraße 1, Mo-Do 8-16 Uhr, Fr 8-14 Uhr   
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Ich freue mich darauf.    
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
                           
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 26 Mar 2024 22:11:11 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/lesung-am-13-april-2024</guid>
      <g-custom:tags type="string">Aktuelles</g-custom:tags>
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      </media:content>
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        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Abreise aus Dakar: Was ich (nicht) vermissen werde ...</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/abreise-aus-dakar-was-ich-nicht-vermissen-werde</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Dakar+resumee+2024.jpg" alt=""/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;h2&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h2&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Nach fast vier Monaten im Senegal fliege ich in morgen zurück nach Berlin und es ist Zeit für ein Resümee. Ich wandere noch einmal durch die Straßen an die Orte, die in den letzten Monaten mein Zuhause waren und ahne schon jetzt, was ich vermissen werde und was nicht, wenn ich in mein anderes Zuhause in Berlin zurückkehre.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h2&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Sieben Dinge, die ich vermissen werde
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h2&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die farbenfrohe Kleidung
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Man sollte meinen, irgendwann nutzt sich das Staunen über all die Farben und Muster ab, in die hier sowohl Männer als auch Frauen gewandet sind. Doch auch nach Monaten gibt es noch Momente, in denen ich den Männern am liebsten die Kleider vom Leib reißen möchte, nicht wegen der Dinge darunter, sondern nur, weil ich gern genau diesen Boubou hätte.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Den Mittagsruf des Muezzins
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Eigentlich ruft er zum Gebet, aber damit kann ich als Atheistin nicht so viel anfangen. Mich lässt der immer pünktliche Ruf um 14 Uhr rasch prüfen, wie weit ich mit meinem Tagwerk gekommen bin. Und mahnt an die Endlichkeit des Arbeitstages.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die Ziegen
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Selbst in einer Millionenstadt wie Dakar halten sich die Menschen Tiere, vor allem Ziegen, Hühner und Pferde. Abends, wenn die Stadt allmählich still wird, übernehmen die Ziegen die Geräuschkulisse. Auf dem Balkon sitzend lausche ich ihren „Gesprächen“, was eine Illusion von mich umgebender Natur schafft.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Sonne und Meer
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Insbesondere die Kombination aus beidem, am Strand zum Sonnenuntergang.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Senegalesisches Fastfood
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Fastfood bedeutet für mich hier hauptsächlich: Fleischspieße und Erdnüsse.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Erdnüsse gibt es hier an jeder Ecke, man kann sie im Vorbeigehen kaufen, es ist eher ein Mitnehmen als ein Einkaufen. Die Verkäuferinnen sitzen auf dem Bürgersteig, man kann den Frauen oft zusehen, wenn sie sie rösten. Die kleinen Tütchen mit vielleicht 25 Gramm Inhalt kosten etwa 7 Eurocents und helfen, wenn die nächste Mahlzeit noch auf sich warten lässt.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die Dibiterie, in der ich ein oder zwei Mal pro Woche meine Fleischspieße (5 Stück für circa 1,50 €, sie sind aber kleiner als die, die ich von zu Hause kenne) kaufe, liegt zwei Minuten zu Fuß entfernt. Dibiterien sind kleine Stände oder Läden, in denen Fleisch (Huhn oder Rind) auf Holzkohlegrill zubereitet werden. Die Fleischspieße werden am Anfang des Abends gegrillt, in einem Glasschrank aufbewahrt und bei Bestellung noch einmal für einige Minuten auf den Holzkohlegrill gelegt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Der Running Gag zwischen den Verkäufern und mir ist, dass sie mich jedes Mal mit einem breiten Grinsen fragen, ob ich Chilisoße dazu haben möchte. „Aber ich werde davon sterben“, sage ich und beschränke mich auf gebratene Zwiebeln und Senf als Zugabe, was sie längst wissen. Trotzdem fragen sie mich jedes Mal wieder.   
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Den Hausmeister
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Egal, ob am Abend eine Glühbirne ausfällt, der Strom zu Ende geht (man kauft den hier via Bon auf Vorrat und gibt die Nummer des Bons in ein Gerät in der Wohnung ein), ob mir ein Schuh kaputtgegangen ist oder das Internet ausfällt – Souleiman weiß Rat: Wechselt die Glühbirne, bringt den Schuh zum Schuster oder kann mir sagen, dass das mit dem Internet in der ganzen Straße so ist und nur Geduld hilft.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Souleiman öffnete mir bei meiner Ankunft im November nachts um eins die Tür und wird auch morgen Nachmittag helfen, meinen Koffer in ein Taxi zu verfrachten. Bei alledem hat Souleiman immer gute Laune. Wann immer wir uns im oder vor dem Haus begegnen, wechseln wir ein paar Worte miteinander und der Tag wird sofort freundlicher.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Kleine, freundliche Kontakte überall
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Überhaupt lebt die Atmosphäre hier von all den kleinen Momenten der Interaktion. Ein Lächeln oder ein Kompliment im Vorbeigehen. Das Bonjour eines fremden Kindes auf der Straße. Ein kurzes Gespräch an der Supermarktkasse oder nebenan in den Boutiquen, die eine Mischung aus Späti und Tante-Emma-Laden sind. Dabei geht es um das Wetter, eine erwartete Warenlieferung, Fußball oder Politik. Oder darum, dass ich aus Umweltgründen immer einen Stoffbeutel dabeihabe. Was gut sei, findet der Boutiquier, der gar nicht mehr nach einer Plastiktüte greift, wenn ich bei ihm einkaufe.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h2&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Sieben Dinge, die ich hingegen nicht vermissen werde
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h2&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die unzuverlässige Infrastruktur
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die Infrastruktur funktioniert zwar schon viel besser als noch vor einigen Jahren, aber Aussetzer gibt es immer noch: Mal fällt der Strom für eine Stunde aus, mal das Internet für einen ganzen Tag und zwei Mal während der vergangenen Monate gab es kein fließendes Wasser.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Es gilt, immer auf Ausfälle vorbereitet zu sein: Wasservorräte in Zehnliterflaschen regelmäßig aufzufüllen, ein Datenpaket auf dem Telefon zu haben, den Akku meines Laptops besser nie bis zum letzten auszureizen und immer eine geladene Taschenlampe greifbar zu haben. Ich habe mich an all das gewöhnt, aber es bedeutet eben, diese Dinge immer im Blick zu behalten.   
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Den Morgenruf des Muezzins
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Der kommt irgendwann zwischen fünf und sechs Uhr morgens, also zu einer Zeit, zu der ich ungern geweckt werde, was aber in etwa der Hälfte meiner hiesigen Nächte passiert. Wenn es ganz schlecht läuft, gelingt es mir danach nicht mehr, noch einmal einzuschlafen. Das sind keine guten Tage. Ich weiß nicht, wie die Gläubigen ihre Tage nach dem so frühen Morgengebet in der Moschee absolvieren.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die Baustellen in meiner Straße
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich hoffe sehr, dass die Häuser, an denen in diesem Jahr gebaut wurden, im nächsten Jahr bewohnt sind und es dann keinen Grund mehr gibt für den Lärm von Betonmischern, Hämmern, Kreissägen und ähnlichem Gerät.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Allerdings gibt es direkt nebenan eine Freifläche, von der ich fürchte, dass sie schon die nächste Baustelle kennzeichnet.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Öffentliche Toiletten
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           An Tagen, an denen ich reise, trinke ich in der Regel sehr wenig, was bei über 30° ein Problem werden kann. Doch ich meide öffentliche Toiletten wann immer es geht.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Außerdem trage ich an Reisetagen geschlossene Schuhe, denn mit den Lachen, durch die ich nicht selten waten muss, um eine öffentliche Toilette zu benutzen, möchte ich mit meinen Füßen nicht berühren. Toilettenpapier ist hier ein überschätzter Luxus, meist bin ich schon froh, wenn die öffentlichen Toiletten abschließbar sind, was hier ziemlich oft nicht der Fall ist.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die ergonomisch katastrophalen Arbeitsplätze
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich weiß nicht warum, aber die Stühle hier sind immer zu niedrig für die Tische. Ich habe alles Mögliche ausprobiert, um meine malträtierten Schultern und meinen Rücken ein wenig zu besänftigen, aber ich gestehe: Ich sehne mich nach dem elektrisch höhenverstellbaren Schreibtisch in meinem Berliner Arbeitszimmer.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Les Dragueurs
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ein Freund behauptet, dass die senegalesischen Männer nach den kongolesischen die schlimmsten Dragueure des Kontinents seien. Dragueure von draguer, was eine schon recht derbe Übersetzung von anmachen, anbaggern ist. Das kann und will ich nicht verifizieren.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Vermissen werde ich jedenfalls nicht: Die jungen Männer, die sich zum Beispiel am Strand zu mir setzen, mir ungefragt ihre Lebensgeschichte erzählen und irgendwann einflechten, dass sie auf weiße Frauen stehen und ich ein ganz besonders guter Mensch sei. Ehe ich fragen kann, woher sie das wissen, kommt die wenig dezente Frage, ob ich übrigens verheiratet sei, sie würden sich ansonsten gern zur Verfügung stellen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Taxifahrer
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Taxifahrer sind in Dakar mein Endgegner. Vor allem die, die kein Französisch sprechen und zwischendurch an die Seite fahren, um Passanten zu bitten, meine Erklärungen zum Fahrtziel ins Wolof zu übersetzen. Taxifahrer, denen ich erkläre, wo die Museen ihrer Stadt liegen oder die mit meinem Smartphone in der Hand versuchen, Google Maps zu lesen. Und das alles meist noch für einen Extra-Weißen-Preis.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h2&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Und hier noch sieben Erkenntnisse, die ich mitnehme
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h2&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die demokratischen Strukturen des Senegal funktionieren
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Es gab Anfang Februar den Versuch des amtierenden Präsidenten Macky Sall, die für Februar geplante Wahl auf Dezember zu verschieben und seine – zweite und letzte – Amtszeit auf diese Art um fast ein Jahr zu verlängern. Einen institutionellen Staatsstreich nannte es die Opposition. Dagegen sind die Senegalesen auf die Straße gegangen und der Verfassungsrat hat die Entscheidung des Präsidenten gekippt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Nun wird mit vier Wochen Verspätung im März gewählt. Das Wahlsystem ist ähnlich dem im Frankreich, es kann also sein, dass nach dem 24. März noch eine Stichwahl nötig wird. Aber dann wird – so ist zumindest im Moment anzunehmen – die Übergabe schnell passieren und Macky Sall abtreten, wenn sein Mandat am 2. April ausläuft.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die Bedeutung des Frauentags
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Der Internationale Frauentag ist hier durchaus bedeutend, ich bekam morgens einen entsprechenden Gruß von meiner Fußpflegerin, Rückenmasseurin und Schönheitsbehandlerin Génévieve, mit der ich in den letzten Monaten immer wieder sehr schöne Gespräche geführt habe. Auch in diversen Facebook-Posts oder Whatsapp-Status fanden sich Bezüge auf diesen Tag.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die Justizministerin gab anlässlich dieses Tages ein Interview, in dem sie sagt, dass der Senegal sicher eines Tages eine Präsidentin haben wird, aber der Weg dahin noch weit ist. Bei der diesjährigen Wahl findet sich unter den neunzehn Kandidaten eine Frau.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ansonsten sind die Frauen an diesem Tag wie üblich beschäftigt mit Wäschewaschen, Kochen, Kinderversorgen. Für sie bedeutet ein glückliches Leben, einen guten Mann zu haben und Kinder groß zu ziehen. Um die Bedingungen dafür wird gerungen und die Vorstellung davon, was ein guter Mann ist, verändert sich.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ramadan
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Meine letzten Tage hier erlebe ich die Stadt im Ramadan, etwa neunzig Prozent der Bevölkerung bekennen sich zum Islam und ein großer Teil davon nimmt den Ramadan sehr ernst.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Meine Freunde hatten mir gesagt, ich solle dafür sorgen, dass mein Kühlschrank gut gefüllt ist, aber nun stelle ich fest, dass es doch nicht ganz so schwer ist, an Lebensmittel zu kommen: Die kleine Bäckerei in meiner Straße hat geöffnet, ebenso die Boutiquen und Supermärkte. Mein Obsthändler an der Ecke bietet auch dieser Tage eine Auswahl von – in dieser Jahreszeit meist importierten – Früchten an. Einzig die kleinen Läden, in denen sonst mittags lokale Speisen angeboten werden, sind dieser Tage geschlossen. Bessere Restaurants haben zum Teil geöffnet.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Bei einem Besuch der Innenstadt spürte ich allerdings die Auswirkungen des Ramadans auf die Stadt. Dort, wo man normalerweise keine zehn Schritte gehen kann, ohne von Straßenhändlern Tücher, Sonnenbrillen, Boubous und andere Kleidungsstücke angeboten zu bekommen, ist es erstaunlich still. Einige der Händler haben ihre Waren zwar auf Mauern oder Tischen drapiert, sie anzupreisen reicht ihre Energie allerdings nicht mehr und sie warten auf Stufen oder auf dem Boden im Schatten dösend offenbar nur darauf, dass sie wieder essen und trinken dürfen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die Gläubigen um drei Uhr morgens aufstehen, um vor Sonnenaufgang zu essen.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Waschmaschinen sind eine tolle Erfindung
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            In Privathaushalten gibt es sie hier selten, man bringt seine Wäsche in eine Wäscherei oder wäscht mit der Hand. Ich habe beides gemacht. Vor allem, wenn es nur ein paar kleine Stücke waren, lohnte sich der Weg in die Wäscherei nicht. Jedenfalls bin ich sehr froh, wenn diese Arbeit zu Hause wieder eine Maschine übernimmt.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich bin zu nett
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Einmal – in einem kleinen, gemütlichen Küstenort – wurde ich einmal mehr von einem dieser jungen Männer mit zu viel Tagesfreizeit angesprochen und bat höflich darum, in Ruhe gelassen zu werden, denn ich verhandelte gerade mit einer Marktfrau. Die meinte, dass ich viel zu nett sei und das nächste Mal den Drageur ruhig anschreien solle. Bien noté.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           African Time
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Ich werde den etwas anderen Umgang mit Zeit vermutlich nie wirklich verstehen. Ich bin ja eine ziemlich deutsche Deutsche, also in der Regel sehr pünktlich und verbindlich – und frage mich regelmäßig, warum es mich immer wieder nach Afrika verschlägt, wo diese Eigenschaften nicht so verbreitet sind.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Ich selbst werde im Taxi schon nervös, wenn sich wegen eines Staus eine Verspätung von etwa zehn Minuten abzeichnet. Und dann warte ich manchmal fast eine Stunde allein irgendwo auf afrikanische Freunde. Manchmal kann ich darüber lachen, wirklich daran gewöhnen werde ich mich wohl nie.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Der Winter war zu warm
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Der Winter in Dakar war in diesem Jahr eindeutig zu warm. Normalerweise liegen die Temperaturen im Januar und Februar irgendwo zwischen 20 und 25 Grad. In diesem Jahr war es auch in diesen Monaten immer um die 30 Grad heiß, Ende Februar hatten wir sogar mal einen Tag mit 38 Grad. Immerhin jetzt, Mitte März liegen wir bei Wintertemperaturen. Ob dieser zu warme Winter ein Ausreißer oder dem Klimawandel zuzurechnen ist, weiß ich nicht.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich werde hoffentlich Gelegenheit haben, das im nächsten Jahr weiter zu beobachten.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Denn das habe ich vor: Im nächsten Jahr wieder einige Wochen oder Monate dort zu sein. Denn ich bin in Afrika ein fröhlicherer Mensch.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Thu, 14 Mar 2024 14:02:55 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/abreise-aus-dakar-was-ich-nicht-vermissen-werde</guid>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Nahverkehr auf Afrikanisch</title>
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      <content:encoded>&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Senegal-Transport-klein.JPG"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Es gibt ihn hier, den öffentlichen Personennahverkehr, ich habe ihn sogar mal fotografiert. Sehr alte Minibusse, oft so überfüllt, dass junge Männer auf dem Trittbrett mitfahren. Selbst mitgefahren bin ich noch nie. Nicht, dass ich nicht gewollt hätte, aber jedes Mal, wenn ich Freunde danach fragte, wie es funktioniert, sahen sie mich mitleidig bis entsetzt an: „Das willst du nicht wirklich ausprobieren.“ Also fahre ich mit dem Verkehrsmittel, das alle meine Freunde benutzen: dem Taxi. Und vermisse manchmal schmerzlich mein Fahrrad, das sich hier für viele Strecken anbieten würde. Aber Fahrräder gibt es hier sehr wenige, noch weniger als Pferdewagen, die zum Stadtbild und -sound gehören.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die Taxis in Dakar sind orange-gelb, meist französischer Herkunft und sehr alt. Es quietscht, klappert und schleift immer irgendwo, den Sitzbezügen sieht man die jahrzehntelange Nutzung an, sie sind oft so zerschlissen, dass das Schaumgummi hervorquillt. Alles das bemerke ich kaum noch. Was mich anstrengt, sind die Preisverhandlungen. Denn hier wird der Preis für jede Taxifahrt neu ausgehandelt. Ich gestehe, dass ich manchmal mein Viertel nicht verlasse. Denn abgesehen davon, dass es hier eigentlich alles gibt, was ich brauche (ein bisschen wie in Berlin, plus Strand mit fantastischem Sonnenuntergangsblick), ermüdet mich die Vorstellung, erst einmal mit einem Taxifahrer zu diskutieren. Denn natürlich rufen die Taxifahrer bei mir zunächst immer einen etwa doppelt so hohen Preis auf wie bei Einheimischen. Ich handle inzwischen recht gut, erreiche allerdings selten die Preise, die Khady mir vorgibt. Maximum 3500 CFA-Franc, schärft sie mir ein. Das sind umgerechnet immerhin über fünf Euro. Ich lande dann doch oft bei 4000, weil ich aufgebe.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Neuerdings gibt es allerdings in Dakar auch so etwas wie Uber, das hier Yango heißt. Weil ich doch hin und wieder andere Viertel besuchen möchte, lade ich mir die App auf mein Telefon. Allerdings kommt der Bestätigungscode, mit dem ich die App aktivieren soll, weder per SMS noch per WhatsApp bei mir an. Ich schreibe also den Support an, der – darüber staune ich sehr – innerhalb einer halben Stunde antwortet. Weiterhelfen kann er mir allerdings nicht. Man kenne das Problem, die senegalesischen Telefonunternehmen ließen diese Nachrichten nicht durch, ich müsse mich also an meinen Telefonanbieter wenden. Da ich am nächsten Morgen verreisen will, habe ich keine Möglichkeit mehr, bei Orange vorstellig zu werden.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Also verlasse ich am nächsten Morgen gegen acht Uhr das Haus, um mir ein Taxi zu suchen, das mich zum Gare Routiere Beaux-Maraichers, dem Busbahnhof am anderen Ende der Stadt bringt. Diese Strecke kostet mehr als eine übliche Stadtfahrt, weil es wirklich weit ist. Früher habe ich meist Khadys Chauffeur gebeten, mich abzuholen, nachdem er ihre Kinder zusammen mit einigen weiteren zur Schule gebracht hatte. 5000 war ein durchaus fairer Preis. Aber Khady ist in Kanada und stapft vermutlich dieser Tage mit ihren Kindern durch Schnee zur Schule. Oder nutzt den dort vorhandenen öffentlichen Nahverkehr. 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Keine angenehme Vorstellung, den Tag mit einer Taxi-Verhandlung zu beginnen, aber ich habe keine Wahl. Um diese Zeit ist die Stadt noch still, nur vor dem Haus putzen zwei junge Männer ihre Autos. Wir nicken einander ein Bonjour zu, und einer fragt mich, ob ich ein Taxi brauche. Ja, schon. Zögernd schaue ich auf das anthrazitfarbene Auto. Er sei Yango-Fahrer, sagt er und könne mich für 4000 dorthin bringen. Ein Angebot, das ich nicht ablehnen kann.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Erst während ich dies niederschreibe, fällt mir auf, dass ich eine der wichtigsten Regeln nicht beachtet habe, nämlich: Steig nie zu Fremden ins Auto. Aber es wäre doch unwahrscheinlich gewesen, dass ausgerechnet Samstagmorgen vor meiner Haustür ein Entführer sein Auto putzt, oder?
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Am Ende der Fahrt habe ich die Telefonnummer eines Yango-Fahrers, der auch noch direkt nebenan wohnt. Das ist viel besser als eine App, finde ich.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            P.S. Vom Gare Routiere Beau-Marchaires bin ich schon an verschiedene Orte gefahren. Darüber erzähle ich in meinem Buch „Afrikas Pulsschlag: Begegnungen in acht Jahren und vier Ländern“. Darüber habe ich auch im Podcast habe ich mit Regina Lehrkind gesprochen, hier ist der Link zum Nachhören:
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://www.youtube.com/watch?v=ap_i6mJv-Yw&amp;amp;t=17s" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           https://www.youtube.com/watch?v=ap_i6mJv-Yw&amp;amp;t=17s
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Mon, 15 Jan 2024 13:44:04 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Ein Leben, das für drei gereicht hätte</title>
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      <content:encoded>&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Adane-02-2018.jpg"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Heute, am 5. Januar, hätte Adane Geburtstagsglückwünsche entgegengenommen. Sowohl er als auch seine Gratulanten hätten gewusst, dass dieser Tag nicht sein Geburtstag war. Denn niemand weiß, wann er geboren wurde. Der Geburtstag ist einmal so festgelegt worden, in dem Internat der norwegischen Nonnen, in das er als Kind gesteckt wurde. Irgendwann hatte man dort die Kinder durchgezählt und die Geburtstage auf den entsprechenden Tag des Jahres festgelegt. Adane, so hat er es einmal erzählt, war einfach die Nummer fünf in der Reihe. 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Vielleicht ist es so oder ähnlich gewesen. Vielleicht hat er diese Geschichte aber auch nur so wiedergegeben, weil sie sich gut und einleuchtend anhört. Er war ein begnadeter Geschichtenerzähler und er hat die Geschichte(n) seines Lebens wieder und wieder erzählt, wenn er mit Touristen durch sein Heimatland fuhr und er sie auf stundenlangen Busfahrten bei Laune halten wollte. Sicher hat er hier und da an den Geschichten gefeilt, Szenen seines Lebens ein wenig verändert oder zugespitzt, Dinge weggelassen, die ihm unwichtig schienen oder in der Erinnerung unangenehm waren. Tun wir das nicht alle?
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Mir hat er die Langfassung seines Lebens erzählt. Ich besitze etwa fünfundzwanzig Stunden Tonaufnahmen, die aus dem Jahr 2018 stammen. Im Februar jenes Jahres war ich eine der Touristinnen im Bus und fragte ihn schließlich, ob ich einen Roman über sein Leben schreiben dürfe.  Alle in der Reisegruppe waren fasziniert von seinem Leben, doch für mich kam ein weiterer Aspekt hinzu: Wir teilten ein Stück deutscher Vergangenheit. Doch während ich den allumfassenden gesellschaftlichen Umbruch nur einmal erlebt hatte, hatte er diese Erfahrung mehrfach machen müssen. Offenbar war er gut damit klargekommen, denn er war heiter und optimistisch, während meine ostdeutschen Landsleute zum Teil schon von dem einen Umbruch überfordert schienen. Ich wollte wissen: Wie hatte er das gemacht? Nachdem er meinem Vorschlag zustimmte, fuhr ich im Juni desselben Jahres noch einmal nach Äthiopien, um die Langversion eines Lebens zu hören, das für mindestens drei gereicht hätte.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Etwa zwei Jahre habe ich gebraucht, um seine Geschichte in einen Roman zu verwandeln. „Ich habe dir zwei Jahre meines Lebens geschenkt“, habe ich bei späteren Telefonaten manchmal zu ihm gesagt. Er lachte dann und sagte, er habe sich den Roman ausgedruckt und lese gelegentlich darin. Das reiche ihm. Er teilte meine Frustration darüber nicht, dass es mir in den drei Jahren nach Vollendung des Romans nicht gelang, einen Verlag für seine Geschichte zu interessieren. Auch als ich versprach, den Roman 2024 endlich selbst herauszubringen, betonte er, dass es ihm nicht mehr darauf ankäme. Er war glücklich darüber, dass die Geschichte geschrieben war und ich ihn, wie er mir gestand, etwas besser dargestellt hatte, als er sich selbst empfand.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Zwei Jahre lang habe ich seinen Lebensweg nachgezeichnet. Von der Savanne, wo er geboren wurde und seine ersten Lebensjahre verbrachte, über das Internat der norwegischen Nonnen, das ganz in der Nähe seines Heimatdorfes lag, auch wenn ihm das damals nicht bewusst war. Für ihn war es gewesen, als sei er aus seiner eigenen Welt verstoßen worden und in eine vollkommen andere geraten, ohne eigene Entscheidungsmöglichkeit. Sein Ehrgeiz brachte ihn zum Medizinstudium nach Addis Abeba und in die Wirren der Machtkämpfe nach der Absetzung Haile Selassies. Er arrangierte sich – nach einem Gefängnisaufenthalt nicht ganz freiwillig – mit den Machthabern um Haile Mariam Mengistu. Am Ende von Mengistus Herrschaft gut eineinhalb Jahrzehnte später kam er wieder ins Gefängnis. Dazwischen lagen: eine Karriere als Funktionär, ein Studium und eine Promotion in der DDR und, als diese sich auflöste, die Rückkehr nach Äthiopien als stellvertretender Kulturminister. Auch die äthiopische Variante des Sozialismus hielt sich nicht und es war ebenso zynisch wie folgerichtig, dass er wieder im Gefängnis landete. Nach der Entlassung schaffte er es zurück nach Deutschland und begann – wieder einmal – ein neues Leben. Er heiratete und bekam zwei Kinder. Wechselte ins Baufach, lernte sämtliche Baugewerke so gut, dass er selbst zum Ausbilder wurde. Nach einigen Jahren wagte er wieder, sein Heimatland zu besuchen und entschied sich schließlich sogar, ganz zurückzukehren. Er sah dort einen Auftrag für sich: Der nächsten Generation in seiner Familie Bildung ermöglichen. Das, so sagte er manchmal zu mir, sei das letzte, was er in seinem Leben noch erreichen wolle: Dass jedes seiner dreizehn Geschwister ein Kind mit einem Schulabschluss in der Familie hat. Als er diesen Auftrag für sich annahm, ahnte er nicht, wie schwer es werden würde. Einmal habe ich ihn gefragt, ob er manchmal bedauern würde, zurückgekehrt zu sein, denn in Deutschland hätte er doch ein bequemeres Leben haben können. Er verstand die Frage nicht. „Dies ist meine Heimat.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wir haben oft telefoniert. Bis Ende 2020 wegen des Buches. Danach, weil wir Freunde geworden waren. Ich wäre auch gern noch einmal in seine Heimat gereist, um ihn zu besuchen. Für Ende 2020 war der Flug bereits gebucht, als in Äthiopien wieder ein Bürgerkrieg ausbrach. Ich stornierte den Flug und wir überarbeiteten das Buch kapitelweise telefonisch. Adane hatte Zeit, denn er hatte keine Arbeit. Die Pandemie war eine Katastrophe für den Tourismus gewesen, der Bürgerkrieg verschlimmerte die Lage zusätzlich und hat sich auch nach dem Waffenstillstand vom Dezember 2022 nicht entscheidend verbessert. Wenn ich ihn fragte, wann ich ihn besuchen könnte, vertröstete er mich immer wieder. Er wollte mich keiner Gefahr aussetzen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Adanes letzte Jahre waren von der Unsicherheit in Äthiopien geprägt. Ich beobachtete die Wandlung des Landes aus der Ferne. Bei meinem Besuch 2018 hatte hoffnungsvolle Aufbruchstimmung geherrscht: Abiy Ahmed schloss Frieden mit Eritrea und stieß weitere Reformen an. Er bekam dafür 2019 den Friedensnobelpreis und hielt bei der Preisverleihung eine berührende Rede gegen den Krieg. Doch offensichtlich hatte er keine nachhaltigen Antworten auf die Konflikte im eigenen Land, die über Jahrzehnte gewachsen waren und sich jetzt zuspitzten. Nicht nur einmal schlich sich langes Schweigen in meine Telefonate mit Adane, wenn er berichtete: Wie die Soldaten, die für die die Regierung Lebensmittel verteilten, einen Teil des Getreides für sich selbst beiseiteschafften. Wie er darunter litt, dass die Kinder nicht genug zu essen hatten. Wie er in einem Dorf nach einem Massaker mit über hundert Toten aufräumte. Wenn ich meine Sprache wiederfand und ihn fragte, ob ich etwas für ihn tun könne, antwortete er: „Du kannst nichts tun und du musst auch nichts tun. Es reicht, wenn ich mit dir darüber reden kann. Das tut mir gut.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Er hielt sich und die Kinder über Wasser: Mit Tätigkeiten auf dem Bau, die allerdings weniger Einkommensquelle als Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen waren. Er gestand mir einmal, seine größte Angst sei, die Kinder zurück zu ihren Eltern in die Savanne bringen zu müssen, weil er sie nicht mehr versorgen könne. „Wenn ich das machen muss, gehe ich danach irgendwohin zum Sterben.“ Das Sterben spielte immer häufiger eine Rolle in unseren Gesprächen. „Um mich sorge ich mich nicht. Ich habe mein Leben gehabt. Aber die Kinder …“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Irgendwie ging es immer weiter. Mit Spenden aus Deutschland und von Nachbarn, von denen er sehr geschätzt wurde. Einmal brachten sie ihm zum Beispiel einen Sack Getreide, mit dem er die Kinder und sich für eine weitere Woche durchbrachte. Den Kindern im Ort sagten sie, sie sollten werden wie Adane – so erzählte es mir eine gemeinsame Bekannte, die ihm zuletzt noch häufig begegnet war. Adane war klug, warmherzig und großzügig.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Zuletzt betrieb er eine Schreinerei. Für die hatten ebenfalls Freunde gespendet, und er war glücklich, arbeiten zu können. Er stellte Frauen ein, die oft verantwortungsbewusster waren als Männer, wissbegieriger, geschickter. So brachte er nicht nur „seine Kinder“ durch, sondern auch die der Frauen. Doch auch der Betrieb der Schreinerei war zuletzt immer schwieriger geworden, es gibt in Äthiopien kaum noch Material, keine Nägel, keine Schrauben, keinen Leim. Und keine Vorschüsse mehr, bei der fragilen Situation im Land war kein Auftraggeber sicher, ob die Arbeit fertiggestellt werden würde. Also kaufte Adane Holz auf eigenes Risiko. Irgendwie ging es weiter.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Inzwischen schlossen einige „seiner Kinder“ eine Ausbildung oder ein Studium ab und verdienten selbst Geld. Sie unterstützten ihn und die Kinder, die noch keinen Abschluss haben. Er hätte noch drei, vier Jahre gebraucht, um sein Ziel zu erreichen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Es war ihm nicht vergönnt. Adane starb am 1. Dezember 2023, nachdem er sich am Morgen schlecht gefühlt hatte und ein Krankenhaus aufsuchte, in dem man nur noch zu hohen Puls und Blutdruck feststellen, aber nichts mehr für ihn tun konnte. Vielleicht war zuletzt doch alles zu viel für ihn gewesen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Sein Sohn Yitawok schreibt mir, dass er versuchen will, das Werk seines Vaters zu vollenden und auch den letzten der Kinder zu einem Schulabschluss zu verhelfen. Ich hoffe sehr, dass es ihm gelingt und will ihn dabei begleiten.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           2018, in der hoffnungsvollen Zeit, als Adane und ich in Dire Dawa unsere langen Gespräche führten, hatten wir ein allabendliches Ritual. Nach dem Abendessen, das wir meist in der Kneipe eines Freundes zu uns nahmen, fuhren wir mit einem Tuk-Tuk durch die dunkle Stadt ins Hotel und tranken dort als Absacker einen Gin. Ich werde in meinem Leben nie wieder einen Gin trinken, ohne mich an den unglaublich weichen Geschmack äthiopischen Gins zu erinnern. Ich werde nie wieder Gin trinken, ohne mich daran zu erinnern, dass wir am Telefon oft darüber sprachen, irgendwann wieder zusammen Gin zu trinken. Ich werde nie wieder Gin trinken können, ohne an Adane zu denken und zu spüren, wie sehr er fehlt. Als jemand, der aus zwei Welten berichten und zwischen ihnen vermitteln konnte. Und als Freund.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Fri, 05 Jan 2024 21:47:32 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/ein-leben-das-fuer-drei-gereicht-haette</guid>
      <g-custom:tags type="string">Äthiopien,Adane,Reisen</g-custom:tags>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Adane-02-2018.jpg">
        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Adane-02-2018-0e2ec09b.jpg">
        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Warum über Afrika schreiben? #blogmypurpose</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/warum-afrika-blogmypurpose</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Dorrit-mit-Notizbuch-Dakar.jpg"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Als Lektorin und Autorin misstraue ich großen Worten,
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Bestimmung
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            oder
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Schicksal
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            verwende ich eher nicht. Oder
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Völkerverständigung
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           , obwohl sich das neuerdings manchmal in meinen aktiven Wortschatz schleicht, wenn ich versuche zu erklären, warum ich immer wieder nach Afrika reise und darüber schreibe. Warum mir das wichtig ist.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Mein Zugang zu Sprache ist kleinteiliger, aufs Detail achtend. Trotzdem hat mich die Blogchallenge #blogyourpurpose von
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://judithpeters.de/ueber-judith-peters-sympatexter/" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           Judith Peters
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            gereizt und mir einen Anlass geboten, mich mit der Frage zu beschäftigen, die mir immer wieder gestellt wird: Was verbindet mich mit Afrika?
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Dafür muss ich etwas weiter ausholen. Von Mecklenburg, wo ich aufwuchs, nach Afrika ist es ein weiter Weg. Ich verspreche aber, dass wir am Ende dieses Textes in Afrika sind.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die Erschütterung meines Lebens …     
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
             
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           … waren die Jahre nach dem Mauerfall. Zum Zeitpunkt dieses historischen Ereignisses war ich zwanzig und lebte – ostsozialisiert – in meiner Heimatstadt Schwerin. Die Wochen und Monate danach erlebte ich euphorisch, neugierig und herausgefordert. Es galt, jeden Tag von Gewohnheiten Abschied zu nehmen, neue Beobachtungen zu verarbeiten, Erkenntnisse zu gewinnen und ungewohnte Erfahrungen zuzulassen. Ich war gespannt, wohin mich das alles führen würde.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Was mich jedoch erschütterte, war, dass die Menschen, die nicht im Osten gelebt hatten, alles über uns zu wissen schienen. Sie erzählten uns unsere Geschichte, wussten, wie das mit der Stasi war und dass wir entweder alle Täter oder Opfer gewesen waren. Dass der solidarische Umgang, den wir miteinander pflegten, nur der Not geschuldet gewesen war. Sie wussten, dass wir massive Defizite in jeder Hinsicht und nicht gelernt hatten, eigeninitiativ zu denken und zu arbeiten. Sie wussten, dass wir ständig unter leeren Warenregalen gelitten hatten und naiv waren – so nannten sie es, weil wir nicht damit rechneten, dass jeder um uns herum darauf aus war, irgendwie an Geld von uns zu kommen, obwohl sie wussten, dass wir keines hatten.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Es tat mir weh, auf diese Punkte reduziert und nicht gefragt zu werden, wie es mir tatsächlich gegangen war. Das Urteil über mich und meine Vergangenheit stand fest und viele Facetten meines Lebens blieben unberücksichtigt. Selbst in persönlichen Gesprächen wurde kaum differenziert. Tenor: Ich solle dankbar sein über die Möglichkeiten, die sich mir jetzt boten. Das war und bin ich, aus tiefstem Herzen. Ich möchte mich und mein Leben nur nicht darauf reduzieren lassen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Vom Osten in den Westen
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich habe etwa eineinhalb Jahrzehnte und zwei Umzüge gebraucht, um damit meinen Frieden zu machen. Der erste Umzug führte mich von Dresden, wohin ich kurz nach der Wende gezogen war, nach Köln. Um die Jahrtausendwende war in Dresden die heute sehr manifeste, grundsätzliche Unzufriedenheit mit allem schon latent zu spüren und ich ertrug diese Atmosphäre immer weniger. Außerdem war ich neugierig auf "den Westen". Schließlich lebte ich inzwischen ein Jahrzehnt in einem neuen System. Es war an der Zeit, es mir dort anzusehen, wo es das schon immer gegeben hatte.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           In Köln schlug ich mich irgendwie durch, lernte noch immer ständig über diese Gesellschaft hinzu, verstand gewisse Codes nicht, fühlte mich einsam und unverstanden. Als meine Französischlehrerin am lnstitut Francaise mich einmal fragte, ob ich mich wie eine Ausländerin fühlte, war ich überrascht. So hätte ich es nicht formuliert, aber die Frage traf mich.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Fremd blieb ich, weil sich kaum jemand die Mühe machte, verstehen zu wollen, wer ich war und wo ich herkam. Man wusste es ja: Unrechtsstaat, Stasi, begrenztes Warenangebot, Mauerfall, (Un-)Dankbarkeit. Und das hatte man auch noch alles bezahlt mit seinem Soli-Zuschlag. Dass der auch von Arbeitnehmern im Osten gezahlt wurde, wusste man oft nicht. Dass im Osten viele Leute gern Soli-Zuschlag gezahlt hätte, weil das bedeutet hätte, dass sie gut bezahlte Arbeit gehabt hätten, interessierte auch eher nicht. Ich hätte gern davon erzählt, aber so genau wollte man es dann doch nicht wissen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich verlor meine anfängliche Neugier und fiel in einen Überlebensmodus, in dem ich von einem anderen Leben träumte. Eines Tages würde ich ausbrechen und woanders ein neues Leben beginnen. Vielleicht in Afrika? Nie träumte ich von Amerika, Australien oder Asien. Ich wusste über keinen der Kontinente besonders viel und meine schlechtbezahlten Jobs sorgten gerade mal für Miete und Essen. Vermutlich würde ich Afrika erst im nächsten Leben sehen.   
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Zurück nach Hause
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Irgendwann gab ich es auf, in Köln heimisch werden zu wollen. Ich hörte auf, mich dafür zu kasteien, dass ich es nicht geschafft hatte und gestattete mir den Gedanken, dass Köln und womöglich "der Westen" und ich einfach nicht zusammenpassten. Ich wollte nach Hause, was nur irgendwie diffus "der Osten" war, wobei ich weder meine Heimatstadt Schwerin noch Dresden in Erwägung zog. Berlin war der einzige Ort, der in Frage kam. Ich landete im Westen der Stadt, denn den Osten, den ich aus meiner Jugend kannte, gab es nicht mehr. Ich erkannte bestenfalls die Straßennamen wieder, nicht aber die Straßen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Was mir die wunderbare Möglichkeit gab, mich neu zu entscheiden. Und es geschah noch etwas Wunderbares: Von einem Tag auf den anderen fiel die Last des Fremd- und Unverstanden-Seins von mir ab. In Berlin spielten Ost und West keine Rolle mehr. Die Codes, an denen man sich erkannte, hatten sich vermischt mit denen der Franzosen, Engländer, Israelis, Amerikaner, Australier. Sie alle – und noch viele Menschen aus anderen Nationen bevölkerten die Stadt, waren neugierig aufeinander. Da war kein Platz für kleinliches, deutsches Ost-West-Aufrechnen. Für die Erleichterung, die mir das bescherte, werde ich Berlin ewig dankbar sein.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Da war es, das andere Leben, von dem ich mich in Köln manchmal gefragt hatte, ob es das geben könnte. Ich fing wieder an zu schreiben, was ich während meiner Kölner Jahre vollkommen vernachlässigt hatte. Ich schrieb einen Roman, von dem ich wusste, dass er nicht gut genug für die Öffentlichkeit war, ich ihn aber fertigschreiben musste, um daraus zu lernen. Ich fand Freunde aus Frankreich, Schweden, Australien und Israel. Und ich verdiente auf einmal so viel Geld, dass am Ende des Monats etwas übrigblieb. Genug, um endlich ernsthaft über Reisen nach Afrika nachzudenken.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Afrikanische Freunde hatte ich nicht. Wie auch – Afrikaner sind in der Regel von den großzügigen Visaregeln ausgeschlossen, die für andere Nationen gelten. Im Grunde wusste ich noch immer nichts über Afrika und Afrikaner. Was schon damit begann, dass ich keine Ahnung hatte, wo welche Länder lagen – außer Südafrika, was kein Kunststück ist. Aber wie lebten die Menschen dort? Wie lebten sie damit, dass sie nicht einfach nach Europa durften, nicht einmal zu Besuchszwecken? Wie lebten sie mit den Folgen von Sklaverei und Kolonisation? Und wie empfinden sie die aktuelle Ausbeutung: Schokolade, Kaffee, Gold, Diamanten, Kobalt … ? So genau hatte ich mir diese Fragen nie gestellt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Doch ich zuckte zusammen, wenn jemand etwas sagte wie: "
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            wollen alle nach Europa." "
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            denken, hier liegt das Geld auf der Straße." Oder auch: "
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            sind ja so dankbar, wenn man ihnen etwas schenkt."  Das alles erinnerte mich an die Art und Weise, wie früher über mich gesprochen worden war. So wollte ich nicht dorthin reisen. Ich wollte kein fertiges Urteil haben. Ich wollte mit eigenen Augen sehen. Zuhören.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich wollte es besser machen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Endlich in Afrika
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich reiste nach Afrika. Zuerst in den Senegal, in einer Gruppe von vier Leuten. Schon da hätte ich mich lieber länger mit unserem Reiseleiter unterhalten als noch ein Stück Land zu sehen. Ich war mir sicher, dass ich zurückkommen würde.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich fuhr nach Kapstadt, wo ich im Rahmen eines Freiwilligenprojekts in einem Kindergarten arbeitete. Ich verliebte mich in einen Kongolesen, der in Kapstadt lebte. Ich besuchte ihn später mehrfach, und bekam eine Ahnung von den komplizierten Beziehungen der afrikanischen Länder und ihrer Bewohner untereinander. Leider zog es ihn überhaupt nicht nach Europa und ich konnte mich nicht für ein Leben in Südafrika entscheiden. Wir scheiterten an der Entfernung – der geografischen wie der kulturellen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           In Äthiopien traf ich Adane, mit dem mich mehr verbindet als es zunächst schien: Er hatte in der DDR studiert, später für ein großes Bauunternehmen in der Bundesrepublik Deutschland gearbeitet und sich schließlich dafür entschieden, in seine Heimat zurückzukehren – trotz wiederkehrender Umbrüche auch in Äthiopien. Ich hatte den Übergang von der DDR in die BRD für mich als die herausforderndste Zeit meines Lebens definiert – wie musste es für ihn erst gewesen sein, in einem Leben, in dem die Umbrüche häufiger und vor allem meist brutaler waren?
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Seine Lebensgeschichte elektrisierte mich so sehr, dass ich ihn fragte, ob ich darüber einen Roman schreiben dürfe. Nach drei Tagen Bedenkzeit willigte er ein. Ich kehrte noch einmal zurück nach Äthiopien, um ihn wochenlang über sein Leben zu befragen. Der Roman erscheint 2024. Mit Adane telefoniere ich bis heute beinahe wöchentlich, um zu hören, wie das Leben in Äthiopien gerade ist.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Meine Familie in Dakar
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;h4&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h4&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Ich reiste erneut in den Senegal und mietete mir diesmal in Dakar ein Zimmer bei einer einheimischen Familie. So konnte ich einen Einblick in das ganz normale Leben der Menschen bekommen. Aus diesem Kurzaufenthalt entwickelte sich eine Freundschaft. Inzwischen teile ich alljährlich einige Monate den Alltag meiner senegalesischen Freunde, sehe ihre Kinder aufwachsen und gehöre quasi zur Familie.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            2020 habe ich mich als Lektorin selbständig gemacht, auch mit der Idee, meinen Arbeitsalltag häufiger nach Dakar zu verlegen und davon zu erzählen. Von meinen Aufenthalten dort hatte ich schon seit 2017 erzählt, zunächst im
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://zweiundvierziger.de/" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           Blog des Autorenvereins 42erAutoren
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            , später in meinem eigenen. Auch
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="/buchtipp"&gt;&#xD;
      
           Bücher von afrikanischen Autoren
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            oder solche, die sich mit Afrika beschäftigen, stelle ich vor. 
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich tue das, weil ich möchte, dass die Menschen in Europa, in Deutschland mehr über die Menschen erfahren als das, was die Zeitungen anbieten: Hunger, Katastrophen, Überbevölkerung, Armut, Krieg, Korruption. Das alles gibt es, aber es ist nur ein Teil dessen, was den Kontinent ausmacht.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die Nachrichten verschweigen die Großzügigkeit der Menschen, ihre Gelassenheit. Sie erzählen nichts von der Neugier und nichts davon, wie viel (manchmal auch: wie wenig) die Menschen dort über uns wissen. Vor allem aber erzählen die Nachrichten nichts über unsere peinlichen Wissenslücken in Bezug auf Afrika. Sie verschweigen die Demut, die auch uns in Europa manchmal gut zu Gesicht stünde. Sie verschweigen, was wir von den Menschen dort lernen können.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich jedenfalls bin jedes Mal wieder froh über die Lektionen in: Gelassenheit, Demut, Geduld. Über neue An- und Einsichten. Darüber, dass dort viel gelacht wird. Ich bin ein fröhlicherer Mensch in Afrika.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Über Afrika erzählen leistet einen kleinen Beitrag zur Völkerverständigung. Denn ich bin überzeugt davon, dass wir friedlicher und freundlicher miteinander umgehen, wenn wir mehr voneinander wissen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 30 May 2023 09:14:05 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/warum-afrika-blogmypurpose</guid>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Dorrit-mit-Notizbuch-Dakar.jpg">
        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Hakuna Matata – Es wird alles gut gehen</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/blog/hakuna-matata-es-wird-alles-gut-gehen</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Zugfahren in Tansania
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Zug-Station-Tansania.jpg"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Ich würde niemals freiwillig mit dem Zug fahren", sagt Doris, meine Gastgeberin in Moshi. Tatsächlich sind in Tansania Busse das öffentliche Transportmittel Nummer eins. Aber ich wollte gern mit einem Zug durch die Landschaft fahren, was hier nur auf wenigen Strecken möglich ist. Von Moshi geht ein Nachtzug nach Dar es Salaam. Ich will bis Kidomole fahren und von dort aus mit einem Bus nach Bogamoyo, der voraussichtlich letzten Station meiner Reise. Zwar heißt Nachtzug, dass ich nicht viel sehen werde, wenn der Zug Moshi um 18:30 verlässt, bleibt vielleicht noch eine halbe Stunde Tageslicht. 12 Stunden soll der Zug bis Kidomole brauchen, vielleicht habe ich morgens noch eine Stunde Gelegenheit für Landschaftsbetrachtungen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Vielleicht hat der Zug Verspätung", sage ich hoffnungsvoll zu Doris.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            "Nein, unsere Züge sind pünktlich", sagt sie und erwähnt, dass es nur wenige Gelegenheiten gibt, zu denen Tansanier pünktlich sind: Flug, Zug, Gericht.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Überpünktlich soll ich am Bahnhof sein, hat man mir bei der Ticketreservierung zu verstehen gegeben, eine Stunde vor Abfahrt. Warum, verstehe ich nicht, aber ich finde mich wie verlangt um 17:30 Uhr am Bahnhof ein und mische mich unter die anderen Wartenden: Familien, Paare, Mütter mit Kindern. Offenbar alles Einheimische, bis auf einen Asiaten, der mit zur Faust geballtem Gesicht auf sein Smartphone starrt, mit unterdrückter Aggression. Er ist der Einzige auf dem Bahnsteig, der mir Angst macht.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Von einer bestimmten Stelle des Bahnhofs kann ich sogar den Kilimanjaro sehen, also bleibe ich dort stehen, die letzten Minuten Kili ansehen. Denke ich, denn Züge sind hier ja pünktlich. Allerdings wird es 18:40 und 18:45, ohne das etwas geschieht. Dann gibt es eine Durchsage, leider nur auf Suaheli, so dass ich nichts verstehe. Da aber die anderen Wartenden sitzenbleiben, nehme ich an, dass es sich nur um eine kurze Verzögerung handelt und bleibe weiter mit Blick auf den Kili stehen, bis es zu dunkel wird.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           19:15. Ich suche mir einen Sitzplatz auf einer Stufe zu einem Seitengebäude des Bahnhofs und warte. In meinem Rucksack habe ich ein Bier, das ich eigentlich während der Zugfahrt trinken wollte, es war kalt, als ich es bei Doris aus dem Kühlschrank nahm. Inzwischen ist es lauwarm. Soll ich es jetzt aufmachen? Aber wenn dann gleich der Zug kommt? Hätte ich doch bloß die Durchsage verstanden.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich halte mich vorerst an Wasser und frage einen der Angestellten nach dem Zug. "Wait, wait", sagt er. Was bleibt mir auch anderes übrig? Ich bleibe auf meiner Stufe hocken, nehme mein Buch und lese. Inzwischen ist es dunkel, hier und da haben sich meine zukünftigen Mitreisenden auf dem Boden oder einer Bank hingelegt, die Frauen sitzen auf dem Boden und halten ihre Kinder im Arm. Und alles wird begleitet von lauter Musik aus dem Lautsprecher, abwechselnd schallen aktuelle afrikanische Klänge und Sechziger-Jahre-Chansons über den Bahnsteig.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Irgendwann will jemand durch die Tür hinter meinem vorläufigen Warteplatz und bittet mich bei der Gelegenheit nach drinnen. Ich zögere, während er schon damit beschäftigt ist, die Bank, die drinnen steht, abzuwischen, damit ich nicht im Staub sitzen muss. Nachdem er sich so viel Mühe gegeben hat, kann ich nicht ablehnen. Der vordere Teil scheint so etwas wie eine Werkstatt zu sein; Draht liegt herum und eine Werkbank steht in der Mitte, es riecht nach Schmiermittel.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Der hintere Teil ist ein Büro mit zwei Schreibtischen, vier Stühlen und ein paar Walkie-Talkies. Der junge Mann, der mir die Bank angeboten hat, stellt sich mir vor: "Martin."
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich stelle mich im Gegenzug vor, doch er zögert, mich mit dem Namen anzusprechen, fragt, ob ich Kinder habe? Weil man Frauen mit dem Namen ihres Sohnes anspricht, zum Beispiel: Mama von Martin. Er dürfe mich deshalb nicht mit meinem Namen ansprechen. Ich gestatte mir insgeheim die Frage, wie ich es finden würde, als Mutter keinen eigenen Namen mehr zu haben, sondern nur noch über mein Kind definiert zu werden, ehe ich ihm versichere, dass ich keine Kinder habe und er mich mit meinem Namen ansprechen darf.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Auf meine Frage, was nun mit dem Zug sei, erzählt er mir, es gäbe ein Problem mit dem Motor und seine Kollegen in Arusha, wo der Zug losfahren soll, seien gerade dabei, es zu lösen. "Train or no train." Wenn ich ihn richtig verstehe, ist noch nicht sicher, ob der Zug heute überhaupt fahren wird.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Dann kann ich also mein Bier jetzt trinken. Ich wollte es eigentlich im Zug trinken."
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Im Zug gibt es noch mehr Bier."
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Martin sagt, ich solle ganz entspannt sitzenbleiben, er selbst würde jetzt erst einmal Fußball gucken. In der offenen Wartehalle gibt es einen großen Bildschirm, das hatte ich bemerkt, bei meiner Ankunft vor inzwischen dreieinhalb Stunden lief dort irgendein Spiel. Jetzt spielen die tansanische Mannschaft Simba und Horaya aus Guinea Conakry im Rahmen der afrikanischen Champions League gegeneinander. Ob ich den Jubel gehört hätte, da hat bestimmt Simba schon ein Tor geschossen. Ich könne natürlich gern auch mitkommen. Ich schüttle den Kopf, wünsche Martin viel Freude und bleibe selbst mit Buch und Bier auf der Bank hocken.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Zwischendurch kommt der verbissene Asiate, stellt seinen Rucksack neben mir ab und verschwindet, ohne ein Wort zu sagen, was ihn mir noch unsympathischer macht.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Gegen 20 Uhr gibt es eine weitere Durchsage, von der ich leider wieder nichts verstehe. Diesmal frage ich in eine Gruppe von Frauen nach der Aussage. "Der Zug kommt in drei Stunden."
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Das erzählt mir auch der Asiate, der offenbar seinerseits ebenfalls jemanden gefragt hat. Er kann also sprechen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Immerhin scheint die Frage "train or no train" geklärt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich warte. Lese, trinke Bier und frage mich zwischendurch mal wieder, was ich hier eigentlich mache. Gleichzeitig erinnere ich mich daran, dass ich mich das auch auf meinem Sofa in Berlin manchmal frage und mich dann nach Afrika sehne, das immer ein Abenteuer ist, mich herausfordert und meinen Horizont weitet.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Als Martin gegen 21.30 zurückkommt, ist er glücklich: Simba hat sieben Tore geschossen. Außerdem weiß er zu berichten, dass der Zug in Arusha abgefahren ist und in etwa zwei Stunden in Moshi sein wird. Dann würden die hiesigen Mechaniker ihn noch einmal checken, und wenn alles in Ordnung sei, würde es weitergehen. Ich frage ihn, ob ich meinen großen Rucksack bei ihm stehenlassen kann, damit ich mir noch etwas zu essen besorgen kann. Klar. Ich könne auch den kleinen Rucksack bei ihm lassen, aber den nehme ich doch lieber mit, denn darin sind mein Laptop, all mein Geld. Mein Leben sozusagen.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich bekomme im Wartesaal die letzten beiden Mishkaki: Fleischspieße, die in Tansania allerdings sehr viel kleiner sind als ich es von anderswo her kenne. Hier nehme ich meist fünf Stück, damit ich satt werde. Aber es sind die letzten beiden, mehr gibt es heute hier nicht. Dazu Chipsis, eine Art Pommes Frites, die allerdings immer ziemlich pappig sind, weshalb ich sie weitgehend aus meinem Speiseplan gestrichen habe. Doch jetzt habe ich keine Wahl.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Nach dem Essen besorge ich mir noch ein Bier und begebe mich zurück zu Martin, der sich zu mir setzt und nur hin und wieder im Büro verschwindet, um über Walkie-Talkie mit jemandem zu kommunizieren. Vom Zug ist noch nichts zu sehen. Martins Englisch ist etwas eingerostet, er erzählt, dass er es in der Schule gelernt hat, aber selten braucht und deshalb vieles vergessen hat. Er fragt mich, welche Sprache man in Deutschland spricht und ist überrascht, dass wir eine eigene Sprache haben. Er dachte, wir würden auch Englisch sprechen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Endlich gibt es eine neue Ansage, diesmal sogar mit einem kurzen englischen Part. Der Zug von Arusha nach Dar es Salaam sei jetzt "nearby". Tatsächlich fährt er ca. 15 Minuten später, gegen 22:40 Uhr in den Bahnhof von Moshi ein. Ich stehe auf, um meinen Rucksack zu nehmen, doch Martin sieht mich erstaunt an. "Du darfst noch nicht einsteigen. Alle anderen müssen auch aussteigen, dann wird der Zug gecheckt und erst wenn alles in Ordnung ist, dürfen alle Passagiere einsteigen."
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ah ja. Also setze ich mich wieder auf die Bank und schaue dem Asiaten zu, dem das niemand erklärt hat und der etwas verloren mit seinem Rucksack vor einer Waggontür steht. Und steht. Und steht. Erst nach einer Viertelstunde erbarmt sich jemand seiner und erklärt ihm, dass er warten muss. Er nimmt also wieder Platz auf einer Bank außerhalb meines Gesichtsfeldes. Ich gehe schon einmal den Bahnsteig entlang und stelle fest, dass es in dem Waggon, in dem ich Platz finden soll, Liegen gibt. Ich habe erste Klasse gebucht und war gespannt, was das in diesem Zug bedeutet. Die Liegen finde ich beruhigend, ich bin nämlich inzwischen todmüde, die letzten zweieinhalb Wochen bei Doris war 23 Uhr nämlich meine Schlafenszeit und ich sehne mich inzwischen nach Schlaf.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Darauf, mich auf einer Liege ausstrecken zu dürfen, muss ich noch warten. Martin setzt sich wieder zu mir, um mir die Zeit zu verkürzen. Wenn er dürfte, würde er mich einsteigen lassen, aber leider … "Ist schon okay", sage ich, obwohl ich das Problem nicht verstehe. Warum dauert das alles so lange? Diverse Leute laufen im und am Zug entlang, andere kommen in die Werkstatt und holen Material – Fünfliter-Kanister mit einer weißen Flüssigkeit, was auch immer das sein mag. Der Bahnsteig ist inzwischen gut gefüllt, denn auch die Reisenden aus Arusha laufen hier entlang, irgendwo hat jemand eine große Thermoskanne und verteilt ein heißes Getränk. Jemand anders teilt sein Essen und gemeinsam warten alle darauf, dass der Zug freigegeben wird. Niemand schimpft, niemand regt sich auf, alle bleiben geduldig, schließlich kann man eh nichts machen. Ich tröste mich damit, dass jede Verspätung bedeutet, dass ich morgen länger bei Tageslicht aus dem Fenster gucken kann.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Endlich ist es so weit, wir dürfen einsteigen. Ich finde auch schnell mein Abteil B in Wagen 2233, das sechs Liegen hat, auf jeder Seite drei übereinander. Das ist so eng, dass man nirgends sitzen kann, aber das ist mir inzwischen egal, ich will nur noch schlafen. Inzwischen ist es Mitternacht. Wir sind nur zu zweit im Abteil, eine Tansanierin von vielleicht vierzig ist meine Abteilgenossin und wir einigen uns schnell auf die Verteilung der Liegen. Als ich alles so verstaut habe, dass ich für alle Eventualitäten gewappnet bin – Taschenlampe, Wasser, Ohrstöpsel – mir die Augenbinde übergestreift habe und beim Rütteln des Zuges wegdämmere, werde ich geweckt. Ich soll in ein anderes Abteil umziehen, sagt mir die Angestellte der TRC (Tansanian Railway Corperation) und weist auf ein Loch in der Fensterscheibe, das von einem Steinschlag stammen könnte. Ich hatte es bemerkt, aber mir keine Gedanken gemacht. Sie offenbar schon. "Dangerous", sagt sie.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Warum ist ihr das nicht früher eingefallen – zum Beispiel während der Zug über ein Stunde ohne Passagiere am Bahnhof in Moshi herumstand? Ich denke, sie macht Scherze, sie hat ein Lächeln im Gesicht, das ich nicht deuten kann. Genießt sie, dass sie mir, der Weißen, Vorschriften machen kann? Macht sie sich lustig über mein Unverständnis? Es gibt nur wenige Momente in Afrika, in denen ich mir gestatte, die gereizte Deutsche zu geben, die findet, dass Afrika einfach schlecht organisiert ist. Dies ist einer davon, ich bin zu müde, mich an meinen Auftrag an mich selbst zu erinnern: Mich in das Leben hineinbegeben, beobachten, nicht werten. Ich verhehle meinen Ärger nicht, als ich meine Hose wieder anziehe, packe meine Sachen und bekomme in einem anderen Waggon eine Liege zugeteilt. Die Tansanierin ist schon dort – offensichtlich habe ich wirklich schon geschlafen, denn ich habe nicht gemerkt, dass sie das andere Abteil verlassen hat.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wieder verstaue ich all meine Dinge, wir einigen uns darauf, den Ventilator anzuschalten, der krächzend protestiert. Außerdem möchte sie das Licht anlassen – also brauche ich sowohl Ohrstöpsel als auch Augenbinde für meinen Schlaf. Endlich kann ich mich ganz dem Rumpeln und Hüpfen des Zuges hingeben. Es ist wie in meiner Jugend, als die Züge auch in Deutschland noch so rumpelten. Wunderbar und ohne Unterbrechung schlafe ich bis sechs Uhr morgens, als es zu dämmern beginnt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Good morning", begrüßt mich meine Abteilgenossin. Wir stellen einander nun auch vor. Amia erzählt mir, dass sie auf dem Weg nach Hause, nach Sansibar sei. In Moshi war sie, weil sie sich an einem Auge operieren lassen musste. Sie bietet mir etwas zu essen an, in einer Plastiktüte hat sie Gebäck, aber ich lehne dankend ab – um diese Zeit kann ich noch nichts essen und schon gar nicht in Öl frittiertes Gebäck.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Eine Angestellte der TRC kommt vorbei und klappt die mittleren Liegen so ein, dass sie nun als Rückenlehne für die Sitzbänke fungieren. Ich bitte sie, mir Bescheid zu geben, wenn wir in Kidomole ankommen, denn natürlich gibt es in diesem Zug keine Durchsagen – und selbst wenn es sie gäbe, würde ich sie kaum verstehen. Sie verspricht es mir. Ich mache mir keine Sorgen, der Zug hält an allen Haltestellen lange, so dass ich genug Zeit haben werde, jeweils nach Schildern Ausschau zu halten und dann auszusteigen. Aber sicher ist sicher.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ja, der Zug hält immer lange genug, dass die Fahrgäste aussteigen können, um sich die Beine zu vertreten und dass die Händlerinnen der Orte versuchen können, ein Geschäft zu machen: mit Gebäck, Obst oder Getränken. Für die Kinder scheint der Zug immer ein Ereignis zu sein. Sie hüpfen neben dem Zug durch die Pfützen, es hat viel geregnet und die Böden sind überschwemmt. Sie winken und freuen sich, wenn ich aus dem offenen Fenster zurückwinke.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Irgendwann habe ich Lust auf Kaffee und mache mich – schwankend ob des starken Gerüttels – auf den Weg in den Speisewagen. Der ist so überfüllt, dass ich erschrocken in der Tür stehenbleibe. Ein Angestellter sieht mich dort, drängelt sich seinerseits zu mir. Er fragt mich nach meinen Wünschen und wo ich sitzen würde, er wird mir Kaffee und Wasser bringen. Und Chapati – ein eierkuchengroßes, dünnes Fladenbrot aus Mehl, Wasser und Öl. Ich gehe zurück ins Abteil und warte. Sie kommen zu dritt: Einer trägt die Thermoskanne mit heißem Wasser und die kleine Packung Instantkaffee, einer das Wasser und der Dritte einen Teller mit mehr Chapatis, als ich essen kann. Amia nimmt auch eines, und die drei Jungs (sie können nicht älter als 18 sein) setzen sich zu uns. Es entspinnt sich ein Gespräch und ich werde ganz nostalgisch: So waren Zugfahrten in meiner Jugend. Die Fahrt selbst war ein Erlebnis. Nicht, wie heute oft, ein notwendiges Übel, bei dem jeder auf seinen Laptop oder sein Smartphone schaut und bei kleinsten Komplikationen genervt ist. Das Trinken des Kaffees ist eine Herausforderung, weil der Zug so rüttelt, aber pole, pole (langsam, langsam) führe ich meinem Körper das Koffein zu und bringe schließlich die leere Tasse zurück in den Speisewagen, schwankend und mich immer wieder an den Wänden abstützend.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           An einem der nächsten Stopps drückt mir Amia zwei kleine Fläschchen mit Augentropfen in die Hand, ich soll ihr aus jedem Fläschchen einen Tropfen in das operierte Auge träufeln, ohne das Auge zu berühren. Das geht tatsächlich nur, wenn der Zug steht, und ich absolviere diese Aufgabe zu ihrer Zufriedenheit. Steige dann aus und vertrete mir die Beine, bis das laute Tuten des Zuges anzeigt, dass alle wieder einsteigen sollen. Am offenen Fenster im Gang bleibe ich stehen, schaue in die Landschaft: Palmen, hin und wieder Hügel, manchmal kleine Dörfer, vor allem aber Weite. Jene endlose Weite, die mich in Afrika immer wieder sprachlos staunen lässt. Ich genieße sogar die Regentropfen, die mich treffen, nach der Hitze der letzten Wochen fühlt sich die Frische des Regens gut an. Hin und wieder drängt sich jemand an mir vorbei, nicht ohne mir einen Gruß zuzuwerfen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Jambo."
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Und ich antworte inzwischen routiniert: "Jambo."
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Mambo?" (Wie geht’s?)
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Poa." ("Gut.")
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Habari?" (Wie geht’s?)
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Nsuri." (Sehr gut.)
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wir lächeln dann beide. Tatsächlich freuen sich die Einheimischen, dass ich diese wenigen Floskeln beherrsche. Auch wenn sie lachen müssen, wenn ich auf weitere Suaheli-Sätze nur mit einer ratlosen Geste antworte.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ein Blick auf die Uhr zeigt mir: 12 Uhr; ich rechne damit, dass wir demnächst Kidomole erreichen. Tatsächlich klopft es beim nächsten Stopp an der Tür unseres Abteils. Die Angestellte der TRC steht dort – "Kidomole, hurry up." In Kidomole will der Zug wohl nicht länger stehen. Also raffe ich meine Sachen schnell zusammen und eile ihr hinterher. Steige aus, schnalle den großen Rucksack auf den Rücken und den kleinen auf die Brust und stolpere neben dem Zug in Richtung Straße. Es gibt hier keinen Bahnsteig, nur einen schmalen Schotterweg neben dem Zug. Es ist nicht leicht, hier entlang zu balancieren. Aus den Zugfenstern winken mir die Weiterreisenden zu oder grüßen mich mit erhobenem Daumen, der gestischen Übersetzung von "Hakuna Matata." ("Es wird alles gutgehen.")
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Was sind schon sechs Stunden Verspätung, wenn ich dafür ein besonderes Erlebnis hatte.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Thu, 20 Apr 2023 15:39:52 GMT</pubDate>
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    <item>
      <title>Mein Daniel-Kehlmann-Moment in Kondoa</title>
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&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Kondoa, zwischen Morogoro und Arusha gelegen, schien eine gute Idee für einen Zwischenstopp. In Morogoro hatte ich nach meiner Ankunft in Tansania Freunde getroffen, von Arusha aus wollte ich auf Safari gehen. Die Busfahrt von Morogoro nach Arusha würde vermutlich um die zehn Stunden dauern, weshalb ich sie nicht an einem Tag absolvieren wollte. Und ich hatte zwischendurch einige Termine für Video-Kurse bzw. -konferenzen, weshalb ich einen ruhigen Ort suchte, an dem ich außerhalb meiner Termine entspannt ein bisschen afrikanischen Alltag erleben könnte. Kondoa eben. So war zumindest der Plan.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die Fahrt nach Kondoa dauert viel länger als ich dachte, weil ich zwischendurch mehrere Stunden auf einen Anschlussbus warten muss. Schließlich bekomme ich gegen 18 Uhr einen Platz im Sammelbus, der für 20 Personen ausgelegt ist, zwischenzeitlich aber mindestens 30 Menschen transportiert und in jedem Dorf hält, um Fahrgäste ein- und aussteigen zu lassen. Je länger die Fahrt dauert und je dunkler es draußen wird, desto häufiger sage ich mir in Gedanken Andreas Satz "Unterkunft gibt es immer" wie ein Mantra vor. Ich habe nicht damit gerechnet, erst so spät in Kondoa anzukommen und habe nichts reserviert.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            In Kondoa lasse ich die Einheimischen zuerst aussteigen – ich habe es nicht eilig, denn ich überlege noch, wie ich an diesem Abend zu einem Bett kommen werde. Doch wie es in Tansania ist – mein Zögern wird bemerkt. Drei Fahrgäste bleiben mit mir im Bus und unterhalten sich – natürlich auf Suaheli – über die
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Mzungu
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            (Weiße). Nur dieses eine Wort und die Blicke der Menschen machen mir klar, dass es wohl um mich geht. Indem jeder von ihnen ein wenig beisteuert, gelingt ihnen die Frage auf Englisch: Wo ich hinwolle.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Ich suche ein Guesthouse."
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Aussteigen, Nicken, Telefonieren, Warten. Die drei Fahrgäste, der Busfahrer sowie ein Motoradtaxifahrer (Bodaboda) positionieren sich um mich, eine der Frauen telefoniert und gibt anschließend dem Bodaboda-Fahrer Anweisung, mich in ein Guesthouse zu bringen. Das entnehme ich ihrem Tonfall und seinem Nicken. 2000 Schilling kostet die Übernachtung, sagt sie. Das wären etwa 80 Eurocent – was ich für unwahrscheinlich halte. Es stellt sich dann auch heraus, dass 20.000 gemeint sind. Das passiert in Tansania häufiger, dass es bei den Tausendern etwas durcheinander geht, ich werde mich im Laufe meiner Reise daran gewöhnen. Jedenfalls habe ich fünfzehn Minuten später ein Bett in einem Guesthouse, in dem allerdings auch niemand englisch spricht. Wie überhaupt in der Stadt so gut wie niemand, wie ich bald feststelle.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Als ich morgens entschlossen zum Rezeptionisten gehe, um nach
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Coffee
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            zu fragen, schüttelt der den Kopf. Bloß gut, dass ich in Morogoro mit Gerhard eine Liste mit wichtigen Wörtern erstellt habe, die ich jetzt zur Hilfe nehmen kann.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Kahawa
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            . Der Rezeptionist strahlt, denn tatsächlich kann er mir Kaffee bringen. Ich habe also Hoffnung, dass Kommunikation möglich sein wird. Die Hoffnung ist nicht von langer Dauer. Ich muss mich vier Tage lang mit Händen und Füßen verständigen, und meine Möglichkeiten selbst für so einfache Dinge wie "Guten Tag" oder "Wie komme ich nach …" sind beschränkt. Gelernt habe ich inzwischen
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Jambo
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            (Hallo),
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Mambo
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            (wie geht's) und die Antwort darauf:
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Poa
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            (gut). Aber für ein Gefühl echter Konversation reicht es nicht.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Abgesehen davon bin ich in diesen Tagen wohl die einzige Weiße in der Stadt und jeder meiner Schritte wird von johlenden Kindern und ihren Ausrufen
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Mzungu, Mzungu
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            begleitet. Am Anfang macht das noch Spaß, nach drei Tagen strengt es mich nur noch an. Schließlich gebietet es die Höflichkeit, auf diese Rufe immer zu reagieren. Ein gedankenverlorener Spaziergang ist völlig ausgeschlossen. Ich bin heilfroh über meine Videokonferenzen, so kann ich wenigstens manchmal mit Menschen sprechen, die mich verstehen. 
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Am dritten Tag, dem einzigen, an dem keine Videokonferenz ansteht, will ich einen Ausflug nach Kolo unternehmen, Felsmalereien besichtigen. Dazu muss ich einen Bus nehmen, so viel weiß ich. Also gehe ich entschlossen zu dem Ort, an dem der Bus bei meiner Ankunft gehalten hat. Gehe in das Büro und frage nach: "Basi to Kolo?"
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Basi
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            heißt Bus, auch das habe ich immerhin herausgefunden. Viele Wörter in Suaheli enden auf i, interessanterweise wird genau dieses i bei Germany oft weggelassen. Wenn ich auf die Frage nach meiner Herkunft Germany sage, nickt man und sagt bestätigend: German.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Doch der Angestellte im Büro schaut mich ratlos an, sagt etwas auf Suaheli, das ich nicht verstehe. Er geht mit mir nach draußen, um sich mit Kollegen zu beraten, die auch alle kein Englisch sprechen. Nach einer kurzen Diskussion, von der ich ausgeschlossen bin, fallen die Männer in ratloses Schweigen. Das ist der Moment, in dem ich an Maria Rubinstein denken muss. Jene Figur aus Daniel Kehlmanns "Ruhm", die durch eine Verkettung merkwürdiger Umstände irgendwo in Zentralasien "vergessen" wird und nie mehr von dort wegkommt. Einen Moment lang fürchte ich, ich werde für immer in Kondoa bleiben müssen, weil ich einfach niemanden finde, der mir den Weg von hier weg zeigen kann.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Was habe ich mir dabei gedacht, in dieses Land zu reisen, ohne wenigstens ein paar Grundlagen der Sprache zu können? Englisch, dachte ich, ist schließlich eine Weltsprache. Ganz offensichtlich gilt das nur für einen Teil der Welt. Gut, dass mir das einmal so eindrücklich vorgeführt wird.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die Männer setzen mich schließlich auf ein Bodaboda und bedeuten mir, der Fahrer würde mich zum Bus bringen. Ihre noch immer ratlosen Minen zerstreuen meine Zweifel nicht, aber ich habe keine Wahl. Während der Fahrt spricht der Fahrer mit Kollegen auf anderen Motorrädern, um sich nach dem Weg zu erkundigen, nehme ich an. Doch als er anhält – wir sind noch nicht weit gekommen und nach Bus sieht es hier nicht aus – stellt sich heraus, dass ich falsch lag. Er bedeutet mir, ich solle umsteigen auf ein anderes Motorrad, denn Toshi, so stellt sich mir der zweite Fahrer vor, spricht englisch. Wahrscheinlich ist er der einzige Bodobodafahrer in ganz Kondoa, der englisch spricht. Er sagt, er lernt englisch, weil er damit vielleicht einen Job in Arusha finden kann. Er scheint ganz begeistert, dass er seine Fähigkeiten an mir ausprobieren kann. Und ich bin so glücklich, dass mich endlich jemand versteht, dass ich seine Telefonnummer einsammle, bevor wir uns verabschieden.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Als ich zwei Tage später aus Kondoa abreisen will, rufe ich ihn an und er bringt mich zum zweiten Mal sicher zum Bus. "Du bist mein Held", sage ich. Wenn ich wieder nach Kondoa komme, sagt er, solle ich ihn anrufen. Ich nicke, obwohl ich weiß, dass ich nicht wiederkomme. Um wiederzukommen, müsste ich wenigstens etwas Suaheli lernen, das wäre ich den Bewohnern von Kondoa schuldig. Ich fürchte nur, das wird in diesem Leben nichts mehr.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            So wird mir Kondoa in Erinnerung bleiben als eine hübsche, sehr grüne kleine Stadt mit flachen Häusern, dazwischen kleinen Feldern und sympathischen Menschen, die viel gelächelt und mich als willkommene Fremde behandelt haben. Irgendwo in Afrika.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Kondoa+Stra%C3%9Fe+4.jpg" alt=""/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Fri, 10 Mar 2023 17:03:52 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/blog/mein-daniel-kehlmann-moment-in-kondoa</guid>
      <g-custom:tags type="string">Reisen,Andere Länder</g-custom:tags>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Kondoa+Stra%C3%9Fe+2.jpg">
        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Kondoa+Stra%C3%9Fe+2.jpg">
        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Lektorat: Welche Kosten entstehen und was Sie dafür bekommen</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/blog/lektorat-kosten-und-nutzen</link>
      <description>Lektorat für Ihr Buch: Was kostet es und was bekommen Sie dafür? Tipps für die Suche nach dem richtigen Lektorat. Damit aus ihrem guten Buch ein sehr gutes wird.</description>
      <content:encoded>&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/platzhalter+Lektorat-54647f32.png"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;h2&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Mein Buch ist fertig – brauche ich ein Lektorat?
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h2&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Herzlichen Glückwunsch.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Sie haben Ihren Roman, Ihr Sachbuch, Ihren Reisebericht, ihren Blogtext fertig geschrieben. Nun wollen Sie den nächsten Schritt gehen: Ihr Werk veröffentlichen. Bis dahin sind noch einige Schritte nötig, schließlich wollen Sie das beste Buch veröffentlichen, das es zu Ihrem Thema gibt. Oder einen besonders fesselnden Roman, den die Leser nicht mehr aus der Hand legen können.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Vielleicht haben Sie schon ein professionelles Cover erstellen lassen und einen knackigen Klappentext geschrieben, mit denen sie Leser begeistern wollen?
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Den Inhalt – das Manuskript selbst – sollten Sie noch einmal gründlich prüfen lassen, wenn Sie sich als professioneller Autor, als professionelle Autorin präsentieren wollen. Denn jeder Autor wird seinem Text gegenüber irgendwann betriebsblind.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Das passiert auch erfahrenen Autoren, nicht umsonst durchlaufen auch in Verlagen alle Bücher ein Lektorat. Schauen Sie mal ins Impressum Ihrer Lieblingsbücher, da findet sich in aller Regel eine Angabe zum Lektorat.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h2&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Lektorat: Mit welchen Kosten muss ich rechnen?
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h2&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Meist wird das Lektorat nach Normseiten abgerechnet. Eine Normseite ist von der Verwertungsgesellschaft Wort auf 1500 Zeichen (inkl. Leerzeichen) festgelegt. Die Angabe, wie viele Zeichen Ihr Manuskript enthält, finden Sie in Word unter dem Befehl: Überprüfen =&amp;gt; Wörter zählen. So können Sie schon einmal ausrechnen, wie viele Seiten der Lektor, die Lektorin zu bearbeiten hat. (Ich schreibe im Folgenden immer von der Lektorin, denn die meisten meiner Berufskollegen sind weiblich. Alles, was ich über die Lektorin schreibe, gilt für den Lektor selbstverständlich genauso.)
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Vielleicht haben Sie sich schon auf Webseiten von Kolleginnen umgesehen? Dann wird Ihnen aufgefallen sein, dass dort selten eindeutige Angaben zu den Kosten zu finden sind. Das liegt daran, dass jedes Manuskript eine andere Bearbeitung braucht.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Deshalb wird eine professionelle Lektorin zunächst einige Seiten Ihres Manuskripts sehen wollen und ggf. einige Seiten probelektorieren. Denn jeder Autor, jede Autorin hat einen anderen Stil und braucht eine andere Schwerpunktsetzung beim Lektorat.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Nach dem Probelektorat kann die Lektorin abschätzen, wie viele Normseiten sie voraussichtlich in einer Stunde bearbeiten kann und welchen Preis sie ansetzen muss, um auf ein angemessenes Honorar zu kommen. Der Preis für eine Normseite kann bei 4 € beginnen, aber auch bei mehr als 10 € liegen. Diese Beträge sind die Extreme in beide Richtungen, durchschnittlich liegen die Preise für eine Normseite bei 6 bis 8 €.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Jetzt haben Sie vielleicht Pi mal Daumen Ihre möglichen Kosten berechnet und schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, weil ein Lektorat für einen Roman eine Investition von 2000 € oder mehr sein kann. Dafür wird sich die Lektorin jedoch so intensiv mit ihrem Manuskript beschäftigen wie niemand außer Ihnen selbst. Sie ist die Expertin für Sprache, ihre Expertise arbeitet für Ihren Erfolg.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Es ist wie bei einem guten Handwerker: Seine Erfahrung zahlt sich für Sie aus. Davon wird nicht nur Ihr aktuelles Manuskript profitieren, sondern Sie werden aus der Zusammenarbeit auch für Ihre zukünftigen Werke lernen.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h2&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Was macht die Lektorin genau?
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h2&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Die Lektorin macht Ihnen Vorschläge, meist arbeitet sie dafür mit der Kommentarfunktion in Word. So können Sie nach dem Lektorat jede Anmerkung, jeden Vorschlag prüfen, ablehnen, annehmen oder die entsprechende Textstelle überarbeiten.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Die Vorschläge betreffen erstens die Sprache. Schon da gibt es viele Möglichkeiten für Verbesserungen, hier seien nur einige genannt:
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;ul&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            zu viele Füllwörter
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Wortwiederholungen
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Schachtelsätze
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Schiefe Sprachbilder und/oder inkorrekte Verwendung von Ausdrücken: Da folgen zum Beispiel Augen einer Person – das möchte man sich nicht bildlich vorstellen.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Perspektivfehler: Die Person, aus deren Perspektive erzählt wird, sieht, was sich in ihrem Rücken abspielt.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Inkonsistenter Einsatz von Zeitformen: Der gesamte Text spielt in der Gegenwart, aber ein Abschnitt oder Satz "rutscht" versehentlich ins Präteritum. Oder umgekehrt. Speziell bei Rückblenden gilt es, immer die richtige Zeitform zu verwenden, damit sich der Leser nicht "verirrt".
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
  &lt;/ul&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Aber auch auf das Gesamtkonstrukt Ihres Werkes wird die Lektorin achten, denn auch dort gibt es einige Fallstricke:
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;ul&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Der Text hat Längen: In der guten Absicht, etwas besonders deutlich zu machen wiederholen Sie sich inhaltlich.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Oder im Gegenteil: Sie enthalten dem Leser an einer Stelle eine Information vor. Das führt dazu, dass er einen Teil des Buches nicht versteht.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Eine Figur verhält sich möglicherweise unglaubwürdig:  Sie selbst verstehen die Handlung der Figur, weil sie sie in- und auswendig kennen. Aber wird auch der Leser sie verstehen? Die Glaubwürdigkeit Ihrer Figuren ist ein entscheidender Faktor dafür, dass der Leser Ihr Buch mögen wird. Oder eben nicht.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Eine Nebenhandlung wird zwar gut eingeführt, aber am Ende nicht aufgelöst.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
    &lt;li&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;span&gt;&#xD;
          
             Auch wird eine Lektorin darauf achten, ob der rote Faden sich sowohl durch Ihr gesamtes Buch als auch durch einzelne Szenen zieht.
            &#xD;
        &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/li&gt;&#xD;
  &lt;/ul&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Vielleicht haben Sie selbst beim Schreiben schon Zweifel an einer bestimmten Szene oder Figur gehabt. Sprechen Sie mit Ihrer Lektorin darüber, dass sie auf diesen Aspekt besonders achten soll.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Schauen Sie mal in die Danksagungen einiger Bücher, dort lesen Sie oft: Einen Dank an den Lektor, an die Lektorin.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h2&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Was macht die Lektorin nicht?
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h2&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Eine Lektorin schreibt nicht neu und verändert nicht Ihren Stil. Sie haben das beste Buch geschrieben, das Sie jetzt schreiben können. Gemeinsam mit der Lektorin verfeinern Sie Ihren Stil und stärken Ihren Tonfall. Die Lektorin ist Ihre Textflüsterin.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Eine Lektorin korrigiert üblicherweise nicht. Sie wird fehlende Kommata ersetzen oder Tippfehler verbessern, wenn sie ihr auffallen. Da ihre Konzentration auf dem Ausdruck und der Struktur liegt, kann sie Fehler leicht übersehen.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Deshalb sollten Sie nach einer Lektorin auch noch eine Korrektorin an Ihren Text lassen. Obwohl die meisten Lektorinnen auch Korrektorate anbieten, sollte nicht dieselbe Person das Korrektorat durchführen. Denn nach der Bearbeitung ist die Lektorin mit ihrem Text zu vertraut. Besser schaut jemand mit frischem Blick auf das Manuskript.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h2&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Welche Alternativen gibt es?
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h2&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Einige Kolleginnen bieten für Autor:innen mit begrenztem Budget ein Kurz- oder Teillektorat an. Sie lektorieren eine vereinbarte Anzahl von Seiten: 30, 50 oder 100 Seiten. An diesen Anmerkungen sehen Sie, wo Schwächen in Ihrem Text sind (z. B. Neigung zu Passivkonstruktionen oder Schachtelsätzen). Diese können Sie anschließend im gesamten Manuskript selbst aufstöbern und verbessern.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Es gibt auch die Möglichkeit für ein Korrektorat Plus. Bei einem Korrektorat Plus korrigiert die Lektorin Ihr Manuskript und weist an ausgewählten Stellen auf Schwächen hin. Sie können danach Ihr gesamtes Manuskript nach den genannten Anmerkungen durchforsten und selbst noch einmal bearbeiten.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Bei beiden Varianten fehlt Ihnen allerdings die Einschätzung der gesamten Geschichte. Und es ist nicht sicher, dass Sie selbst alle sprachlichen Schwächen im Manuskript aufdecken. Wie gesagt: Jeder Autor, jede Autorin wird dem eigenen Text gegenüber irgendwann betriebsblind.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Um die Kosten für das Lektorat zu reduzieren, können Sie Ihr Manuskript für das Lektorat gut vorbereiten. Wenn Sie ENDE darunter geschrieben haben, lassen Sie es zunächst für einige Zeit ruhen – im Idealfall mehrere Wochen. Anschließend lesen Sie es noch einmal und schauen selbst auf Fallstricke wie Schachtelsätze, Füllwörter oder Passivkonstruktionen. Erst danach geben Sie es an eine Lektorin. Denn je besser der Ausgangstext, desto weniger zeitintensiv (=kostengünstiger) ist das Lektorat.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h2&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Wie finde ich das richtige Lektorat?
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h2&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Eine gute Adresse dafür ist
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://www.lektoren.de/" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           https://www.lektoren.de
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Das ist die Datenbank des Verbands der freien Lektorinnen und Lektoren. Die Mitglieder des Verbands sind qualifizierte und erfahrene Kolleg:innen. Sie haben dort die Möglichkeit, Lektorinnen und Lektoren für Ihr konkretes Projekt zu suchen – nach Genre und ggf. nach Spezialgebiet.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Wenn Sie diese Auswahl getroffen haben, schauen Sie sich die Internetseiten der jeweiligen Lektorinnen an. Vielleicht finden Sie dort Bewertungen oder Kundenstimmen. Und Sie werden merken, ob Ihnen eine Lektorin sympathisch und vertrauenerweckend erscheint. Schließlich wollen Sie Ihr Werk in gute Hände legen.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Die meisten Kollegen bieten ein kostenloses Erstgespräch an, in dem Sie herausfinden können, ob die Chemie zwischen Ihnen stimmt. Nach dem Probelektorat (meist kostenlos, manchmal gegen Gebühr) werden Sie wissen, ob sie sich bei der Kollegin gut aufgehoben fühlen. Sie werden merken, ob ihre Anmerkungen verständlich und für Sie passend sind.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Kurz: Ob diese Lektorin Ihre Verbündete ist auf dem Weg zu einem noch besseren Buch.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich wünsche Ihnen eine großartige Lektorin und viele begeisterte Leser.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Fri, 24 Feb 2023 09:14:28 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Abenteuer Tansania: der Anfang</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/abenteuer-tansania-der-anfang</link>
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      <content:encoded>&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Landschaft-um-Morogoro.jpg"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Der Rucksack bleibt in Istanbul
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Last call for passengers to Dar es Salaam", feuert mich die Lautsprecherstimme an, während ich durch den Istanbuler Flughafen sprinte und tatsächlich erfolgreich bin – als eine der letzten steige ich ins halbleere Flugzeug. Durch die Wetterbedingungen sind viele Zubringerflüge verspätet und offensichtlich haben nicht alle Passagiere einen Sprint hingelegt wie ich. Als ich auf das verschneite Flugfeld schaue, wird mir klar, dass mein Rucksack wohl nicht in der Maschine sein wird.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Morgens gegen halb fünf ist es Gewissheit, mein Rucksack ist nicht in Tansania angekommen. Vor dem Lost-and-Found-Schalter stehen mindestens fünfzig herrenlose Gepäckstücke. Wird mein Rucksack dort womöglich auch bald stehen, verloren und vergessen? Mit meinen Kleidern und dem Adapter für die hiesigen Steckdosen, mit meinem Badeanzug und meiner Zahnbürste? Einen Moment lang stelle ich mir vor, dass ich all das nicht wiedersehen werde – dann konzentriere ich mich auf die Anweisungen der Angestellten und gebe die Auskünfte, die sie braucht. Überrascht registriere ich, dass mein Kopf für Rucksack nur das französische
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           sac à dos
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            ausspuckt. Ich war vorher knapp zwei Monate im Senegal und werde wohl noch eine Weile brauchen, ehe ich den Sprachumstieg geschafft habe. Die Angestellte ist sehr geduldig mit mir. Wir hoffen beide, dass mein Rucksack – endlich fällt mir auch
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           backpack
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            ein – am nächsten Tag zur selben Zeit eintrifft, man wird es mir dann nachschicken. Allerdings braucht sie eine tansanische Telefonnummer von mir, um mich zu informieren. Ich habe noch keine Telefonnummer, ich habe noch nicht einmal ein Visum. Irgendwie klären wir, wann ich wo anrufen und meine Telefonnummer durchgeben kann und ich bin vorsichtig optimistisch.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Draußen schüttet es wie aus Eimern, immerhin bei etwa 25 Grad, irgendwie gefällt es mir sogar, dass ich jetzt keinen großen Rucksack durch den Regen tragen muss. Nachdem ich allerdings nach drei Minuten Fußweg völlig durchnässt bin, beschließe ich, nicht den Bus zu suchen, sondern ein Taxi zum Busbahnhof zu nehmen, von wo aus die Überlandbusse abfahren. Auch nach Morogoro. Dort warten nämlich Andrea und Gerhard auf mich, Kölner Freunde, die vor zwei Tagen in Tansania angekommen sind und den Westen erkunden wollen, während mein Ziel der Norden ist: Die Serengeti und der Kilimandjaro. Aber einen Tag werden wir zusammen in Morogoro verbringen, mal wieder zusammen ein Bier in Afrika trinken, wie wir es vor einigen Jahren schon einmal in Addis Abeba getan haben. Auch damals trennten sich unsere Wege nach einem Tag. Es tut gut, in einem mir völlig fremden Land irgendwo erwartet zu werden.   
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Während der Busfahrt macht sich die Nacht im Flugzeug bemerkbar – immer wieder schlafe ich ein, habe auch genug Zeit dafür, denn für die 200 Kilometer von Dar es Salam nach Morogoro braucht der Bus fast vier Stunden. Inzwischen hat der Regen nachgelassen und ich kann besser erkennen, was er in diesem Land bewirkt: Die Landschaft ist grün, überall blühen Pflanzen und auch die Baobabs tragen Blätter. Ich bin im Februar sonst oft im Senegal – dort ist jetzt Trockenzeit und die Baobabs sind kahl. Hier erkenne ich sie zunächst gar nicht, weil durch ihr Blätterkleid die typischen, wurzelförmigen Äste nicht zu erkennen sind.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wiedersehen mit Freunden
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Im Guesthouse in Morogoro muss ich zunächst auf Andrea und Gerhard warten und nutze die Zeit für ein kurzes Gespräch mit einem anderen Gast, der mir auch gleich das Kennwort für seinen Hotspot gibt, weil es hier kein W-Lan gibt. Ein freundlicher Empfang, das wird auch so bleiben, als ich einen kurzen Spaziergang unternehme, werde ich ständig mit
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Jambo
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            (Hallo) oder
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Karibu
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            (Willkommen) begrüßt. Es gibt im Guesthouse ein Handtuch, Seife und eine (kalte) Dusche. Eine kleine Reisezahnbürste habe ich dabei – in weiser Voraussicht ins Handgepäck gesteckt. Nach der Dusche muss ich allerdings wieder in die Jeans steigen, die ich in Berlin angezogen hatte, um bei null Grad zum Flughafen zu fahren und das T-Shirt anziehen, in dem ich insgesamt fast zehn Stunden im Flugzeug und vier Stunden im Bus gesessen habe. Jetzt aber – die Sonne scheint und es sind sicher 28 Grad – bin ich in der Jeans etwas overdressed.  
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Als meine Freunde ankommen und wir glücklich unsere Anreisegeschichten ausgetauscht haben, leiht Andrea mir einen Kamm und einen Rock. So bin ich wenigstens die Jeans los. Ich kaufe ein Kleid, das ich allerdings noch kürzen lassen muss, aber wenigstens werde ich am nächsten Tag etwas Leichteres anzuziehen haben.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Und dann helfen sie mir bei der Suche nach einem Vodafon-Shop. Gemeinsam suchen wir die für mich passende SIM-Karte aus (ich brauche ein großes Datenpaket, denn ich muss ja auch arbeiten in meinen Wochen hier). Ich bin froh, dass sie das alles gestern schon für sich getan haben, so geht es jedenfalls schneller, als wenn ich mich allein auf die Suche machen müsste.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Schließlich bekomme ich von ihnen einen Crashkurs zu allen Dingen, die ich hier wissen muss: Essen und Bett gibt es hier fast überall, das Busnetz ist sehr gut ausgebaut und die Menschen sind unglaublich hilfsbereit. Außerdem gibt es einen Crashkurs In Kisuaheli, das Gerhard ein wenig spricht. Denn so viel habe ich inzwischen verstanden: Mit Englisch werde ich in kleinen Städten nicht weit kommen. Ich mache mir eine lange Liste mit den wichtigen Wörtern: Wasser, Bier, Kaffee, groß, klein, warm, kalt usw. Und endlich auch Antworten auf das mir hier immer wieder zugerufene
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Karibu
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            und
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Jambo
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            , auf das mir mehrfach ein
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ca va
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            rausrutscht. Wenn mir rechtzeitig einfällt, dass das hier völlig unangebracht ist, bleibt mir bislang nur ein schiefes Lächeln.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Vor allem nehmen wir uns die auf Kisuaheli verfasste Speisekarte in dem Restaurant vor, in dem wir essen, damit ich zwischen Rind, Huhn, Ziege oder Fisch wählen kann. Und zwischen gebrühtem oder gekochtem Reis, Maisbrei oder
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Chipsi
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            (Pommes). Gemüse gibt es immer dazu: ein grünes, spinatartiges (ich finde, es ähnelt mehr Grünkohl als Spinat, aber es schmeckt jedenfalls) und gekochte Bohnen. Im Übrigen isst man hier mit der rechten Hand.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            "Wir kriegen aber meist einen Löffel dazu", sagt Andrea.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Und dann stoßen wir endlich mit einem Kilimandjaro an – die Biersorten heißen hier nämlich so: Kilimanjaro, Serengeti, Safari …
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wiedersehen mit meinem Rucksack
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Am nächsten Morgen um halb sieben kommt der Anruf: Mein Rucksack ist jetzt in Dar es Salaam und soll zwischen 16 und 17 Uhr mit einem Bus in Morogoro ankommen. Ich kann ihn im Büro der Busgesellschaft abholen. Andrea und Gerhard unternehmen einen längeren Ausflug – was ich wegen des Wartens auf meinen Rucksack nicht in Erwägung ziehe. Außerdem steckt mir der Flug noch im Körper und ich fühle mich noch zu erschöpft, um vier Stunden Bus zu fahren.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Stattdessen entscheide ich mich für eine kleine Wanderung in die Uluguru Berge, die sich südlich von Morogoro erheben. Von oben aus bieten sich mir wunderbare Ausblicke in die grünen Täler. Manchmal begegne ich Menschen, die mich auch hier stets freundlich mit
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Karibu
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            begrüßen. Das ist mein erster Eindruck von Tansania: Sehr herzliche Menschen, denen daran gelegen ist, dass Gäste ihres Landes sich willkommen fühlen.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Am Nachmittag, kurz vor 17 Uhr gehe ich an die Straßenecke, wenige Schritte vom Guesthouse entfernt und zeige den Motorradtaxifahrern die Nachricht mit dem Namen der Busgesellschaft, damit mich einer von ihnen dorthin fährt. Optimistisch bitte ich ihn, vor dem Büro zu warten, ich muss ja nur meinen Rucksack nehmen, dann kann ich gleich wieder mit ihm zurückfahren. Aber natürlich ist der Rucksack noch nicht da. Also beschließe ich, in der Stadt zu bleiben und in einem nahegelegenen Café auf den Anruf des Angestellten der Busgesellschaft zu warten. Ich lasse das afrikanische Treiben an mir vorüberziehen, trinke einen Avocadosaft und dann noch einen zweiten, der erwartete Anruf kommt nicht. Geht mein Rucksack so kurz vor dem Ziel doch noch verloren? Ich habe ja inzwischen gelernt, dass in Afrika vieles viel besser organisiert ist als ich oft glaube, aber ein leichter Zweifel bleibt.  Gegen 18:30 schaue ich noch einmal bei der Busgesellschaft vorbei, doch der Angestellte schüttelt den Kopf. Etwas irritiert, weil ich ihm nicht vertraue. "Ich rufe dich an."
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Als ich eine Viertelstunde später im Guesthouse ankomme, kommt der Anruf und ich gehe – jetzt in der Dunkelheit – wieder zu den Motorradtaxis. Einer der Männer schaut mir entgegen und fragt gleich: "Abood bus?" Meine Schritte sind hier also gut beobachtet worden – was ich aber als eher freundliche Geste, denn bedrohliche Überwachung empfinde. Natürlich, wir sind hier so was wie eine Attraktion – drei
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Mzungu
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            (Weiße), die mehrere Tage in der Stadt bleiben. Morogoro liegt einfach nicht direkt an den von westlichen Touristen frequentierten Strecken.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Und endlich habe ich ihn, meinen
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           sac à dos
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            , pardon,
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           backpack
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           . Ich entschuldige mich für meine Ungeduld bei dem Angestellten, der lächelnd fragt, ob ich nun erleichtert sei.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Ja", sage ich, "alle meine Kleider. Meine Zahnbürste. Und mein Deo."
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wir lachen beide, als ich den Empfang quittiere.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Abschied von Freunden
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Nachdem ich meine Wiedervereinigung mit all meinen Sachen ausgiebig genossen habe, unter anderem damit, dass ich die Nacht in meinem Schlafshirt verbracht habe, heißt es Abschied nehmen. Andrea und Gerhard machen sich auf ihren Weg in Richtung Südwesten. Zusammen trinken wir in einem Restaurant noch einen von diesen exotischen Säften – diesmal Mango – dann trennen sich unsere Wege. Ich schaue ihnen nach auf ihrem Weg, bevor ich zurück ins Guesthouse gehe, wo ich ein paar liegengebliebene E-Mails abarbeite.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Jetzt bin ich ganz allein irgendwo mitten in Afrika. Und einen Moment lang fühle ich mich schrecklich einsam und habe einen Anfall von: Was mache ich hier eigentlich? In diesen Momenten helfen zwei Dinge: Auf die Wetterkarte von Berlin zu schauen, das noch immer im Februargrau liegt und auf die Straße zu gehen. Auf
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Jambo
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            mit
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Jambo
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            zu antworten, auf
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Karibu
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            mit
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Assante
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           (danke). Mir ein Essen zu bestellen und stolz darauf zu sein, dass ich den Fisch mit der rechten Hand esse. Einen Löffel bekomme ich nicht und auf der mit Gerhard erstellten Wörterliste steht das Wort nicht.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Gut gesättigt und froh über meine ersten kleinen Schritte allein in einem fremden Land denke ich daran, wie ich mich von Andrea und Gerhard vor fünf Jahren in Addis Abeba verabschiedete. Damals flog ich drei Wochen später zurück nach Deutschland und hatte einen Romanstoff im Gepäck, der mich drei Jahre beschäftigte. Ich bin gespannt, was ich diesmal mit nach Hause bringen werde.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Strassenecke-in-Morogoro.jpg" alt=""/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Wed, 22 Feb 2023 10:36:21 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Wenn Opa vom Krieg erzählt</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/wenn-opa-vom-krieg-erzaehlt</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Heiligabend in drei Akten
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    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Auto+im+Sand.jpg"/&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           I
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            "Merde!", sagt Christine und "C'est pas vrai!"
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Doch es ist wahr, das Auto hat sich im Sand festgefahren. Christine, die Besitzerin der Lodge, auf der ich die letzte Woche verbracht habe, steigt aus und identifiziert das hintere rechte Rad als das, das sich im Sand eingegraben hat. Jeder Versuch, das Auto aus dem Sand zu bekommen, führt nur dazu, dass es sich tiefer eingräbt. Eine Weile versuchen wir, es freizuschaufeln, legen Holzstücke zur Stabilisierung davor. Doch es bleibt dabei, wir kommen nicht weiter und Christine ruft einen Freund in Miserah an, ob er jemanden vorbeischicken kann, um uns zu helfen. In Miserah waren wir vor etwa 20 Minuten aufgebrochen. Nach Carange, der Grenzstadt nach Gambia. Von dort aus will ich mit einem Sept-Places, einem Sammeltaxi, nach Dakar fahren.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wir suchen uns einen Platz unter einem Baum, dort wo kein Gestrüpp ist, setzen uns im Schneidersitz in den Sand und lauschen den Vögeln. Geduld ist in Afrika eine nützliche, ja lebensnotwendige Tugend. Ich übe mich bei jedem meiner Besuche aufs Neue darin und habe das Gefühl, immer besser darin zu werden.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Immerhin gibt es hier keine Löwen oder andere Tiere, die wir fürchten müssen", sage ich, um Christine von ihrem Ärger über sich selbst abzulenken. Warum nur hat sie heute die falsche Abfahrt für die Abkürzung genommen? Sie lebt seit acht Jahren im Senegal und hat vor kurzem beschlossen, nach Frankreich zurückzukehren. Ihr Reservoir an Geduld ist gerade ziemlich aufgebraucht.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Es ist der 24. Dezember, in Deutschland werden Weihnachtsbäume geschmückt und Festessen vorbereitet. Und ich sitze irgendwo in Afrika und warte darauf, dass jemand kommt und uns aus dem Sand befreit. Mein Festessen soll bei Freunden in Dakar stattfinden und ich hatte gehofft, gegen 15 oder 16 Uhr dort zu sein. Ich schicke noch keine Nachricht, denn ich kann nicht absehen, wann ich weiterkomme.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Nach einer knappen Stunde hören wir das Knattern von Motorrollern und endlich sind sie da: unsere Retter. Drei junge Männer, zwischen vielleicht 17 und 25. Ohne Geräte, ohne Abschleppseil. Ich könnte denken, dass das sicher nicht hilfreich ist, wie auch die Tatsache, dass sie offenbar nicht wirklich Französisch sprechen, während weder Christine noch ich Wolof sprechen. Aber für pessimistische Gedanken habe ich keine Zeit. Einer der drei von ihnen drückt mir sein Smartphone und das seines Kumpels in die Hand, bevor sie sich auf die Knie begeben und zu graben beginnen. Der Dritte macht sich inzwischen im Gestrüpp auf die Suche nach nützlichem Holz. Endlich startet Christine einen neuen Versuch. Während sie versucht, anzufahren, schieben und heben die Männer das Auto – vergeblich. Es stellt sich heraus, dass irgendein Teil unter dem Auto sich inzwischen ebenfalls in den Sand gegraben hat und freigeschaufelt werden muss. – Es braucht noch zwei weitere Versuche, dann klappt es. Das Auto schiebt sich ein paar Meter vorwärts, ehe es erneut im Sand steckenbleibt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Ca roule, ca roule", jubeln die Männer und machen sich begeistert daran, es noch einmal auszugraben. Ich schaue auf die Piste, bis zu einem festeren Untergrund sind es gut einhundert Meter. Wann werden wir dort ankommen, wenn sich das Auto alle zehn Meter wieder festfährt? Auch Optimismus ist in Afrika eine wichtige Tugend. Auch darin übe ich mich in Afrika, also sage ich zu Christine: "Ca va aller." Es wird gehen. Und sie fügt das hier übliche "Inshallah" hinzu.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Der älteste der drei Jungen gibt Christine in einer Mischung aus Wolof, Handzeichen und Französisch Tipps, wie sie das Auto jetzt weiter als zehn Meter bewegen kann und nachdem das nicht recht klappt und das Auto zum dritten Mal ausgegraben werden muss, übernimmt er selbst das Steuer und fährt sicher bis ans Ende der Sandpiste. Wir anderen laufen ihm nach, die jungen Männer schweißüberströmt, aber lachend und immer wieder den hochgereckten Daumen zeigend: "Ca roule, ca roule!"
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Ihr seid meine Helden", sage ich und frage Christine, wie viel Geld ich ihnen geben soll, doch sie hat das schon erledigt. Erleichtert fahren wir weiter und erreichen kurz darauf Carange.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           II
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Immerhin ist es noch nicht 13 Uhr, als ich mich durch das alltägliche Gewühl – Händlerinnen, Reisende, Männer, die Geld tauschen wollen oder mich überreden, mit ihrem Auto oder Bus zu fahren – am Gare Routiere zu einem Auto durchfrage, das nach Dakar fährt. Ich bin die letzte Mitreisende für dieses Auto, was bedeutet, dass ich nur noch einen Platz in der Mitte bekomme. Ich könnte das nächste Auto nehmen, um mir einen Fensterplatz zu sichern, aber dann müsste ich warten, bis sich dafür genügend Mitfahrer gefunden haben. Glücklicherweise gibt es seit etwa einem Jahr eine Abkürzung: eine Brücke im Saloum-Delta. Seitdem sind es nur noch knapp vier Stunden bis Dakar, nicht wie früher gut fünf, je nachdem, wie man durch die Stadt Kaolack durchkam, die man heute umfährt. Vier Stunden werde ich auf dem Mittelplatz schon irgendwie überstehen. Hätte ich gewusst, dass der Fahrer aus mir unbekannten Gründen heute doch durch Kaolack fährt, hätte ich es mir vielleicht doch noch anders überlegt. Vor allem aber, wenn ich gewusst hätte, dass die Sitzbank einen Absatz hat. So sitze ich buchstäblich auf einer Arschbacke bis ich das Tuch, das ich um den Hals habe, unter die andere stopfe, was zumindest etwas Ausgleich schafft.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Es ist Heiligabend, in Deutschland sitzt man unterm Weihnachtbaum, während ich mich in afrikanischen Tugenden übe. Geduld. Optimismus. Demut. Noch drei Stunden bis Dakar. Noch zwei. Der Fahrer hat einen gewöhnungsbedürftigen Fahrstil, seine Überholmanöver sind gewagt, insbesondere, weil ihm zwischendurch immer wieder der vierte Gang rausspringt. Ich sage mir, dass er schon umsichtig genug sein wird, um am Abend bei seiner Familie zu sein und schließe die Augen. Meine Mitfahrer schlafen ebenfalls, manchmal telefoniert einer oder es entspinnt sich ein kurzer Dialog, aber im Grunde werden diese Fahrten schweigend absolviert – was mich beim ersten Mal überrascht hat, in diesem Land, in dem eigentlich immer und überall kurze Gespräche entstehen: an der Supermarktkasse, auf dem Markt, auf der Straße. Inzwischen sorge ich dafür, dass ich immer ein Hörbuch dabeihabe. Ich lausche Ulrich Nöthens Stimme, blende den Fahrstil des Chauffeurs aus und registriere zwischendurch stoisch die Tatsache, dass wir durch Kaolack fahren, obwohl damit klar ist, dass wir mindestens eine Stunde länger unterwegs sein werden. Schreibe Khady eine Nachricht, dass ich nicht vor 19 Uhr bei ihr sein werde. Eine optimistische Schätzung für den Rest meiner Reise. Geduld, Optimismus, Demut.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Endlich sind wir in Dakar, ein Ende der Tortur ist absehbar. An der letzten Autobahnmaut-Station richte ich noch einmal das Tuch, auf dem ich zur Hälfte sitze. Fahrzeuge klumpen sich von den zwei (von acht) geöffneten Schaltern. Unser Fahrer fährt außen um die Traube, drängelt sich vorn zwischen die anderen Autos und wechselt dann noch einmal zwischen beiden Schlangen. Als er endlich vor der Schranke steht, positioniert sich ein Gendarm vor uns, gibt der Frau am Schalter ein Zeichen, die Schranke nicht zu öffnen und redet auf den Fahrer ein. Der zeigt sich offenbar wenig einsichtig und blökt zurück.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich bringe Ulrich Nöthen zum Schweigen und verfolge – wie meine Mitfahrer – angespannt die Diskussion, von der ich nichts verstehe, weil sie auf Wolof geführt wird. Doch Gesten und Tonfall sprechen auch eine Sprache. Eine Handbewegung des Gendarmen weist auf den Straßenrand hinter der Schranke, dort soll sich unser Fahrer einfinden, um einen Strafzettel zu kassieren. Oder ein Schmiergeld zu bezahlen, so genau weiß man das in diesem Land nicht immer.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Als die Schranke freigegeben wird, fährt unser Chauffeur jedoch nicht brav an die Seite, sondern drückt aufs Tempo, rast in Richtung Dakar und schaut jetzt mehr in den Rückspiegel als auf die Straße. Er überholt erratisch, drängelt sich in jede noch so kleine Lücke. Ich sage mir noch einmal, dass er umsichtig genug fahren wird, um den Abend bei seiner Familie zu verbringen. Überzeugend finde ich das nicht mehr.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Vor unserer Abfahrt nach Dakar staut sich der Verkehr. Wieder fährt unser Fahrer außen an allen vorbei, um sich ganz vorn in die Schlange zu drängen. Auf dem Bürgersteig kommen uns die Straßenhändler mit Erdnüssen, Mandarinen, Taschentüchern entgegen. Als sie wegrennen, ist klar, dass der Polizist von eben offenbar ebenfalls im Stau aufgetaucht ist. Kurzes Ausweichen auf den Bürgersteig, Beschleunigung, erneutes Drängeln. Dann geht nichts mehr. Der junge, sportliche Gendarm schlängelt sich zu Fuß durch den Stau, klopft auf die Windschutzscheibe. Unschwer zu erraten, was er sagt. Ich bin erleichtert, zwar wird mich das noch mehr Zeit kosten, aber nach einem Strafzettel wird der Fahrer doch sicher angemessenen Tempos weiterfahren. Denke ich, als dieser neben uns eine Lücke findet, irgendwie durch den zugestauten Kreisverkehr kommt und rasant die nächste Straße entlangbrettert. Hupend umkurvt er mehrfach nur knapp unschuldige Fußgänger. Endlich bringt einer meiner Mitfahrer ein "Doucement, doucement" heraus, während wir anderen starr auf unseren Plätzen hocken.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Endlich erreichen wir den Gare Routiere. Der Fahrer sucht sich einen Platz zwischen zwei großen Bussen, geschützt vor eventuell suchenden Blicken. Wir stolpern hastig aus dem Auto, warten, bis unser Gepäck ausgeladen ist und der Fahrer mit quietschenden Reifen davonrast. Uns sprachlos ansehend nehmen wir schließlich unsere Koffer und Rucksäcke und nicken uns müde zu, ehe jeder seines Weges geht.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Ich mache mich auf die Suche nach einem Taxi. Erschöpft und mich nur mühsam an mein Mantra erinnernd: Geduld, Optimismus, Demut. In der untergehenden Sonne trage ich meinen Rucksack vorbei an Männern, die mir etwas verkaufen wollen oder in meine Richtung etwas auf Wolof schimpfen, wovon ich nur "Toubab" – Weiße – verstehe. Es klingt nicht freundlich, aber vielleicht hatte ich heute nur eine Überdosis Afrika.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Endlich entdecke ich den Taxistand und werde schnell angesprochen, für 8000 CFA, etwa 12 €, könnte ich einen Restplatz in einem Sammeltaxi nach Ouakam bekommen. Einen kurzen Moment bin ich nicht müde, sondern empört: "C'est trop!"
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Auf der Hinfahrt hatte ich ein privates Taxi, in dem ich allein war und habe 5000 bezahlt. Außerdem bin ich sicher, dass die Senegalesen nicht einmal die Hälfte dessen zahlen. Ich schüttle den Kopf, lasse die Klage des Fahrers "Benzin und überhaupt" an mir abperlen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "5000 Maximum", sage ich und drehe mich um, um ein anderes Taxi zu suchen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Eh!", ruft er mir hinterher. "Eh" gilt hier nicht als unhöflich, sondern normal. "Eh!"
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich schaue zurück und er zeigt auf sein Taxi. Die 5000 sind akzeptiert. Ich hätte es mit 4000 versuchen sollen. Zu spät. Mein Rucksack ist schon von meinem Rücken in die Hand des Fahrers und den Kofferraum gewechselt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Da ich wieder die letzte war, die ihren Platz gebucht hat, bekomme ich erneut den Mittelplatz. Ich bin einfach nur noch müde, zu müde für Ulrich Nöthen, zu müde für das Gespräch, das der Fahrer mit seinem Gast auf dem Beifahrersitz führt, auf Wolof, aber ich verstehe Zahlen und Firmennamen wie Orange, was der hiesige Anbieter für Mobilfunk und mobiles Bezahlen ist. Vermutlich ist das Gespräch eine lange Litanei über Preise. Könnte er doch einfach den Mund halten.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Geduld, Optimismus, Demut.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Natürlich stehen wir wieder mehrfach im Stau, Heiligabend ist in einem muslimischen Land kein Straßenfeger – im Gegenteil. Zweimal fahren wir an großen Menschenansammlungen vorbei, alle sind festlich gekleidet, lachen miteinander, reden wild gestikulierend. So sind Familienzusammenkünfte hier: Große Runden, festliche Kleidung in satten Farben; es wird gegessen, gelacht, sich beklagt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Einen kurzen Moment lang scheint mir ein Wohnzimmer mit Weihnachtsbaum in winterlicher heiliger Nacht sehr reizvoll.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           III
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Kurz vor 20 Uhr schließe ich endlich die Wohnungstür in Ouakam auf. Es riecht nach Braten, fünf Kinder sitzen in der Eingangshalle auf Sofa und Sessel und spielen friedlich Handyspiele. Es sind die beiden Kinder von Khady und Khadim, bei denen ich mich für meine senegalesischen Wochen eingemietet habe, sowie zwei Nichten und ein Neffe. Khady sieht müde aus, später wird sie mir erzählen, dass sie krank war und es deswegen nicht einmal geschafft hat, kleine Geschenke für die Kinder zu kaufen – die dies aber vollkommen ruhig hinnehmen, offenbar hatten sie nichts erwartet. Weihnachten hat hier keine Tradition, ich erinnere mich, dass die Kinder sich im letzten Jahr riesig gefreut hatten über: eine Puppe, ein Spielzeugschwert und ähnliche Kleinigkeiten. Erwartet hatten sie nichts.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Der Braten ist noch im Ofen, das gibt mir Gelegenheit für eine schnelle Dusche. Eine halbe Stunde später finde ich mich, nun in halbwegs festlichem Kleid, im Salon wieder, mit einem Teller Huhn und Lamm, Kartoffelsalat und Fritten. Letztere sind hier durchaus ein Festtagsessen, denn die alltägliche Speise ist hier Reis. Mir gegenüber sitzt Papy. Papy ist der Vater von Khadim und dreiundachtzig. Er kramt ein paar Brocken Deutsch hervor: "Guten Abend." "Guten Appetit." "Frau."
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die Konversation bestreiten wir auf Französisch. Er erzählt mir, dass er von einem deutschen Pfarrer aus Bremen getauft wurde und als einer der wenigen Christen im Senegal lebt. Er stammt aus dem Togo und in seiner Heimatgemeinde gab es eine deutsche Gemeinde, was damals dort nicht unüblich war. Im Alter von 17 Jahren verließ er Togo und ging zur französischen Armee im Senegal, in der Hoffnung, hoher Offizier zu werden. Das habe aber nicht geklappt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wir sprechen auch über den Ukainekrieg, er ist der Meinung, Putin hätte das nicht tun sollen. Ich bin erleichtert über diese klare Aussage, die hier nicht selbstverständlich ist. – Ich erinnere mich an die Tage nach Kriegsbeginn im Februar und die Gespräche, die ich damals in diesem Salon geführt habe. Khady fand Putin "cool" und ihr Mann Khadim hielt mir eine lange Rede, die damit endete, dass er sagte: "Schuld sind die Franzosen und die Amerikaner." Bei allem Entsetzen darüber verstand ich das als Ausdruck eines tiefsitzenden Misstrauens gegenüber dem "Westen", das ich nicht entkräften konnte. Mantraartig wiederholte ich immer wieder nur: "Aber das alles ist kein Grund, in ein fremdes Land einzumarschieren und Menschen umzubringen." Als ich jetzt Anfang Dezember wieder in Dakar ankam, sprach Khady von Putin als "Putain", was sich in etwas wie Scheißkerl oder Hurensohn übersetzen lässt. Damit hatte sich das Thema Ukrainekrieg erledigt, was ich verstehe; es gibt andere Kriege, die näher an Dakar liegen – nicht nur geografisch.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Jedenfalls bin ich erleichtert darüber, dass Papy sich so deutlich äußert. Vom aktuellen Krieg aus schlägt er sehr schnell die Brücke zum zweiten Weltkrieg. Die Deutschen seien ja sehr stark gewesen zu der Zeit.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Ähm, nun ja, eher haben sie geglaubt, sie seien so stark", wende ich vorsichtig ein und erhalte keine Antwort darauf, sondern stattdessen eine Lektion in Geschichte: "1945 ging der Krieg zu Ende und da ist Hitler mit 56 Jahren gestorben."
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Gestorben, nun ja … Ich wusste nicht, wie alt Hitler zu dieser Zeit war, es liegt auch völlig außerhalb meines Interesses. Etwas anderes wüsste ich aber gern. "Woher kommt in Afrika dieses große Interesse für den zweiten Weltkrieg und Hitler?"
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Es ist Geschichte und wird in der Schule lange behandelt."
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Bei uns ist es natürlich auch ein Thema in der Schule. Aber ist es nicht wichtiger, sich mit der Zukunft zu beschäftigen?"
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Kurz wiegt Papy den Kopf, als wäge er eine Antwort ab, entscheidet sich dann dagegen und erzählt stattdessen er von dem riesigen U-Boot, das die Deutschen damals gehabt hätten. Sie seien eben sehr stark gewesen zu der Zeit. Alle technischen Entwicklungen hätten sie gehabt. "Très fort, très fort", murmelt er und wird das im Laufe des Abends noch mehrfach wiederholen, egal, welches Ablenkungsmanöver ich versuche: Kinder, Vielehe, Christentum versus Islam, Senegal versus Togo.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Und schließlich versuche ich kein Ablenkungsmanöver mehr, sondern übe mich in Geduld, Optimismus und Demut, bis ich mich ins Bett verabschieden kann, ohne unhöflich zu wirken.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Weihnachten ist, wenn Opa vom Krieg erzählt.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Fri, 30 Dec 2022 20:26:56 GMT</pubDate>
      <author>183:880338813 (Dorrit Bartel)</author>
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      </media:content>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Trinkwasser statt Bier</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/trinkwasser-statt-bier</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Warum die Schließung meiner Lieblingsstrandbar für Dakar eine gute Nachricht ist
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Strand-Les-Mamelles-Dakar.jpg"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           In Dakar hatte ich im letzten Winter eine perfekte Lieblingskneipe: Wann immer ich müde von meiner Arbeit am Schreibtisch war und etwas anderes sehen wollte als meinen Laptop, machte ich mich auf den Weg an den Strand Les Mamelles. Nur etwa eine Viertelstunde zu Fuß von meinem Quartier entfernt, lagen dort drei Strandbars nebeneinander, von denen ich eher zufällig gleich am Anfang die mittlere für mein Feierabendbier mit Blick auf den Atlantischen Ozean auswählte, weil mir die erste inzwischen zu fancy war. In früheren Jahren hatte auch sie nur aus einigen zusammengewürfelten Tischen, Bänken und Sonnenschirmen bestanden; jetzt war sie größer, hatte farblich zueinander passende Sitzkissen und Sonnenschirme, eine Spielecke für Kinder, dekorative Pflanzen und eine Terrasse auf der neu entstandenen zweiten Etage. Sie war zu einem beliebten Treffpunkt für europäische Touristen geworden, während ich lieber die Orte der Einheimischen aufsuche. Also wählte ich die zweite Bar, die etwa so war wie die erste vor ein paar Jahren: Alles schien provisorisch, kein Stuhl glich dem anderen, der eine oder andere Sonnenschirm hatte einen Riss, aber wenn man sie gut stellte, hielten sie trotzdem die Sonne ab. Der Wirt brachte mir ein Bier und verschwand dann erst einmal, so dass ich ratlos länger blieb als geplant, schließlich wollte ich nicht die Zeche prellen. Bei seiner Rückkehr kassierte er mit einem entschuldigenden Lächeln, das meine Irritation wettmachte. Wann immer ich wiederkam, suchte der Wirt mir einen guten Platz aus, fragte nur noch der Form halber, ob ich Bier möchte – natürlich wollte ich Bier – und merkte sich bald, dass ich meinen Fisch mit Pommes aß und nicht mit Reis, der hier üblicherweise zu jedem Essen serviert wird. Ansonsten ließ er mich in Ruhe lesen, schreiben oder einfach aufs Meer schauen, während er ständig damit beschäftigt war, seine Bar zu verschönern: einen neuen Tresen zu bauen, den Zaun zu streichen, Tische und Stühle zu reparieren. Nach wenigen Besuchen war ich mir auch sicher, dass ich mir keine Sorgen um meine Tasche mit Smartphone, Geld und Schlüssel machen musste, wenn ich zur Abkühlung ins Meer hüpfte. Kurz: Es war der perfekte Ort, auch und vor allem, weil ich ihn zu Fuß erreichte.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Als ich in diesem Jahr zurückkomme, führt mich mein Weg deshalb an meinem zweiten Tag in Richtung Strand. Doch dort, wo ich im letzten Jahr einen ersten Blick aufs Meer erhaschen konnte und von der großen Straße auf den unbefestigten Weg zum Meer abbog, steht jetzt ein Zaun und Männer, die diesen bewachen. Dahinter: Bagger und LKW.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Aber ich kenne ja noch den zweiten Weg, weniger schön, aber zielführend. Er führt vorbei an diversen Händlern: Kleider, bei denen ich immer überlegte, welche zu kaufen, weil ich die hiesigen Farben mag und es dann doch so gut wie nie tue, weil ich immer daran denke, dass ich die Kleider in Berlin nicht werde tragen können, Kunst und – das habe ich mir erzählen lassen – Marihuana. Die Kleiderhändler sind verschwunden, übriggeblieben sind nur eine der Hütten, in denen Kunst verkauft wurde, und eine Handvoll eher zwielichtiger Gestalten. Ich murmele kaum hörbar eine Antwort auf ihr "Ca va?" und beschleunige meinen Schritt. Endlich erreiche ich die schmale Betontreppe, über die man ebenfalls an den Strand kommt. Der ist tatsächlich nicht gesperrt und eine Minute später richte ich meinen Blick dorthin, wo ich im letzten Jahr mein Bier getrunken habe. Auch dort sperrt jetzt ein Bauzaun den Weg. Davor stehen ein paar vergessene Sonnenschirme auf einem freien Streifen Strand, auf dem sich ein paar Bauarbeiter und eine Handvoll Spaziergänger verteilen. Es sieht noch trauriger aus als vor zweieinhalb Jahren, am Anfang der Corona-Pandemie, als alle Bars und Restaurants in Dakar geschlossen waren und sich nur wenige Dakaroises an den Strand verirrten. Niemand wusste damals, was dieses Corona eigentlich ist, die Vorhersagen für Afrika waren verheerend und die Menschen vorsichtig.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich beschließe einen Abschiedsspaziergang bis zu dem Felsen, der das Ende des Strands markiert. Auf das "Ca va?" der Bauarbeiter antworte ich deutlich freundlicher als auf das der zwielichtigen Gestalten auf dem Weg und füge an einen von ihnen gerichtet die Frage an: "Was passiert hier?"
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Hier wird eine Fabrik für Wasser gebaut. Aus Meerwasser wird Trinkwasser." Er begleitet seine Worte mit einer entsprechenden Trinkgeste und klingt durchaus stolz.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Das ist gut. Aber ich vermisse meine Lieblingsstrandbar. Die war genau dort." Ich zeige auf die Fläche hinter dem Bauzaun.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Hier waren einige Bars. Die Regierung hat den Besitzern viel Geld dafür bezahlt, dass sie gegangen sind."
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Hat sie das?"
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Er nickt bekräftigend.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Immerhin. Ich denke an meinen Wirt vom letzten Jahr, dessen Namen ich nie erfahren habe und frage mich, was er wohl mit dem Geld gemacht hat. Falls er überhaupt ein offizieller Besitzer seiner Bar war.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            "Aber meine Lieblingsbar …", sage ich gespielt verzweifelt.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Der Bauarbeiter und ich nicken uns zum Abschied zu mit einer Geste, die sagt: "Da kann man nichts machen."
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Mit den Füßen im Meer absolviere ich meinen Abschiedsspaziergang und gehe zurück zu meinem Quartier. Dort befrage ich Google und finde sogar auf Deutsch eine Meldung über die Entsalzungsanlage, die am Strand Les Mamelles in Dakar gebaut wird. Nicht nur Trinkwasser soll es geben, sondern überhaupt ein besseres Wassermanagement für Dakar. Das ist natürlich ein Grund zur Freude. Denn unvergessen ist mir, wie Khady in ihrer früheren Wohnung im dritten Stock allabendlich ein halbes Dutzend 10-Liter-Wasserflaschen für den nächsten Tag füllte, weil der Wasserdruck tagsüber so schwach war, dass nur wenig aus dem Wasserhahn tröpfelte. In der neuen Wohnung gibt es das Problem nicht mehr, es gibt sogar einen Boiler, der die Wohnung mit warmem Wasser versorgt. Bis dahin hieß warm duschen, dass man sich einen Kessel mit Wasser erhitzte, dieses in einer Wanne mit kaltem Wasser zu einer angenehmen Temperatur brachte und wieder und wieder mit einem kleinen Topf über den Körper schüttete. Was ich nur selten tat, bei durchschnittlich 30 Grad Außentemperatur tat eine kalte Dusche es meist auch.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Warme Dusche", sagte ich damals zu Khady, "das ist doch gar nicht Afrika." Hinterher war mir meine Bemerkung peinlich, schließlich steht mir kein Urteil darüber zu, was Afrika ist. Sie lachte. "Bald kommt der Winter und ich habe zwei kleine Kinder." Winter bedeutet hier, dass statt 30 Grad nur noch 23 herrschen. In etwa. Die Dakaroises tragen dann Mützen.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Der Boiler nutzte uns aber auch nichts, als wir mal drei Tage überhaupt kein Wasser hatten, weil es irgendwo eine Havarie gab. In absehbarer Zeit soll es das alles also nicht mehr geben. Und das ist natürlich eine gute Nachricht.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Aber wo finde ich jetzt eine neue Strandbar?
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Bauzaun-statt-Strandbar-Les-Mamelles-b11ecb24.jpg" alt=""/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 20 Dec 2022 15:41:22 GMT</pubDate>
      <author>183:880338813 (Dorrit Bartel)</author>
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      <g-custom:tags type="string">Senegal</g-custom:tags>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Strand-Les-Mamelles-Dakar.jpg">
        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Strand-Les-Mamelles-Dakar.jpg">
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Wie ich in Tunis beinahe entführt wurde</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/wie-ich-in-tunis-beinahe-entfuehrt-wurde</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Foto+Tunis.jpg"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Kürzlich besuchte ich meinen deutschen Freund Torben in Tunis; in einem Teil Afrikas, in dem ich sonst selten unterwegs bin. Torben, der aus Gründen seinen echten Namen nicht genannt wissen möchte, lebt seit vier Jahren dort und bescherte mir – im Vergleich zu meinen sonstigen Afrikareisen – einen Luxusurlaub.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Er ist ein großartiger Gastgeber, kochte Bouillabaisse und andere leckere Gerichte, lotste mich zu den leckersten Eisdielen der Stadt und sorgte für Gin-Tonic, Rosé und immer genug Eiswürfel. Und dafür, dass ich via App, die er auf seinem Smartphone hat, jederzeit ein Taxi bekam, ohne langwierige Suche, ohne Preisdiskussion. Wenn ich an Dakar denke, wo jede Taxifahrt mit einer Verhandlung um den Preis beginnt, war das ein ganz besonderer Luxus. Einmal aber wollte ich mir beweisen, dass ich auch in Tunis allein Taxifahren kann – und prompt ging es schief. 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Dabei schien es wirklich ganz einfach: Ich hatte mittags im L'Astragal gespeist, einem vornehmen, aus der Zeit gefallenen Restaurant, das irgendwann eine eigene Kurzgeschichte bekommen wird, und wollte anschließend zu Torben ins Büro. Das Taxi ließ ich mir vom Guardien des l'Astragal rufen und erklärte dem Taxifahrer, dass ich zur Clinique Pasteur wollte, denn dort in der Nähe liegt Torbens Büro. Dann lehnte ich mich zurück, im Nachgenuss des vorzüglichen Mittagessens in charmantem Ambiente. Es hätte mich stutzig machen sollen, dass der Guardien und der Taxifahrer noch eine ganze Weile miteinander sprachen, bevor es losging, aber da sie arabisch sprachen, verstand ich nur, dass der Taxifahrer offenbar nach dem Weg fragte. Da ich das kenne – auch in Dakar fragen die Taxifahrer häufig Passanten nach dem Weg – machte ich mir wenig Gedanken.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wie weit weg ich mit meinen Gedanken war, lässt sich daran erkennen, dass ich bei den italienischsprachigen Gesprächsangeboten des Taxifahrers nur dachte: italienischer Flüchtling halt. Als ich Torben später davon berichtete, kommentierte er entgeistert: „Es gibt in Tunis keine italienischen Flüchtlinge.“ Wenn ich nachgedacht hätte, wäre mir das auch eingefallen. Ich dachte aber nicht nach, sah aus dem Fenster und reagierte halbherzig auf die weiteren Kommunikationsversuche des Fahrers, dem ich gesteckt hatte, dass ich Deutsche sei und kein Italienisch spräche. Er brabbelte etwas, das ich erst später als: „Ich liebe dich“ identifizierte, nämlich als er das in einem italienischen Satz wiederholte: „Ti amo.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Das hört sich merkwürdiger an als es war; es war keine Anmache, oder eine verdammt ungeschickte. Ich hatte eher den Eindruck, er wollte vor mir damit protzen, wie weltmännisch er diesen einen Satz in verschiedenen Sprachen beherrschte. Als Reaktion beschränkte ich mich darauf, ihm erneut zu erklären, dass ich zur Clinique Pasteur wolle. Woraufhin er wieder anhielt, um Passanten am Straßenrand nach dem Weg zu fragen. Noch amüsiert schrieb ich Torben eine Nachricht, dass ich im Taxi säße, es aber trotzdem noch eine Weile dauern könne, weil der Taxifahrer sich durchfragen müsse. Torbens Antwort kam schnell: Dann betrügt er dich, die Clinique kennt hier wirklich jeder.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich hatte keine Gelegenheit, meinen wachsenden Unmut kundzutun, denn jetzt stieg einer der Passanten ohne Erklärung zu uns ins Taxi und ich war so überrascht, dass mir mein Protest im Halse steckenblieb. Die Männer wandten sich mit einer knappen Geste an mich, die bedeuteten konnte, dass jetzt alles klar sei und vertieften sich in ein Gespräch auf Arabisch. Nachfragen meinerseits blieben unbeachtet und jetzt fand ich das alles doch etwas schräg: den italienischen Flüchtling, den zugestiegenen Passanten, die Nicht-Beachtung. Und: Wo waren wir überhaupt? Wo fuhren die Männer mit mir hin? Hatte ihre Geste wirklich gemeint, es ginge jetzt zur Clinique Pasteur oder hatten sie andere Pläne? Ist das so, wenn man entführt wird? Dass man es zuerst gar nicht merkt? Dass alles harmlos wirkt, wie eine zufällige Aneinanderreihung merkwürdiger Umstände, aber wenn einem die Summe der Merkwürdigkeiten klar wird, ist es zu spät? Mir fiel auch noch ein, dass Torben mir erzählt hatte, dass es in Tunesien verboten ist, dass sich ein Mann und eine Frau in einem Auto zusammen befinden, wenn sie nicht verheiratet sind. Das gilt nicht unbedingt für Ausländer und nicht, wenn der Mann Taxifahrer ist, aber die jetzige Konstellation konnte unangenehm werden.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Es war ein guter Zeitpunkt, Torben anzurufen, der geistesgegenwärtig genug war, mich aufzufordern, sofort auszusteigen. Das sei alles viel zu schräg, als dass es harmlos sein konnte. „Du steigst sofort aus.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Arretez“, gab ich die Aufforderung an den Taxifahrer weiter. Der winkte ab und machte eine beschwichtigende Geste, die bedeuten konnte, wir seien gleich da. Torben wiederholte seine Aufforderung und also ich auch meine. „Arretez!“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Und dann hielt das Taxi. Einfach so. Der Fahrer ließ mich aussteigen und fragte nicht einmal nach Geld für die Fahrt bis hierher. Als seien die beiden Männer jetzt froh, ihr Gespräch ohne Störung fortsetzen zu können.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Bin draußen“, sagte ich zu Torben, der jetzt zugab, am ganzen Körper zu zittern, weil er die Angst gehabt hatte, die ich nicht zugelassen hatte. „Schick‘ mir deinen Standort, ich bestelle dir ein Taxi.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Vorsichtshalber schickte er mir den Screenshot der Bestellung: Dieser Fahrer mit diesem Auto kommt dich abholen. Das tat er auch. Zwanzig Minuten später saß ich in Torbens Büro. Er hatte schon angefangen, seine Notfallkontakte herauszusuchen. Gemeinsam versuchten wir, Erklärungen für die mit Abstand seltsamste Taxifahrt meines Lebens zu finden. Es gelang uns nicht, ein Unbehagen blieb: Es hätte auch ganz anders ausgehen können.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            P.S. Mein sonstiger Tunis-Aufenthalt wird von dem Foto dieses Beitrags gut zusammengefasst.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Sat, 10 Sep 2022 09:03:48 GMT</pubDate>
      <author>183:880338813 (Dorrit Bartel)</author>
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    </item>
    <item>
      <title>Freundschaft in Kapstadt - Dorrit liest: Die Frau nebenan von Yewande Omotoso</title>
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&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die beiden verwitweten Nachbarinnen in einem wohlhabenden Viertel von Kapstadt machen aus ihrer gegenseitigen Abneigung keinen Hehl. Marion kann Hortensia nicht ausstehen, weil diese in dem Haus lebt, in dem sie selbst gern wohnen würde. Außerdem bringt Hortensia Unruhe in die ansonsten beschaulichen Eigentümerversammlungen, in denen sich die anderen Frauen meist einig sind. So auch, als eine schwarze Familie um die nachträgliche Bestattung ihrer Großmutter auf dem Land von Hortensia bittet. Denn dort wurden auch ihre als Babys gestorbenen Kinder beerdigt, als das Land der Familie gehörte. Bevor die Gesetze der Weißen es ihnen wegnahmen. Natürlich müssen wir das Ansinnen zurückweisen, findet Marion. Keinesfalls, entgegnet Hortensia.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Marion ist weiß, Hortensia schwarz. Schon deshalb kann Hortensia Marion niemals zustimmen. Kann niemals auf derselben Seite stehen wie Marion und reibt ihr das immer wieder genüsslich unter die Nase. Wie auch die Tatsache, dass Südafrika neuerdings von einem schwarzen Präsidenten regiert wird. Hortensia genießt die Irritation, die dieser Fakt noch immer in die Gesichter der Frauen zeichnet.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Dies alles bildet den Hintergrund des Romans, der von einer langsamen Annäherung erzählt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Im Buch ist es nämlich wie im wahren Leben: Die beiden Frauen sind aufeinander angewiesen und hassen einander dafür zunächst noch mehr. Die rasanten und pointierten Dialoge zwischen ihnen sind für den Leser ein großes Vergnügen. Doch ganz allmählich, widerstrebend und sehr vorsichtig, finden die beiden Frauen zu einem Umgang, der an Freundschaft grenzt. Auch wenn die beiden alten, schrulligen Frauen das wohl nicht so nennen würden.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Auch wenn die Geschichte nach dem Ende der Apartheit spielt, zeigen sich die Nachwirkungen dieser Grausamkeit noch immer in allen Bereichen des Lebens. Strukturen, die das Land jahrzehntelang in Unterdrücker und Unterdrückte aufteilte, lassen sich nicht in wenigen Jahren abschaffen. Es wird – das zeigt der Blick in das heutige Südafrika – Generationen brauchen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           So viel Zeit haben Hortensia und Marion nicht. Doch ihre Verständigung mag ein kleiner Baustein für Versöhnung und Fortschritt in Südafrika sein.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            „Die Frau nebenan“ von
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           Yewande Omotoso
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            erschien 2018 bei List-Ullstein, übersetzt wurde es von Susanne Hornfeck.  
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 05 Jul 2022 19:25:57 GMT</pubDate>
      <author>183:880338813 (Dorrit Bartel)</author>
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    </item>
    <item>
      <title>Nachklapp: Senegal a gagné oder: Mein erster Autokorso</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/senegal-a-gagne</link>
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      <content:encoded>&lt;div&gt;&#xD;
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&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Ich bin pleite. Das stimmt nicht ganz, aber es fühlt sich so an. Ich sitze an einem Februartag in Dakar und habe noch 1500 CFA-Francs in der Tasche, was etwa 2 € entspricht. Gerade bin ich in sengender Mittagshitze auf meist sandigen Wegen zu den drei fußläufig erreichbaren Automaten gestapft, was etwa zwanzig Minuten dauert. Keiner der drei war an diesem Tag bereit, mir Geld zu geben, was nicht an meinem Kontostand liegt. Ich bin wirklich gern in Afrika – wegen der Sonne und der Gelassenheit der Menschen; ich mag das Unperfekte, das nicht einmal den Anspruch hat, perfekt sein zu wollen. Aber muss Afrika ausgerechnet dann unperfekt sein, wenn ich Geld brauche?
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Ich bin inzwischen knapp zwei Monate im Senegal und meine anfängliche Freude über das unorganisierte Leben hier ist etwas erschöpft und weicht immer häufiger der Frage, wie die Menschen hier das ihr Leben lang aushalten – und sich davon nicht ihre Lebensfreude nehmen lassen. Ich ärgere mich auch darüber, dass ich Khadys Mann Khadim vor drei Tagen mein fast letztes Geld geliehen habe und der Versicherung geglaubt habe, es in zwei Tagen zurückzubekommen. Schließlich kenne ich Afrika lange genug, um zu wissen, dass das hier nie funktioniert.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Jetzt habe ich nicht einmal mehr Geld, um mit einem Taxi – dem zentralen öffentlichen Verkehrsmittel – zu einem anderen Automaten zu fahren. Also verbringe ich den Nachmittag schlecht gelaunt zu Hause. Eigentlich hatte ich meine Wäsche in die Wäscherei bringen wollen. Hier gibt es keine Waschsalons wie zu Hause, sondern nur solche, in denen man seine Wäsche abgibt und die Frau in der Wäscherei sie dann in die Waschmaschine stopft, zum Trocknen aufhängt, später von der Leine nimmt und faltet. Das ist nett, weil man sich wirklich um nichts kümmern muss und in einem Land mit hoher Arbeitslosenquote unterstütze ich Unternehmerinnen gern. Das Einzige, was mir daran missfällt: Der Vorgang dauert nicht wie im Waschsalon zwei Stunden, sondern zwei Tage. Ich muss das also bald machen, wenn ich meine Wäsche vor dem Wochenende sauber zurückhaben möchte.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Ich müsste meine kaputten Schuhe zum Schuster bringen und meinen Wocheneinkauf machen, der sich hauptsächlich auf Bier beschränkt, da meine Gastgeberin Khady in der Regel für mich mit kocht. Es ist einfach unkomfortabel, kein Geld in der Tasche zu haben. Dabei habe ich eine gut gedeckte Kreditkarte und auch Bargeld, nur in der falschen Währung. Vermutlich kann ich hier in der Nähe irgendwo Euros in CFA-Francs tauschen, aber ich weiß nicht wo und bin von meinem erfolglosen mittäglichen Marsch so erschöpft und schlecht gelaunt, dass ich nirgends hingehen und fragen mag. Vermutlich werde ich erst morgen erneut zum Geldautomaten aufbrechen – denn wie ich Afrika kenne, ist auch die Reparatur von Geldautomaten keine Sache von Stunden, sondern eher von Tagen.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Immerhin verspricht der Abend einen Lichtblick, Khady, die Kinder (zwei und fünf) und ich werden zusammen Fußball gucken.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Coupe d’afrique des nations
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            , Halbfinale, Senegal gegen Burkina Faso. Für das Viertelfinalspiel gegen Äquatorialguinea hatte Khady für sich und ihr Auto einen Wimpel und für die Kinder Schweißbänder in den Farben der senegalesischen Flagge (wie bei den meisten afrikanischen Ländern: Grün, Gelb, Rot) gekauft. Für das Halbfinalspiel gibt es Tröten in eben diesen Farben und die Kinder lieben sie sofort. Über den infernalischen Lärm hinweg schreie ich Khady zu, dass sie sich sicher bald fragen wird, warum sie diese Teile gekauft hat. Sie brüllt mit breitem Grinsen zurück, dass sie sich das jetzt schon fragt. Und fügt hinzu: „Wir gewinnen heute Abend. Zwei Null.“  Meine Frage, ob sie auch Lottozahlen vorhersagt, geht im Träää-Träää der Kinder unter.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Glücklicherweise haben es Kinder in dem Alter ja noch nicht so mit Ausdauer und irgendwann lässt der Lärm nach. Ich finde mich zehn Minuten vor Beginn des Spiels mit meinem letzten Bier im Salon ein, um etwas vom Einstimmungsprogramm mitzubekommen: Diskussionen zur Spieleraufstellung und möglichen Taktik – jedenfalls vermute ich das, ich verstehe nämlich erstens kein Wolof (die Hauptsprache des Senegal) und zweitens von Fußball überhaupt nichts. Aber es gefällt mir, dass Bilder vom gemeinschaftlichen Fußballschauen gezeigt werden, das in Dakar an verschiedenen Orten möglich ist. Unter anderem nur fünf Minuten Fußweg von uns entfernt am Fuße des
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Monument de la Renaissance africaine
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            , einem Kunstwerk, das ich zugleich faszinierend und scheußlich finde: 52 Meter hoher bronzener Sozialistischer Realismus. Ein in Richtung Westen schreitender Mann trägt auf einem Arm ein Kind und zieht mit dem anderen eine Frau hinter sich her. Ich weiß nicht, ob die
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Dakaroises
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            das
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Monument
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            mögen, vermute aber, dass sie dazu nicht viel zu sagen haben. Es wird damit sein wie so vieles hier: Es ist einfach da. Die Freifläche vor dem
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Monument
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            jedenfalls mögen sie, zum Schlendern, Skaten, Joggen - die
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Dakaroises
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            sind sehr sportlich, überall an der Corniche stehen öffentliche Klimmzugstangen und andere Geräte, die die zahlreichen Jogger zur Abwechslung nutzen; an den Stränden wird Fußball gespielt, gejoggt oder sich mit Sit-ups in Form gebracht. Der Platz vor dem
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Monument
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            wird auch für Märkte oder Konzerte genutzt oder eben zum gemeinsamen Fußballschauen. Was hier nicht vordergründig deshalb bereitgestellt wird, weil gemeinsames Schauen netter ist, sondern weil sich viele
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Dakaroises
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            schlicht keinen Fernseher leisten können. 
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Pünktlich zu Spielbeginn haben sich noch eingefunden: Khadys fünfzehnjährige Nichte Farih und ein Nachbar, der schon beim Viertelfinale Khadys Jubelfreude empfindlich gestört hatte. „Wenn der Nachbar mich mit Madame Sarr anspricht, kann ich doch hier nicht laut schreien oder jubeln“, hatte sie sich bei mir nach dem Spiel beklagt. Auf meine Frage, warum sie ihn überhaupt eingelassen hat, sah sie mich befremdet an: „Dies ist Afrika, da sagt man nicht nein. Aber das nächste Mal mache ich einfach nicht auf.“ Das hat offensichtlich nicht geklappt. Wahrscheinlich darf man in Afrika auch nicht einfach die Tür nicht öffnen – es widerspricht dem Gedanken der Gastfreundschaft.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Über das Spiel kann ich nicht viel sagen – wie gesagt, ich habe von Fußball keine Ahnung. Zur Halbzeit steht es immer noch Null zu Null, aber Khady bleibt fröhlich, denn sie weiß ja, dass ihre Mannschaft Zwei zu Null gewinnen wird. Erst ab der 70. Minute purzeln die Tore und in der 76. Minute scheint Khadys Vorhersage einzutreffen. Dabei hören wir den Torjubel vom
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Monument
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            jedes Mal schon, bevor wir die Tore auf unserem Bildschirm sehen, der große Bildschirm scheint ein schnelleres Signal zu haben. Es fallen dann noch zwei Tore: eines für Burkina Faso und schließlich, in der 87. Minute das erlösende und finale Drei zu Eins. Jetzt ist Dakar nicht mehr zu halten: Silvesterraketen werden gezündet, es wird gehupt, gejubelt, gebrüllt, gesungen, getanzt. Khadys Kinder stehen auf dem Balkon, winken mit Fähnchen und brüllen für alle, die es womöglich noch nicht mitbekommen haben, immer wieder: „Senegal a gagné“. Wir sehen vom Balkon aus Menschenmassen in Richtung
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Monument
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            strömen und im Fernseher die Bilder mit denen, die schon dort sind und feiern.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Mein Verhältnis zu großen Fußballturnieren lässt sich am besten damit beschreiben, dass ich 2014 den Bäcker in meiner Straße etwa ein halbes Jahr lang boykottierte, weil ich am 14. Juli auf die Frage nach einem bestimmten Brötchen zur Antwort bekam: "Das sind Weltmeisterbrötchen." Ach, da sind also Weltmeister drin? Ich nahm dann ein anderes Brötchen und danach lange gar keines mehr in diesem Laden. Aber hier, an diesem Februarabend in Dakar teile ich die Freude all jener, die dort singen, tanzen, rufen, feiern. Vielleicht liegt es an meinem komplizierten Verhältnis zu Deutschland, dass ich immer das Gefühl habe, ein Sieg dort heißt: „Wir sind eben besser als der Rest der Welt“. Hier fühlt es sich eher an wie: „Wir können auch etwas gewinnen“. Das macht es sehr viel sympathischer.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Gerade, als wir finden, nun ist genug gefeiert und die Kinder sollten ins Bett gehen – schließlich müssen beide morgen in die Schule beziehungsweise in den Kindergarten – verwickelt eine vor dem Haus stehende Nachbarin Khady in ein Gespräch. Ich bin schon auf dem Weg in mein Zimmer, um in Stille den Abend ausklingen zu lassen, der meinen Gastgebern und schließlich auch mir so viel Freude bereitet hat, da ruft Khady mir zu: „Komm schnell, wir nehmen das Auto der Nachbarin.“ Und weil ich nicht sofort reagiere, ruft sie noch einmal: „Vite, vite!“
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Da Khady ansonsten die afrikanische Gelassenheit in Person ist und es nie wirklich eilig hat, verstehe ich, dass es jetzt wirklich schnell gehen muss. Muss ich irgendwas mitnehmen? Ich bin noch nie in einem Autokorso mitgefahren. Mein Kleid hat keine Taschen und eine Handtasche zu packen reicht die Zeit nicht aus. Mein Portemonnaie brauche ich nicht, weil eh nichts drin ist, meinen Schlüssel finde ich nicht. „Schlüssel hab‘ ich, schnell, schnell“, sagt Khady, die den Zweijährigen auf dem Arm hat, in T-Shirt und mit Windel, ohne Schuhe. 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Und dann sitzen wir im Auto: Khadys Kinder und der Junge der Nachbarin, eine Jugendliche und ich auf der Rückbank, vorn Khady und die Nachbarin, die immerhin noch ein Tuch um die Haare geschlungen hat. Die Frauen hier halten es unterschiedlich mit der Frage der Kopfbedeckung – Khady habe ich noch nie mit Kopftuch gesehen, viele Frauen tragen Tücher in der Farbe ihrer Kleider mit satten Farben und aufwändigen Mustern, wieder andere tragen feine, fast durchscheinende Schals. Von dieser Art ist das Tuch der Nachbarin, das ihr Haar noch vollständig bedeckt – im Laufe unserer Fahrt wird sich das Tuch lösen, so dass ich die kleinen Zöpfchen sehen werde, die sie darunter trägt. Sie wird sich das Tuch ein-, zweimal zurechtzupfen, es irgendwann aber aufgeben. Jetzt drückt sie jedenfalls erst einige Male kräftig auf die Hupe und dann geht es los: Ich fahre mit einer wild hupenden Muslima im Autokorso durch Dakar und kann mich kaum darüber wundern, weil alle so laut durcheinander brüllen. Also brülle ich einfach mit.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Senegal a gagné! Senegal a gagné! Senegal a gagné!
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Wobei wir zunächst kaum fahren, sondern die meiste Zeit hinter anderen Autos stehen, bestenfalls in Zentimeterschritten vorwärts schleichen, weil die Straße verstopft ist von Autos und Fußgängern, die sich mit Khady und Farih an den offenen Fenstern abklatschen und sich gegenseitig noch einmal auf den neuesten Stand bringen:
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Senegal a gagné!
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Dabei sind alle vertreten: Junge Frauen in Jersey-Kleidern oder auch in Jeans und T-Shirts, ältere Frauen, in langen Kleidern mit schmalen Röcken, bei denen ich mich ständig frage, wie man in solchen Kleidern seinen Alltag meistern kann. Männer in Boubous oder ebenfalls in Jeans und T-Shirt oder Hemd. Auf der Gegenspur stehen die Autos ebenfalls und Ami, die Nachbarin, tanzt mit dem Fahrer des Autos gegenüber, sie schütteln die Schultern, wiegen den Kopf, schwingen die Arme, soweit das am Steuer eines Autos möglich ist. Im Kreisverkehr vor dem
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Monument
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            führen ein paar Schauspieler eine Performance auf, ein Stück weiter sitzen Trommler und feiern den Sieg auf ihre Weise.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Allein für die eineinhalb Kilometer durch das Viertel Ouakam brauchen wir schätzungsweise vierzig Minuten. Alle feiern, als seien sie gerade mindestens Weltmeister geworden und ganz kurz beschleicht mich der Gedanke: Gut, dass sie heute feiern, denn wer weiß, ob sie am Sonntag nach dem Endspiel dafür noch einen Grund haben werden. Natürlich behalte ich diesen Gedanken für mich – mir würde sowieso niemand zuhören. Gleichzeitig frage ich mich, wie es hier wohl aussehen wird, wenn der Senegal das Endspiel am Sonntag tatsächlich gewinnen sollte. Ich würde das gern erleben.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Endlich biegen wir auf die Corniche ein und können etwas schneller fahren, zusammen mit Autos, deren Insassen in den heruntergekurbelten Fenstern sitzen, Fahnen schwingen und singen, wie auch das Dutzend Passagiere auf der Ladefläche eines Pick-ups. Am Place des Souvenirs werden wir erneut von einer Menschenmenge aufgehalten, die auf der Straße einen Tanz aufführt und uns erst nach langen Minuten passieren lässt. Weiter geht es, nach Yoff, wo die Menschenmengen allmählich kleiner werden und sich verteilen, dort sitzen die Fans noch vor den kleinen Boutiquen und Dibiterien, winken und lachen und wiederholen die Nachricht des Tages:
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Senegal a gagné
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            . Nur ein paar Männer sind unbeeindruckt – Kongolesen vielleicht oder Guineer, von denen hier viele leben, und deren Mannschaften schon längst ausgeschieden sind.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Nach etwa eineinhalb Stunden im Auto wird es stiller. Bilal ist inzwischen auf meinem Schoß eingeschlafen, Momo ist zu seiner Mutter auf den Beifahrersitz geklettert und winkt nur noch manchmal mit seinem Fähnchen. Auch in den Straßen ist es stiller, hier und da drängen sich noch ein paar Menschen zusammen, aber die allermeisten sind inzwischen nach Hause gegangen. Morgen ist Donnerstag – man muss die Kinder in die Schule schicken und zur Arbeit gehen. Wir liefern Khadys Nichte zu Hause ab und tragen schließlich die inzwischen eingeschlafenen Kinder nach oben. Das war er also, der erste Autokorso meines Lebens. Für manche Erfahrungen muss man eben tausende Kilometer weit reisen.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Als ich in mein Zimmer zurückkehre, bin ich überrascht: Dakar ist still, ohne die sonst üblichen nächtlichen Geräusche. Kein Kind schreit nach seiner Mutter, kein Paar streitet, keine Autos hupen. Selbst die sonst stets meckernden Ziegen schweigen. Nirgends prasselt Wasser in ein großes leeres Gefäß, weil jemand seinen Wasservorrat für den nächsten Tag auffüllt. Und es gibt hier keine Gruppe von Leuten, die ihre Freude mit noch einem Bier und noch einem verlängert und dabei immer lauter wird. Hier wird wenig Alkohol getrunken und wenn, dann jedenfalls nicht in der Öffentlichkeit. Vielleicht ist mir auch deswegen der hiesige Jubel so viel sympathischer. Und schließlich scheinen die
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Dakaroises
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            daran zu denken, dass dies erst das Halbfinale war. Das Wichtigste kommt noch.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Am nächsten Tag ist Khady heiser, wie auch der Muezzin, der mit seinen Gebetsrufen den hiesigen Tag strukturiert. Flüsternd kündigt Khady an, für sich und die Kinder fürs Finale Fan-Shirts zu beschaffen. Sie findet, ich sollte mir auch wenigstens ein Fähnchen besorgen. Ich will sehen, was ich tun kann. Schließlich muss ich erst einmal wieder zu Geld kommen.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            P.S. Sonntagabend. Khadim hat seine Schulden bei mir beglichen und einer der drei Automaten hat inzwischen tatsächlich Geld ausgespuckt. Meine Schuhe sind repariert und meine Wäsche ist gewaschen, getrocknet und gefaltet. Ein Fähnchen habe ich nicht, aber es gibt davon genug, an diesem Abend in Dakar, an dem Sadio Mané den entscheidenden Elfer verwandelt und der Senegal zum ersten Mal den
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Coupe d’afrique des nations
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            gewinnt. Aber das ist eine andere Geschichte.
             &#xD;
        &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Thu, 26 May 2022 21:48:05 GMT</pubDate>
      <author>183:880338813 (Dorrit Bartel)</author>
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      <g-custom:tags type="string">Senegal,Reisen</g-custom:tags>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
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        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Letzte Tage in Dakar</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/letzte-tage-in-dakar</link>
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      <content:encoded>&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/20220222_171826.jpg"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Nun sind sie fast um, meine drei Monate im Senegal. Für den Abschluss meines Aufenthaltes verordne ich mir ein paar touristische Highlights - so die Insel
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           La Gorée
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            , auf der ich beinahe den deutschen Präsidenten treffe. Schon auf der Taxifahrt zum Hafen gibt es am Präsidentenpalast eine Umleitung und ich bin überrascht, als der Taxifahrer auf meine Frage antwortet: „Der deutsche Präsident ist da.“ Die Bestätigung bekomme ich am Hafen, an dem ein Aushang der Schifffahrtsgesellschaft seine geschätzten Klienten um Verständnis dafür bittet, dass die Überfahrten zur Insel heute etwas gestört sind, weil
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Son Excellence, Monsieur Frank-Walter, President de la Republique Federale d’Allemagne
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            der Insel einen Besuch abstattet. Steinmeier ist wirklich ein komplizierter Name.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Die Insel
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           La Gorée
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            ist ziemlich berühmt, auch Barack Obama und Papst Johannes Paul II waren schon dort - denn es ist einer dieser Orte in Afrika, von denen aus in früheren Jahrhunderten Sklaven verschifft wurden. Das frühere Sklavenhaus ist heute ein Museum und die Insel ist - zumindest unter der Woche - ein beschaulicher Ort, der mit seinen bunten Häusern fast italienisch anmutet. Die Händlerinnen für Kleidung und Schmuck sind hier - im Gegensatz zu den sonstigen in Dakar - durchaus etwas aufdringlicher. Nachdem mir eine fünf Minuten lang Kleider und Stoffe zeigte, die mich nicht überzeugten, fragte sie mich, ob ich wirklich
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Madame-prends-rien
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            sein möchte. Ja, wollte ich, zumindest bei ihr, denn nichts gefiel mir. Ich habe auf der Insel aber Kleider und Tücher gekauft, fast rauschhaft nach Farben gegriffen, denn ich weiß schon jetzt, dass ich die in Berlin vermissen werde. Gut möglich, dass ich dort kein einziges der Kleider werde tragen können, ich sehe schon jetzt die skeptischen Gesichter meiner Freunde vor mir, weil die Kleider vielleicht ein bisschen zu bunt sind. Und doch schien es mir dort auf der Insel unerlässlich, etwas von hier mit nach Hause zu nehmen und die Farben sind zumindest ein äußeres Zeichen der hier allgegenwärtigen Lebensfreude.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Denn die hat mir die Tage in Dakar immer wieder versöhnt, wenn ich mich angesichts des ständigen und nie abreißenden Lärms und ewig komplizierten Dinge des Alltags gefragt habe, wie man hier arbeiten kann. Wäsche, Transport, Strom, Müll, jedes dieser in Deutschland selbstverständlichen Dinge braucht hier viel Zeit. Das hier zu erklären, würde den Rahmen sprengen, aber ich verspreche, ich werde davon irgendwann mehr erzählen. Aber wie schreibt eine großartige Schriftstellerin wie Aminata Sow Fall hier Bücher? Ich verstehe es noch immer nicht, doch ich habe es versucht. Ich habe tagsüber mit Ohropax am Schreibtisch gesessen, um den Lärm der Baustelle über mir auszublenden, ich habe die Pausen der Bauarbeiter genutzt. Ich bin an den Strand gegangen, bin in ruhigere Landesteile geflüchtet. Und zwischendurch habe ich fassungslos in die Abgründe von Beziehungen geschaut, in einem Land, in dem gesagt wird, Frauen seien Königinnen. Doch ihre Rollen sind festgelegt: Ihre Bestimmung ist Heiraten und Kinderkriegen. Ich habe gesehen, was das mit ihnen macht; was es bedeutet, an jedem einzelnen Tag den Alltag aufrechtzuerhalten, für sich, die Kinder und die häufig abwesenden Männer. Und trotzdem habe ich nur einen winzigen Ausschnitt gesehen. Ich habe die Zähne zusammengebissen und geschrieben, in der Hoffnung, dass es mir gelingt, etwas von alledem für europäische Leser zu „übersetzen“. Denn das war der Grund für meinen langen Aufenthalt hier: Recherche. Manchmal habe ich mich allerdings gefragt, ob ich es wirklich so genau wissen wollte. 
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Doch es gab auch den Tag, an dem der Senegal den
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Coup d’afrique de la nations
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            gewonnen hat, die
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Dakaroises
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            die halbe Nacht lang auf den Straßen tanzten und ich gar nicht umhin kam, mich mit ihnen zu freuen und Fan von Sadio Mané zu werden, der den entscheidenden Elfer für den Senegal verwandelte. Vor allem aber investiert er einen großen Teil des Geldes, das er als Profi in Liverpool verdient, in seiner Heimatregion für Schulen, ein Krankenhaus, ein Stadion und unterstützt arme Familien mit einem monatlichen Betrag. Er hat seine Kindheit nicht vergessen, in der er hungerte und auf dem Feld arbeiten musste. Er hat einen weiten, steinigen Weg zurückgelegt, um heute als Fußballer viel Geld zu verdienen und findet, dass dies in seiner Heimat besser angelegt ist als in einem Fuhrpark mit mehreren Luxuskarossen. Allein dafür wäre ich schon Fan von ihm geworden.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Es gab die Momente der Freude und Erleichterung, wenn mir jemand half, ein Problem zu lösen, wie der
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Guardien
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            des Hauses, als ich allein zu Hause war und meine Gastgeber nicht genug Strom auf Vorrat eingekauft hatten. Ich tappte verzweifelt im Dunklen und er redete beruhigend auf mich ein -
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           On est ensemble
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            - bis das Problem gelöst war. Es gab die Momente, in denen ein Bauarbeiter eine Flasche Wasser für mich bezahlte, weil der Verkäufer in der Boutique an der Ecke meinen großen Geldschein nicht wechseln konnte. Es gab die Momente, in denen mir Frauen oder Männer auf der Straße Komplimente für mein schönes Kleid machten (ja, genau, für eines von denen, die ich in Berlin nicht werde tragen können).
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Im Grunde weiß ich noch immer nicht, wie das Leben hier funktioniert. Aber ich weiß, dass meine Laune hier schneller wieder besser wird, wenn ich einen Anfall von Depression bekomme. Dass die Verzweiflung hier flüchtiger ist. Dass ich mich häufiger freue als zu Hause.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Während ich dies schreibe, ist in Europa ein Krieg ausgebrochen. Es scheint, dass ich einen Vorrat an Freude für meine Rückkehr gut gebrauchen kann.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 08 Mar 2022 11:54:57 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/letzte-tage-in-dakar</guid>
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      </media:content>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Warum auf meinen Fotos nur wenige Menschen zu sehen sind</title>
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      <content:encoded>&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/IMG_4447.JPG"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Als ich 2013 zum ersten Mal im Senegal war, prägte sich mir ein Moment besonders ein: Ich fotografierte in Saint-Louis, der früheren französischen Kolonialhauptstadt, die Umgebung und entdeckte plötzlich einen einheimischen Jugendlichen, der wiederum mich dabei fotografierte, wie ich seine Stadt und ihre Bewohner ablichtete. Ich senkte ertappt die Kamera und hielt seinem Blick stand, der freundlich war, in dem aber auch ein Hauch von Provokation lag: So ist es, wenn man ungefragt fotografiert wird.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Seither habe ich von meinen Reisen so viele Fotos mitgebracht, dass mich die Datenmenge erschlägt, wenn ich ein spezielles Foto auf meiner Festplatte suche. Immer häufiger bin ich des Fotografierens müde, weil ich an die Unmenge von Fotos denke und möchte inzwischen oft lieber den Moment wahrnehmen, als darüber nachdenken, wie ich ihn konservieren kann. Vor allem aber bin ich vorsichtiger dabei geworden, Menschen abzulichten. Insbesondere hier im Senegal geschieht es häufig, dass jemand energisch den Kopf schüttelt, sobald ich die Kamera hebe. Der Islam verbietet Bilder zwar nicht (ohnehin sind viele angenommenen Verbote eher Empfehlungen, so ist ein Bier oder ein Glas Wein durchaus mit dem Koran vereinbar, zumindest in diesem Land, in dem ein gemäßigter Islam gelebt wird). Aber es gibt eben viele Menschen, die ihr Bild nicht auf irgendwelchen Festplatten von Europäern wissen möchten.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Vielleicht bin ich auch erst durch ein Erlebnis vor einigen Jahren in Äthiopien besonders sensibilisiert. In unserer Reisegruppe war ein Deutscher, der sich damit brüstete, bereits 98 Länder der Erde bereist und bei jeder seiner Reisen mindestens 4000 Fotos gemacht zu haben. Einmal schipperten wir auf einem kleinen Boot über den Blauen Nil und eine junge Einheimische ihm gegenüber wand sich auf ihrem Platz, weil sie seiner Linse ausweichen wollte und dem unvermeidlichen Klicken der Kamera. Vollkommen ungerührt von dieser eindeutig unwilligen Geste drückte er wieder und wieder ab. Am selben Abend wiederholte sich dieser Moment mit einer anderen Einheimischen, die weniger Scheu zeigte und „Nein“ sagte. Da hatte er längst abgedrückt und wir anderen riefen unioso: „Löschen!“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Seine Antwort kam prompt und wiederum vollkommen empathielos und sich selbst zum Mittelpunkt der Welt erklärend: „Ich lösche nie ein Foto.“ Ich habe mich in meinem Leben selten so fremdgeschämt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wenn ich seither mit der Kamera um den Hals die Straße entlanggehe, habe ich diese Erfahrung im Hinterkopf. Und wenn jemand eine ablehnende Handbewegung macht, weil ich die Kamera hebe, breche ich sofort ab. Die Menschen haben ein Recht darauf, nicht abgelichtet zu werden - warum auch immer sie das nicht wollen. Eine Straßenszene mit Dutzenden von Menschen zu fotografieren, erweist sich deshalb als schwierig.  Aber es gehört für mich selbstverständlich zum Respekt dem Land gegenüber, in dem ich ein freundlich aufgenommener Gast bin, mich dem Wunsch seiner Bewohner zu fügen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Manchmal gelingen Fotos, die ein bisschen was zeigen - hier ein Foto vom einem Markt in Dakar (wie auch das Bild oben), eine Straßenszene in Kaolack, und ein Foto aus Miserah, einer kleinen Stadt kurz vor der Grenze zu Gambia, der Platz am Hafen an einem Samstagnachmittag. Und - weil es so schön ist - ein Sonnenuntergang von der vor Dakar liegenden Insel N’gor. Es ist ja nicht so, dass ich gar keine Fotos mache.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Mon, 24 Jan 2022 15:02:51 GMT</pubDate>
      <author>183:880338813 (Dorrit Bartel)</author>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Teju Cole und der Schuster von Ouakam</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/teju-cole-und-der-schuster-von-ouakam</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Eines Morgens fragt Khady mich, ob ich sie begleiten möchte, sie hat ein paar Dinge zu erledigen und falls ich mich langweilen würde… Ich klappe meinen Laptop, der sowieso nur Arbeit für mich bereithält, zu und beschließe, die Gelegenheit für eine Stadtrundfahrt zu nutzen. Immerhin denke ich daran, mir ein Buch einzustecken, denn das hier gebräuchliche
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           vite-fait
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            kann sich gern schon mal ein paar Stunden hinziehen. Und auf Teju Cole habe ich mich sowieso schon gefreut. Außerdem können wir am Ende der Fahrt vielleicht beim Schuster vorbeifahren, denn gleich an meinem zweiten Tag hat sich die Sohle eines meiner Schuhe gelöst, als ich an einer Treppenstufe hängengeblieben bin. Das passiert mir hier jedes Mal, denn die Stufen sind hier nicht genormt und da passiert es leicht, dass ich an einer unregelmäßigen hängenbleibe. Es wird noch ein paar Tage dauern, bis meine sich meine Füße an die ungenormten Stufen anpassen.  
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Unsere Fahrt beginnt damit, dass Khady feststellt, weder Papiere noch Geld bei sich zu haben und noch einmal nach Hause zurückfährt. Dann muss sie an einer Tankstelle halten, weil einer ihrer Reifen keine Luft mehr hat. Endlich lassen wir den Stau der Hauptstraße hinter uns und biegen in eine Straße in Mermoz ein. Hier wohnen die Toubabs, die Weißen. Ich verstehe, warum man hier wohnen will: Bäume spenden Schatten, Bougainvillen säumen richtige Straßen, nicht staubige Sandwege wie sie in Ouakam, dem Viertel, in dem ich bei Khady wohne, verbreitet sind.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            „In einem der Häuser gibt es auf dem Dach einen Pool. Da würde ich gern wohnen“, sagt Khady. „Aber teuer ist es.“
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Natürlich.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wir halten an einer Orange-Money-Hütte, an der Khady Geld abhebt, um es in der Bank einzuzahlen – die Zahlungssysteme Bank und Mobile Pay sind hier offenbar noch nicht kompatibel. Während ich am Auto warte, rollt ein Mann vom Dakarer Ordnungsamt auf einem Motorroller heran. Ich muss ihn davon abhalten, Khadys – widerrechtlich – geparktes Auto mit einer Kralle zu versehen. Lächelnd, aber unnachgiebig setzt er die Kralle schon mal an, als ich mich ans Steuer setze und ein Wegfahren andeute, indem ich immerhin den Motor starte. Dabei denke ich, dass ich jetzt alles noch schlimmer mache, denn mein Internationaler Führerschein liegt sicher zu Hause in Ouakam. Aber dem Mann vom Ordnungsamt reicht meine Geste des guten Willens und die Versicherung, dass die Besitzerin des Autos gleich wegfahren wird. Gutmütig winkt er ab und konzentriert sich auf einen anderen Falschparker.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Auf den Roman von Teju Cole kann ich mich erst an unserer nächsten Station konzentrieren, während Khady das Geld auf der Bank einzahlt. Die zuerst ins Auge gefasste hat eine zu lange Schlange und keine Parkplätze, diese hier hat wenigstens Parkplätze. Ich versichere Khady, dass ich mich nicht langweilen werde, und widme mich endlich Teju Cole.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            In
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://shop.autorenwelt.de/products/jeder-tag-gehort-dem-dieb-von-teju-cole-1?variant=39426166980701" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           „Jeder Tag gehört dem Dieb“
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            kehrt der Held nach langer Abwesenheit nach Nigeria zurück. Zwölf Jahre hat er in den USA gelebt und dort ein anderes Leben, vor allem ein rechtsstaatliches, kennengelernt. Er schildert seine Ankunft in Lagos, wo er innerhalb einer Stunde dreimal mit der in Nigeria verbreiteten Korruption konfrontiert wird. Die emotionale Rückkehr in sein Heimatland wird von der Wut darauf überschattet. Im Laufe seiner Reise versteht er, dass das ständige Hand-Aufhalten überlebenswichtig ist. Das macht die Wut nicht kleiner, aber es gibt ihm ein anderes Verständnis dafür, das allerdings immer wieder auf die Probe gestellt wird.  
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich habe etwa die Hälfte des 150 Seiten umfassenden Buches ausgelesen, als Khady aus der Bank zurückkommt und mich in den Senegal zurückkatapultiert, in dem ich selbst nur ein einziges Mal Zeugin von Korruption war – vor drei Jahren, als ich mit Khadys Bruder in einem Auto ohne Versicherung unterwegs war und ein Polizist seinen Führerschein einziehen wollte. Mit einem Geldschein in einem Gegenwert von vielleicht 20 € löste er das Problem damals. In Nigeria wäre das teurer gewesen. Oder gefährlicher, denn die allgegenwärtige Korruption führt dazu, dass auch Gewalt in dem Land ständig präsent ist. Gerade hatte ich über den Onkel des Helden gelesen, der bei einem Raubüberfall erschossen wurde. Nigeria, beschließe ich nicht zum ersten Mal, bleibt vorläufig auf meiner persönlichen Reisewarnliste. Ich will gern weitere afrikanische Länder kennenlernen, aber lebensmüde bin ich nicht - und über starke Aggressivität als Grundstimmung in Nigeria habe ich leider schon häufiger gehört.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wir setzen unsere Fahrt fort, im Viertel Sacre Coeur hat Khady ihr Büro, das sie nur selten aufsucht, da sie ihre Geschäfte als Immobilienmaklerin weitgehend telefonisch abwickelt. Nur wenn sie Papiere braucht oder etwas drucken muss, fährt sie dorthin. Ihr Büro liegt an einer großen Straße, die derzeit ausgebaut wird, Schilder mit chinesischen Zeichen weisen auf die Investoren dieser Baumaßnahme hin. Einstöckige Häuser allein würde der Straße ein beschauliches Aussehen geben – wäre da nicht die Baustelle.  Boutiquen, Schönheitssalons, Reinigungen oder Restaurants befinden sich in den Erdgeschossen der Häuser und darüber vermutlich viele Büros wie das von Khady, zu dem wir zwischen Wäscherei und Boutique hinaufsteigen. Ein kleiner Raum mit zwei Schreibtischen und einem Sofa, auf dem ich mit Teju Cole weiter durch Nigeria reise, während Khady Papiere zusammensucht. Still ist es hier, auf der Baustelle wird gerade nicht gearbeitet und unerbittlich knallt die Mittagssonne auf die baumlose Straße. Die für Dakar ungewohnte Stille überrascht mich, doch als ich aus dem Fenster sehe, ist es so, wie es sich anhört: Da ist niemand. Nur einmal klappt eine Autotür und ein Mann trägt ein Paket in die Boutique.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Nach einer halben Stunde geht es weiter, Khady lässt mich noch einmal im Auto allein, als sie im Supermarkt einkaufen geht – Kartoffeln brauche sie noch, sagt sie und kommt mit Fanta und Keksen zurück. Die Kartoffeln haben ihr nicht gefallen und bei der Gelegenheit hat sie beschlossen, heute nicht zu kochen, sondern Essen zu bestellen. Sie verwirklicht ihre Idee sofort und bestellt telefonisch etwas, was sie mir später als typisch kongolesische Speise vorstellt: Reisknödel mit einer cremigen Soße aus Spinat und Ziegenfleisch.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Zurück geht es durch kleine, angenehme Straßen, in denen von frischen Anstrichen leuchtende Häusern eng stehen und Schatten spenden. Irgendwann sind wir wieder in Ouakam und ich bin überrascht, wie groß dieses Viertel ist, das erst vor etwa zehn Jahren angelegt wurde – was erklärt, warum hier so viel gebaut wird. Vor einem Wohnhaus halten wir und Khady ruft an, um zu sagen, dass wir da sind und das Essen abholen wollen. Es dauert noch etwa zehn Minuten, dann bekommen wir zwei Tüten ins Auto gereicht.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Etwa vier Stunden waren wir für
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           vite-fait
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            unterwegs und haben dabei am Ende den Schuster vergessen. Nachdem wir gegessen haben und ich mich vergewissert habe, dass die Arbeit in meinem Laptop noch warten kann, mache ich mich noch einmal auf den Weg. Khady hatte eigentlich mitkommen wollen, um mir den Weg zu zeigen und aufzupassen, dass der Schuster keinen „Toubab-Preis“ berechnet. Sie hat aber keine Zeit, also schärft sie mir ein, dass die Reparatur nicht mehr als 500 CFA kosten darf.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die erste Herausforderung ist es, den Schuster überhaupt zu finden, ich schlängle mich vorbei am Gewusel des Marktes mit Ständen voller Bananen, Melonen und Mandarinen, Zwiebeln und Tomaten, an Batterien von Plastiktöpfen und -schemeln, kitschigen Kissen und Cremetöpfen, von denen ich nur die Sheabutter kenne, die neben Kajalstiften und Räucherstäbchen angeboten wird. In der stillen Straße hinter dem Markt soll irgendwo der Schuster sein, doch die Geschäfte, die ihre Waren nicht auf der Straße stehen haben, tragen nur selten Schilder, auf denen steht, was sie im Innern anbieten – schließlich kennen die Einheimischen sich hier aus.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Immerhin gibt es ein Geschäft, das Schuhe verkauft, gut sichtbar auf einem Gitter präsentiert. Gebrauchte Schuhe, was hier üblich ist. Ein junger Mann in Jogginganzug und mit Sonnenbrille sitzt vor dem Geschäft und schrubbt ein paar – vermutlich aus Europa eingeführte – abgetragene Turnschuhe. Ist das der Schuster? Ich entscheide, dass Fragen ja auch hier nichts kostet, zeige ihm meine kaputte Sandale und frage, ob er sie reparieren kann. Er murmelt etwas, was ich als „Ja“ interpretiere, erst recht, nachdem er mir einen eleganten, aber unbequemen Metallstuhl zurechtgestellt hat, auf dem ich Platz nehme.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Sorgfältig sucht er in einem Plastiksack nach Klebstoff, reinigt den Schuh von alten Kleberesten, trägt den Leim auf und lässt ihn antrocknen. Während wir warten, bewundere ich die farbenfrohen Boubous der vorübergehenden Männer sowie die ebenso bunten Kleider und den stolzen Gang der jungen afrikanischen Frauen. Selbst wenn sie keine Schüssel mit Waren auf dem Kopf tragen, was hier sehr oft zu sehen ist, bewegen sie sich so, dass sie es jederzeit könnten. Im Alter verwandelt sich der elegante Gang oft in ein gebeugtes Schlurfen, in dem alle Lebensanstrengungen erkennbar sind – doch eine Schüssel mit mehreren Kilo Bananen oder Schmuck zum Verkauf können sie auch dann noch tragen.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Mehrfach wird der Schuster von Passanten angesprochen und auch wenn ich die Sprache der Einheimischen, Wolof, nicht verstehe, erkenne ich, dass hier ganz offensichtlich immer das Begrüßungsritual abläuft: „Wie geht‘s?“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Gut, danke. Und selbst?“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Danke, gut. Und mit der Familie alles gut?“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Ja, alles gut. Und die Arbeit?“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Gut, danke.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Erst wenn die letzte Frage dieser ausführlichen Grußformel gestellt und – in Variationen – beantwortet ist, wendet sich der Passant wieder seinem Weg zu.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Endlich reicht mir der Schuster meinen Schuh. „C’est bon“, sagt er auf meine Frage, was ich ihm schuldig bin. Ich vermute ein Missverständnis und frage noch einmal.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Si je dis c’est bon, c’est bon.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Überrascht packe ich meine Sandale ein und verabschiede mich. „A la prochaine fois.“ Obwohl es nicht sein muss.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ob das in Nigeria auch so passiert wäre?
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Die Fotos zeigen alle Straßen im Dakarer Viertel Ouakam. Und in einem meiner nächsten Texte erzähle ich, warum auf meinen Bildern so wenig Menschen zu sehen sind, obwohl ich ja immer vom Gewühl in den Straßen erzähle.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Mon, 10 Jan 2022 22:32:20 GMT</pubDate>
      <author>183:880338813 (Dorrit Bartel)</author>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/teju-cole-und-der-schuster-von-ouakam</guid>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Eine gute Nachricht aus Äthiopien</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/eine-gute-nachricht-aus-aethiopien</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/269933041_319008426897125_6468993906685725069_n.jpg"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Nein, die gute Nachricht ist leider nicht, dass der Krieg in Äthiopien vorbei ist. Zwar hat sich die Rebellenarmee der TPLF zu Friedensverhandlungen bereiterklärt, was ein Fortschritt ist, aber ob Regierung und Rebellen sich einigen werden und wie lange es dauert …
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Und doch gibt es gute Nachrichten von Adane, der seinen zuletzt ausgeübten Beruf als Touristenguide zuerst corona- und dann kriegsbedingt seit März 2020 nicht mehr ausüben kann. Er hielt sich und „seine“ Kinder mit Spenden aus Deutschland und schlechtbezahlten Jobs auf dem Bau über Wasser. Glücklicherweise haben die beiden ältesten „seiner“ Kinder inzwischen eine Ausbildung und ein Studium abgeschlossen und unterstützen ihn von ihrem Lohn. Und er selbst verdient auch wieder regelmäßig Geld. Wenn es gut läuft – was man in einem Land wie Äthiopien nie wissen kann – hat er gerade den letzten beruflichen Wechsel seines Lebens vollzogen. Mit Mitte sechzig.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Als ich ihn am zweiten Weihnachtsfeiertag anrufe, ist er überrascht: „Ich versuche seit Tagen erfolglos, Freunde und Bekannte in Europa anzurufen, aber offenbar sind die Leitungen gekappt. Aber innerafrikanisch klappt es. Wow.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Ich bin nämlich in Dakar, verbringe mein erstes afrikanisches Weihnachten und bin noch ganz begeistert davon, bei 25 Grad Außentemperatur um einen künstlichen Weihnachtsbaum zu tanzen und
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Let it snow
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            mitzugrölen. Wir müssen beide darüber lachen, ehe Adane erzählt, dass er Weihnachten in diesem Jahr ausfallen lassen musste. Ohnehin ist das Weihnachtsfest in Äthiopien im Dezember immer sehr exotisch, denn das orthodoxe Weihnachtsfest ist dort erst am 7. Januar. Aber mit Gott hat Adane es nicht so. Und da er sich nach mehr als 20 Jahren, die er in Deutschland gelebt hat, als halber Deutscher fühlt, hat er jedes Jahr für „seine“ Kinder deutsche Weihnachten veranstaltet. Mit einem selbstgepflückten Baum (ich korrigiere diesen seltenen Fehler in seinem Deutsch nicht) und Geschenken. Im vergangenen Jahr war das Geschenk für jedes Kind ein Kugelschreiber, die er irgendwo als Werbegeschenke abgestaubt hatte.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           In diesem Jahr gab es nicht einmal das, denn er hatte kein Geld und auch keine Zeit, um irgendwo Werbegeschenke aufzutreiben. Denn alle Zeit und sein letztes Geld (zusammen mit Geld von deutschen Freunden) sind in eine Schreinerei geflossen, deren Teilhaber er seit neuestem ist. Ich hatte das alles nur am Rande verfolgt, weil ich zu sehr mit meiner Abreise nach und meiner Ankunft in Afrika beschäftigt war. Erst jetzt haben wir Zeit, ausführlich darüber zu sprechen. Der Vorbesitzer der Schreinerei ist im Krieg gefallen – einer von Tausenden. Seine Witwe wollte die Schreinerei für 10.000 Euro verkaufen, was Adanes Mittel weit überstiegen hätte. Also machte er ihr einen Vorschlag: Sie bekommt sofort 2000 Euro und bleibt Teilhaberin. Auf lange Sicht ist das für sie besser als eine einmalige Summe. Und nun ist Adane Teilhaber einer gutgehenden Schreinerei, die in der Vergangenheit vor allem für die Regierung gearbeitet hat. Und Adane hat selbst bereits einen Regierungsauftrag akquiriert.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Ich arbeite sechzehn Stunden am Tag“, sagt er und ich habe ihn lange nicht so glücklich gehört.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Ich dachte, Du bist der Chef und lässt arbeiten?“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „In acht Monaten etwa wird es vermutlich etwas besser. Ich habe nur einige der früheren Angestellten übernommen, die ich erst anlernen muss. Zum Teil haben sie vorher nur als Helfer gearbeitet und noch nie eine der Maschinen angefasst.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Jetzt zahlt sich nicht nur Adanes deutsche Ausbildung auf dem Bau aus, sondern auch die Tatsache, dass er für die Philip Holzmann AG auch als Ausbilder gearbeitet hat.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Vor allem habe ich Frauen eingestellt. Ich wusste nicht, dass mich Kinder so rühren. Wenn eine Frau mit drei oder vier Kindern vor mir steht, die sie allein durchbringen muss, kann ich nicht nein sagen. Jetzt habe ich elf Frauen und sieben Männer als Angestellte.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Du bist also zuversichtlich, dass du genug Aufträge bekommen wirst?“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Der Mann vom Bildungsministerium meinte, dass ich bestimmt die nächsten drei Jahre gut zu tun haben werde.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Weil im Krieg so viel zerstört wurde?“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Ganz genau. Jetzt sorgt der Krieg, den ich so sehr hasse, dafür, dass ich Geld verdiene…“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich kann förmlich sehen, wie er darüber den Kopf schüttelt, nicht sicher, welches Gefühl überwiegt: Der Hass auf den Krieg oder die Erleichterung darüber, wieder arbeiten zu können. Die Pause zwischen uns ist die, die sich immer in unsere Gespräche schleicht, wenn das Thema zu komplex ist. Am Ende der Pause sagt Adane: „Ich wünschte, du könntest dich jetzt – nur für dreißig Minuten oder so – von Dakar hierher beamen, damit ich dir meine Werkstatt zeigen kann.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Vielleicht macht ihr ja wirklich Frieden. Dann kann ich Dich bald besuchen. So richtig, mit Flugzeug und für länger und so.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Das wünsche ich mir von ganzem Herzen.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Dem schließe ich mich mit ganzem Herzen an: Möge das nächste Jahr Frieden für Äthiopien bringen.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Foto: Adane an der Werkbank.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Wed, 29 Dec 2021 20:08:29 GMT</pubDate>
      <author>183:880338813 (Dorrit Bartel)</author>
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        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Corona im Senegal - Zwanzig Monate später</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/corona-im-senegal</link>
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      <content:encoded>&lt;div&gt;&#xD;
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&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/2021-12-17+10.51.07.jpg" alt=""/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich bin zurück. Im Wohnzimmer meiner Freundin Khady, wo wir am Anfang der Pandemie saßen und die Bilder aus Bergamo sahen. Damals nickte ich, als sie irgendwann sagte: „Ich komme mir vor wie in einem schrecklichen Film.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Ich bin wieder in Dakar. Damals war der weltweite Flugverkehr praktisch zum Erliegen gekommen, ich saß fest und wusste nicht, wann ich nach Hause kommen würde. Die Welt war aus den Fugen geraten, etwas war geschehen, von dem noch niemand sagen konnte, wohin es führen würde. So gern ich in Dakar und bei meinen Freunden war, wollte ich in dieser Situation doch lieber in meiner Wohnung in Berlin sein und in der Nähe meiner Familie. Als ich nach drei Wochen bangen Wartens einen Evakuierungsflug nach Köln bekam, fühlte ich mich allerdings schlecht: Die Prognosen für Afrika in dieser Pandemie waren verheerend. Und ich reiste ab ins vermeintlich sicherere Europa und ließ meine senegalesischen Freunde
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           dans la merde
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            zurück.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Nun, zwanzig Monate später komme ich aus dem wieder lockdownbedrohten Deutschland und erlebe ein munteres Dakar, in dem der Optimismus die Oberhand behalten hat. In Ouakam, dem Viertel, in dem ich bei Khady wohne, wird gebaut – an jeder Ecke, in jeder Straße entstehen neue Häuser oder die vorhandenen werden aufgestockt. Leider auch das, in dem Khady wohnt, wie ich schnell feststelle. In Berlin hatte ich ebenfalls in den letzten Monaten eine Baustelle vor dem Fenster. Meine Hoffnung, es hier etwas ruhiger zu haben, bewahrheitet sich leider nicht. Als ich mich über den Lärm beklage, sagt Khady mit dem hier typischen Achselzucken: „Drei Monate hieß es, jetzt sind es schon zehn.“ Das kommt mir sehr bekannt vor. Während ich in Berlin jedoch deswegen zwischen Wut und Verzweiflung schwanke, schließe ich mich hier dem Achselzucken an.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Die kleinen Geschäfte, die in jenen ersten Wochen der Pandemie freiwillig schlossen, haben wieder geöffnet, nichts mehr ist von der damaligen fast gespenstischen Stille zurückgeblieben. Einige Geschäfte haben nicht überlebt. Vielleicht hätten sie es ohnehin nicht? Leid tut es mir um die kleine Reinigung, die eine junge, sympathische Frau betrieben hatte, die mir meine gewaschene Wäsche vorbeibrachte, nachdem sie herausgefunden hatte, wo ich wohne. An der Stelle ihres Geschäfts befindet sich jetzt ein Friseur. Wo mag sie jetzt sein?
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich bedaure auch, dass es den kleinen Shop nicht mehr gibt, in dem es Bier und Wein gab. In einem muslimischen Land ist der Weg zu Alkohol eben etwas weiter – in meinem Fall brauche ich jetzt knapp zwanzig Minuten Fußweg bis zum Supermarkt. Ich könnte ein Taxi nehmen, aber das lohnt kaum, schneller bin ich bei den allgegenwärtigen Staus in Dakar damit auch nicht. Und am Abend meiner Ankunft bin ich einfach zu müde für das übliche Verhandeln mit den Taxifahrern. Meine Energie dafür habe ich am Morgen schon verbraucht, als ich vom Busbahnhof zu Khady fuhr. 2000 CFA (etwa 3,20 €) soll es maximal kosten, hatte sie mir geschrieben. Der erste Taxifahrer wollte das Doppelte, mit dem zweiten einigte ich mich auf 3000 CFA, zu erschöpft für weitere Verhandlungen nach einer Nacht im Flugzeug, einer Stunde am Flughafen mit Pass- und Impfausweiskontrollen und einer weiteren im Bus vom Flughafen und mit dem Gepäck für etwa drei Monate.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Inzwischen habe ich zwar eine Stunde geschlafen, aber den Schlafmangel noch nicht wirklich kompensiert, und mache mich knapp nach Sonnenuntergang auf den Weg zum Supermarkt, denn für den Temperaturanstieg von etwa 25 Grad wird mein Körper ein paar Tage brauchen. Tapfer trage ich mein Gazelle, das einheimische Bier, vom Supermarkt durch staubige Straßen, vorbei an unzähligen halbfertigen und doch bewohnten Häusern und angepflockten Ziegen und registriere eine neue Djibiterie, ein hiesiger Imbiss, der hauptsächlich frisch auf Holzkohlefeuer geröstete Fleischspieße anbietet. Ich weiche Pferdewagen und Autos aus, deren Staubwolken mich einhüllen. Ich grüße die Kinder, die höflich
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Bonjour
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            sagen, wenn ich vorbeigehe, lächle den Bananen- und Erdnussverkäuferinnen an den Straßenecken zu und freue mich, wenn sie mein Lächeln erwidern.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Im Supermarkt ist das Tragen von Masken Pflicht, in den kleinen Shops scheint es fakultativ zu sein – oder wird zumindest so gehandhabt. Draußen tragen nur wenige Menschen Masken, ansonsten allenfalls noch die Taxifahrer und sehr selten Leute in privaten Fahrzeugen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Das hatte ich in den Informationen des Auswärtigen Amts gelesen: Masken seien in Privatfahrzeugen mit mehr als zwei Insassen Pflicht, Nichteinhaltung werde streng bestraft. Also fragte ich Khady, als ich nachmittags zu ihr und den Kindern ins Auto stieg. Sie winkte ab. Später erzählt sie, dass es hier offenbar viele asymptomatische Verläufe von Corona-Infektionen gegeben habe. Ihre Schwägerin, die aus Frankreich zu Besuch kam, hatte sich kurz vor ihrem Heimflug testen lassen und so erst festgestellt, dass sie sich infiziert hatte.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Zum Eigenschutz habe ich mir in Berlin kurz vor meinem Abflug noch eine dritte Impfung abgeholt, aber auch, um hier diejenigen zu schützen, denen ich nahekomme, weil wir in einem Haushalt wohnen. So jedenfalls war meine Überlegung, doch im Grunde kümmern sich die Menschen hier wenig um Corona. Khady ist doppelt geimpft. Ihr Mann nicht, obwohl es inzwischen kein Problem mehr ist, an die Impfung zu kommen. „Wir essen dauernd Chili, Zitrone, Knoblauch, das hilft unseren Abwehrkräften“, sagt Khady und ich frage mich, was Wissenschaftler wohl irgendwann zum Verlauf der Pandemie in Afrika sagen werden. Dass die vorhergesagte Katastrophe ausblieb, kann nicht nur an Zitrone und Chili liegen. Die junge Bevölkerung ist sicher ein Grund und die Tatsache, dass sich bei den hiesigen Temperaturen das Leben zumeist draußen abspielt. Und doch gibt es hier viele Gelegenheiten, bei denen sich das Virus ausbreiten könnte; schon am Nachmittag meiner Ankunft essen wir wie immer: nah beieinandersitzend gemeinsam senegalesischen Reis mit Gemüse und Fisch von einer großen Platte. Und am nächsten Abend schläft Khadys zweijähriger Sohn Bilal abends in meinen Armen ein. Die Sicherheitsmaßnahmen, die wir vor zwanzig Monaten beachteten, haben sich nicht durchgesetzt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Jedenfalls haben wir das Thema Corona innerhalb kürzester Zeit abgehandelt und können uns sehr bald wieder auf das Wesentliche konzentrieren: Dass wir Zeit zusammen verbringen können.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           On est ensemble.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Sun, 26 Dec 2021 18:56:06 GMT</pubDate>
      <author>183:880338813 (Dorrit Bartel)</author>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/corona-im-senegal</guid>
      <g-custom:tags type="string">Senegal,Reisen</g-custom:tags>
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      </media:content>
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        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Eine gute und eine schlechte Nachricht - Teil 2</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/eine-gute-und-eine-schlechte-nachricht-teil-2</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wohl ist mir nicht bei dem Gedanken, dass Adane jetzt im Kriegsgebiet Flüchtlingsunterkünfte baut, aber er hat keine Wahl. Unruhig warte ich auf Nachricht. Nach vier Tagen höre ich von ihm.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Die Pläne haben sich geändert. Ich gehe nach Djibouti.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Ist es dort sicher?“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Adane holt etwas weiter aus: Als er in Addis Abeba angekommen ist, von wo aus er mit achtzehn weiteren äthiopischen Bauarbeitern für das Internationale Rote Kreuz nach Dese fahren sollte, ist der Plan aus Sicherheitsgründen aufgegeben worden. Alle Bauarbeiter sind nach Hause geschickt worden. Sie sollen sich bereithalten, für bald, wenn die Lage sich verbessert hat. Der Schotte, der ihnen dies mitteilte, erzählte Adane auch, dass es noch ein anderes Problem gibt: Die Teile für die Fertighäuser, die an vier verschiedenen Standorten in Äthiopien errichtet werden sollen, liegen noch am Hafen in Djibouti. Aber: Es gibt niemanden, der die Ladung so aufteilen kann, dass die Teile korrekt auf alle vier Orte verteilt werden. Niemand kennt sich mit Fertighausbau aus. Adane zögert nicht eine Sekunde. „Ich kann das. Ihr kennt meine Referenzen und wisst, dass ich Ahnung vom Bau habe. Fertighäuser habe ich schon gebaut.“ In Singapur, aber das sagt er nicht, es würde nur verwirren: Ein Äthiopier mit deutschen Zeugnissen, der in Singapur Fertighäuser gebaut hat. Eine zu lange Geschichte für den Schotten, dessen Gesicht sich aufhellt. Zeichnet sich hier eine Lösung für sein Problem ab? Vor seinem nächsten Satz holt Adane tief Luft: „Für fünfhundert Euro pro Tag mache ich das.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich sehe förmlich, wie der Schotte die Augen aufreißt. Eben noch sollte Adane für zwölf Euro am Tag Häuser bauen. Andererseits: Irgendjemand muss die Teile von Djibouti aus verteilen. Er muss das mit seinem Chef besprechen. Eine halbe Stunde später ist der Deal besiegelt. Adane bekommt zwei Tage für seinen Auftrag und tausend Euro. Dafür hätte er ein halbes Jahr arbeiten müssen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Als Adane mir das erzählt, ist er schon in Dire Dawa, etwa 150 Kilometer von der Grenze zu Djibouti entfernt; morgen fährt er dorthin. Sicher sei es, denn die Grenze zwischen Äthiopien und Djibouti ist gut bewacht – von beiden Seiten. Adane hat das Geld schon bekommen und vor allem auch seinen Status verbessert. Ein paar Tage zuvor noch ist er noch mit einem Sammelminibus von Dire Dawa nach Addis Abeba gefahren, jetzt ist er von Addis aus geflogen. Und man hat ihm nicht nur das Flugticket bezahlt, sondern auch einen Wagen mit Chauffeur geschickt, der ihn vom Flughafen ins Hotel gebracht hat – in eines der besten Häuser am Platz.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Und da hast du dir gleich eine Runde Kat gegönnt?“, frage ich, denn mir fällt auf, dass seine Sprache ein bisschen verlangsamt ist. So, wie ich es von den Männern in den nachmittäglichen Katrunden kenne, bei denen ich 2018 zu Gast war – ohne selbst zu kauen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Entrüstet verneint Adane. „Aber ich musste vorhin mit dem Schotten Whisky trinken. Zwei Single Black Label – und das, nachdem ich seit fast zwei Jahren nicht einen Tropfen Alkohol getrunken habe.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            ﻿
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Bevor wir uns verabschieden, bittet er mich ein bisschen kleinlaut: „Drück‘ mir die Daumen, dass ich das jetzt auch wirklich hinkriege.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Klar kriegst du das hin. Aber jetzt solltest du besser schlafen. Melde dich, wenn du zurück bist.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Und während Adane in Dire Dawa hoffentlich gut schläft, freue ich mich darüber, dass ihn das Glück auch diesmal nicht verlassen hat. Es zieht sich durch sein ganzes Leben: Auf größte Verzweiflung folgt ein Glücksfall. Er hat nie aufgehört, darauf zu vertrauen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ein paar Tage später meldet er, dass in Djibouti alles bestens gelaufen ist und der Schotte ihn gerade zu seinem Helden erklärt hat. Vielleicht verhilft er Adane sogar zu einer neuen beruflichen Perspektive. Die Finger einer Hand reichen nicht, um zu zählen, der wievielte Neustart in seinem Leben es wäre.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wann die Flüchtlingsunterkünfte gebaut werden, weiß im Moment niemand. Der Bürgerkrieg breitet sich immer weiter aus. Inzwischen haben die westlichen Botschaften ihre Staatsbürger aufgefordert, alle noch möglichen regulären Flüge zur Ausreise zu nutzen. Man rechnet damit, dass der Krieg auch in die Hauptstadt kommt. Und ich denke daran, wie naiv ich 2018 war, als ich mich von Adane verabschiedet habe. Er sagte damals: „Hoffentlich sehe ich dich wieder.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Klar“, sagte ich, „spätestens in zwei Jahren komme ich und wir sprechen über das Buch, das ich über dein Leben schreibe.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            In meiner Welt schien das so einfach. Zwar hat auch hier die Sicherheit durch Corona einen Knacks bekommen. Doch in Adanes Welt ist Corona das kleinere Übel, die Unsicherheiten waren schon immer größer. Wieder einmal frage ich mich, woher er immer wieder seinen Optimismus nimmt und die Kraft, weiterzumachen und auf den nächsten Glücksfall zu vertrauen.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Sun, 05 Dec 2021 18:11:31 GMT</pubDate>
      <author>183:880338813 (Dorrit Bartel)</author>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/eine-gute-und-eine-schlechte-nachricht-teil-2</guid>
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    </item>
    <item>
      <title>Eine gute und eine schlechte Nachricht - Teil 1</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/eine-gute-und-eine-schlechte-nachricht</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht“, begrüßt Adane mich am Telefon irgendwann Mitte November.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die gute Nachricht ist, dass er einen Job hat. Er wird – zusammen mit internationalen Kollegen vom Roten Kreuz und vom Roten Halbmond – Flüchtlingsunterkünfte in Dese bauen, einer Stadt in der vom Krieg betroffenen Provinz Amhara. Endlich wieder eigenes Geld verdienen. Und weil Adane einen Meisterbrief als Maurer/Fliesenleger aus Deutschland hat, wird er sogar zwölf Euro am Tag verdienen, für äthiopische Verhältnisse gutes Geld. Wobei man das mit dem guten Geld nur in Relation zu anderen Einkommen sehen darf, in einem Land, in dem z.B. Benzin teurer ist als in Deutschland, sind auch zwölf Euro pro Tag kein wirklich guter Verdienst.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die schlechte Nachricht ist, dass in Dese bei Kämpfen zwischen Rebellen und der äthiopischen Armee am Tag zuvor 480 Menschen umgekommen sind. Es ist kein Ort, an dem irgendjemand jetzt sein möchte. Auch Adane nicht, aber er hat keine Wahl. Denn beinahe zeitgleich mit dem Angebot bestätigte sich das Gerücht, das bereits seit Beginn des Sommers die Runde machte: Die Schulgebühren werden massiv erhöht. Die Staatskassen sind leer, und viele Lehrer sind in den Krieg gezogen. Die Schulgebühren sollen den Städten und Gemeinden die Möglichkeit geben, neue Lehrer einzustellen. Immerhin sei das für ein ganzes Jahr, sagt Adane. Den wütenden Eltern, die nach dieser Meldung im ganzen Land protestierten, versprach Ministerpräsident Abiy Ahmed, es sei das letzte Mal, dass die Eltern überhaupt Schulgebühren zahlen müssten, solange er und seine Partei an der Macht bleiben.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Rechnet Abiy damit, nicht mehr lange an der Macht zu bleiben?“, frage ich sarkastisch.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Adane lässt meine Bemerkung unkommentiert. Ihn kostet die Entscheidung zweihundert Euro, denn er schickt zehn Kinder zur Schule. Ich sage ihm zu, mein Versprechen vom Anfang des Sommers einzulösen und das Schulgeld aufzutreiben. Wenigstens kann ich etwas tun, was mich davon ablenkt, wie traurig mich das alles macht. Ich habe Äthiopien 2018 als ein freundliches Land kennengelernt, dessen Bewohner hoffnungsvoll in eine Zukunft blickten, die sie selbst gestalten wollten. Große Hoffnungen ruhten auf Abiy Ahmed, der nun eine von zwei Kriegsparteien anführt. In einem Krieg, in dem es für viele Äthiopier nur noch ums Überleben geht.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wir telefonieren am nächsten Tag erneut, inzwischen hat meine Mutter freundlicherweise das Schulgeld für Adane und die Kinder zur Verfügung gestellt. Dafür hat sich die Situation in Dese verschlechtert: In der Nacht sind alle internationalen Arbeiter evakuiert und nach Addis Abeba gebracht worden. Die äthiopischen Arbeiter werden also allein die Flüchtlingsunterkünfte bauen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Das bedeutet natürlich, dass ihr nicht mehr so gut geschützt seid.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Ganz genau. Ich habe mein Testament gemacht. Damit die Kinder dann wenigstens das Haus haben, das ich für alle gebaut habe. Und das Geld, das ich jetzt verdiene.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich schweige. Was soll ich darauf schon antworten? Was soll aus den Kindern werden, wenn Adane nicht mehr ist? Als hätte er meine Gedanken erraten, sagt er: „Wenn ich es bloß so lange schaffe, bis alle Kinder wenigstens einen Zehnte-Klasse-Abschluss haben. Damit können sie einen Job finden. Es ist das Einzige, was ich noch erreichen muss.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Das wirst du“, sage ich mit dem schwachen Versuch, überzeugend zu klingen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Offensichtlich gelingt das nicht wirklich gut, denn Adane sagt: „Mach dir keine Sorgen. Es wird alles gut gehen.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Dann zählt er auf, was man ihnen versprochen hat: „W-LAN. Ich kann dich also anrufen. Einzelunterkünfte. Wir Äthiopier bekommen normalerweise Mehrbettzimmer, aber das wollen die internationalen Arbeiter nicht. Die sind jetzt weg und also sind die Zimmer frei. Wie es mit Essen aussieht, weiß ich nicht. Ich nehme Gerste mit.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Gerste, das habe ich von Adane gelernt, ist sehr proteinhaltig und außerdem gut verfügbar, deshalb bietet sie sich an für die Verpflegung unterwegs. Man kann verschiedene Gerichte daraus bereiten, am einfachsten ist Brei. Auf der letzten Baustelle, auf der Adane gearbeitet hat, hat er wochenlang Gerstenbrei gegessen, weil es nichts anderes gab.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Eine Frage muss ich noch stellen: „Haben die Kinder meine Kontaktdaten?“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Sie haben alles. Wenn ich tot bin, werden sie sich bei dir melden.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich verkneife mir den Satz, der mir auf der Zunge liegt: So habe ich es nicht gemeint. Denn ich habe es so gemeint und wir wissen es beide. So sage ich nur wie immer: „Lass von dir hören.“ Und füge hinzu: „Pass auf dich auf.“   
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Das mache ich.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Hoffentlich wird das reichen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Sun, 05 Dec 2021 18:08:46 GMT</pubDate>
      <author>183:880338813 (Dorrit Bartel)</author>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/eine-gute-und-eine-schlechte-nachricht</guid>
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    </item>
    <item>
      <title>Sommerferien auf äthiopisch - Teil 3</title>
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&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Im späten Oktober telefoniere ich mit Adane, als er gerade die Rückkehr der Kinder nach Hause und in die Schule vorbereitet. Dafür braucht er einen Minibus. Den zu besorgen, ist im kriegsgezeichneten Äthiopien eine Herausforderung. Die Benzinpreise sind in den letzten Monaten um ein Vielfaches gestiegen, sie sind inzwischen höher als in Deutschland. Glücklicherweise hat Adane einen reichen Bruder, der ihn unterstützt. Die Organisation der Rückreise wird noch dadurch erschwert, dass die Kinder in Kenia nicht – wie von Adane gewünscht – zusammen an einem Ort geblieben sind. Jedes Mädchen hat einen anderen Blutsverwandten besucht und nun muss Adane die Information über die Rückreise an viele Orte in der kenianischen Savanne bringen. Nicht überall gibt es Telefone, so dass manchmal auch die „Post auf zwei Beinen“ entsandt werden muss. Insgesamt aber ist Adane optimistisch, rechtzeitig zu Schulbeginn mit den Kindern wieder in Chelenko zu sein.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Schick Fotos“, bitte ich ihn noch, denn ich möchte meine Texte im Blog gern bebildern.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Fotos bekomme ich nicht, denn als Adane eine Woche später anruft, ist er froh, dass er nun mit allen Kindern heil in Yabello, einer Stadt im Süden Äthiopiens, angekommen ist. Es hatte nämlich viele Meldungen über Überfälle in der Savanne gegeben, so dass er sich entschloss, einen anderen Weg nach Yabello zu nehmen, der einen Umweg von etwa 80 Kilometern bedeutete. Wegen dieses Umwegs konnten die Kinder nicht noch einmal bei ihren Eltern in der Savanne vorbeifahren, um sich zu verabschieden. Es schien einfach zu gefährlich.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Morgen früh um drei Uhr fahren wir los nach Chelenko“, sagt Adane.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Dürft ihr nachts überhaupt fahren?“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Mit der Meldung über den jetzt im ganzen Land herrschenden Ausnahmezustand hat es Äthiopien dieser Tage mal wieder in die deutschen Hauptnachrichten geschafft.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Ja, das ist erlaubt. Es gibt nur dauernd Kontrollen auf Waffen. Aber die machen uns nichts aus, denn wir haben ja nichts. Und dann sind wir morgen Abend oder allerspätestens übermorgen Vormittag in Chelenko.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „So schnell? Es sind doch bestimmt 800 Kilometer?“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Der Fahrer ist schnell.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich zweifle still, denn ich erinnere mich noch gut an eine knapp zwölfstündige Autofahrt von Addis Abeba nach Bahir Dar. Fünfhundert Kilometer über holprige äthiopische Straßen. Dabei war das schon eine ziemlich neue Straße, die allerdings schon wenige Jahre nach ihrer Errichtung tiefe Bodenwellen auswies. So schlecht bauen die Chinesen in Afrika, hatte ich damals gehört. Aber ich möchte nicht die Besserwisser-Weiße sein und bitte Adane nur noch einmal um Fotos. Er verspricht, mir welche zu schicken.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Überrascht bin ich nicht, als Adane erst drei Tage später meldet, dass die Kinder in Chelenko angekommen sind.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Du warst wohl doch etwas zu optimistisch.“ Das kann ich mir nicht verkneifen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Afrikanisch eben“, sagt Adane und ich bin nicht sicher, ob er seinen Optimismus oder die lange Fahrt meint. Dann gesteht er mir, dass ich leider keine Fotos bekommen kann, denn er hat sein Telefon unterwegs bei einem Überfall eingebüßt. Irgendwo auf der Strecke waren sie von maskierten, bewaffneten Männern angehalten und zur Herausgabe ihrer Wertsachen gezwungen worden. Bei Adane selbst gab es nur das Telefon zu holen, bei dem Fahrer leider das ganze Geld, das Adane ihm vor der Fahrt bezahlt hatte. „Zum Glück hatte ich ihn vorher bezahlt. Er hat mir sehr leidgetan, aber ich habe kein Geld, um ihn noch einmal zu bezahlen.“   
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Der Fahrer meinte übrigens, an den Stiefeln der Räuber erkannt zu haben, dass es sich um Soldaten der äthiopischen Armee und nicht sonst üblichen Banden gehandelt hätte. Immerhin waren sie so freundlich, den Beraubten ihre SIM-Karten zu überlassen. „Vermutlich, damit wir die Telefone nicht orten können.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die Fotos hatte Adane auf dem Telefon gespeichert, aber inzwischen sind mir die Fotos egal, ich bin froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Adane selbst hat den Überfall ebenfalls gedanklich abgehakt, er muss sich um die Anmeldung der Kinder in der Schule kümmern und darum, endlich wieder Geld zu verdienen. Vielleicht bekommt er einen Auftrag vom Internationalen Roten Kreuz, das an den Rändern der Kriegsgebiete in den Provinzen Amhara und Tigray Flüchtlingsunterkünfte bauen will. Er ist mit einem Chef der Organisation in Verhandlung. Vielleicht zahlt es sich jetzt noch einmal aus, dass Adane in Deutschland sowohl Gesellen- als auch Meisterbrief auf dem Bau erworben hat.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Am Nachmittag bekomme ich dann doch noch ein Foto – in schlechter Auflösung, aber immerhin – von einigen der Mädchen: Erholt, wieder zu Hause und voller Vorfreude darauf, wieder zur Schule gehen zu können.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Sun, 28 Nov 2021 21:09:42 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/sommerferien-auf-aethiopisch-teil-3</guid>
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    </item>
    <item>
      <title>Sommerferien auf äthiopisch - Teil 2</title>
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      <content:encoded>&lt;div&gt;&#xD;
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&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die nächste Nachricht von Adane erreicht mich im September via Messenger: Die Familie will weiter nach Kenia ziehen. Die Rebellen sind in Bule Hora, etwa 80 km entfernt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           So greift der Krieg noch weiter in den Alltag von Adane ein. Bislang hatte ich den Eindruck, dass er und die Kinder wenig betroffen waren, wenn man von der Lebensmittelknappheit und -verteuerung absieht und von der allgemeinen Unsicherheit über die Zukunft. Noch dazu hatte ich bislang vermutet oder gehofft, dass der Krieg nur im Norden stattfindet, in Tigray und den angrenzenden Provinzen. Meldungen über das Aufflammen der Gewalt im ganzen Land hatte ich nicht in mein Bewusstsein dringen lassen. Und natürlich hatte ich auch immer gedacht, Adane und den Kindern könne nichts passieren. So wie Unfälle auch nicht mir, sondern nur anderen geschehen. Nun also doch.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ein Telefonat mit Adane bringt neue Informationen. Er sagt, die Rebellen morden und vergewaltigen. Es seien von der TPLF (Volksbefreiungsfront von Tigray) gekaufte Söldner, die das ganze Land destabilisieren sollen. Solche Informationen sind mit Vorsicht zu genießen, denn Adane sagt selbst, dass die Situation oft viel zu unübersichtlich für genaue Einschätzungen ist. Im Moment zählt nur: Alle jungfräulichen Mädchen müssen über die grüne Grenze nach Kenia in Sicherheit gebracht werden. Adane ist mit einem Bruder dabei, einen Minibus aufzutreiben. Für „seine“ Mädchen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Früher waren die Kinder es gewohnt, viele Kilometer zu Fuß zu gehen, das sind sie heute nicht mehr.“ Nein, das ist nicht die ewige Klage über die heutige Jugend, sondern eine Feststellung. Die anderen Mädchen der Familie werden die etwa 85 Kilometer zu Fuß gehen und vier Tage später die Verwandten in Kenia erreichen, die sie aufnehmen. Boranafamilien sind groß und ziehen von Ort zu Ort, die Grenzen waren für sie immer durchlässig im Dreiländereck Äthiopien, Kenia, Somalia.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Adanes Stimme klingt optimistisch, die Sorge liegt schon hinter ihm, jetzt geht es darum, eine Lösung zu finden. Tätig zu sein, macht optimistisch. Während ich rat- und hilflos frage, ob ich etwas für ihn und die Kinder tun kann.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Du kannst nichts tun und du musst auch nichts tun. Mach dir keine Sorgen, es wird alles gut werden.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            ﻿
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich denke: Hoffentlich. Und begebe mich zurück in meine Rolle der Biografin. Ich habe über Adanes Leben einen Roman geschrieben und im Lauf der Arbeit haben wir uns angefreundet. Zwei Jahre habe ich damit zugebracht, Adanes Weg von der Savanne in die DDR, zurück nach Äthiopien, in die BRD und schließlich endgültig zurück in das Land seiner Geburt nachzuzeichnen und die Umstände, die zu dem jeweiligen Weg führten, zu schildern. Krieg war immer wieder Bestandteil seines Lebens und seiner Geschichte, doch als wir uns kennenlernten, fühlte es sich an, als seien diese Zeiten vorbei. Immerhin wurde dem heutigen Premierminister Abiy Ahmed 2019 der Friedensnobelpreis verliehen und er hielt zur Preisverleihung eine berührende Rede gegen Krieg. Ich habe den Roman über Adanes Leben im festen Glauben geschrieben, dass sie auch etwas über uns Europäer erzählt, dass es für uns wichtig ist, seine – exemplarische – Geschichte zu kennen. Jetzt ist der Roman abgeschlossen, doch Adanes Erzählungen aus seinem Leben und Alltag sollen noch immer gehört werden. Ich sehe mich in der Pflicht, Geschichten aus Afrika nach Europa zu bringen. Ja, manchmal treibe ich auch Geld auf, wenn etwa Salam, eines der älteren Mädchen, ein Stipendium für ein Studium in Riad bekommt, für ihre Flugkosten aber selbst aufkommen soll. Weil Adane wegen Corona monatelang nicht arbeiten konnte, habe ich Geld von meinen Freunden und Kollegen sowie Adanes ehemaligen Gästen gesammelt. Aber in der Hauptsache bin ich Schriftstellerin, die gemeinsam mit ihm afrikanisches Leben erzählt. Also wünsche ich der Mission „Ferien in Kenia“ Erfolg und bitte Adane, sich bei mir zu melden, wenn die Kinder in Sicherheit sind.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Es dauert fast zwei Wochen, ehe ich wieder von Adane höre. In der Savanne gibt es nicht überall Internet. Die Kinder haben morgens aus Kenia angerufen, wo sie von ihrem Verwandten aufgenommen worden sind. Vermutlich ist das ein Großonkel – ich habe es aufgegeben, die weitverzweigten Verwandtschaftsbeziehungen begreifen zu wollen, die sich schon in Adanes Fall ergeben, weil sein Vater – wie bei den Boranas üblich – drei Frauen hatte und mit jeder von ihnen etwa ein Dutzend Kinder, die sich alle als Geschwister verstehen, die Worte Halbbruder oder Halbschwester existieren in ihrer Sprache nicht. Wie könnte ich die Verzweigungen von zwei weiteren Generationen nachvollziehen? Dieser kenianische Großonkel also betreibt nicht nur Viehzucht, sondern auch Landwirtschaft. Doch immer wieder ist die Ernte bedroht, von Dürre, von Heuschrecken oder – in diesem Jahr – von Pavianen, die ihren Hunger auf seinen Feldern stillen. Die Kinder haben sich mit Freuden in die Rolle der Pavianvertreiber eingefunden und sagen zu Adane, sie erlebten die besten Ferien ihres Lebens. Niemand spricht von den Gründen, warum sie überhaupt nach Kenia gegangen sind.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Aber irgendwann müsst ihr alle doch wieder nach Hause, denn die Kinder müssen doch wieder in die Schule.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           An Adanes Pause erkenne ich, dass er so weit noch nicht denkt. „Das wird klappen.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich spüre, wie sehr ich diese Gelassenheit vermisse, die ich bei jeder meiner Afrikareisen neu lerne. Es kommt darauf an, sich um das Nächstliegende zu kümmern. Einen Schritt nach dem anderen zu tun und die Sorgen aufzuschieben, bis sie das Nächstliegende geworden sind. Dann finden sich Lösungen, davon ist Adane überzeugt. Und nicht nur er, die meisten Afrikaner, die ich kenne, überraschen mich immer wieder mit ihrem Grundoptimismus.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           So bleibe ich neugierig darauf, wie die Kinder zurück nach Hause kommen und wann sie wieder zur Schule gehen. Und beneide sie ein kleines bisschen um die Ferien in der afrikanischen Savanne, um die Gesellschaft von Pavianen und um die Geschichten am nächtlichen Feuer.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 16 Nov 2021 16:30:35 GMT</pubDate>
      <author>183:880338813 (Dorrit Bartel)</author>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/sommerferien-auf-aethiopisch-teil-2</guid>
      <g-custom:tags type="string">Äthiopien,Adane</g-custom:tags>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Sommerferien auf äthiopisch - Teil 1</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/sommerferien-auf-aethiopisch</link>
      <description>Ende Juli ruft mich mein Freund Adane aus Äthiopien an. An seiner Stimme höre ich, wie stolz er ist: Alle seine Kinder haben das vergangene Schuljahr mit besten Zeugnissen abgeschlossen. 
Zu Adane und seinen Kindern muss man wissen, dass sie erstens nicht seine leiblichen Kinder und zweitens auch keine Kinder mehr sind.</description>
      <content:encoded>&lt;div&gt;&#xD;
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&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ende Juli ruft mich mein Freund Adane aus Äthiopien an. An seiner Stimme höre ich, wie stolz er ist: Alle seine Kinder haben das vergangene Schuljahr mit besten Zeugnissen abgeschlossen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Zu Adane und seinen Kindern muss man wissen, dass sie erstens nicht seine leiblichen Kinder und zweitens auch keine Kinder mehr sind. Er ist Mitte sechzig und wurde als etwa Fünfjähriger von seiner Familie in eine Missionsschule gegeben. Das hat sein Leben nachhaltig bestimmt, ihn zum Studium in die DDR und später für einen anderen Berufs- und Lebensweg in die BRD geführt, die beiden deutschen Phasen unterbrochen von einem kurzen Intermezzo als stellvertretender Kulturminister Äthiopiens. Und auch wenn er mit seinem Schicksal nicht immer einverstanden war, hat seine eigene Geschichte ihn gelehrt, dass Bildung der Schlüssel für ein selbstbestimmtes Leben ist. Deshalb hat er, als er vor etwa zwölf Jahren aus Deutschland nach Äthiopien zurückkehrte, aus den in der Savanne lebenden Familien seiner Geschwister das jeweils klügste Kind ausgesucht und ein Haus für sie alle gebaut. (Adane hat in Deutschland auch eine Ausbildung zum Maurer gemacht. Bauen kann er wie ein Deutscher.) In diesem Haus lebt Adane mit den Kindern und einer Haushälterin – was sich für Europäer vielleicht nach Luxus anhört, für Adane aber eine absolute Notwendigkeit ist, irgendjemand muss sich schließlich um die Kinder kümmern, wenn er arbeitet. Und außerdem ist es gut, wenn die Kindermit einer weiblichen Bezugsperson aufwachsen.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Im Grunde“, sagte ich einmal zu ihm, „hast du mit ihnen das gemacht, was die Nonnen mit dir gemacht haben.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Nach einem kurzen Zögern sagte er damals: „Ja. Aber in nett.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Jede der Familien wird eines Tages einen gebildeten Nachkommen haben, der eine Brücke zwischen traditioneller und moderner Lebensart darstellen wird. Inzwischen sind die Kinder – mehr Mädchen als Jungen übrigens, denn die zeigten bei der Auswahl die besten Anlagen – zwischen 16 und 22 Jahre alt und die ersten haben ein Studium angefangen. Adane biegt auf die Zielgerade seiner Lebensaufgabe ein. 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Im Lauf unseres Telefonats im Juli dämpft sich sein Stolz und macht Ratlosigkeit Platz. Lange Sommerferien stehen bevor. Bis November.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Wieso sind die Sommerferien bei euch so lang?“, frage ich überrascht.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Weil die Lehrer in den Krieg ziehen.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich schweige und denke an Adanes Nachricht aus dem letzten November, die nur aus einem Wort bestand: Krieg! Geplant war eine kurze militärische Intervention in einer renitenten Provinz, inzwischen sind daraus acht Monate Bürgerkrieg geworden, der zunehmend unübersichtlich wird und die Stabilität im ganzen Land erschüttert, wie ich hauptsächlich aus internationalen Medien erfahre. Mit Adane spreche ich selten über diesen Krieg und bin immer wieder überrascht darüber, wie sehr er an einem normalen Leben für die Kinder festhält und sich weigert, dem Krieg eine zu große Macht über ihr Leben einzuräumen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Es gibt Gerüchte, dass im November die Schulgebühren massiv erhöht werden.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Aber es gibt doch gar keine Schulgebühren in Äthiopien?“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Sie wurden vor zwei Jahren eingeführt. Bisher waren sie so gering, dass ich sie leicht bezahlen konnte. Da habe ich noch Geld verdient.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wieder schweige ich, denn es schmerzt mich, dass Adane seit eineinhalb Jahren nicht mehr seiner Arbeit als Guide nachgehen kann, bei der ich ihn kennengelernt habe. (Der wievielte Jobwechsel zu dieser Aufgabe führte, weiß ich nicht auf Anhieb, ich müsste jedenfalls sicher beide Hände zur Hilfe nehmen, um sie zu zählen.) Zuerst blieben die Touristen wegen Corona weg und als Adane vorsichtig optimistisch wieder über erste Reisebuchungen sprach, kam der Krieg. Und es ist nicht absehbar, wann sich daran etwas ändern wird. Spenden aus Deutschland und Jobs auf dem Bau in Äthiopien für rund zwei Euro am Tag (ja, am Tag) haben ihn bisher über Wasser gehalten.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Jedenfalls habe ich den Kindern versprochen, dass sie die Ferien in der Savanne bei ihren Familien verbringen können. Aber wenn ich jetzt Geld für die Reise ausgebe, kann ich im November die Schulgebühr nicht mehr bezahlen. Das geht nicht.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Aber wenn die Kinder im Sommer bei ihren Familien sind, musst du sie nicht ernähren.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Ich kann sie aus unserem eigenen Garten ernähren, das ist nicht so teuer.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Weil Adane nun nicht mehr mit Touristen unterwegs ist und nur selten auf Baustellen Arbeit hat, ist er unter die Gärtner gegangen. Begeistert hat er davon erzählt, was er alles im eigenen Garten erntet: Tomaten, Zucchini, Salat und Kartoffeln. Das ist auch bitter nötig, denn die Preise für Lebensmittel sind in den letzten Monaten massiv gestiegen. Daran ist der Krieg schuld, aber auch extreme Dürre, die den Osten Afrikas immer wieder heimsucht.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wir wägen die Optionen ab und am Ende verspreche ich ihm, im November 200 Euro Schulgebühr aufzutreiben, wenn es nicht anders geht. Die Kinder haben sich die Ferien verdient und wenn sie bei ihren Familien sind, kann Adane in dieser Zeit versuchen, sich auf Baustellen zu verdingen, um wenigstens etwas Geld zu verdienen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           ***
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Das nächste Mal höre ich von Adane, als die Kinder schon bei ihren Familien sind. Adane ist in Yabello, einer kleinen Stadt im Süden Äthiopiens, bei einer Schwester untergekommen und wartet darauf, zur Arbeitssuche nach Addis fahren zu können. Im Moment, sagt er, sind die Straßen nicht sicher, immer wieder gibt es Überfälle oder Massaker auf dem Weg in den Norden. Aber darüber will er mit mir nicht sprechen, sondern von den Kindern erzählen, die – wie erwähnt – keine Kinder mehr sind, sondern junge Erwachsene. Die jungen Frauen hätten ihn nämlich morgens angerufen, weil sie ihm etwas sagen wollten. Sie haben die letzten Tage viel mit ihren Geschwistern gesprochen, die traditionell in der Savanne leben. Adane wirft mir das Bild von heißen afrikanischen Nächten in den mäßigen Berliner Sommer, von großen Familienrunden am Feuer und jungen Menschen, die sich Geschichten über das Leben erzählen. Irgendwann in einem dieser Gespräche muss der Entschluss gereift sein, dass sie ihm, Adane, etwas Wichtiges zu sagen haben.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Onkel“, hat Enat, eines der ältesten Mädchen, gesagt, „wir wollen uns bei dir bedanken. Dafür, dass wir nicht beschnitten sind. Und dafür, dass wir niemals Angst haben müssen, zwangsverheiratet zu werden. Danke dafür.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            ﻿
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Und ich – etwa achttausend Kilometer entfernt – meine zu sehen, wie Adane eine Träne der Rührung wegzwinkert.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Fri, 12 Nov 2021 13:09:18 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/sommerferien-auf-aethiopisch</guid>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Wie ich mit Tsitsi Dangarembga im Radio war</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/wie-ich-mit-tsitsi-dangarembga-im-radio-war</link>
      <description>Zwei Tage nach der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an Tsitsi Dangarembga hat das Literaturhaus Köln die Preisträgerin eingeladen, und weil ich gerade in der Nähe bin, lasse ich mir die Gelegenheit nicht entgehen, „die weithin hörbare Stimme Afrikas der Gegenwartsliteratur“ (aus der Begründung für die Vergabe) live zu erleben. Live können auch WDR-3-Hörer […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Zwei Tage nach der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an Tsitsi Dangarembga hat das Literaturhaus Köln die Preisträgerin eingeladen, und weil ich gerade in der Nähe bin, lasse ich mir die Gelegenheit nicht entgehen, „die weithin hörbare Stimme Afrikas der Gegenwartsliteratur“ (aus der Begründung für die Vergabe) live zu erleben.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Live können auch WDR-3-Hörer den Abend miterleben, wie Moderatorin Rebecca Link vor Beginn der Veranstaltung erklärt. Deshalb hören wir die letzte Minute der 20-Uhr-Nachrichten (DfB-Pokal und Wetter) und eine Überleitung und dann sind wir auf Sendung. Ich bin mit Tsitsi Dangarembga im Radio, zusammen mit etwa 150 mit Abstand im Parkett verteilten Zuschauern. Das fühlt sich nur einen Moment lang seltsam an, dann nimmt die Autorin mich so mit, dass ich das Radio vergesse. Der Abend ist eine Mischung aus Gespräch und Lesung in Englisch und Deutsch.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Rebecca Link führt das Gespräch mit Tsitsi Dangarembga und die Schauspielerin Azizè Flittner liest zwischendurch aus dem ersten und dritten Band (der zweite ist noch nicht auf Deutsch erschienen) ihrer Trilogie um Tambudzai, die in Simbabwe ihr Leben gestalten will. Doch es ist eine Gesellschaft, in der es bis heute zumeist den Männern vorbehalten ist, Leben zu gestalten – auch das der Frauen. Mit Tambudzai erlebt der Leser, wie Frauen sich ganz allmählich dieser Männerdomäne nähern und versuchen, eigene Lebensentwürfe zu träumen und zu gestalten. Und welche Schwierigkeiten das mit sich bringt.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ob sie sich als weithin hörbare Stimme fühle, wird Tsitsi Dangarembga zuerst gefragt. Ihre Antwort setzt den Ton für den Abend. Sie antwortet fest und klar, und doch schwingt etwas Zurückhaltung mit in ihrer Art zu sprechen, als wolle sie sich nicht so wichtig nehmen. Nein, sagt sie und führt aus, dass Schreiben für sie vor allem bedeute, ihrer inneren Stimme zuzuhören, und sie dabei hofft, dass die dabei entstehende Geschichte später die Leser erreicht. So sind ihre Antworten oft an diesem Abend: Sie vermeiden Plakatives und erwartbare Antworten und geben einen Blick in die Gedanken- und Gefühlswelt der Autorin, weisen auf Hintergründe und Zusammenhänge. Ob der Kolonialismus schuld sei daran, dass ihre Heldin Tambudzai in einer patriarchalen Welt lebt, in der Familien, die nur ein Kind zur Schule schicken können, selbstverständlich den Sohn dafür auswählen. Nein, sagt Tsitsi Dangarembga, daran sei der Kolonialismus nicht schuld. Wohl aber daran, den Menschen einzureden, sie hätten keine Wahl und müssten sich helfen lassen. Das wirke bis heute nach; obwohl die afrikanischen Länder inzwischen ihre Unabhängigkeit erlangt haben, werden sie auch mit Entwicklungshilfe daran gehindert, ihre eigenen Wege zu gehen. Wer Geld gibt, diktiert Bedingungen. Doch damit wird den Menschen ihre Kreativität genommen und der Glaube daran, selbst gestalten zu können.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Die Zuschauer und Zuhörer erfahren von Tambudzais Kampf um Schulbildung, die sie erst bekommt, nachdem ihr Bruder gestorben ist. „Musste Tambudzais Bruder sterben, damit sie Bildung bekommen kann?“, fragt die Moderatorin.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          „Nein. Er musste sterben, damit die Geschichte dramatischer ist.“
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Wir lachen. Es ist – bei aller Ernsthaftigkeit – ein leichter Abend, der mir das Herz öffnet. Tsitsi Dangarembga wirkt selbstsicher und demütig zugleich und sie spricht gelassen und ruhig. Dabei erwartet sie zu Hause in Simbabwe eine Anklage wegen «Aufrufens zur Gewalt», weil sie gegen die Korruption im Nach-Mugabe-Land demonstriert hat. Diese kluge Frau ist einen weiten Weg gegangen, um uns ihre Heimat näherzubringen, uns von einem Teil der Welt zu erzählen, der uns noch immer fremd ist. Denn Verständigung ist der erste Schritt für eine Veränderung, wie sie am Beispiel einer Szene aus ihrem Buch erläutert: Ein Lehrer nimmt Tambudzai mit in die Stadt, damit sie dort den Mais verkaufen kann, den sie selbst anbaut, um sich das Schulgeld zu verdienen. Eine weiße Frau sieht den Mann mit dem Mädchen auf dem Markt und beschimpft ihn, weil er das arme Mädchen ausbeutet. Als er ihr erklärt, warum er dort mit dem Mädchen ist, versteht die weiße Frau, dass manche Dinge nicht so sind, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Diese Szene geht gut aus für Tambudzai, denn die Weiße ist so bewegt von ihren Anstrengungen um Bildung, dass sie das Schulgeld für sie bezahlt.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ob diese hart erkämpfte Bildung für Tambudzai das erfüllte Leben bringt, das sie sich vorstellt? Das kann der Leser aus „Aufbrechen“ und „Überleben“ erfahren. Es sei so viel verraten: Leicht wird es nicht. Auch für den Leser nicht, denke ich bei der Abschlussfrage der Moderatorin an die Autorin: „Mögen Sie Ihre Hauptfigur?“
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          „Lassen Sie mich so sagen, es geht mir nicht um die Frage nach Mögen. Aber ich habe großen Respekt für sie und den Weg, den sie gegangen ist. Und ich möchte die Frage gern an Sie zurückgeben: Mögen Sie sie?“
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Rebecca Link scheint einen Moment lang überrascht von dieser Frage und antwortet dann nachdenklich: „Es war nicht immer leicht, ihr zu folgen, aber am Ende ergibt alles einen Sinn. Und doch, ja, schließlich mochte ich sie.“
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Mit einem Lächeln spricht Tsitsi Dangarembga das Schlusswort des Abends: „Das ist es, was ich beim Schreiben gehofft habe.“
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Die stehenden Ovationen können die Radiozuhörer nicht sehen. Und auch nicht, dass die beiden Bücher von Tsitsi Dangarembga ganz oben auf meine Leseliste kommen.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ihre
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Dorrit Bartel
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Sat, 06 Nov 2021 22:42:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/wie-ich-mit-tsitsi-dangarembga-im-radio-war</guid>
      <g-custom:tags type="string">Buchtipp</g-custom:tags>
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      </media:content>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Dorrit liest: Kerstin Decker – Meine Farm in Afrika</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/dorrit-liest-kerstin-decker-meine-farm-in-afrika6ed74e5e</link>
      <description>Es liegt sicher in der Natur der Sache, dass ein Buch über Frieda von Bülow (1857-1909) mit einer Szene über Carl Peters beginnt, die große Liebe ihres Lebens. Und doch ließ mich dieser Umstand zunächst ein wenig mit Kerstin Deckers Buch hadern; ich hätte lieber sofort etwas über Frieda erfahren. Es war auch nicht hilfreich, […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Es liegt sicher in der Natur der Sache, dass ein Buch über Frieda von Bülow (1857-1909) mit einer Szene über Carl Peters beginnt, die große Liebe ihres Lebens. Und doch ließ mich dieser Umstand zunächst ein wenig mit Kerstin Deckers Buch hadern; ich hätte lieber sofort etwas über Frieda erfahren. Es war auch nicht hilfreich, dass es dann noch etwa 150 Seiten dauerte, ehe sie endlich nach Afrika fährt. Doch am Ende war ich mit alledem versöhnt und bin froh, Frieda und dieses Buch entdeckt zu haben.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Zunächst einmal jedoch begleitet der Leser Carl Peters, der für das Deutsche Reich in Ostafrika Kolonien erobert und – das ist heute hinlänglich bekannt – sich dabei bespielloser Gewalt bediente. Frieda hingegen führt das halbwegs durchschnittliche Leben einer unverheirateten Adligen im Deutschland des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Trotz der leichten Irritation über dieses – durchaus einleuchtende – Ungleichgewicht trugen mich Kerstin Deckers Schilderungen über beide Leben (Frieda: Startet in Berlin ihre Karriere als Schriftstellerin, Carl: Erobert mit List und Tücke und Gewalt halb Ostafrika) leicht bis zu Friedas Ankunft in Sansibar, und von da an habe ich das Buch mit größtem Vergnügen gelesen. Was sicher auch mit den Schilderungen der unterschiedlichen Deutschen zusammenhängt, die die Autorin den Schriften Friedas entnahm. Denn Frieda schrieb viel über ihre afrikanischen Erlebnisse: Artikel für Zeitungen und Zeitschriften, aber auch Romane, sogenannte Kolonialromane mit Titeln wie „Tropenkoller“ oder „Im Land der Verheißung“. Mit den von ihr beschriebenen Figuren wird die deutsche Gemeinschaft jener Zeit lebendig. Kerstin Decker gelingt es hervorragend, Friedas Schilderungen mit heutigen Erkenntnissen anzureichern, doch immer so, dass diese sich quasi organisch in Friedas Leben einordnen und heute noch gültig sind. Bei ihrem ersten Aufenthalt 1887 in Sansibar zum Beispiel lebt Frieda im Deutschen Haus mit einer Gesellschaft weiterer Deutscher. Eine Art Kommunismus sei das, doch
          &#xD;
    &lt;em&gt;&#xD;
      
           das ist die Crux des Kommunismus: dass er so viele ausschließt
          &#xD;
    &lt;/em&gt;&#xD;
    
          , sagt Decker dazu. Was hier meint, dass Frieda gern etwas mehr Privatsphäre gehabt hätte, dann aber aus der Gemeinschaft ausgeschlossen worden wäre. Oder an anderer Stelle:
          &#xD;
    &lt;em&gt;&#xD;
      
           Man bekommt in Afrika einen Sinn für das Unverfügbare.
          &#xD;
    &lt;/em&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Eigentlich ist Frieda als Abgesandte des
          &#xD;
    &lt;em&gt;&#xD;
      
           Deutschnationalen Frauenbundes für Krankenpflege in den Kolonien
          &#xD;
    &lt;/em&gt;&#xD;
    
          nach Sansibar gereist, den sie selbst mit einigen Frauen der Berliner Gesellschaft gegründet hat. Doch der Frauenbund und Frieda bleiben eine kurze Episode, Frieda widersetzt sich den Anweisungen aus Berlin. Woher wollen die Frauen in Berlin wissen, was in Afrika gut und wichtig ist? Während Frieda also in Afrika lernt, mit der Fremdheit umzugehen und glücklich ist – nicht nur, aber durchaus auch, weil Carl Peters in ihrer Nähe ist – wird sie vom Frauenbund entmachtet und muss zurück nach Berlin, um Missverständnisse auszuräumen. Glaubt sie. Doch es sind keine Missverständnisse, der Frauenbund ist aufgelöst, die Frauen, denen Frieda zu eigensinnig war, haben kurzerhand einen neuen Bund gegründet. Ohne sie.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Es wird fünf Jahre dauern, ehe sie wieder nach Afrika reist, diesmal ganz allein – von ihrem durchschnittlichen Leben hat sie sich längst verabschiedet. Sie fährt diesmal, um die Farm ihres verstorbenen Bruders auf der Insel Jambe fortzuführen. Doch es ergeht ihr wie Tania Blixen, als deren deutsches Pendant sie manchmal bezeichnet wird: Sie kann die Farm nicht halten. Um profitabel arbeiten zu können, braucht es Kapital, das sie nicht hat. Sie fährt zurück ins Reich, um Investoren zu finden, doch noch einmal findet sie den Weg nach Afrika nicht. Kerstin Decker schreibt dazu:
          &#xD;
    &lt;em&gt;&#xD;
      
           Zweimal Afrika. Zweimal seelischer Ausnahmezustand. Sie weiß, ein drittes Mal würde sie nicht überstehen.
          &#xD;
    &lt;/em&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Insgesamt war Frieda weniger als zwei Jahre in Afrika, doch diese Zeit hat sie geprägt. Sie erschreibt sich einen Namen als Autorin von Kolonialromanen, in denen sie ein vielschichtiges Bild Afrikas und der dort lebenden Europäer jener Zeit malt. Die kamen nicht nur mit der Absicht, Kolonien für ihr Reich zu erobern. Es gab den Ornithologen, den Farmer, den Neugierigen, den Missionar, die Krankenschwester; es gab Briten, Deutsche und Dänen. Und sie setzt in ihren Romanen Carl Peters ein Denkmal, der sie – entgegen ihren Hoffnungen – nicht heiratete, sondern ein knappes Jahr vor ihrem Tod eine andere Frau. Da ist Frieda schon von ihrer Krankheit gezeichnet und hat nicht mehr die Kraft für Ärger. Aber geschmerzt haben muss es sie noch einmal, selbst nach so langer Zeit.  
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ich war mir vor der Lektüre des Buches nicht sicher, ob ich Frieda mögen würde, diese Vorfahrin als Schriftstellerin und Afrikareisende, die einen so furchtbaren Mann liebte. Jetzt, nach der Lektüre, wünsche ich für sie, dass es anders ausgegangen wäre. Dass es sich glücklicher gefügt hätte. Dass sie mehr Zeit in Afrika gehabt hätte. Überhaupt mehr Zeit. Und vielleicht, dass sie einen anderen Mann geliebt hätte. Letzteres wünsche ich mit der leichten, mir sehr bewussten Selbstgefälligkeit der Spätgeborenen, die manche Dinge klarer sieht. Oder dies zumindest glaubt.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ihre
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Dorrit Bartel 
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Sat, 23 Oct 2021 22:42:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/dorrit-liest-kerstin-decker-meine-farm-in-afrika6ed74e5e</guid>
      <g-custom:tags type="string">Buchtipp</g-custom:tags>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Decker+Frieda.jpg">
        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Dorrit liest: Bernd Dörries – Der lachende Kontinent</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/dorrit-liest-bernd-doerries-der-lachende-kontinent</link>
      <description>Wie gern würde ich jetzt in Afrika lachen, statt im lockdownbedrohten Berlin zu hocken, in dem ich seit Tagen fast rund um die Uhr das Licht brennen lassen muss. Ich wäre gern in der Sonne und unter den Menschen in Afrika, die – wie ich sie kenne – besser gelaunt sind, weil sie mit den […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wie gern würde ich jetzt in Afrika lachen, statt im lockdownbedrohten Berlin zu hocken, in dem ich seit Tagen fast rund um die Uhr das Licht brennen lassen muss. Ich wäre gern in der Sonne und unter den Menschen in Afrika, die – wie ich sie kenne – besser gelaunt sind, weil sie mit den Unwägbarkeiten des Lebens oft besser umgehen können als wir Europäer.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Zum Trost habe ich zu
          &#xD;
    &lt;a href="https://www.amazon.de/lachende-Kontinent-Expeditionen-unbekannte-Afrika/dp/3990550209/ref=sr_1_3?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;amp;dchild=1&amp;amp;keywords=d%C3%B6rries+der+lachende+kontinent&amp;amp;qid=1631356568&amp;amp;sr=8-3" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           Bernd Dörries’ Buch
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          gegriffen, das hält, was es verspricht: Es wird gelacht. Dörries lebt in Kapstadt und schreibt für die „Süddeutsche Zeitung“ über Afrika – über Putsch, Krieg, Hunger, Naturkatastrophen und manchmal über einzelne Menschen, aber selten über den Alltag. Den hat er in vierunddreißig Ländern für dieses Buch eingefangen, auch, weil er davon erzählen wollte, wie viel da gelacht wird.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Anfangs hat mich die alphabetische Sortierung ein wenig verwirrt. Gambia, das ich umfahre oder durchquere, wenn ich von Dakar in den Süden des Senegal reise, hält in diesem Buch fünfzehn Länder Abstand zum Senegal. Fünf trennen Äthiopien und Eritrea, die vor zwei Jahren ihre Grenzstreitigkeiten beigelegt haben. Aber diese Irritation währte nur Sekunden, dann begann ich mich an den Kapitelüberschriften im vorangestellten Inhaltsverzeichnis zu erfreuen.
          &#xD;
    &lt;em&gt;&#xD;
      
           Ruanda – wie daheim. Ruanda ist die Schwäbische Alb Afrikas. Alles ist sauber, alle sind pünktlich. Nicht mal den Rasen darf man betreten. Ist das überhaupt noch Afrika?
          &#xD;
    &lt;/em&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ich bin inzwischen bis Malawi vorgedrungen und habe mehrfach laut lachen und ziemlich oft kichern müssen. Etwa, wenn der gambische Bekannte von Dörries der Wagenkolonne des Diktators nachwinkt, obwohl er diesen verabscheut. Nach dem Widerspruch zwischen Wort und Tat befragt, antwortet der Mann, dass der Diktator manchmal Geld wirft, wenn ihm der Jubel gefällt. Dörries lacht auch über sich selbst, wenn er etwa in Äthiopien seinen Begleitern tagelang auf die Nerven ging, weil er rohes Fleisch essen wollte – das einzige, was man in Äthiopien ohne Injera isst. Injera ist saures Fladenbrot, von dem er nach wochenlanger Reise genug hatte. Als er endlich rohes Fleisch bekam, war dies zwar sehr zart, aber so viel und so dick, dass er schließlich kleinlaut doch wieder nach Injera fragte.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Jedem Land vorangestellt sind ein paar hilfreiche Fakten: Einwohnerzahl, Wirtschaftswachstum, das Jahr der Unabhängigkeit. Die Anzahl der chinesischen Restaurants als Zeichen dafür, wie viel Einfluss China im jeweiligen Land hat. Außerdem das Nationalgericht – in Benin zum Beispiel:
          &#xD;
    &lt;em&gt;&#xD;
      
           Poulet bicyclette, Hühnchen mit Chilisoße, das frei gelebt hat wie ein Fahrrad. Bio auf Afrikanisch.
          &#xD;
    &lt;/em&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Was man gesehen haben muss – in der Demokratischen Republik Kongo:
          &#xD;
    &lt;em&gt;&#xD;
      
           Den Sonnenuntergang über dem Kongo-Fluss.
          &#xD;
    &lt;/em&gt;&#xD;
    
          Darum beneide ich den Autor, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob ich die Fahrt, die er über den Kongo mit der MB Nathasha Belle gemacht hat, wirklich angetreten wäre. Möglicherweise hätte mich im letzten Moment die Angst abgehalten, mit dem vollkommen überladenen Schiff zu sinken
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Das muss man wissen – in Kenia:
          &#xD;
    &lt;em&gt;&#xD;
      
           Bargeld ist fast überflüssig, alles wird mit dem Handy bezahlt.
          &#xD;
    &lt;/em&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Darüber redet das Land – in Gabun:
          &#xD;
    &lt;em&gt;&#xD;
      
           Lebt Präsident Ali Bongo noch, oder wurde er durch einen Doppelgänger ersetzt?
          &#xD;
    &lt;/em&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Bei allen fröhlichen Betrachtungen blendet Dörries die problematischen Seiten Afrikas nicht aus, der blutige Bürgerkrieg Liberias findet seine Erwähnung ebenso wie der unbefristete Arbeitsdienst, zu dem jeder Eritreer herangezogen werden kann. Die Schreckensherrschaft des belgischen Königs Leopold II im Kongo gehört zur Geschichte der Demokratischen Republik Kongo – die sich allerdings seit dem Ende der Kolonialisierung rückwärts zu entwickeln scheint. Aber der Leser erfährt auch, dass es in Botswana kaum Korruption und eine kostenfreie Krankenversicherung gibt. Und dass dort die meisten Elefanten des Kontinents leben.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Es macht den Reiz des Buches aus, dass diese Fakten in Beobachtungen aus dem Alltag eingebettet werden, der viel fröhlicher daherkommt, als die Nachrichten auf den ersten Blick nahelegen.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ich habe erst gut die Hälfte der Berichte gelesen und bin froh, dass mir noch ein paar bleiben, die mir die nächsten dunklen Wintertage in Berlin zu ertragen helfen. Und auch Ihnen empfehle ich das Buch wärmstens als Mittel gegen den Corona-Lockdown-Winter-Blues.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ihre
           &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Dorrit Bartel
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 15 Dec 2020 22:42:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/dorrit-liest-bernd-doerries-der-lachende-kontinent</guid>
      <g-custom:tags type="string">Buchtipp</g-custom:tags>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Cover-der-lachende-kontinent-d1844a81-fe741c51.PNG">
        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>On est ensemble – Corona im Senegal</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/on-est-ensemble-corona-im-senegal</link>
      <description>Es ist still geworden in Dakar. Der Muezzin ruft nicht mehr mehrfach am Tag zum Gebet, nur zwei Mal am Tag meldet er sich über Lautsprecher, um die Gläubigen daran zu gemahnen, das Beten nicht zu vergessen, auch wenn sie dazu nicht mehr in die Moschee gehen dürfen. Es sind sehr viel weniger Fußgänger und […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Es
ist still geworden in Dakar. Der Muezzin ruft nicht mehr mehrfach am Tag zum
Gebet, nur zwei Mal am Tag meldet er sich über Lautsprecher, um die Gläubigen
daran zu gemahnen, das Beten nicht zu vergessen, auch wenn sie dazu nicht mehr
in die Moschee gehen dürfen. Es sind sehr viel weniger Fußgänger und Autos
unterwegs als sonst. Einige Geschäfte machen gar nicht mehr auf, andere nur
noch wenige Stunden, aber die, die noch halbwegs normal geöffnet haben,
schließen kurz vor 20 Uhr,  dann beginnt
die Ausgangssperre, die bis morgens um sechs dauert. Den Strand, an dem ich vor
zwei Wochen noch meinen Weg zwischen Fußballspielern, Schwimmern, anderen
Sportlern und Gästen der Strandbar im Slalom nahm, haben Hunde erobert. Herrschaftlich
liegen sie in der untergehenden Sonne und heben nicht einmal den Kopf, um die
Spaziergänger zu grüßen, die ich an einer Hand abzählen kann.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Monument.JPG" alt=""/&gt;&#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ich
habe mich dazu gezwungen, jetzt, am späten Nachmittag, einmal aus dem Haus zu
gehen, fort von meinem Computer, an dem ich den ganzen Tag wie festgetackert saß
und im Zehnminutentakt die Facebook-Seite des Auswärtigen Amtes aktualisierte,
auf der die Rückholaktionen für gestrandete deutsche Urlauber angekündigt
werden. Heute Myanmar, Bahamas, Jamaica. Senegal ist noch nicht dabei, wir sind
offenbar nur wenige Deutsche hier, da lohnt sich kein Flieger. Und jene, die
mit Urlaubern aus Südafrika oder Namibia in Richtung Europa unterwegs sind,
sind vermutlich zu voll, um einen Zwischenstopp in Dakar einzulegen. Ich bin
auf die Rückholaktion angewiesen, denn der Flughafen von Dakar ist seit dem 19.
März für Linienflüge gesperrt, die Ankündigung dazu kam 30 Stunden vorher, zu
kurzfristig, um darauf noch mit einer Ausreise reagieren zu können. Einzig Air
France bekommt offenbar noch Sondergenehmigungen – Franzosen stellen hier die
größte Gruppe von Touristen – aber mein Versuch, mit ihnen wenigstens bis Paris
zu kommen, ist gescheitert.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Als
ich vor etwa sieben Wochen hier ankam, schien es mir die ganz große Freiheit zu
sein: Noch nicht zu wissen, wann ich nach Deutschland zurückkehren würde, und das
irgendwann später zu entscheiden. Nun weiß ich noch immer nicht, wann ich
zurückkehren werde, aber ich kann es nicht mehr selbst entscheiden. Das
verändert alles. Die Freiheit ist zu einer Art Gefängnis geworden.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Zu
einem vergleichsweise angenehmen, wenn ich die Berichte gestrandeter Urlauber
in anderen Ländern lese und die Fotos vom Schneeregen betrachte, die mir
Freunde über Whatsapp von zu Hause schicken. Hier scheint die Sonne, wir haben
um die 25 Grad und die Menschen sind freundlich. Der Obsthändler um die Ecke
gibt mir einen Rabatt (ich verzichte darauf, darüber nachzudenken, ob der Rabatt
auf einen „Weißenpreis“ gegeben wird), die wenigen Kinder, die noch auf den
staubigen Wegen spielen, grüßen mich nach wie vor mit einem höflichen und dabei
nach Aufmerksamkeit heischenden „Bonjour“, und ich muss lächeln, wenn ich ihnen
antworte. Nur spontan die Hand geben sie mir nicht mehr.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Manchmal
gehe ich auf einen Kaffee zu Khady. Dann sitzen wir mit ihren spielenden
Kindern vor dem Fernseher und verfolgen die Nachrichten. Noch gibt es im
Senegal weniger als 200 Coronafälle, von denen immerhin 40 auch schon wieder
genesen sind. Einmal hält Präsident Macky Sall eine Ansprache und steht dabei
vor einem Waschbecken, an dem er zum Abschluss seiner Rede demonstriert, wie
man sich richtig die Hände wäscht. In dem folgenden Musikclip widmen sich etwa
fünfzehn verschiedene Sänger des Landes in kurzen Sequenzen unterschiedlicher
Musikrichtungen dem Thema Händewaschen. Khady sagt, es bricht ihr das Herz für
Afrika, das sowieso schon arm ist. Ich habe sie noch nie so niedergeschlagen
erlebt. Auch für sie persönlich hat diese Krise Auswirkungen, sie vermietet
Appartements und Zimmer hauptsächlich an Europäer. Die nun nach und nach
abreisen. Und niemand weiß, wann sie wiederkommen. Für einen Moment vergesse
ich mein Gefühl von Gefangensein und sage mir, wie privilegiert ich bin: Ich
habe eine – noch immer recht gut gedeckte – Kreditkarte in der Tasche, einen
deutschen Pass und ein Heimatland, das gerade Rettungsschirme für Menschen in
Khadys Situation spannt. Und mich nach Hause holen wird. Selbst wenn es bis
dahin noch zwei Wochen dauern sollte.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Als
ich mich verabschiede, um vor der Ausgangssperre in meinem Quartier zu sein,
spricht sie mir Mut zu, ich werde sicher bald nach Hause können. Und so lange
ich hier bin, soll ich mich nicht sorgen – sie und ihr Mann sind für mich da.
„On est ensemble“, sagt sie. Wir sind zusammen. Es gibt schlimmere Gefängnisse.
Trotzdem hoffe ich, bald zu Hause zu sein.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Angespannte Grüße
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          PS. Just am Tag nach Verfassen dieses Textes kam die Nachricht, dass das Auswärtige Amt auch die gestrandeten Urlauber aus dem Senegal zurückholt. Inzwischen sitze ich in freiwilliger Quarantäne in Berlin – symptomfrei.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 14 Apr 2020 22:42:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/on-est-ensemble-corona-im-senegal</guid>
      <g-custom:tags type="string">Senegal,Reisen</g-custom:tags>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Schreiben im Senegal – Teil 5</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/schreiben-im-senegal-teil-5</link>
      <description>Wenn ich mit Einheimischen spreche, ist Reisen immer ein Thema. Khady sagt, die Politik müsse sich bemühen, den Zustand zu ändern, der im Moment herrscht: Die Europäer reisen ohne großen Aufwand hierher, während die Senegalesen zunächst einmal für viel Geld eine Menge Papiere besorgen müssen, ehe sie überhaupt ein Visum für Europa beantragen können, das […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Wenn ich mit Einheimischen spreche,
ist Reisen immer ein Thema. Khady sagt, die Politik müsse sich bemühen, den
Zustand zu ändern, der im Moment herrscht: Die Europäer reisen ohne großen
Aufwand hierher, während die Senegalesen zunächst einmal für viel Geld eine
Menge Papiere besorgen müssen, ehe sie überhaupt ein Visum für Europa
beantragen können, das dann trotzdem oft abgelehnt wird. Das ist nicht gerecht.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Bei anderer Gelegenheit geht esdirekter zu. Der etwa 60-jährige Vater meiner senegalesischen Mitbewohnerinfragt mich, ob ich ihn nach Deutschland einladen kann. Er hat Geld, er kannseinen Flug und seine Unterbringung selbst bezahlen – was ich ihm glaube, dennes gibt im Senegal durchaus eine vermögende Mittelschicht, die sich Reisen nachEuropa leisten kann. Er will seine Familie und sein Zuhause nicht für immerverlassen, er möchte Europa und insbesondere Deutschland einfach nur einmalsehen. Dafür braucht er eben diese Einladung. Ich erkläre ihm, dass eineEinladung bedeutet, dass ich mich verpflichte, für seinen kompletten Aufenthaltaufzukommen, und dass ich das nicht kann. Das versteht er, zumindest nickt er.Als ich ihm sage, dass ich als Schriftstellerin wenig verdiene, nickt erebenfalls. Aber dass ich kein eigenes Haus habe, sondern mir eine Wohnungteile, erstaunt ihn. Er fragt mich, ob das Leben in Deutschland auch manchmalschwer sei. „Natürlich“, sage ich, „es ist kein Paradies.“ Er scheint ernsthaftüberrascht. Ein Besuch könnte vermutlich helfen, sein Bild vom Leben in Deutschland zu verändern.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Am Nachmittag steige ich zum Arbeiten manchmal aufs Dach, auf dem meinGastgeber mir einen Arbeitsplatz eingerichtet hat. Natürlich nicht ergonomisch,aber immerhin mit einem gewissen Abstand zum Straßenlärm.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/Dach-scaled.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Das Einrichten des Arbeitsplatzes dort oben hat ein paar Tage gedauert, denn leider ist das Dach bei meiner ersten Besichtigung ziemlich zugemüllt. Überhaupt, der Müll. Die ersten Tage registriere ich ihn mit einem „Das ist Afrika“-Gedanken. Doch nach ein paar Tagen geht es mir auf die Nerven, dass hier überall Müll herumliegt: an Straßenecken oder auf den Dächern, die sehr gemütliche Terrassen sein könnten. Ich vermute, die Senegalesen würden ihren Müll auch lieber anders entsorgen, allein: Es gibt hier wenig Möglichkeiten. In Dakar kommt immerhin regelmäßig die Müllabfuhr für den Hausmüll, den man dann direkt beim Fahrer abgibt. Städtische Mülltonnen gibt es nicht, und wer seine privaten Tonnen vor die Tür stellt, findet sie später nicht mehr wieder, weil jemand anders sie sich geschnappt hat. Sperrmüllentsorgung kann man gegen Extrageld bestellen, aber das machen die Leute eher selten, wozu auch, wenn sowieso überall Müllberge sind, aus denen sich immer mal wieder jemand etwas nimmt, was er noch gebrauchen kann. So stehen und liegen überall: ausrangierte Polstermöbel, fleckige Teppiche, kaputte Regale, alte Kühlschränke oder die Verpackungen für riesige Flachbildschirme.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Auf den Dörfern ist es noch
schlimmer, da sammelt und verbrennt man den Müll auf dem eigenen Hof oder am
Dorfrand. Oft bleibt er einfach liegen.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Christine erzählte, sie sei einmal
auf einen Baobab zugefahren, dessen eigentlich braune, wie Ratten am Baum
hängende Früchte in allen Farben schimmerten. Bei Näherkommen erkannte sie,
dass sich vom Wind verwehte Plastiktüten um die Früchte geschlungen hatten. Die
Straßenhändlerinnen wollen mir auch jedes Mal meine drei Bananen in eine Tüte
packen und sind überrascht, wenn ich das ablehne. Nicht, dass ich mir einbilde,
damit das senegalesische Müllproblem zu lösen, aber gelernt ist gelernt, das
gilt auch bei Müllvermeidung.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ich vermute, in ein paar Tagen
werde ich den Müll übersehen, so wie vermutlich die meisten Senegalesen. Ganz
nach dem Motto: Ich nehme die Dinge hin, die ich nicht ändern kann.  Tagsüber gibt es kein Wasser? Man füllt sich
abends mehrere 10-Liter-Flaschen als Vorrat für den nächsten Tag. Man hat sein
Smartphone im Taxi liegengelassen? Schade, aber nicht schlimm (es wird übrigens
in diesem Fall am nächsten Tag zurückgegeben). Die Nachbarn oder die Moschee
malträtieren die Umgebung abends mit lauten Gesängen? Es wird schon nicht die
ganze Nacht dauern. Es lohnt nicht, sich über dergleichen aufzuregen. Das ist
eine Haltung, die mir in Afrika oft begegnet und fremd ist. Ich bin es gewohnt,
dass Probleme zeitnah (schon dieses Wort existiert auf Wolof vermutlich nicht)
gelöst werden und die Dinge zur Verfügung stehen, immer, sofort, ohne
Einschränkung. Hier arrangiert man sich damit, dass die Welt nicht perfekt ist.
Vielleicht ist es diese Gelassenheit, die ich hier suche. Die mir hilft, meinen
Roman über einen Äthiopier zu schreiben, bei dessen Biografie ich mich nicht
nur einmal frage, wie er sein wechselvolles Leben gemeistert hat. Gelassenheit
in einer unperfekten Welt war möglicherweise ein entscheidender Schlüssel dazu.
Trotzdem frage ich mich an manchen Tagen, ob es wirklich hilfreich ist,
hier zu schreiben und nicht zu Hause, an meinem ergonomischen Arbeitsplatz in
meiner geordneten Welt. Dann schaue ich auf die Berliner Wetterdaten und auf
die Corona-Nachrichten und beschließe, weiter mit senegalesischen Großfamilien
Reisgereichte von einer großen Platte zu essen und vielleicht noch einmal für
eine Woche auf die Insel zu fahren. Der Rückflug kann warten.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/Hierbleiben-scaled.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Gelassene Grüße
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 14 Mar 2020 22:42:00 GMT</pubDate>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Schreiben im Senegal – Teil 4</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/schreiben-im-senegal-teil-4</link>
      <description>Als am fünften Tag eine Reisegruppe von zwölf Leuten ins Camp „einfällt“, muss ich leider meinen Arbeitsplatz im Salle à manger räumen. Nun kommt der Tisch in meiner Hütte doch noch zum Einsatz, ich stelle ihn vor die Hütte und verrücke ihn nach Stand der Sonne, damit weder mein Computer noch ich selber dahinschmelzen. Ich […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Als am fünften Tag eine Reisegruppe von zwölf Leuten ins Camp „einfällt“, muss ich leider meinen Arbeitsplatz im
          &#xD;
    &lt;em&gt;&#xD;
      
           Salle à manger
          &#xD;
    &lt;/em&gt;&#xD;
    
          räumen. Nun kommt der Tisch in meiner Hütte doch noch zum Einsatz, ich stelle ihn vor die Hütte und verrücke ihn nach Stand der Sonne, damit weder mein Computer noch ich selber dahinschmelzen. Ich mag auch diesen Platz mit seiner Aussicht und bin der sehr präsenten Reisegruppe dankbar dafür, dass sie mir dazu verholfen hat.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/Arbeitsplatz_Insel-scaled.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Kurz vor Sonnenuntergang wandere ich einmal um die Insel – mein Rücken verlangt nach Bewegung. Ich verlaufe mich, weil ich an einer Kreuzung den falschen Abzweig nehme und murmele vor mich hin: „Es ist eine kleine Insel und es wäre zu peinlich.“ Weitergehen hilft, wie auch beim Schreiben oft einfach Weitermachen hilft, um auf den richtigen Pfad zurückzukehren. Rechtzeitig zum Abendessen finde ich zurück ins Camp. Zu meinem letzten Abendessen auf der Insel, denn morgen werde ich in Dakar er
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
             
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    
          wartet.  Die Rückreise geht etwas schneller als die Hinfahrt, Christine, die ohnehin nach Kaolack muss, setzt mich dort am Gare Routiere ab, und 15 Minuten später sind wir schon auf der Straße nach Dakar. Dort vermisse ich die Insel schon nach wenigen Minuten, als das Taxi in einen Stau gerät. Eine Straße ist gesperrt, weil der Präsident gerade vorbeifährt. Neben uns wuseln viel zu viele Menschen, vor uns und hinter uns hupen zu viele Autos.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/Verkehr-Dakar-scaled.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Irgendwann schaffen wir es nach Ouakam, in das Viertel, in dem meine Freunde wohnen. Dort muss ich mich erst einmal eingewöhnen. Seit meinem letzten Besuch hat sich einiges verändert. Diesmal teile ich mir die Wohnung mit einem senegalesischen Ehepaar, einer Kongolesin und einer Deutsch-Marokkanerin. Manchmal reden, trinken oder essen wir zusammen, aber insgesamt bin ich wenig
          &#xD;
    &lt;em&gt;&#xD;
      
           sociable.
          &#xD;
    &lt;/em&gt;&#xD;
    
          Ich will schreiben.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ich brauche hier mehr Energie als auf der Insel, um mich zu konzentrieren, aber Dakar hat auch Vorteile. Es ist hier nicht so heiß wie auf der Insel, und ich habe gutes Internet, über das ich mich mit meiner Mentorin über das austauschen kann, was ich auf der Insel geschrieben habe – es sei nicht schlecht, attestiert sie mir. Nein, sie sagt sogar: recht gut. Motiviert davon schließe ich vormittags meine Zimmertür und schreibe.  Erst nachmittags oder am frühen Abend gestatte ich mir ein paar Ausflüge: in eine Strandbar, die ca. fünfzehm Gehminuten von meinem Quartier entfernt liegt, oder zum Supermarkt.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/Strand_Ouakam-scaled.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Oder ich mache Familienbesuche bei den Eltern oder Geschwistern meiner senegalesischen Mitbewohner. Familienbesuch bedeutet hier vor allem: gemeinsam essen. Das ist der Moment, in dem alle zusammen sind. Ansonsten werde ich als Besucher auch einfach auf dem Sofa mit einem Saft oder Wasser auf dem Sofa „geparkt“ und kriege dazu den Fernseher angeschaltet, weil die Männer nicht zu Hause und die Frauen in der Küche beschäftigt sind. Einmal sitze ich stundenlang allein im Wohnzimmer einer Familie und schaue mir die César-Verleihung an, während die Frauen der Familie für mich kochen. Natürlich habe ich als Gast in der Küche nichts zu suchen, es soll mir ja gut gehen. Allerdings würde es mir auch wenig nutzen, in die Küche zu gehen, denn ich beherrsche die Landessprache Wolof nicht. Französisch ist für uns alle die Zweitsprache, die jungen Frauen sprechen es meist sehr gut, die Älteren nicht ganz so; meine Fähigkeiten liegen irgendwo dazwischen. Für eine Konversation beim Essen reicht es, aber in der Küche bleiben die Frauen lieber unter sich bei Wolof. Beim Zuhören habe ich den Verdacht, dass die Senegalesen, was die Intensität der Gespräche angeht, so etwas wie die Italiener Afrikas sind. Ich fürchte oft, es sei ein Streit ausgebrochen, während eigentlich nur eine ganz normale Unterhaltung stattfindet. Nach stundenlangem Kochen gibt es sehr leckeren Reis mit Fisch, nach einem Rezept aus Saint Louis. Serviert wird das Essen auf einer großen Platte. Der gebratene Reis füllt den Boden der Platte, und darauf sind in der Mitte die anderen Zutaten verteilt: die Doraden in großen Stücken, aus denen die Gräten herausgucken, dazu Möhren und Rüben und gebratene Zwiebeln. Das für mich wohlschmeckend-fremde Essen entschädigt mich für die absurde Situation des stundenlangen Fernsehens. Außerdem sage ich mir, dass ich auch deswegen hierhergekommen bin: um tiefer in die hiesige Realität einzutauchen. Und die ist: Ich bin eine – durchaus gern gesehene – Fremde, die man aber – natürlich – mit einer gewissen Distanz betrachtet und behandelt. Was anderes habe ich erwartet?
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Gegessen wird übrigens immer gemeinsam von einer großen Platte, und einmal schiebt mir meine Sitznachbarin mit ihrem Löffel noch ein grätenfreies Extrastück Fisch hinüber. Ich denke einen winzigen Moment an Corona, ehe ich das Stück mit meinem eigenen Löffel nehme und genussvoll kaue.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    
          Fremde Grüße
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 10 Mar 2020 22:42:00 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Schreiben im Senegal – Teil 3</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/schreiben-im-senegal-teil-3</link>
      <description>Als ich auf der Insel ankomme, wird mir mit einem Schlag klar, dass ich seit dem Frühstück in Dakar nichts mehr gegessen habe. Christine verspricht mir ein Abendessen, während sie mich zu meiner Hütte begleitet. Wunschgemäß steht dort ein Tisch. Bestens, sage ich und füge hinzu, dass ich Schriftstellerin bin und arbeiten muss. Das französische […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Als ich auf der Insel ankomme, wird mir mit einem Schlag klar, dass ich seit dem Frühstück in Dakar nichts mehr gegessen habe. Christine verspricht mir ein Abendessen, während sie mich zu meiner Hütte begleitet. Wunschgemäß steht dort ein Tisch. Bestens, sage ich und füge hinzu, dass ich Schriftstellerin bin und arbeiten muss. Das französische
          &#xD;
    &lt;em&gt;&#xD;
      
           ecrivain
          &#xD;
    &lt;/em&gt;&#xD;
    
          geht mir interessanterweise leichter über die Lippen als das deutsche Wort Schriftstellerin. Christine freut sich, weil alles zu meiner Zufriedenheit ist, und sagt, ich könne mir auch draußen einen Platz suchen, wenn es mir gefällt. Ich verschiebe die Entscheidung, jetzt will ich nur essen und mich von einem Tag auf afrikanischen Pisten erholen.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/H%C3%BCtte.JPG" alt=""/&gt;&#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Das Abendessen ist
          &#xD;
    &lt;em&gt;&#xD;
      
           delicieux
          &#xD;
    &lt;/em&gt;&#xD;
    
          . Das wird es die ganze Woche
sein, ob Rindfleisch, Huhn, Seeteufel, Fingerfisch oder Austern, alles ist stets
perfekt zubereitet. Es gibt auch Salat. Wegen der Keimbelastung des hiesigen Wassers
wird Europäern ja davon abgeraten, hier Salat zu essen, und ich vermisse das
immer sehr. Heute bin ich mir aber sicher, dass der Salat für Europäer verträglich
zubereitet ist. Dazu gibt es Gemüse und Kartoffeln. Letzteres weiß ich deshalb
sehr zu schätzen, weil im Senegal Reis das Hauptnahrungsmittel ist und ich zwar
nichts gegen Reis habe, ihn aber auch nicht zu meinen bevorzugten alltäglichen
Lebensmitteln zähle. Und – ganz traditionell französisch – es gibt immer zum
Abschluss ein Dessert. Bei einer Crème brulée denke ich an Lucie, die mir
schrieb, wie gut sie in ihrer australischen Schreibresidenz mit ihrer Arbeit
vorankam, unter anderem, weil sie jeden Tag bekocht wurde. Das werde ich hier
auch haben. Nun muss ich nur noch in meiner Arbeit ebenso große Fortschritte
machen wie sie.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Außer mir sind im Camp nur noch zwei französische Familien mit drei Kindern, die tagsüber unterwegs auf einem Ausflug sind, weshalb ich mir – so wie Christine es vorgeschlag
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
             
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    
          en hat – einen Tisch im offenen
          &#xD;
    &lt;em&gt;&#xD;
      
           Salle à manger
          &#xD;
    &lt;/em&gt;&#xD;
    
          als Arbeitsplatz auswähle.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/Salle-a-manger-scaled.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Dort sitze ich die nächsten vier
Tage und arbeite. Wenn Bap, der Kellner, nachmittags seine Siesta hält, gibt er
mir Bescheid, wo ich ihn finde, falls ich etwas brauche. Doch ich brauche
nichts, außer der Stille, die so vollkommen ist, dass die Vögel zahlreich um mich
herumflattern, als sei ich gar nicht da.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Internet gibt es hier nur so viel,
dass ich ein paar Nachrichten versenden und empfangen kann, aber Fragen, die
ich sonst gern mal an Google stelle, wenn ich nicht weiter schreiben mag, müssen
warten. Von nichts abgelenkt, wandere ich auf dem Papier ans andere Ende des
Kontinents, nach Äthiopien, wo mein Romanheld vor gut vierzig Jahren vor großen
Herausforderungen stand.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Es ist heiß in diesen Tagen, an
manchen Tagen wohl über 40 Grad, selbst der Wind fegt wie ein Fön über uns
hinweg. Manchmal, wenn die Franzosen und ich aneinander vorbeischleichen, weil
bei dieser Hitze jede kraftvolle Bewegung zu anstrengend ist, hauchen wir uns
ein
          &#xD;
    &lt;em&gt;&#xD;
      
           Il fait chaud
          &#xD;
    &lt;/em&gt;&#xD;
    
          oder
          &#xD;
    &lt;em&gt;&#xD;
      
           Il fait vraiment chaud
          &#xD;
    &lt;/em&gt;&#xD;
    
          zu. Der Pool
hilft. Ich erfrische mich, arbeite weiter und befehle meinem Rücken zu
schweigen. Der findet nämlich, dass mein hiesiger Arbeitsplatz ergonomisch
gesehen eine Katastrophe ist. Kann sein, aber für Gymnastik ist es definitiv zu
heiß. Mein Rücken wird also noch eine Weile aushalten müssen.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Am vierten Tag reisen die Franzosen
ab und niemand reist neu an. Christine gibt ihrem Team einen Abend frei, wir
bleiben ganz allein im Camp und essen gemeinsam.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Christine ist Ende fünfzig, hat französisch-guineische Wurzeln und betrieb einst ein Restaurant an der Cote d’Azur. Mit Fünfzig beschloss sie, nach Afrika zu gehen. Sie kaufte dieses Fleckchen Erde, entwilderte es, baute die Hütten, installierte Solarpanels, weil es hier sonst außer dieselbetriebenen Generatoren keine Möglichkeit zur Stromgewinnung gibt. Sie suchte das Gespräch, als sie bestohlen und bedroht wurde, denn die männlichen Mitglieder der muslimischen Gemeinde Misirah sahen es nicht gern, dass eine Frau allein ein Camp betreiben will. Vor fünf Jahren eröffnete sie, und kann seither in sieben Hütten maximal dreißig Gäste aufnehmen. Deshalb ist die Betreuung hier angenehm persönlich, und das siebenköpfige Team ist aufmerksam und zuvorkommend. Dass Christine alle Teammitglieder in Misirah gefunden hat, hat ihr geholfen, von der Gemeinde akzeptiert zu werden. Nun will sie bis zu ihrem Ende auf der Insel bleiben. Frankreich ist ihr fremd geworden und selbst ihre Einkaufstouren nach Dakar oder Kaolack (nicht zu verwechseln mit Khao Lak in Thailand, das sehr schön sein soll, während Kaolack als schmutzigste Stadt des Senegal bekannt ist) sind ihr ein Gräuel. Ich verstehe sie. Wer braucht das alles, wenn man ein solches Stück Erde voller Frieden und Ruhe haben kann?
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/Ruhe-und-Frieden-scaled.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Und weil wir gerade so nett
beieinander sitzen, frage ich sie, ob ich hier auch draußen schlafen kann. Ich
kann und wähle mir dafür eine große Hängematte unter einem Cajou-Apfelbaum. Christine
hängt mir sogar noch ein Moskitonetz über das Lager. Beim Einschlafen habe ich über
mir in voller Schönheit den afrikanischen Nachthimmel mit seinen tausenden
Sternen.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    
          Sternenklare Grüße
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Sat, 07 Mar 2020 22:42:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/schreiben-im-senegal-teil-3</guid>
      <g-custom:tags type="string">Senegal,Reisen</g-custom:tags>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Schreiben im Senegal – Teil 2</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/schreiben-im-senegal-teil-2</link>
      <description>Wer sich einbildet, in der Mitte von Nirgendwo am besten schreiben zu können, muss einiges auf sich nehmen, um dort hinzukommen. Ich muss zunächst nach Toubakouta, das ca. 250 Kilometer von Dakar entfernt liegt und als zumindest nicht ganz kleiner Ort auf der Karte zu finden ist. Auf dem Weg zum Gare Routiere in Dakar […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Wer sich einbildet, in der Mitte von Nirgendwo am besten schreiben zu können, muss einiges auf sich nehmen, um dort hinzukommen. Ich muss zunächst nach Toubakouta, das ca. 250 Kilometer von Dakar entfernt liegt und als zumindest nicht ganz kleiner Ort auf der Karte zu finden ist. Auf dem Weg zum Gare Routiere in Dakar ist natürlich Stau, dort angekommen heißt es warten, bis sich genügend Mitfahrer finden. Bei einem Bus mit Plätzen für dreizehn Mitfahrer dauert das halt eine Weile. Knapp eineinhalb Stunden in meinem Fall. Schon ist Mittag. Immerhin habe ich mir durch frühzeitiges Erscheinen und einen kleinen Extrabetrag den Platz auf dem Beifahrersitz gesichert. Als wir vollzählig sind, bezahlen wir alle noch eine Kleinigkeit von umgerechnet 50 Cent, damit der Fahrer die mautpflichtige Straße mit weniger Stau nimmt. Trotzdem dauert die Fahrt bis Toubakouta etwa fünf Stunden, und ich werde leicht nervös. Denn ich muss von dort aus noch weiter nach Misirah, weil dort die Piroge abfährt und ich gelesen habe, dass das Einchecken im Camp bis 19 Uhr erledigt sein soll. Das könnte allmählich knapp werden. Endlich entlässt der Fahrer mich und meinen Rucksack mit einem Blick, der sagt: Du hast es so gewollt.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/Toubakouta.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Toubakouta. Ein paar Hütten am
staubigen Straßenrand, ein paar Händlerinnen, die Erdnüsse und Mandarinen
verkaufen, während Kinder zu ihren Füßen spielen. Und ein paar Jugendliche mit
Motorrollern, die ein Geschäft wittern. Ich hätte lieber ein Taxi, aber es
sieht nicht so aus, als gäbe es hier eines. Mit dem Roller sei das kein
Problem, versichert mir der Junge, der höchstens fünfzehn sein kann und dessen
Nicken auf meine Frage nach Misirah mich nicht ganz überzeugt. Aber ich habe
keine Wahl, inzwischen ist es 17:30 Uhr, und ich habe keine Ahnung, wo dieses
Misirah liegt. Auch keine Ahnung, wie lange es von hier aus noch dauert,
dorthin zu kommen. Eine Stunde und ein bisschen, sagt der Junge. Jetzt werde
ich leicht panisch, schließlich kenne ich das notorisch ungenaue Zeitgefühl der
Afrikaner. Ich sehe meine Piroge abfahren und mich in den Mangroven nächtigen, mit
meinem Rucksack als Kopfkissen. Zum Glück gibt es hier keine Löwen oder Hippos
mehr, die haben nämlich die Franzosen abgeschlachtet, als sie es noch konnten.
(Übrigens lassen sich die Franzosen bis heute Reparationen von den Senegalesen
zahlen für die Wohltaten, die sie in das Land gebracht haben, habe ich gelesen.
Ich kann das nicht verifizieren, aber sagen wir mal so: Überraschen würde es
mich nicht.) „Und was ist mit meinem Rucksack?“, frage ich den Jungen, der sich
den kurzerhand auf den Tank stellt und gerade noch darüber schauen kann. Also
nehme ich hinter ihm Platz, und los geht es auf dem nächsten Sandweg, der uns
noch ein Stück durch Häuser und Höfe führt, wo die Kinder mir „Toubab, Toubab!“
(„Weiße, Weiße!“) hinterher rufen und winken. Doch bald sind da nur noch
Felder, eine sich abschwächende Sonne, der Motorroller und wir. Schon mitten im
Nirgendwo, ohne Autos und Lärm, umgeben von Wasser und Natur. Und ich weiß,
warum ich diesen verdammt langen Weg auf mich genommen habe. Glücklicherweise
ist das Zeitgefühl der Afrikaner manchmal in die andere Richtung ungenau, und
wir kommen gegen 18 Uhr am Pont in Misirah an.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Misirah. Ein Fischerdorf mit etwa fünftausend
Einwohnern, von denen sich ungefähr fünfzig jetzt, kurz vor Einbruch der
Dämmerung, auf dem Platz am Pont versammelt haben. Die geschäftigen und
geschwätzigen Frauen mit Kindern und ihrem Angebot an Nüssen, Bananen und
Getränken im Schatten unter dem Baum in der Mitte Platzes. Die Männer hingegen
sitzen schweigend am Rand des Platzes, beobachten mich mäßig neugierig, während
ich versuche, Christines Telefonnummer zu finden. Ich soll sie anrufen, damit
sie mir die Piroge schickt. Einer der Männer öffnet dann doch den Mund, um mir
Mbaye zu zeigen, der offenbar den Auftrag hat, Christines Kunden einzusammeln, die
als Weiße  hier schnell zu identifizieren
sind. Mbaye, ein Mittfünfziger mit einer Sonnenbrille auf der Nase, winkt mir
auch sofort zu. Meine Piroge sei schon da, aber wir müssten noch auf zwei
weitere Gäste warten. Wir nehmen auf einer Bank im Schatten Platz, ich laufe
noch schnell in eines der Geschäfte, in dem der Verkäufer sich mit seinen Waren
hinter einem Gitter eingesperrt hat. Ich brauche eine Flasche Wasser, meine aus
Dakar mitgebrachte habe ich in großen Schlucken geleert. Tagsüber hatte ich mir
nur kleine Schlucke genehmigt – die Busreisen sehen nämlich keine
Toilettenpause vor. Jetzt, da das Camp nur noch eine Pirogenfahrt entfernt liegt,
kann ich trinken. Mbaye verwickelt mich in ein Gespräch. Und was ist seine
erste Frage? Richtig, die nach meinem Ehemann. Der sei zu Hause, schwindle ich
ungerührt, denn ich sei Schriftstellerin und müsse in Ruhe schreiben. Deshalb
weiß ich auch noch nicht, ob ich Mbayes Angebot eingehe, mit mir auf einen
Markt in der Nähe zu fahren. Wir tauschen Telefonnummern, damit ich ihm
Bescheid geben kann, wenn ich mich entschieden habe. Inzwischen gesellt sich
ein weiterer, jüngerer Mann zu uns, und als er hört, dass ich Schriftstellerin
bin, erzählt er mir von Fatou Diome, die in der Nähe geboren ist und die er
einmal für einen Vortrag hierher einladen will. Ich habe auch etwas von ihr
gelesen, und er errät sofort, welches Buch das war: „Der Bauch des Ozeans“. Er
schwärmt von ihr, weil sie sich – jetzt von Frankreich aus – dafür einsetzt,
dass die Afrikaner so reisen dürfen, wie wir Europäer es tun. „Wie es jetzt
ist, ist es doch nicht gerecht“, sagt er. Ich stimme ihm mit Unbehagen zu, weil
ich so eindeutig und ohne eigenes Verdienst privilegiert bin. 
Weil die anderen Kunden noch auf sich warten lassen, führt Mbaye mich zu
dem heiligen Baum des Ortes, einem tausendjährigen Baobab. Ich will meine
Tasche mitnehmen, in der sich Kamera und Pass befinden, aber das wird beinahe
als Beleidigung empfunden – schließlich würde der junge Mann auf meine Sachen
aufpassen. So kommt es, dass ich von dem wirklich beeindruckenden Baum leider
kein Foto habe. Ich habe zwar viele Fotos von Baobabs, aber keines von jenem in
Misirah.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/Baobab.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Endlich startet meine Piroge, ohne die beiden Kunden, die erst drei Stunden später auf der Insel eintreffen werden. Ich lerne, dass das Gewässer, über das wir fahren, kein Fluss ist, sondern das Saloum-Delta des Atlantischen Ozeans. Weil gerade Ebbe ist, müssen wir einen Umweg fahren, was mir recht ist, denn so sehe ich mehr Landschaft. Und Spuren von Fischen, die in kleinen Bögen aus dem Wasser hüpfen, aber so klein und schnell sind, dass ich  nur die Kreise sehe, die sie beim Aus- und Eintritt auf dem Wasser hinterlassen. Der Sonnenuntergang ist eher unspektakulär, denn der Himmel ist etwas vernebelt vom Saharasand, der in diesen Monaten oft hierhergetragen wird. So verschwindet die Sonne irgendwann blass im Sandstaub. Und für einen Moment fällt der Motor der Piroge aus und die Stille gibt mir einen Vorgeschmack auf die nächsten Tage.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/Sonnenuntergang.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Abendliche Grüße
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
           &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 03 Mar 2020 22:42:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/schreiben-im-senegal-teil-2</guid>
      <g-custom:tags type="string">Senegal,Reisen</g-custom:tags>
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    </item>
    <item>
      <title>Schreiben im Senegal – Teil 1</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/schreiben-im-senegal-teil-1</link>
      <description>Es ist erst wenige Wochen her, dass meine Mitbewohnerin, eine australische Autorin, mir Grüße von ihrer Schreibresidenz im australischen Varuna schickte, wo sie für zwei Wochen ein Schreibstipendium bekommen hatte. Sie schwärmte davon, wie wunderbar die Arbeit an ihrem Roman voranging, weil jemand für sie kochte und sie den ganzen Tag nur schrieb. Garniert war […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Es ist erst wenige Wochen her, dass meine Mitbewohnerin, eine australische Autorin, mir Grüße von ihrer Schreibresidenz im australischen Varuna schickte, wo sie für zwei Wochen ein Schreibstipendium bekommen hatte. Sie schwärmte davon, wie wunderbar die Arbeit an ihrem Roman voranging, weil jemand für sie kochte und sie den ganzen Tag nur schrieb. Garniert war ihre E-Mail mit Fotos ihres Schreibtischs, der vor einem Fenster stand, durch das blauer Himmel und grüne, blühende Pflanzen zu sehen waren. Und ich starrte in den januargrauen Berliner Himmel und die kahlen Bäume davor und sagte mir nicht zum ersten Mal, dass ich im falschen Land geboren bin. Wie um alles in der Welt sollte ich hier über einen afrikanischen Nachthimmel schreiben? Also buchte ich einen Flug nach Dakar. Nur den Hinflug.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Zugegebenermaßen ist das nicht ganz das richtige Land, denn ich schreibe über Äthiopien in Ostafrika, während Dakar die westlichste Spitze des Kontinents bildet. Aber der Senegal ist einfacher zu bereisen als Äthiopien. Ich kenne das Land besser (es ist auch viel übersichtlicher), habe Freunde in Dakar und der Himmel unterscheidet sich vermutlich nicht zu sehr von dem über Äthiopien. Es ist warm in Dakar, die Sonne scheint, die Frauen tragen Kleider in allen Farben, die Boubous der Männer stehen ihnen in der Farbenpracht in nichts nach, die Menschen sind gut gelaunt und ein großer Teil des Lebens spielt sich auf der Straße ab.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/IMG_3674-scaled.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;a&gt;&#xD;
    &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/IMG_3998-scaled.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Meine Stimmung bessert sich sofort, auch wenn ich gegen halb fünf morgens vom Ruf des Muezzins geweckt werde (nur in der ersten Nacht, ab der zweiten höre ich ihn nicht mehr), der Geldautomat nicht funktioniert, ich die Sonne schon am nächsten Tag gegen 14 Uhr gern einfach mal für eine Weile abschalten würde; auch wenn ich gleich wieder einen Heiratsantrag abwehren muss (selber Schuld, schließlich weiß ich, dass ich auf die Frage nach meinem Familienstand nicht wahrheitsgemäß mit „Unverheiratet“ antworten darf, aber im ersten Moment bin ich wieder überrascht davon, dass diese Frage hier immer zuerst gestellt wird, sowohl von Männern als auch von Frauen); auch wenn senegalesische Autofahrer ihre Hupen zu sehr lieben, ich vor jeder Taxifahrt erst einmal über den Preis verhandeln und auch sonst einiges organisieren muss, wie eine Telefonkarte und Geld. Und Internet, damit ich meiner Mutter, meiner besten Freundin und meiner Mitbewohnerin, die inzwischen wieder in Berlin angekommen ist – wir müssen uns irgendwo in der Luft knapp verfehlt haben – mitteilen kann, dass ich heil angekommen bin. An einem Tag gibt es kein Wasser und ich dusche auf die afrikanische Art, mit einem Eimer Wasser. Aber vormittags bin ich eisern, ich schließe die Fensterläden, um den Lärm und die Hitze aus meinem Zimmer auszusperren und arbeite. Keine Ausreden mehr. Deshalb bin ich hergekommen, auf dieses Ziel hin habe ich in den letzten Wochen alles organisiert und dafür gesorgt, dass für ein paar Wochen niemand etwas von mir will. Und doch setze ich vor allem auf die nächste Station meiner Reise, ein kleines Camp irgendwo auf einer Insel. Vor einigen Jahren war ich mal dort ganz in der Nähe in einem Hotel, wo man vom Restaurant aus auf einen breiten Fluss sah, dessen Ufer grün von Mangroven war und ich weiß noch, dass ich damals dachte, so habe ich mir Afrika immer vorgestellt. Mit 165 € pro Nacht übersteigt das Hotel mein Budget, also habe ich mir das nahe gelegene Camp ausgesucht – die Fotos im Internet sehen aus, als gäbe es diesen Blick dort auch. Und die knapp 20 € pro Nacht kann ich mir leisten. Auf meine Anfrage sichert man mir einen Tisch im Zimmer zu, den werde ich brauchen. Also lasse ich ein paar meiner Sachen bei meinen Freunden in Dakar, packe nur ein, was ich in einer Woche Schreibcamp benötige, und mache mich nach dem Frühstück auf den Weg.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ankommende Grüße
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 29 Feb 2020 22:42:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/schreiben-im-senegal-teil-1</guid>
      <g-custom:tags type="string">Senegal,Reisen</g-custom:tags>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/IMG_3674-scaled.jpg">
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    </item>
    <item>
      <title>Dorrit liest Fluchtgeschichten</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/dorrit-liest-fluchtgeschichten</link>
      <description>Anna Kuschnara – Kinshasa DreamsChristian Torkler – Der Platz an der Sonne Es bietet sich an, diese beiden Bücher zusammen vorzustellen, denn sie haben das gleiche Thema: Die Flucht des Protagonisten in eine bessere Welt. In Anna Kuschnaras Kinshasa Dreams ist es Jengo, der sich aus Kinshasa nach Europa aufmacht. In seiner Familie gilt er […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Anna Kuschnara – Kinshasa Dreams
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Christian Torkler – Der Platz an der Sonne
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Es bietet sich an, diese
beiden Bücher zusammen vorzustellen, denn sie haben das gleiche Thema: Die
Flucht des Protagonisten in eine bessere Welt.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          In Anna Kuschnaras
          &#xD;
    &lt;em&gt;&#xD;
      
           Kinshasa Dreams
          &#xD;
    &lt;/em&gt;&#xD;
    
          ist es Jengo, der sich
aus Kinshasa nach Europa aufmacht. In seiner Familie gilt er als Hexenkind, und
als mit seinem Großvater der letzte Mensch stirbt, der seine Hand schützend
über ihn hält, wird die Situation für ihn sehr schwierig. Als er auch noch
zufällig erfährt, dass seine Mutter, die eines Tages einfach verschwand, es
nach Paris geschafft hat, hält ihn nichts mehr in Afrika. Er macht sich auf den
Weg, mit etwas Geld und der Idee, als Boxer in einer besseren Welt überleben zu
können. Diesen Wunsch hat sein Großvater in ihm geweckt, der ihm viel über den
legendären „Rumble in the Jungle“ erzählte. Jengo braucht zwei Jahre, um Paris
zu erreichen und ist während der Flucht nicht nur einmal nahe dran, seinen
Traum zu begraben, weil er – statt zu trainieren oder voranzukommen – in einem
Islamistencamp landet und später in Kairo arbeitet, weil ihm das Geld
ausgegangen ist. Endlich gelingt ihm die Überfahrt, und in Paris beginnt er gar
zu boxen. Aber er bleibt ein Illegaler und findet sich schließlich nach einer
Abschiebung in Kinshasa wieder. Dort ist nichts besser geworden, seit er fort ging,
und deshalb macht er sich erneut auf den Weg, um der Armut und
Perspektivlosigkeit zu entkommen.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Jengo flieht nicht vor Krieg
und Repressalien, sondern vor Armut und Perspektivlosigkeit. Das Buch erzählt
die Geschichte von einem, der nicht aufgibt, nach einem Ort zu suchen, an dem
er eine Chance hat.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Christian Torkler erzählt in
          &#xD;
    &lt;em&gt;&#xD;
      
           Der Platz an der Sonne
          &#xD;
    &lt;/em&gt;&#xD;
    
          eine ebensolche
Geschichte, doch sein Ausgangspunkt ist ein Gedankenexperiment. Was wäre, wenn
die Geschichte anders verlaufen wäre und nicht Europa, sondern Afrika der
florierende Kontinent wäre? Bei Torkler gab es in den 50er-Jahren einen dritten
Weltkrieg. Europa zerfiel in kleine Staaten, in denen es keine Demokratie und
keinen Wohlstand gibt. Afrika ist der Sehnsuchtsort, der reiche, gut
organisierte Kontinent. Dorthin zieht es die Europäer, die es leid sind, sich
in ihren von Korruption beherrschten Ländern abzuschuften und mit anzusehen,
wie sich andere an ihrer Arbeit bereichern. Im ersten Teil des Romans versucht Torklers
Held Brenner, sich zu Hause durchzuschlagen: Er lebt in dem immer weiter
verfallenden Berlin und schuftet in jeder freien Minute, um sich die Papiere
für eine eigene Bar leisten zu können, die er mit Schmiergeld bezahlen muss. Ein
politischer Machtwechsel in der Neuen Preußischen Republik bringt für ihn und
seinesgleichen keine Veränderung. Doch seine Bar läuft gut, und eine Weile lang
ist eine Flucht nach Afrika keinen Gedanken mehr wert.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Die Parallelen zu
afrikanischen Zuständen sind offensichtlich. Torkler hat lange in Afrika gelebt,
und vieles von dem, was er beschreibt, ist ihm sicher in der einen oder anderen
Form begegnet. Das Gedankenexperiment ist interessant, womöglich aber auch nur
aus der sicheren Perspektive des Wohlstands: Was wäre, wenn wir Europäer in
eine solche Welt geboren würden? Brenners Antwort ist nach einigen
Schicksalsschlägen klar: Er macht sich auf in den gelobten Süden, aus dem ein
Freund ihm eine begeisterte Postkarte geschrieben hat. Brenner braucht fast
zwei Jahre, ehe er seinen Freund findet, und dann sieht alles doch viel weniger
rosig aus, als er es sich vorgestellt hat. Es gibt für ihn dort keinen Platz,
an dem er eine faire Chance bekommt.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Die beiden Bücher könnten
unterschiedlicher nicht sein, Kuschnarowas Buch ist ein Jugendbuch, das sich –
so lassen es Widmung und Danksagung vermuten – an eine wahre Geschichte
anlehnt. Torkler richtet sich mit seinen knapp 600 Seiten an ein erwachsenes
Publikum und erzählt eine Geschichte, die auf einer der Urfragen des
Schriftstellers beruht: Was wäre wenn …? Doch in beiden Büchern wird der
abstrakte politische oder wissenschaftliche Begriff Migration zur Geschichte
eines Menschen, der nichts anderes will als ein Leben mit Perspektive ‒ unabhängig
davon, wo er geboren wurde.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Verstehende Grüße
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 28 Jan 2020 22:42:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/dorrit-liest-fluchtgeschichten</guid>
      <g-custom:tags type="string">Buchtipp</g-custom:tags>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/kinshasa-platz-an-der-sonne.PNG">
        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Dorrit liest: Niq Mhlongo – Way Back Home</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/dorrit-liest-niq-mhlongo-way-back-home</link>
      <description>Wieder einmal konnte ich dank der wunderbaren Afrika-Reihe des Verlags Wunderhorn eine Entdeckung machen: den südafrikanischen Autor Niq Mhlongo. Er wurde 1973 in Soweto geboren, wuchs dort in Zeiten der Apartheid auf. Heute lebt er in seinem Heimatland, das Regenbogennation genannt wird.   In Way Back Home spielen beide Zeiten eine Rolle. Kimathi, der Held […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Wieder einmal konnte ich dank der wunderbaren
          &#xD;
    &lt;a href="http://www.wunderhorn.de/content/buecher/literarische_reihen/afrikawunderhorn/index_ger.html"&gt;&#xD;
      
           Afrika-Reihe des Verlags Wunderhorn
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          eine Entdeckung machen: den südafrikanischen Autor Niq Mhlongo. Er wurde 1973 in Soweto geboren, wuchs dort in Zeiten der Apartheid auf. Heute lebt er in seinem Heimatland, das Regenbogennation genannt wird.  
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          In
          &#xD;
    &lt;em&gt;&#xD;
      
           Way Back Home
          &#xD;
    &lt;/em&gt;&#xD;
    
          spielen beide Zeiten eine Rolle. Kimathi, der Held des Buches, kämpfte in den 80er-Jahren vom angolanischen Exil aus mit dem ANC für ein Südafrika ohne Rassentrennung. Nach dem Wandel wird Kimathi Unternehmer, und er und seine Kameraden lassen es sich endlich gut gehen: Sie schanzen sich Bauaufträge zu und genießen ein Leben in Luxus, den sie sich – ihrer Meinung nach – in den langen Jahren der Entbehrungen verdient haben. Vielleicht sind ihre Methoden nicht immer ganz sauber, aber nun ja. Auch das haben sie im Freiheitskampf gelernt: dass man manchmal zu unkonventionellen Mitteln greifen muss und unlautere Motive nicht immer entdeckt werden.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Bei Kimathi häufen sich in der letzten Zeit die Schwierigkeiten. Seine Frau hat ihn mit der gemeinsamen Tochter verlassen, um seine Gesundheit steht es nicht zum Besten, und schließlich platzt auch noch ein schon sicher geglaubter Auftrag. Und immer wieder erscheint ihm eine Frau mit einer Narbe auf der linken Wange, die ihn an jemanden erinnert, aber er kann diese Erinnerung nicht fassen. Erst sehr allmählich wird Kimathi – und dem Leser – klar, was diese Frau mit seinem Leben und seiner Vergangenheit zu tun hat.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Mhlongo stellt den Gegenwartsszenen
immer wieder solche aus dem Freiheitskampf der 1980er-Jahre gegenüber, die am
Ende ein schlüssiges Bild ergeben. Dabei greift der Autor ein diffiziles Thema
auf: den Freiheitskampf des ANC, der nicht nur Kampf gegen Apartheid bedeutete,
sondern auch gegen unliebsame Mitkämpfer. Und er greift die Gruppe jener
Freiheitskämpfer an, denen nach dem Ende der Apartheid ihr eigenes Wohlergehen
so wichtig war, dass ihnen die anderen und die Entwicklung ihres Landes egal
waren.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Obwohl Kimathi ein wirklich unsympathischer
Typ ist, denke ich keinen Moment darüber nach, ob ich das Buch zu Ende lesen
will, sondern folge ihm bereitwillig: zu den Nutten im „Sex-Supermarkt“, aufs
Polizeirevier, ins Krankenhaus und in seine einsamen Stunden zu Hause, in denen
er sich mit teurem Whisky über den Verlust von Frau und Kind hinwegtröstet. Und
schließlich auch bis zur Lösung des Rätsels um die Frau mit der Narbe im
Gesicht.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Am Ende hoffe ich, dass bald
weitere Bücher von Niq Mhlongo ins Deutsche übersetzt werden, denn ich bin
neugierig auf mehr von diesem Autor.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Gespannte Grüße
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 22 Oct 2019 22:42:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/dorrit-liest-niq-mhlongo-way-back-home</guid>
      <g-custom:tags type="string">Buchtipp</g-custom:tags>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Dorrit liest: Gaël Faye – Kleines Land</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/dorrit-liest-gael-faye-kleines-land</link>
      <description>Gaël Fayes Roman Kleines Land wurde 2016 in Frankreich sehr gefeiert und erhielt den Prix Goncourt des Lycéen – einen Preis, über deren Vergabe französische Schüler entscheiden. Davon wusste ich noch nichts, als ich es in die Finger bekam und meinte, ein irgendwie harmloses Buch über irgendwo in Afrika zu lesen. Schon der Prolog belehrte […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Gaël Fayes Roman
          &#xD;
    &lt;em&gt;&#xD;
      
           Kleines Land
          &#xD;
    &lt;/em&gt;&#xD;
    
          wurde 2016 in Frankreich
sehr gefeiert und erhielt den Prix Goncourt des Lycéen – einen Preis, über
deren Vergabe französische Schüler entscheiden. Davon wusste ich noch nichts,
als ich es in die Finger bekam und meinte, ein irgendwie harmloses Buch über
irgendwo in Afrika zu lesen.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Schon der Prolog belehrte mich
eines Besseren. Ein Vater versucht, seinen Kindern zu erklären, warum es
Schwierigkeiten zwischen Hutus und Tutsis gibt. Eine nachvollziehbare Erklärung
gibt es nicht, es scheint, es hat etwas mit Nasen zu tun. Später fragt sich der
Sohn Gaby, Ich-Erzähler in Fayes Buch, wann dieser Hutu-Tutsi-Ärger eigentlich
angefangen hat. Doch er erinnert sich nicht mehr an den Anfang. Das liegt vielleicht
daran, dass sich dieser Ärger schleichend in sein Leben gestohlen hat,
vielleicht aber auch daran, dass der Hutu-Tutsi-Ärger schon lange Zeit vor
Gabys Geburt entstand. Die Deutschen sind übrigens nicht ganz unbeteiligt an der
Entstehung dieses „Ärgers“, aber das nur nebenbei – es spielt in Gabys
Wahrnehmung keine Rolle. Ich finde solche Zusammenhänge  interessant, weil sie zeigen, dass Afrika
eben nicht nur weit weg ist und seine Probleme einfach nicht in den Griff
bekommt, sondern sich auch schon lange mit den Ansprüchen von z. B. Europäern
und den Folgen der Kolonialisierungspolitik auseinandersetzen muss.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Heute ist Gaby über dreißig und
lebt schon lange in Frankreich. Sein heutiges Leben bildet den Rahmen für die
Geschichte seiner Kindheit, deren abruptes Ende ihm keine Ruhe lässt. Gaby
erinnert sich an seine Familie und an die Freunde in seiner Straße. Die nicht
in Ruanda liegt, wie der Hutu-Tutsi-Ärger vermuten lässt, sondern in dem
kleinen Land daneben, in das sich immer wieder Millionen von Flüchtlingen aus
Ruanda retteten. Gabys Mutter zum Beispiel kam in den 1970er-Jahren nach
Burundi, doch sie fühlt sich noch immer fremd. Auch die Ehe mit Gabys Vater,
einem Franzosen, hilft nicht gegen das Unglück, in der Fremde zu sein. Die Ehe
der Eltern ist am Ende, doch Gaby und seine Freunde haben eine gute Zeit, über
die sich – zunächst selten, dann immer häufiger – die Schatten bevorstehender
Unruhen legen. Im April 1994 stirbt bei dem Attentat auf das Flugzeug des
ruandischen Präsidenten nämlich nicht nur dieser, sondern auch der burundische
Präsident, der in derselben Maschine saß. Und in der Folge herrscht nicht nur
in Ruanda Bürgerkrieg, auch in Burundi sind die Auswirkungen dieses Attentats
zu spüren. Die Erwachsenen werden verzweifelter, und die Freunde verlassen Hals
über Kopf das Land. Wie schließlich auch Gaby, der in Frankreich zwar
Sicherheit findet, aber keine Heimat. Dort beschwört er Erinnerungen an seine
Kindheit herauf, die glückliche Zeit, von der ihm nichts geblieben ist.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Gaël Faye erzählt diese Geschichte in
einem kindlich-unschuldigen Ton, in den sich fast unmerklich die Grausamkeit
der Umstände schleicht. Der erwachsene Gaby hingegen ist distanziert und
abgeklärt, ein Heimatloser, der, von seinen Wurzeln abgeschnitten, angepasst in
einer Welt lebt, die nicht die seine ist.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Das ist berührend und alles andere
als harmlos.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Berührte Grüße
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 08 Oct 2019 22:42:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/dorrit-liest-gael-faye-kleines-land</guid>
      <g-custom:tags type="string">Buchtipp</g-custom:tags>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Dorrit liest: Maaza Mengiste – Unter den Augen des Löwen</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/dorrit-liest-maaza-mengiste-unter-den-augen-des-loewen</link>
      <description>Hailu ist Arzt in einem Krankenhaus in Addis Abeba. Er hat zwei Söhne und eine Enkeltochter, seine Frau liegt im Sterben. Doch nicht nur der Tod der Mutter beschäftigt die Familie, denn 1974 herrscht in den äthiopischen Dörfern eine Hungersnot, unter der vor allem Kinder leiden. Die Studenten in der Hauptstadt, unter ihnen Hailus Sohn […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Hailu ist Arzt in einem Krankenhaus
in Addis Abeba. Er hat zwei Söhne und eine Enkeltochter, seine Frau liegt im
Sterben. Doch nicht nur der Tod der Mutter beschäftigt die Familie, denn 1974 herrscht
in den äthiopischen Dörfern eine Hungersnot, unter der vor allem Kinder leiden.
Die Studenten in der Hauptstadt, unter ihnen Hailus Sohn Dawit, sind
entschlossen, den Kaiser zu stürzen und die Verhältnisse zu ändern. Haile Selassie
ist ein guter Herrscher einer jahrhundertealten Dynastie und hat Äthiopien
modernisiert, sagt Hailu. Doch seine Zeit ist vorbei, sagt Dawit. Als sich das
Militär ebenfalls gegen den Kaiser stellt und ihn zum Rücktritt zwingt, scheinen
die Studenten am Ziel. Doch der Derg, der militärische Verwaltungsrat, denkt
gar nicht daran, die Macht an eine Zivilregierung abzugeben, sondern regiert
selbst mit Willkür, Gewalt und sozialistischen Parolen. Denunziation und Angst herrschen
in den nächsten Jahren in Äthiopien. Freundschaften zerbrechen und auch die
Brüder streiten darüber, was unter den neuen Bedingungen nötig und möglich ist.
Wie viel Widerstand kann ein Einzelner leisten? Wie viel Widerstand schadet der
Familie? Ringsherum verschwinden Menschen und kehren nie zurück. Auch Hailu gerät
ins Visier der neuen Machthaber.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Maaza Mengiste, geboren 1971 in
Addis Abeba, ist selbst mit ihren Eltern als Kind vor dem Roten Terror des Derg
in die USA geflohen. Sie widmet ihr Buch
          &#xD;
    &lt;em&gt;&#xD;
      
           Unter
den Augen des Löwen
          &#xD;
    &lt;/em&gt;&#xD;
    
          denen, die starben, weil sie etwas verändern wollten.
Mit poetischer Sprache gelingt es ihr, jene Zeit schmerzhaft fühlbar zu machen
und einigen der Toten Leben einzuhauchen. Sensibel und genau schreibt sie über
die veränderten Beziehungen innerhalb der Familie und denen zu Freunden und
Nachbarn. Es gelingt ihr, die Ohnmacht der Menschen spürbar zu machen, die in
einem Land der Willkür leben. Wo ein falsches Wort reicht, um ins Gefängnis
geworfen zu werden. Und wo es keine Chance auf einen Anwalt oder einen fairen
Prozess gibt, wie Hailu am eigenen Leib erfährt.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Manchmal ist es ein trauriges,
schmerzhaftes Buch. Doch es ist auch ein schönes, poetisches Buch, das Maaza Mengiste
mit viel Liebe zu ihren Figuren geschrieben hat. Und mit einem versöhnlichen
Ende – soweit das unter den gegebenen Umständen möglich ist.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Versöhnte Grüße
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 10 Sep 2019 22:42:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/dorrit-liest-maaza-mengiste-unter-den-augen-des-loewen</guid>
      <g-custom:tags type="string">Äthiopien,Buchtipp</g-custom:tags>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Dorrit liest: NoViolet Bulawayo – Wir brauchen neue Namen</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/dorrit-liest-noviolet-bulawayo-wir-brauchen-neue-namen</link>
      <description>Paradise und das gelobte Land Für ihren autobiografischen Roman erhielt NoViolet Bulawayo 2014 den Hemingway Foundation PEN Award. Sie stand außerdem mit diesem Roman auf der Shortlist des Man Booker Prize und auf der Shortlist des Internationalen Literaturpreises des Hauses der Kulturen der Welt in Berlin. Und das alles vollkommen zu Recht. Bulawayo ist nicht […]</description>
      <content:encoded>&lt;h2&gt;&#xD;
  &lt;font&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;font&gt;&#xD;
        
            Paradise und das gelobte Land
           &#xD;
      &lt;/font&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/font&gt;&#xD;
&lt;/h2&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Für ihren autobiografischen Roman erhielt NoViolet Bulawayo
2014 den Hemingway Foundation PEN Award. Sie stand außerdem mit diesem Roman
auf der Shortlist des Man Booker Prize und auf der Shortlist des Internationalen
Literaturpreises des Hauses der Kulturen der Welt in Berlin. Und das alles
vollkommen zu Recht.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Bulawayo ist nicht der richtige Name der Autorin, sie gab ihn
sich in Erinnerung an die Stadt, in der sie aufwuchs, nämlich in der
zweitgrößten Stadt Simbabwes. Weder Stadt noch Land werden namentlich genannt,
doch vermutlich lebt Bulawayos Romanheldin Darling in Bulawayo. Als kleines
Kind wohnte sie mit ihren Eltern in einem richtigen Haus, doch dann fand der Vater
trotz seines Studienabschlusses keine Arbeit. Er ging nach Südafrika zum
Geldverdienen, und Darling zog mit ihrer Mutter in eine Blechhüttensiedlung
namens Paradise. Dort spielt der erste Teil des Romans, in dem wir die
zehnjährige Darling und ihre Freunde durch ihren Alltag mit all seinen Facetten
begleiten: Auf Beutezug in das Nachbarviertel Budapest, in dem es richtige
Häuser gibt und vor allem Guavenbäume, von denen Darling und ihre Freunde sich
bedienen, weil es an manchen Tagen das Einzige ist, womit sie ihren Hunger
stillen können. Wir sind bei Darling, wenn sie sich ihrem Vater annähert, der
ohne Geld, aber mit „der Krankheit“ aus Südafrika zurückgekommen ist. Wir sind
dabei, wenn Darling und ihre Freunde mit einem Kleiderbügel dafür sorgen wollen,
dass die elfjährige Chipo, die von ihrem Großvater geschwängert wurde, das Baby
loswird. Das alles erzählt Bulawayo mit einer ganz eigenen, kindlichen Stimme,
die klingt, als würde Darling noch nicht immer begreifen, was gerade geschieht.
Und doch schwingt da schon leise das Begreifen mit, das eines Tages über sie
kommen wird. Denn Darling sieht zu viele Dinge, die ein Kind nicht sehen
sollte.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ich bin in Vierteln wie Paradise gewesen,
Blechhüttensiedlungen, in denen zu viele Kinder nicht genug zu essen haben, in
denen es nicht genug Wasser zu trinken gibt und Sauberkeit wegen des
Wassermangels eine sehr untergeordnete Rolle spielt. In Mondesa, einem
Stadtteil von Swakopmund in Namibia, stand ich in einer größeren Blechhütte, in
der eine Frau Kindern mit einfachsten Schulmaterialien ein wenig lesen,
schreiben und rechnen beibrachte, weil das besser sei, als wenn sie gar nichts
lernten. Die Schule hatte die Frau mit ein paar anderen Erwachsenen errichtet,
weil es sonst für diese Kinder keinen Ort gab, an dem sie lernen konnten. Nachmittags
bastelte sie Schmuckstücke, die sie an Touristen verkaufte, um mit den Erlösen
Papier und Stifte zu kaufen. Mich traf dort eine tiefe Hoffnungslosigkeit: Wie
soll es möglich sein, all diesen Kindern so etwas wie Zukunft zu geben?
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Manche Leute sagen, man solle Viertel wie Mondesa nicht
besuchen, weil es ein bisschen sei, als würde man in einen Zoo gehen. Ich bin
auch jedes Mal unsicher. Doch die Menschen haben sich oft gefreut, wenn ich sie
fragte, ob ich ein Foto von ihnen machen dürfe. Ich habe der Lehrerin ein Paar
Ohrringe abgekauft, die ich bis heute trage, und hoffe, sie hat für die Dollars,
die ich bezahlt habe, ein paar Stifte und Hefte bekommen – in solchen Vierteln kann
man ja nicht einfach in eines von zahlreichen Geschäfte gehen und kaufen, was
man braucht. Ich bin froh, gesehen, gerochen, gespürt zu haben, wie Leben sich
dort anfühlt, auch wenn es nur einen flüchtigen Moment lang war. Danach bin ich
– gesichert mit einem deutschen Pass und einer Kreditkarte – wieder zurückgekehrt
in mein komfortables Leben. Doch mir sind ein paar Gesichter geblieben, reale
Menschen mit stolzen, lächelnden Gesichtern gegen eine anonyme Masse, die in den
Nachrichten gern unter dem Begriff Armut zusammengefasst wird.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Dank NoViolet Bulawayo habe ich jetzt auch eine Stimme und
eine Geschichte dazu. Eine, die auch von NGOs erzählt, die nach Paradise kommen
und Geschenke verteilen, denen sich nur Darlings Großmutter verweigert. Die
Kinder freuen sich über T-Shirts und Spielzeuggewehre, mit denen sie gleich auf
den abfahrenden NGO-LKW zielen, in dem der Mann sitzt, der ungefragt zu viele
Fotos von ihnen gemacht hat.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Manchmal bekommen diese Kinder eine Chance. So wie Darling. Mit
achtzehn verlässt sie ihre Heimat und zieht zu ihrer Tante in die USA. Ins
gelobte Land? Immerhin hat sie keinen Hunger mehr und ist jetzt sauber
gekleidet. Doch es gibt vieles, was sie an ihrem neuen Zuhause nicht versteht
oder nicht mag. Die Kälte im Winter. Die Einheimischen, die sich wenig Mühe
geben, das Amerikanisch der Zugewanderten zu verstehen. Die Jobs, für die sich
die Einheimischen zu fein sind, doch wer illegal arbeitet, hat keine Wahl. Außerdem
ist da auch noch das Heimweh.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ich musste das Buch zwischendurch immer wieder schließen, um Atem zu holen und nachwirken zu lassen, was die Autorin mit unschuldiger Stimme erzählt. Dann sah ich sie: Die Kinder in Paradise, die dort allen Umständen zum Trotz ein Zuhause haben, nach dem sie sich später sehnen werden – auch wenn sie die erste Gelegenheit wegzugehen ergreifen, denn wahrscheinlich wird es ihre einzige sein. Ich spürte ihre Einsamkeit in der Fremde, in der sie nie wirklich heimisch werden. Vielleicht hilft es, wenn ihre Stimmen und Geschichten gehört werden. Deshalb wünsche ich diesem Buch sehr, sehr viele Leserinnen und Leser.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Sehende Grüße
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Sat, 06 Jul 2019 22:42:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/dorrit-liest-noviolet-bulawayo-wir-brauchen-neue-namen</guid>
      <g-custom:tags type="string">Buchtipp</g-custom:tags>
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    </item>
    <item>
      <title>Dorrit liest: Ellen Banda-Aaku – Patchwork</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/dorrit-liest-ellen-banda-aaku-patchwork</link>
      <description>Meine Lektüre führte mich dieser Tage nach Sambia. Die Autorin Ellen Banda-Aaku wurde 1965 dort geboren, die Heldin ihres Romans ein paar Jahre später, 1969. Der erste Teil des Romans spielt 1978, Pumpkin ist neun Jahre alt und hat es nicht leicht. Nicht nur, weil sie – einst ein pummeliges Baby – von aller Welt […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Meine Lektüre führte mich dieser
Tage nach Sambia. Die Autorin Ellen Banda-Aaku wurde 1965 dort geboren, die
Heldin ihres Romans ein paar Jahre später, 1969. Der erste Teil des Romans
spielt 1978, Pumpkin ist neun Jahre alt und hat es nicht leicht. Nicht nur, weil
sie – einst ein pummeliges Baby – von aller Welt Pumpkin genannt wird. Schlimmer
ist, dass sie mit ihrer Mutter allein ist, denn ihr Vater, Tata, lebt mit seiner
Ehefrau und vier Söhnen auf einer Farm. Immerhin ist er reich und Pumpkin
bekommt bei seinen Wochenendbesuchen Geschenke. Doch ständig muss sie sich
Lügengeschichten für die Nachbarskinder ausdenken, die sie glauben machen will,
sie seien eine ganz normale Familie. Und dann ist da noch Pumpkins Mutter, die
sich in den Alkohol flüchtet, weil sie nicht darüber hinweg kommt, dass Tata
mit seiner Ehefrau zusammenbleibt. Auch ihre Ausfälle muss Pumpkin der
Nachbarschaft gegenüber immer häufiger erklären. Das ist die Welt, in der sie
aufwächst: Lügen, Eifersucht und Verehrung des fernen Vaters. Der selbst dann
noch fern bleibt, als er sie eines Tages mit auf die Farm nimmt, um sie aus dem
Umfeld der kranken Mutter zu holen. Auf der Farm leben Mama T, die Pumpkin
hasst, und die Söhne des Vaters, denen Pumpkin gleichgültig ist. Tata, der
erfolgreiche Self-Made-Man, ist oft in Sachen Geschäften oder Frauen unterwegs.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Knapp dreißig Jahre später ist Pumpkin,
jetzt Architektin, Ehefrau und Mutter, nach Jahren im Ausland wieder zu Hause.
Im Moment arbeitet sie nicht, sondern kümmert sich um ihr Kind und ihren Mann.
Denn sie hat ihre Lektion gelernt: dass die Männer nicht treu sind und die
Frauen um sie kämpfen müssen. Da nutzt es nicht, dass ihr Mann ihr immer wieder
versichert, er sei nicht wie Tata. Der steckt gerade im Wahlkampf und rechnet
sich gute Chancen auf das Präsidentenamt aus. Die Leute mögen Männer wie ihn,
die es aus eigener Kraft geschafft haben. Dass allerdings Pumpkin gerade eine gerichtliche
Vorladung bekommt, weil sie sich mit einer Frau um ihren Mann geprügelt hat,
könnte im Wahlkampf des Vaters zum Problem werden. Tata kümmert sich darum, wie
er es immer tut, wenn Geld die Lösung ist. Aber wird das auch für die
Präsidentschaft reichen?
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ellen Banda-Aaku erzählt die
universale Vater-Tochter-Geschichte im heutigen Sambia leicht und flott, aber
nicht oberflächlich. Gerade Tata scheint das Abziehbild eines erfolgreichen,
modernen Afrikaners zu sein, aber er ist eben nicht nur das. Ich habe das Buch
an einem Vormittag mit großem Vergnügen gelesen und empfehle es gern weiter.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Vergnügte Grüße
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 04 Jun 2019 22:42:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/dorrit-liest-ellen-banda-aaku-patchwork</guid>
      <g-custom:tags type="string">Buchtipp</g-custom:tags>
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    </item>
    <item>
      <title>Dorrit liest: Henning Mankell – Die rote Antilope</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/dorrit-liest-henning-mankell-die-rote-antilope</link>
      <description>Wie meine geschätzte Blogkollegin Kristin habe ich gerade Mankell gelesen. Allerdings sozusagen den entgegengesetzten Mankell, nämlich eines seiner späteren Bücher. In denen widmete er sich oft Afrika, schließlich lebte er viele Jahre außer in Schweden auch in Maputo, der Hauptstadt Mosambiks. Das vermutlich bekannteste seiner Afrika-Bücher ist der Chronist der Winde, in dem er den […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Wie meine geschätzte Blogkollegin Kristin habe ich gerade Mankell gelesen. Allerdings sozusagen den entgegengesetzten Mankell, nämlich eines seiner späteren Bücher. In denen widmete er sich oft Afrika, schließlich lebte er viele Jahre außer in Schweden auch in Maputo, der Hauptstadt Mosambiks. Das vermutlich bekannteste seiner Afrika-Bücher ist der
          &#xD;
    &lt;em&gt;&#xD;
      
           Chronist der Winde,
          &#xD;
    &lt;/em&gt;&#xD;
    
          in dem er den Straßenkindern einer afrikanischen Stadt eine Stimme gibt. Eine Stimme, die auch in anderen Teilen der Welt gehört wird, weil Mankell sie eingefangen und geschrieben hat.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Auch in
          &#xD;
    &lt;em&gt;&#xD;
      
           Die rote Antilope
          &#xD;
    &lt;/em&gt;&#xD;
    
          lässt er ein Kind sprechen. Daniel, der gar nicht
Daniel heißt. Doch das fällt dem Leser erst ganz am Ende auf, wenn einmal sein
richtiger Name genannt wird. Daniel wird um 1865 in der Kalahari-Wüste geboren.
Bei einem Überfall weißer Männer verliert er seine Eltern und schlägt sich fortan
allein durch. Bis er von Hans Bengler, einem ziemlich erfolglosen
Insektenforscher, gefunden und mitgenommen wird. Der Schwede Hans Bengler ist in
Afrika auf der Suche nach unentdeckten Insekten, denen er seinen Namen geben
kann. Aber das ist ein schwieriges Unterfangen, und so ist es ihm recht, dass
er stattdessen ein schwarzes Kind mit nach Schweden nehmen und ihm einen Namen
geben kann. Statt über Insekten hält er jetzt Vorträge über Afrika und erzählt
abenteuerliche und unwahre Geschichten darüber, wie er Daniel vor einem Löwen
gerettet hat.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Die ersten etwa hundert Seiten des
Buches handeln von Hans Bengler, die restlichen zweihundertsiebzig Seiten
gehören Daniel, für den in Schweden ein völlig neues Leben beginnt. Er muss
Hans Bengler Vater nennen, er muss Schuhe tragen, sich an Winter und Schnee
gewöhnen. Er soll an Gott glauben und sich benehmen, obwohl er oft nicht weiß,
was damit gemeint ist. Er wird von Hans Bengler zur Schau gestellt, der so den
Lebensunterhalt für sie beide verdient. Und als irgendwann etwas schiefgeht,
lässt Bengler den Jungen bei einer Bauernfamilie zurück. Daniel erträgt das
alles nur, weil er davon träumt, eines Tages nach Hause zurückzukehren und eine
Felsmalerei zu vollenden, die sein Vater einst begonnen hatte: die rote
Antilope. Er weiß, dass er über das Meer zurückkehren muss, und will lernen,
auf dem Wasser zu gehen. Was nichts mit Jesus zu tun hat, sondern damit, dass
für ihn Wasser so etwas wie Sand ist, über den er schließlich auch laufen kann.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ob ihm die Rückkehr nach Hause
gelingt, sei an dieser Stelle nicht verraten. Lesen Sie doch einfach mal wieder
Mankell.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Rote Grüße
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 07 May 2019 22:42:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/dorrit-liest-henning-mankell-die-rote-antilope</guid>
      <g-custom:tags type="string">Buchtipp</g-custom:tags>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Dorrit liest: Aminata Sow Fall – Der Streik der Bettler</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/dorrit-liest-aminata-sow-fall-der-streik-der-bettler</link>
      <description>Kürzlich war ich im Senegal, bin einmal mehr eingetaucht in das afrikanische Leben, die Farben, die Gerüche, die Klänge. Nach meiner Rückkehr habe ich endlich das Buch „Der Streik der Bettler“ von Aminata Sow Fall von meinem SuB genommen, mit dem Gedanken, gerade noch ganz in ihrer Nähe gewesen zu sein. Ich hatte mich in […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Kürzlich
war ich im Senegal, bin einmal mehr eingetaucht in das afrikanische Leben, die
Farben, die Gerüche, die Klänge. Nach meiner Rückkehr habe ich endlich das Buch
„Der Streik der Bettler“ von Aminata Sow Fall von meinem SuB genommen, mit dem
Gedanken, gerade noch ganz in ihrer Nähe gewesen zu sein. Ich hatte mich in
Dakar gefragt, wie man dort überhaupt Bücher schreiben kann, bei der Hitze und der
alltäglichen Improvisation. Wie kann man Bücher schreiben, wenn der Strom
abgeschaltet ist und man nicht weiß, wann er wiederkommt? Wie kann man sich
konzentrieren, wenn man im Kopf hat, dass man mehrere Kanister füllen muss, sobald
es wieder fließendes Wasser gibt? Aber natürlich sind die Einwohner Dakars an
all das gewöhnt, haben ihr Leben entsprechend eingerichtet und schreiben
Bücher. Im Fall von Aminata Sow Fall sogar sehr erfolgreich.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Geboren wurde die Autorin 1941 in Saint-Louis im Norden des Senegal. Während ihrerSchulzeit zog sie nach Dakar, das sie nach der Schule in Richtung Paris verließ. Sie studierte an der Sorbonne, kehrte nach Dakar zurück, heiratete, bekam Kinder und setzte sich in verschiedenen Funktionen für Autorenrechte ein, u.a. war sie dieerste Präsidentin des Schriftstellerverbandes Senegals. Für „Der Streik der Bettler“ erhielt sie 1980 den Grand Prix littéraire de l’Afrique noire. Auf Deutsch erschien das Buch 1991 bei Lamuv – also erst elf Jahre später. Ein Problem, das mir bei meinen Streifzügen durch die afrikanische Literatur häufiger begegnet: Es dauert mitunter sehr lange, ehe die Bücher übersetzt werden, selbst wenn es sich um preisgekrönte Bücher handelt. Ich beherrsche Englisch und Französisch zwar leidlich, doch für literarische Feinheiten verlasse ich mich lieber auf die Übersetzungen von Profis.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           DasBuch schlummerte bei mir schon etwa eineinhalb Jahre auf dem SuB. Ich glaube,es war der Titel, der mich lange zögern ließ. Bettler sind nicht unbedingt die Gruppe von Menschen, über die ich bevorzugt lese, und unter einem Streik der Bettler konnte ich mir nicht wirklich etwas vorstellen. Dabei ist dieHauptfigur des Buches kein Bettler, sondern der ehrgeizige Mour Ndiaye, Chef der Gesundheitsbehörde, der Ambitionen hat, demnächst zum Vizepräsidenten ernannt zu werden. Den Durchbruch erhofft er sich dadurch, dass er die Bettler aus Dakar verbannt, denn die stören das Stadtbild, gerade jetzt, da westliche Touristen die Stadt als Urlaubsziel entdecken. Er setzt dabei auf die Hilfe seines loyalen Mitarbeiters Keba Dabo, dem es in der Tat gelingt, die Bettler aus der Stadt zu vertreiben. Doch als die sich zurückgezogen haben, stellt sich heraus, dass sie noch gebraucht werden.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Mit
feiner Ironie erzählt Sow Fall von Mours ehrgeizigen Plänen, mit Witz von den
Bettlern, die ihre Macht genießen. Sie zeichnet ein Bild der senegalesischen
Gesellschaft, in der die einen wie die anderen ihren Platz haben. In dieses
Bild gehören auch: der Umgang zwischen Männern und Frauen, Eltern und Kindern, Aufsteigern
und Verlierern und die Widersprüche, die sich aus der Bewahrung der Traditionen
und dem Wandel zu einem modernen, westlich beeinflussten Land ergeben.
Letzteres ist ein Thema, das in all ihre Romane einfließt.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Der
Senegal hat sich in den vier Jahrzehnten, die seit der Entstehung dieses Romans
vergangen sind, weiterentwickelt. Und doch ist Sow Falls Roman eine
interessante Lektüre, die einen Blick in das Innere des afrikanischen Kontinents
erlaubt, der für uns Europäer – mangels näherer Einblicke – noch immer mit
vielen Klischees, Vorurteilen und Fragezeichen behaftet ist.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
             
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    
          Erhellte Grüße
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          PS. Wir machen mit bei der Lesechallenge #WirlesenFrauen von
          &#xD;
    &lt;a href="https://buchblog.schreibtrieb.com/wirlesenfrauen-eine-lesechallenge"&gt;&#xD;
      
           Schreibtrieb
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          . Aufgabe 6: nicht europäische und nicht amerikanische Autorin.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Sat, 30 Mar 2019 22:42:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/dorrit-liest-aminata-sow-fall-der-streik-der-bettler</guid>
      <g-custom:tags type="string">Senegal,Buchtipp</g-custom:tags>
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    </item>
    <item>
      <title>Interview in Äthiopien: Teil 3 – Bohnen, Kartoffeln und Gin</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/interview-in-aethiopien-teil-3-bohnen-kartoffeln-und-gin</link>
      <description>Für das Abendessen war die Auswahl nicht groß. Uns lag nicht daran, möglichst viel auszuprobieren. Wir waren pragmatisch und wollten keine Zeit mit langer Suche verlieren. Direkt vor unserem Hotel gab es einen Schlachter, in dessen Küche ein frisch geschlachtetes Rind hing. Erst wenn Fleisch bestellt wurde, schnitt der Schlachter von diesem etwas ab. Hier […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Für das Abendessen war die Auswahl nicht groß. Uns lag nicht daran, möglichst viel auszuprobieren. Wir waren pragmatisch und wollten keine Zeit mit langer Suche verlieren. Direkt vor unserem Hotel gab es einen Schlachter, in dessen Küche ein frisch geschlachtetes Rind hing. Erst wenn Fleisch bestellt wurde, schnitt der Schlachter von diesem etwas ab. Hier kamen viele Äthiopier her, um frisches, rohes Fleisch zu essen.
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    &lt;span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    
          Dazu konnte ich mich nicht überwinden, was Adane eigenartig fand, schließlich würde ich doch zu Hause auch rohes Hackfleisch essen. Stimmt. Trotzdem nahmen wir die gegrillte Variante, bei der die Fleischwürfel auf einem Stövchen serviert werden. Auch hier bekamen wir ein Stövchen für uns zwei, manchmal, wenn Adanes Nichte uns zum Essen Gesellschaft leistete, bestellten wir ein großes, von dem wir alle mit den Fingern aßen.
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    &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/%C3%84thiopien+Fleisch.JPG" alt=""/&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    
          An den anderen Abenden gingen wir in die Bar eines Freundes, vor allem zum Trinken. Denn wer die aphrodisische Wirkung des Kath neutralisieren will, hat neben der naheliegenden Möglichkeit eine zweite: Alkohol. So besuchten wir abends die Bar – ich blieb zumeist bei Bier, Adane trank zwei, drei Gin. Am ersten Abend stellte uns der Barbesitzer nach einer Weile einen Teller auf den Tisch: Bohnen mit Kartoffeln, dazu ein Stück Weißbrot, denn Besteck ist in Äthiopien unüblich. Ich hatte nichts bestellt und bekam die Speise als Geschenk des Hauses. Nach dem ersten Bissen war ich total überrascht, denn dieses einfache Gericht war so lecker, dass ich es von nun an fast jeden Abend essen wollte und mich nur ungern von Adane überreden ließ, ab und zu im Hotel Fleisch zu essen. Vielleicht war es, weil Bohnen mit Kartoffeln mich nach all dem fremden Essen mit dem Brot Injera an zu Hause erinnerten. An manchen Tagen sehnte ich mich nach meinem eigenen Leben. Bezahlt habe ich die Bohnen mit Kartoffeln nur ein oder zwei Mal, Adane sagte, es koste so wenig, dass es dem Barbesitzer peinlich sei, es auf die Rechnung zu setzen. Überhaupt waren die Menschen großzügig, die Männer gaben mir hin und wieder ein Bier oder einen Kaffee aus. Sie schienen mich nicht als „laufende Geldbörse“ zu betrachten, wie Weiße manchmal genannt werden. Sie hatten sich auch daran gewöhnt, dass ich an den Abenden manchmal mein Notizheft hervorzog, um etwas von dem zu notieren, was Adane mir „off the record“ erzählte. Obwohl es im Hof der Bar meist sehr dunkel war und ich bei dem spärlichen Licht, das vom Tresen herüberleuchtete, nur wenige Notizen machen konnte. Über Musik, Filme, Lieblingsschauspieler. Dinge, die man – laut Schreibratgebern – seine Hauptfigur fragen soll, um sie authentisch beschreiben zu können. Manchmal insistierte ich auf Zeiten in Adanes Leben, über die er bislang nur wenig erzählt hatte. Mit einem verschmitzten Grinsen sagte er: „Dann musst du das eben füllen, du bist doch die Schriftstellerin.“ Ich bin froh und dankbar, dass Adane mir vertraut und sicher ist, dass ich seine Geschichte gut aufschreibe. Dass ich die richtigen Szenen finden werde, um die Stellen zu füllen, an die er sich nicht erinnert. Und aus dem, was er mir erzählt hat, die richtige Geschichte machen werde.
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  &lt;/p&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Nach zwei, drei Stunden bei Bohnen, Bier und Gin fuhren wir ins Hotel, durch die vollkommen dunkle Stadt, in der nur noch hier und da ein paar Bars oder Imbissstände geöffnet hatten. Im Hotel gönnten wir uns einen Absacker, der letzte Gin des Tages war ein weiteres gemeinsames Ritual. Der äthiopische Gin ist wohltuend weich, ich habe mir eine Flasche mitgebracht und gönne mir auch zu Hause manchmal einen Absacker. Er schmeckt nach Wärme und Gelassenheit, nach Zuhören und nach spannenden, fremden Erinnerungen, die darauf warten, in eine literarische Form gebracht zu werden.
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  &lt;/p&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Inspirierte Grüße
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Sat, 23 Feb 2019 22:42:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/interview-in-aethiopien-teil-3-bohnen-kartoffeln-und-gin</guid>
      <g-custom:tags type="string">Äthiopien,Adane,Reisen</g-custom:tags>
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    </item>
    <item>
      <title>Interview in Äthiopien: Teil 2 – Bombe und Pistole</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/interview-in-aethiopien-teil-2-bombe-und-pistole</link>
      <description>Die ersten Tage meiner Reise standen ganz im Zeichen von Nachrichten und Politik. Schon in Addis Abeba hatte Adane mich mit den Worten begrüßt: „Wir machen Frieden mit Eritrea, kannst du dir das vorstellen?!“ Es waren die ersten Monate der Amtszeit von Ministerpräsident Abiy Ahmed, der von der Bevölkerung sehr verehrt wird, denn er hat […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Die ersten Tage meiner Reise standen ganz im Zeichen von Nachrichten und Politik. Schon in Addis Abeba hatte Adane mich mit den Worten begrüßt: „Wir machen Frieden mit Eritrea, kannst du dir das vorstellen?!“
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    
          Es waren die ersten Monate der Amtszeit von Ministerpräsident Abiy Ahmed, der von der Bevölkerung sehr verehrt wird, denn er hat tiefgreifende Veränderungen für Äthiopien auf den Weg gebracht. Alle waren elektrisiert von der Aussicht auf Veränderungen zum Guten. Abiy Ahmed räumte im Staatsapparat auf, am Tag nach meiner Ankunft entließ er den Armeechef. Zwei Tage später lief auf allen Fernsehern im Hotel, aber auch in den Cafés in der Stadt eine Kundgebung in Addis, auf der Abiy Ahmed vor zehntausenden Anhängern sprach. Eine alte Volkweise untermalte die Übertragung, ich hörte sie den ganzen Tag. Die Heiterkeit des Liedes und die Zuversicht der Menschen reichten von Addis bis nach Dire Dawa. Die Menschen trugen T-Shirts mit Ahmeds Konterfei und dem Schriftzug „We support you“. Doch als wir in unserem Frühstückscafé ankamen, hatte sich die Stimmung verändert: Auf der Kundgebung in Addis war eine Bombe explodiert. Mindestens ein Mensch starb, und über 150 wurden verletzt. Ich fragte mich, welche Macht ein geschasster Militärchef noch hatte und wurde nervös. Inmitten eines Militärputsches wollte ich mich nicht wiederfinden und trug mich vorsichtshalber in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amtes ein, auch wenn Adane mich auslachte.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Vier Tage später bekam ich eine E-Mail von der Deutschen Botschaft in Addis Abeba, die alle Deutschen in Äthiopien zum Public Viewing einlud, denn es war gerade die Zeit der Fußball-WM. Das beruhigte mich – wenn die Botschaft sich um so etwas kümmern konnte, musste ich mich nicht ängstigen. Bis dahin hatten wir schon etwa acht Stunden Gespräche aufgezeichnet, und ich war Stammgast in der nachmittäglichen Kathrunde geworden. Kath kaute ich immer noch nicht, aber inzwischen trank ich Bier  und schaute Adane fasziniert zu, der immer Zucker nachwarf, weil er den bitteren Geschmack des Kath nicht mochte. Das tat er so, dass er den Löffel dabei mit den Lippen nicht berührte. So, wie es auch beim Essen mit den Fingern in Äthiopien üblich ist. Auf einer Platte mit dem typisch äthiopischen, weichen, sauren Brot Injera werden für mehrere Personen Fleisch- und Gemüsegerichte serviert. Jeder reißt sich vom Injera kleine Stückchen ab, nimmt damit ein Stück Fleisch oder Gemüse und steckt sich das mundgerechte Bündel in den Mund. Klingt einfach, aber die Kunst ist, dabei mit den Fingern nicht die Lippen zu berühren. Das gelang mir leider eher selten, irgendwie war immer ein Finger an der Unterlippe.
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  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Wir redeten und vergaßen die anderen Männer im Raum. Auf dem Band höre ich ihre kurzen, ruhigen Sätze mit langen Pausen dazwischen. Nichts an ihnen war beängstigend, und inzwischen lachte ich darüber, dass ich mich gefürchtet hatte. Von ihren Gesprächen verstand ich nichts, denn meine Amharisch-Kenntnisse beschränkten sich nach wie vor auf Amässägenalo (Danke) und Bouna ba whatat (Milchkaffee).
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Einmal fragte ich Adane, womit diese Männer ihren Lebensunterhalt verdienten. Er sah mich erstaunt an. „So etwas fragt man hier nicht.“
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    
          So vergingen unsere Tage: Wir frühstückten, redeten ohne Aufzeichnung miteinander, aßen irgendwo zu Mittag, trafen Freunde zum Kath, dem ich mich weiter verweigerte, und redeten mit Aufzeichnung weiter. Manchmal wurde Adane ungeduldig, wenn ich ihn etwas fragte, was er mir schon erzählt hatte. Doch ich vergaß alles, was ich auf Band hatte, fast sofort, um mir zu merken, was ich nebenbei herausfand. Ungeduldig wurde er auch, wenn ich ihn nicht verstand. „Du denkst wie eine Europäerin“, sagte er nicht nur einmal. „Natürlich, Adane, ich bin Europäerin.“
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Nach fünf Tagen hatte ich genug vom Zuhören und erzählte ungefragt das eine oder andere aus meinem Leben, das mir allmählich abhanden kam in unseren Gesprächen. Ich ging eine Stunde allein spazieren, setzte mich in den Hof des Hotels und machte ein paar Notizen. Zuversichtlich registrierte ich, dass mir einzelne Szenen für das Buch einfielen, doch gleichzeitig verzweifelte ich an der Fülle des Stoffs. Wie sollte ich das je in einen Roman verwandeln?
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    
          An diesem Nachmittag erzählte Adane mir über eine Zeit seines Lebens, über die er eigentlich nicht sprechen wollte. Vielleicht lag es am Kath, vielleicht hatte er jetzt endgültig Vertrauen zu mir gefasst. Es strengte ihn sichtlich an, und ich glaube, er war froh, als bald danach die Kathzweige kahl am Boden lagen und wir uns auf den Abend vorbereiteten. Die Männer zogen sich ihre Hosen und Hemden wieder an. Zufällig sah ich, wie einer von ihnen unter das Sitzkissen griff, an das er sich bis eben noch gelehnt hatte, mit einer raschen Geste eine Pistole darunter hervorzog und sie sich in den Hosenbund steckte. In diesem Moment traute ich – im wahrsten Sinne des Wortes – meinen Augen nicht und erkundigte mich bei Adane, ob ich richtig gesehen hatte.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    
          „Er war bei der Armee, er darf das.“
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    
          „Wie bitte?“
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    
          „Jetzt ist er Chef vom Finanzamt.“
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    
          „Und treibt die Steuern mit Waffengewalt ein?!“
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Lachend drückte Adane sich um eine Antwort. Und ich fragte mich, ob es nicht ein bisschen naiv von mir war, einfach so in dieses fremde Land zu fahren und darauf zu vertrauen, dass alles gut gehen würde.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Vertrauensvolle Grüße
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 19 Feb 2019 22:42:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/interview-in-aethiopien-teil-2-bombe-und-pistole</guid>
      <g-custom:tags type="string">Äthiopien,Adane,Reisen</g-custom:tags>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Interview in Äthiopien, Teil 1 – Kath</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/interview-in-aethiopien-teil-1-kath</link>
      <description>In den Schreibratgebern heißt es: Führen Sie doch mal ein Interview mit ihrem Protagonisten! Also begab ich mich im letzten Sommer mit einem Diktiergerät bewaffnet nach Äthiopien, um den Helden meiner geplanten Romanbiografie zu befragen, einen Mann, der in Äthiopien geboren wurde, aber etwa ein Drittel seines Lebens in Deutschland verbrachte und manchmal nicht mehr […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          In den Schreibratgebern heißt es: Führen Sie doch mal ein Interview mit ihrem Protagonisten! Also begab ich mich im letzten Sommer mit einem Diktiergerät bewaffnet nach Äthiopien, um den Helden meiner geplanten Romanbiografie zu befragen, einen Mann, der in Äthiopien geboren wurde, aber etwa ein Drittel seines Lebens in Deutschland verbrachte und manchmal nicht mehr weiß, ob er Deutscher oder Äthiopier ist.
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    
          Zurück kam ich mit mehr als zwanzig Stunden aufgezeichneten Gesprächen und einer Vielzahl Informationen, die ich nebenbei mitgenommen hatte. Jetzt, im Berliner Winter, gönne ich mir kleine Ausflüge nach Afrika, indem ich unsere Gespräche abhöre, in Schriftform bringe und mich dabei an die Momente erinnere, in denen wir sie geführt haben.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Adanes Geschichte hörte ich zum ersten Mal, als ich im letzten Februar mit einer Reisegruppe von Addis Abeba nach Bahir Dar am Tanasee fuhr. Der Tanasee ist etwa viermal so groß wie der Bodensee und gehört damit nicht einmal zu den fünf größten Seen Afrikas – nur um Ihnen eine Vorstellung von Dimensionen zu geben. In Afrika sind so viele Dinge so viel größer als in Europa, und Reisen ist so viel beschwerlicher. Unser Kleinbus tuckerte mit höchstens dreißig Stundenkilometern über die Straße, die zwar erst vor wenigen Jahren von Chinesen gebaut worden war, allerdings ohne den Untergrund auf die vielen schweren LKWs vorzubereiten. Das Ergebnis sind Bodenwellen überall, die das Tempo drosseln. Wir hatten Zeit und lauschten Adanes unglaublicher Lebensgeschichte, verfolgten seinen Weg von der äthiopischen Savanne in die DDR an die Friedrich-Schiller-Universität in Jena, in das wiedervereinigte Deutschland, später in den Schnee von Ulan-Bator und schließlich zurück nach Äthiopien. Adane verstand es, die Cliffhanger zu setzen. Es packte mich schnell: Diese Geschichte wollte ich schreiben. Kurz vor Ende der gemeinsamen Rundreise im Kleinbus wurden wir uns einig, und einige Monate später reiste ich erneut nach Äthiopien  – mit einem Diktiergerät und einer Menge Fragen im Gepäck, von denen die vordergründigste war: Würden Adane und ich uns so gut verstehen, dass er bereit wäre, mir seine Geschichte zu erzählen? Nicht nur die kurze, an hunderten von Touristen erprobte, sondern die lange?
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Am Anfang stand noch eine Reise, nämlich von Addis Abeba nach Dire Dawa. Dort lebt Adane, wenn er nicht gerade mit Touristen im Land unterwegs ist. Er holte mich in Addis ab, und wir fuhren am nächsten Morgen mit dem Zug weiter. Die Bahnstrecke hatten ebenfalls Chinesen gebaut, sie war erst vor einem halben Jahr eröffnet worden. Tatsächlich hatte der Zug nach achthundert Kilometern nur ca. eine Stunde Verspätung, was auch in Deutschland ab und zu vorkommt. Meistens waren es Rinder oder Ziegen, die den Zug zu harten Stopps zwangen. Mich störte das nicht, ich hatte  Zeit. Schwerer zu ertragen war, dass es etwa drei Stunden Fahrzeit brauchte, ehe die elektrischen Geräte im Zug funktionierten und es endlich Kaffee gab. Und dann war die erste Runde Kaffee für mich ungenießbar süß. Erst eine weitere Stunde später gab es – extra für mich – ungesüßten Kaffee, der meine Lebensgeister weckte. Adane und ich begannen miteinander zu reden. Was wir dann noch zehn weitere Tage taten. Zu Beginn fiel es mir schwer, das Diktiergerät zu benutzen, weil ich fürchtete, es würde Adanes Erzählfluss stören. Aber als er mich nach zwei Tagen fragte, wann wir denn arbeiten würden, wusste ich, dass ich nun auch die Technik einsetzen konnte. Ich hatte allerdings längst angefangen zu arbeiten, Notizen gemacht und versucht, ein Gefühl für Adane, sein Leben und sein Denken zu bekommen. Doch natürlich hatte Adane recht. Ich packte das Diktiergerät aus und stellte es mit auf den Tisch, wenn wir versuchten, sein Leben halbwegs chronologisch zu durchlaufen.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ab dem dritten Tag redeten wir mit der Unterstützung von Kath, dem äthiopischen Rauschmittel schlechthin. Man kauft es in Äthiopien an jeder Straßenecke, es ist abgepackt in Bündel von vielleicht fünfzehn Zweigen, die mit Plastik umhüllt sind. Die Droge ist in Äthiopien absolut legal, wie jeder Händler interessierten Weißen sofort erklärt. Doch es sind hauptsächlich die Einheimischen, die sich damit eindecken, in Dire Dawa gibt es ohnehin kaum Touristen, und Kath ist in Europa eher nicht verbreitet. Was damit zu tun hat, dass es frisch gekaut werden muss, da es seine Wirkung nach drei bis vier Tagen verliert.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
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  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Anfangs hatte ich Bedenken, denn von allem, was ich über Kath gehört hatte, war mir vor allem in Erinnerung geblieben, es mache geil. Sollte ich tatsächlich den Nachmittag unter kathkauenden Männern verbringen (natürlich sind es die Männer, die sich zum Kath treffen, die Frauen sind immer beschäftigt und haben keine Zeit dafür)? Brauchte ich wirklich so viel Authentizität? Nach einem Blick auf die harmlos und freundlich wirkenden Männer entschied ich mich dafür. Ich selbst würde jedoch auf die Droge verzichten.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Mit dem Kath beginnt man nach dem Mittagessen. Zwischen 13 und 14 Uhr, wenn es unerträglich heiß wird, treffen sich die Männer bei einem Freund. Jeder kommt mit seinem Bündel Kath unterm Arm. Der Freund hat auf seinem Grundstück extra einen Raum für diese nachmittäglichen Treffen gebaut: eine runde Hütte, in der bis zu acht Männer Platz haben. Drinnen stapeln sich an den Wänden auf dem Boden Sitzkissen, Kath kaut man nämlich auf dem Boden sitzend. Bevor die Männer sich niederlassen, ziehen sie Hose und Hemd aus und schlingen sich ein Tuch um die Lenden, Oberschenkel und Knie. Die Angestellte des Hauses bringt Wasser, und die Männer beginnen ganz allmählich mit ihrem Ritual. Alles geschieht langsam, denn es ist heiß – während meines Aufenthaltes bewegten sich die mittäglichen Temperaturen immer knapp unter der 40°-Marke. Die Männer haben Zeit, sie werden Stunden hier sitzen und allmählich die vor ihnen liegenden Zweige in Blätterportionen leer kauen. Immer, wenn sie einen neuen Zweig aus der Umhüllung ziehen, klopfen sie ihn leicht auf den Boden, um Staub oder darin verborgene Insekten aufzuschrecken. An diesem ersten Tag fragten sie mich, ob ich probieren wolle, aber ich schüttelte den Kopf und sagte: „Ich möchte einen klaren Kopf behalten.“
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Kath könne mir helfen, mich zu fokussieren, sagten die Männer.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Ich schüttelte nochmals den Kopf. Wie sollte ich ihnen erklären, dass ich Angst hatte, sie könnten nach dem Genuss von Kath über mich herfallen (oder ich über sie?)  Also erzählte ich, dass ich schon einmal Kath gekaut hätte, mir der bittere Geschmack einfach nicht zusage. Achselzuckend nahmen sie es zur Kenntnis und ließen Adane und mich in Ruhe. Auf meinen Aufzeichnungen höre ich als Hintergrundgeräusch zu meinem Gespräch mit Adane, wie sie sich unterhalten. Genauso ruhig, wie sie sich bewegten. Hin und wieder sagt einer etwas, dann schweigen sie, dann sagt jemand anders etwas. Im Hintergrund läuft der Fernseher, es gibt Fußball, Musikvideos und Nachrichten. Aber die äthiopischen Nachrichten aus jenen Tagen sind ein Thema für sich.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Nüchterne Grüße
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 16 Feb 2019 22:42:00 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Dorrit liest: Francesca Melandri „Alle, außer mir“</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/dorrit-liest-francesca-melandri-alle-ausser-mir</link>
      <description>2010 steht ein junger Mann vor der Tür der italienischen Lehrerin Ilaria und behauptet, ihr Neffe zu sein. Allein der Blick auf seine Hautfarbe scheint ihn als Betrüger zu entlarven, denn der junge Mann ist schwarz. Doch schon bald wachsen Zweifel in Ilaria: Ihr Vater war einst als Besatzer in Äthiopien und niemand aus seinem […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          2010 steht ein junger Mann vor der Tür der italienischen Lehrerin Ilaria und behauptet, ihr Neffe zu sein. Allein der Blick auf seine Hautfarbe scheint ihn als Betrüger zu entlarven, denn der junge Mann ist schwarz.
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    
          Doch schon bald wachsen Zweifel in Ilaria: Ihr Vater war einst als Besatzer in Äthiopien und niemand aus seinem heutigen Leben weiß, was er dort getan hat. Zudem erinnert Ilaria sich noch gut daran, wie sie als Jugendliche erfuhr, dass ihr Vater seit vielen Jahren eine zweite Familie in Rom hatte und sie einen Halbbruder, den sie erst mit 16 kennenlernte. Womöglich hatte er also tatsächlich auch eine Familie in Äthiopien?
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  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Fragen kann sie ihn nicht mehr, denn Attilio Profeti lebt zwar noch, doch Demenz hat alle Verbindungen zu seiner Vergangenheit in unkontrollierbare Gedankenblitze verwandelt. Irgendwann einmal murmelt er „Abeba“, aber wer oder was Abeba ist, weiß niemand. Also macht Ilaria sich selbst auf die Suche. Was als persönliche Suche beginnt, wird zu einer Recherche über jenes Italien, das einst auf der großen Bühne des Kolonialismus mitspielen wollte und schließlich am Widerstand der Abessiner scheiterte. Vernichtend geschlagen zogen die Italiener sich zurück und hinterließen – im Wortsinn – verbrannte Erde und: Kinder. Ilaria findet viel über die Zeit der Besatzung in Afrika heraus, auch Dinge, die sie – wie viele Italiener – bislang lieber nicht so genau wissen wollte, obwohl sie sich als Linke durchaus kritisch mit ihrem Land auseinandersetzt.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Zur gleichen Zeit nähern sich Ilaria und ihre Geschwister einerseits und der afrikanische Verwandte andererseits allmählich an. Das ist ein schwieriger Prozess, zu verschieden sind ihre Leben, ihre Erfahrungen. Es braucht Zeit, einander zu verstehen. Zumal die Frage, ob sie wirklich miteinander verwandt sind, ja noch nicht beantwortet ist. Doch am Ende, als es schon beinahe egal ist, klärt sich auch das. Ein bisschen anders als gedacht. Doch da haben Ilaria und ihre Geschwister Shimeta bereits in ihre Familie aufgenommen.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ganz nebenbei zeichnet Francesca Melandri ein Bild der italienischen Gesellschaft im beginnenden 21. Jahrhundert. Die Risse zwischen den Berlousconi-Anhängern und den Anderen wirken bis in die persönlichsten Beziehungen hinein. Mit knapp 600 Seiten ist der Roman keine Lektüre für zwischendurch, doch die Figuren wachsen dem Leser schnell ans Herz und die Erkenntnisse aus Ilarias Recherche erweitern den europäischen Blick auf Afrika.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Bereicherte Grüße,
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    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 22 Jan 2019 22:42:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/dorrit-liest-francesca-melandri-alle-ausser-mir</guid>
      <g-custom:tags type="string">Äthiopien,Buchtipp</g-custom:tags>
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    </item>
    <item>
      <title>Bücher statt Postkarten</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/buecher-statt-postkarten</link>
      <description>In diesem Jahr stand Äthiopien auf meinem Reiseplan: die Wiege der Menschheit, das Dach Afrikas und das einzige Land auf dem schwarzen Kontinent, das niemals kolonialisiert wurde. Überhaupt war ich noch nie in Ostafrika gewesen. Im Februar also flog ich nach Addis Abeba, um nach einigen Tagen von dort aus auf eine Rundreise durch Äthiopien […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          In diesem Jahr stand Äthiopien auf meinem Reiseplan: die Wiege der Menschheit, das Dach Afrikas und das einzige Land auf dem schwarzen Kontinent, das niemals kolonialisiert wurde. Überhaupt war ich noch nie in Ostafrika gewesen. Im Februar also flog ich nach Addis Abeba, um nach einigen Tagen von dort aus auf eine Rundreise durch Äthiopien aufzubrechen.
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    &lt;span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Drei Tage zum Akklimatisieren waren eine gute Idee. Ich hatte das, was auf Rundreisen immer knapp bemessen ist: Zeit, einfach mal eine Stunde oder länger in einem Cafe zu sitzen und die Stadt auf mich wirken lassen. Das habe ich in Addis ausführlich getan. Neben den Schuhputzern, die tapfer immer wieder anboten, meine Latschen zu putzen, obwohl sich an denen leider überhaupt nichts putzen lässt, haben mich besonders die fliegenden Buchhändler begeistert. Mit Stapeln von vielleicht zwanzig oder dreißig Büchern auf ihren wie bei einer Räuberleiter verschränkten Händen zogen sie durch die Straßen. Besonders gefragt schien in diesem Winter ein Buch zu sein, auf dem die Silhouette einer hochschwangeren Frau vor einem abendroten Himmel steht. Dieses Buch lag meistens obenauf. Ein Heimatroman, wie ich später erfuhr. Leider kenne ich keinen einzigen Buchstaben Amharisch und hob deshalb immer nur bedauernd die Schultern. Einigen der Buchverkäufer reichte das, um anderswo ihr Glück zu versuchen, andere boten mir dann gern noch die Neuere Äthiopische Geschichte auf Englisch an. Aber wie hätte ich diese denn auf die Rundreise mitnehmen sollen, für die es recht strikte Gepäckregeln gab? Und brauchte ich eine Neuere Äthiopische Geschichte? Bedauerndes Kopfschütteln wurde eine meiner häufigsten Gesten. Aber ich freute mich während meiner Reise oft, wenn ich lesende Menschen sah: Schüler unter einem Baum, eine Gläubige in einer Kirche, die – vermutlich – ein Gebet las. Auch in den Cafés der Städte saßen Menschen jeden Alters und lasen. Das – aber nicht nur das – nahm mich von Anfang an für Äthiopien ein.
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  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Was ich mir von den Straßenverkäufern jedoch gewünscht hätte, bekam ich leider nicht: Postkarten. Bei dieser ersten Reise bekamen wir zwar noch Postkarten, nämlich von unserem Guide, der einen Vorrat bei sich hatte. Allerdings war es schlicht unmöglich, Briefmarken zu bekommen, denn immer, wenn wir danach fragten, war das Postamt geschlossen oder es gab in dem jeweiligen Ort gar keines. Ich flog nach Hause, ohne eine einzige Postkarte verschickt zu haben, sehr zum Bedauern meiner Freunde, die Postkarten aus den Weiten Afrikas mögen.
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  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Im Juni flog ich zum zweiten Mal nach Äthiopien und verbrachte meine Zeit in Dire Dawa, einer der größten Städte des Landes. Hauptsächlich, um Gespräche für ein Buch zu führen, das ich schreiben will. Dass die meisten Gespräche stattfanden, während ich in einem Kreis Kath kauender Männer saß, ist eine andere Geschichte, die ich vielleicht ein anderes Mal erzählen werde. Ich hatte ja gelernt, dass das mit den Briefmarken schwierig ist und kümmerte mich also gleich zu Beginn meines Aufenthaltes darum. Der Angestellte hinter dem Postschalter schob mir auf mein Anliegen drei verschiedene Briefmarkenbögen über den Tresen und scherte sich nicht um meine entgeisterte Miene: Wenn ich auf jede Postkarte drei Briefmarken kleben musste, wo sollte ich dann noch etwas hinschreiben? Ich ahnte noch nicht, dass das am Ende mein kleinstes Problem werden sollte. In Dire Dawa gibt es nämlich keine Postkarten. „Was willst Du“, sagte mein Gastgeber, „wir haben gerade gelernt, dass man das alles online macht. Wir machen Postkarten mit unserem Telefon und versenden sie per E-Mail.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
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&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Seine Nichte versuchte mir zu helfen, indem sie mit mir gemeinsam zum Taiwanesen ging – dem größten Markt der Stadt für Souvenirs. Eine Stunde lief sie tapfer mit mir durch die Gänge. Doch überall, wo sie nach Postkarten fragte, sah man sie mitleidig an, als wollte man fragen: „Aus welchem Jahrhundert bist du denn?“
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
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    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Nun muss man berücksichtigen, dass Dire Dawa für Touristen gänzlich uninteressant ist, abgesehen von einem alten Bahnhof, den die Franzosen Ende des 19. Jahrhunderts dort  gebaut haben und von dem aus heute noch zwei Mal pro Woche Züge fahren, nämlich einmal nach Dschibuti und einmal nach Addis Abeba. Er ist charmant, der kleine Bahnhof, weil in ihm die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Frühere Luxuswaggons lassen sich dort ebenso bewundern wie ein altes, französisch beschriftetes Stechkartensystem. Aber das ist selten ein Grund für Gäste, sich nach Dire Dawa zu verirren, was sich auch am Angebot der Straßenverkäufer bemerkbar machte. Sie hatten Bücher und manchmal Lotterielose bei sich. Mein Blick auf ihre Waren wurde dringlicher, je näher das Ende meines Aufenthalts rückte, hoffte ich doch, einer von ihnen würde vielleicht doch noch mit einer Auswahl von Postkarten vorbeikommen, während ich zum Frühstück meinen Buna ba whatatt (Milchkaffee, das einzige Wort Amharisch, das ich inzwischen außer „Amässegenalo“ – Danke gelernt habe) trank. Einmal konnte ich mir nicht verkneifen, einem von ihnen zuzuraunen: „Wenn Du Postkarten hättest, wären wir ins Geschäft gekommen.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Aber ich spreche – wie bereits erwähnt – kein Amharisch. Er sprach kein Deutsch. Und mein Gastgeber war manchmal wählerisch in seiner Tätigkeit als Übersetzer. So ist mein Ratschlag wohl unverstanden verhallt. Erwarten Sie von Äthiopienreisenden also keine Postkarten. Aber lassen Sie sich doch ein Buch als Souvenir mitbringen.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Souvenirlose Grüße,
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Sat, 28 Jul 2018 22:42:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/buecher-statt-postkarten</guid>
      <g-custom:tags type="string">Äthiopien,Reisen</g-custom:tags>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Dorrit liest: Biografie eines Generals – Die Stunde der Rebellen von Lieve Joris</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/dorrit-liest-biografie-eines-generals-die-stunde-der-rebellen-von-lieve-joris</link>
      <description>Assani ist nicht der wirkliche Name des Generals, dessen Lebensgeschichte Lieve Joris in ihrem Buch „Die Stunde der Rebellen“ erzählt. Doch es gibt ein reales Vorbild für die Gestalt des Assani in diesem Buch und die Fakten sind alle gründlich recherchiert. Lieve Joris ist es – wieder einmal – zu verdanken, dass ein Stück afrikanischer Gegenwart […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Assani ist nicht der wirkliche Name des Generals, dessen Lebensgeschichte
          &#xD;
    &lt;a href="https://www.booklooker.de/B%C3%BCcher/Angebote/autor=lieve+joris&amp;amp;titel=die+Stunde+der+Rebellen"&gt;&#xD;
      
           Lieve Joris in ihrem Buch „Die Stunde der Rebellen“
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          erzählt. Doch es gibt ein reales Vorbild für die Gestalt des Assani in diesem Buch und die Fakten sind alle gründlich recherchiert. Lieve Joris ist es – wieder einmal – zu verdanken, dass ein Stück afrikanischer Gegenwart in das Bewusstsein des europäischen Lesers rückt.
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Assani wuchs im Osten des Kongo auf, in jenen Gebieten, vor denen Reisende schon seit Jahrzehnten gewarnt werden: Zu unübersichtlich und gefährlich ist die Lage dort. Denn die verschiedenen Stämme, die einst in ein Land zusammengefasst wurden, bekämpfen sich gegenseitig. Die Loyalitäten wechseln, und das Leben der Menschen hängt nicht nur von den Geschehnissen in der Hauptstadt Kinshasa ab, sondern auch von denen in den Nachbarländern Burundi und Ruanda. Rebellen kommen und gehen und verwüsten die Dörfer, nehmen den Menschen ihre Lebensgrundlage. Und so wird aus Assani, dem Studenten, der sein Volk beschützen möchte, ein Rebell. Gemeinsam mit dem späteren Präsidenten Laurent-Désiré Kabila kämpft er für den Sturz des langjährigen Despoten Mobutu. 1997 ist Kabila am Ziel, Mobutu ist gestürzt und er selbst wird Präsident.  Assani hat ihm geholfen, als Befehlshaber einer Armee von Kindersoldaten, mit Mord und Totschlag, überzeugt davon, all das für ein besseres Leben für sein Volk zu tun. Um sich selbst sorgt er sich da schon lange nicht mehr, er sehnt sich nach der Stille und dem Frieden, den er einst im Tod finden wird. Doch der sucht ihn so schnell nicht heim. Kabila wird vor ihm ermordet, und dessen Sohn Joseph übernimmt die Herrschaft. Joseph Kabila ist längst kein Verbündeter mehr, wieder einmal haben die Loyalitäten gewechselt, doch der neue Präsident ist auf die Unterstützung der verschiedenen Volksgruppen angewiesen und macht Assani zum General in seiner Armee. Sicherer wird sein Leben dadurch nicht.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Verstörend ist das Leben jenes Jungen, der einmal davon träumte, eine Familie zu gründen und ein Leben wie das seiner Vorfahren in den Hochebenen des östlichen Kongos zu führen. Doch in dieser Region gibt es keine Gewissheiten, keine Verlässlichkeit – bis heute bleibt dieses Gebiet umkämpft, und die Einheimischen wissen schon lange nicht mehr, wem sie vertrauen können. Jeder ist nur Spielball in den Interessen von Machthabern und jenen, die danach streben, es zu werden. Die Menschen, deren Leben von den Kämpfen zerstört werden, sind ihnen vollkommen egal. Und wie immer nach einer solchen Lektüre bin ich etwas dankbarer dafür, auf einem Kontinent zu leben, der diese Art von Kämpfen nicht kennt.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Verstörte Grüße
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          PS: Wir machen mit bei der „Lese-Challenge 2018: Reise durch die Genres“ von
          &#xD;
    &lt;a href="https://gerngelesen.de/challenges-2017/lesechallenge-2018/"&gt;&#xD;
      
           Gerngelesen.
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 27 Mar 2018 22:42:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/dorrit-liest-biografie-eines-generals-die-stunde-der-rebellen-von-lieve-joris</guid>
      <g-custom:tags type="string">Buchtipp</g-custom:tags>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Joris+Rebellen.jpg">
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Reisen und Lesen im Senegal Teil 6: Letzte Momente</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/reisen-und-lesen-im-senegal-teil-6-letzte-momente</link>
      <description>Zurück in Dakar brechen die letzten Stunden meiner Reise an. Im Haus am Monument gibt es weder Wasser noch Strom noch Internet. Also kann ich nicht online einchecken. Ganz afrikanisch gelassen schalte ich das Smartphone aus und lehne mich im Sessel zurück. Dann checke ich eben morgen früh am Flughafen ein. Ansonsten brauche ich schon […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Zurück in Dakar brechen die letzten Stunden meiner Reise an. Im Haus am Monument gibt es weder Wasser noch Strom noch Internet. Also kann ich nicht online einchecken. Ganz afrikanisch gelassen schalte ich das Smartphone aus und lehne mich im Sessel zurück. Dann checke ich eben morgen früh am Flughafen ein. Ansonsten brauche ich schon seit Tagen kein Internet mehr – was immer in der Welt geschieht, geschieht auch, ohne dass ich dabei zusehe.
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ich verbringe den Nachmittag auf dem Sofa, blättere noch einmal in
          &#xD;
    &lt;a href="https://www.amazon.de/Ladivine-suhrkamp-taschenbuch-Marie-NDiaye/dp/3518466429/ref=sr_1_1?s=books&amp;amp;ie=UTF8&amp;amp;qid=1517473420&amp;amp;sr=1-1&amp;amp;keywords=ladivine"&gt;&#xD;
      
           „Ladivine“ von Marie NDiaye
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          . Die Französin mit einem senegalesischen Vater lebt heute in Berlin. Sie hat für ihr Werk, das sowohl Romane als auch Theaterstücke umfasst, bereits in jungen Jahren Preise erhalten. Ich kenne
          &#xD;
    &lt;a href="https://www.amazon.de/Drei-starke-Frauen-Marie-NDiaye/dp/351846258X/ref=sr_1_1?s=books&amp;amp;ie=UTF8&amp;amp;qid=1517473364&amp;amp;sr=1-1&amp;amp;keywords=drei+starke+frauen+von+marie+ndiaye"&gt;&#xD;
      
           „Drei starke Frauen“
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          von ihr, Erzählungen, die sowohl im Senegal als auch in Frankreich spielen. Es steht zwar Roman auf dem Einband, aber ich habe drei abgeschlossene Erzählungen gelesen. Zwar gibt es einige Überschneidungen beim Personal, aber den Bogen, der die drei Geschichten zusammenhält, habe ich nicht gefunden. Ich habe den Eindruck, da wurde „Roman“ um der besseren Verkäuflichkeit willen etikettiert. Nachdem ich mich von dem Gedanken verabschiedet hatte, einen Roman zu lesen, mochte ich die Geschichten: Von Norah, die in Frankreich aufgewachsen ist und glaubt, ihrem Vater mit einem Besuch in Dakar nur einen einfachen Gefallen zu tun, nicht ahnend, dass familiäre Verstrickungen sie länger festhalten werden. Von Fanta, die den umgekehrten Weg gegangen ist – für ihren französischen Ehemann hat sie Dakar verlassen. Sie hat es scheinbar vom Leben mit begrenzten Möglichkeiten in den Reichtum Europas geschafft. Es fühlt sich für sie bloß nicht so an. Von Khady, die selbst nicht unbedingt nach Europa wollte, sondern von der Familie ihres verstorbenen Mannes auf die Reise dorthin geschickt und nie ankommen wird. Alle drei Geschichten haben mich berührt – was „Ladivine“ überhaupt nicht gelingt. Auch da scheinen es unterschiedliche Geschichten zu sein, die in einem Reigen erzählt werden: Mutter, Vater, Tochter und deren Tochter. Doch für mich verliert sich zwischendurch die eigentliche Geschichte. Wobei das ganz allein an mir liegen kann, von Kritikern wurde das Buch sehr gefeiert. Vielleicht kann ich gerade einfach nur nichts mehr aufnehmen und sollte es später zu Hause noch einmal mit „Ladivine“ versuchen. Heute aber dämmere ich bei der Lektüre ein.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Als es irgendwann wieder Wasser gibt, bereitet Nar mir eine afrikanische Dusche, er kocht einen Kessel heißes Wasser und schüttet es in eine große Schüssel. Unter der Dusche fülle ich so lange kaltes Wasser hinzu, bis das Wasser erträglich warm ist und dann schöpfe ich es immer wieder mit einem kleinen Gefäß aus der Schüssel und übergieße mich damit. Duschen mit nur 10 Litern Wasser. Danach fühle ich mich erfrischt für einen letzten Besuch auf dem Markt. Ich will etwas Baobabfrucht mitnehmen. Ich mag den Baobab, der mehr als jeder andere Baum die Landschaft des Senegal prägt und um den sich zahlreiche Legenden ranken. Seine vom Baum herabhängenden Früchte erinnern an Mäuse, die an den Schwänzen aufgehängt wurden. Im Innern befindet sich weißes, trockenes Fruchtfleisch, das – mit Wasser übergossen – nach einigen Stunden einen leicht säuerlichen, erfrischenden Saft gibt. Nar kauft eine Tüte Bissap, Hibiskusblüten, dazu, woraus er ebenfalls ein belebendes Sommergetränk zubereitet. Ich werde daraus zu Hause wohl eher Tee kochen.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
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  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Die Nacht erwarten wir wie in der Woche zuvor auf dem Dach. Es kommen Verwandte und Freunde, man isst, trinkt und redet miteinander, während die Sonne allmählich untergeht. Heute ist es ringsum besonders dunkel, denn der Strom ist immer noch abgestellt. Ich verstehe jetzt, warum der Kühlschrank in Nars Wohnung zwar groß, aber leer ist. Khady läuft mit Mohammed auf dem Rücken auf und ab, um ihn in den Schlaf zu wiegen. Sie sagt, Stromabschaltungen gibt es häufiger, das sei eben einfach so. Aber man merkt sofort, wenn der Strom wieder angeht, weil es dann ringsum in allen Häusern hell wird. Sie fragt mich auch, ob ich wiederkommen werde und strahlt, als ich nicke. „Ich denke schon.“
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Irgendwer hat ein paar Kerzen aufgestellt, jemand hat eine Gitarre mitgebracht, und alle gemeinsam singen Lieder – auf Französisch, auf Wolof und eines auch auf Englisch. Ich fühle mich an Lagerfeuerzeiten erinnert, aber schöner, weil es so normal scheint. Ein ganz normaler Freitagabend, den man mit Freunden und Verwandten verbringt, zu denen ich jetzt auch irgendwie gehöre. Das treibt mir Freudentränen in die Augen, zum Glück sieht das in der Dunkelheit niemand.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Irgendwann kommt der Strom wieder und ich denke, ich sollte die Gelegenheit nutzen, um meinen Rucksack zu packen. Aber es ist so schön hier auf dem Dach und ich kann nicht wissen, dass der Strom schon eine halbe Stunde später wieder abgeschaltet wird. Am Ende packe ich beim Schein der Stirnlampe, ehe ich mein Nachtlager auf dem Dach bereite und unter freiem Himmel schlafe. Morgens um fünf weckt mich der Wecker im Duett mit dem meditativen Gesang, der von der nahegelegenen Moschee herübertönt. Umhüllt vom fremden und schmeichelnden Gesang finde ich langsam in den Tag meines Abschieds von Afrika, erfüllt vom Frieden des Morgens und dankbar für das Geschenk, das mir mit dieser Reise zugekommen ist. Danke, merci, jerejef.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Beschenkte Grüße
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 10 Feb 2018 22:42:00 GMT</pubDate>
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    <item>
      <title>Reisen und Lesen im Senegal Teil 5: Von Mahlzeiten, Machos und Meer</title>
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      <description>Reis ist das Hauptnahrungsmittel im Senegal, es gibt ihn zu beinahe jedem Essen, heute Yassa Poulet – Reis mit Hühnchen. Ich werde das zu Hause einmal nachzukochen, denn es ist ausgesprochen lecker. Wie übrigens alles, was ich in diesen Tagen serviert bekomme. Nar weiß, wo in Saint Louis am besten gekocht wird. Als wir noch […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Reis ist das Hauptnahrungsmittel im Senegal, es gibt ihn zu beinahe jedem Essen, heute Yassa Poulet – Reis mit Hühnchen. Ich werde das zu Hause einmal nachzukochen, denn es ist ausgesprochen lecker. Wie übrigens alles, was ich in diesen Tagen serviert bekomme. Nar weiß, wo in Saint Louis am besten gekocht wird. Als wir noch zufällig einen seiner ehemaligen Mitbewohner aus Dakar treffen und wir einen heiteren Abend in einer Bar verbringen, ist mein Aufenthalt in Saint Louis perfekt.
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
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&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Am nächsten Morgen verlassen wir Saint Louis noch in der Dunkelheit um sechs Uhr. Nar möchte mir unbedingt noch einen Ort an der Petite Côte zeigen, dahin kämen wir ganz schnell. Ich bin gespannt, was „ganz schnell“ bedeutet. Den größten Teil der Strecke fahren wir mit einem recht modernen Auto, es funktioniert sogar die Tempoanzeige am Armaturenbrett, was hier eher selten vorkommt. Zunächst sind wir die beiden einzigen Fahrgäste, aber in jedem Dorf, durch das wir fahren, stehen am Straßenrand weitere Mitfahrer, die manchmal nur ins nächste Dorf wollen. Einmal sitzt neben mir ein junger Mann, der wie ein Ofen Hitze abstrahlt. Ich bin froh, vor meiner Abreise aus Deutschland alle Impfungen aufgefrischt zu haben, und verbiete mir den Gedanken an ansteckende Krankheiten, gegen die ich nicht geimpft bin. An einem Medical Centre lässt der junge Mann sich absetzen und ich erzähle Nar von meinen Bedenken. Das amüsiert ihn. „Ihr Europäer habt viel Angst, oder?“
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
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  &lt;/a&gt;&#xD;
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&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Gegen zwölf Uhr kommen wir in Somone an. Sechs Stunden, nicht schlecht für etwa 350 Kilometer mit drei Fahrzeugwechseln. Still und träge liegt der Ort in der Mittagshitze. Im Restaurant ist die einzige Frau außer mir die Kellnerin. Die Frauen sind hier immer beschäftigt: als Händlerin auf dem Markt, räumend und fegend in Geschäften, Wäsche in vielen großen Schüsseln waschend oder auf dem Bürgersteig sitzend und mit großen Mörsern etwas zerstampfend. Männer gehen häufiger dem Müßiggang nach. An der Bar sitzen zwei und trinken Bier, drei andere sitzen an einem Tisch und diskutieren, ein weiterer geht telefonierend vor dem Restaurant auf und ab. „Macho“, sagt Nar mit einer Geste auf ihn. Ich bin überrascht, denn ausgerechnet diesen Mann hätte ich nicht auf den ersten Blick so klassifiziert. Viel häufiger hat mich die Angewohnheit vieler senegalesischer Männer, ja selbst Schuljungen, sich beim Gehen immer wieder in den Schritt zu fassen, an Machos denken lassen. Ich nutze den Moment, Nar nach Polygamie zu befragen, die sei doch noch immer sehr verbreitet? Meine Kenntnisse in dieser Frage beschränken sich auf das nicht ganz ernst gemeinte Angebot, Zweitfrau auf dem Land zu werden, das ich 2013 bei meiner Reise durch den Senegal von einem Bauern bekommen habe. Und aus dem 1983 auch in Deutschland erschienen Roman
          &#xD;
    &lt;a href="https://www.amazon.de/Ein-langer-Brief-afrikanisches-Frauenschicksal/dp/3548602738/ref=sr_1_1?s=books&amp;amp;ie=UTF8&amp;amp;qid=1517471944&amp;amp;sr=1-1&amp;amp;keywords=ein+so+langer+brief"&gt;&#xD;
      
           „Ein so langer Brief“ von Mariama Bâ
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          . Erzählt wird von zwei Frauen, die beide dasselbe Schicksal ereilt – ihnen wird nach langjähriger Ehe eine Zweitfrau ins Haus gebracht. Während die eine das akzeptiert und ihr Leben in der Situation einrichtet, verlässt die andere den Mann und das Land, um zukünftig im Ausland das Leben einer selbständigen, unabhängigen Frau zu führen. Nar sagt, Polygamie ist heute noch verbreitet im Senegal, aber allmählich wird die Situation für die Frauen besser. Es gibt inzwischen ein Gesetz, nach dem sich der Mann vor der Eheschließung für oder gegen Polygamie entscheidet. Wenn er sich einmal – notariell beglaubigt – dagegen entscheidet, ist er an diese Entscheidung sein Leben lang gebunden. Eine seiner Schwestern hat dies zur Bedingung für ihre Eheschließung gemacht.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Die leider schon 1981 mit 52 Jahren verstorbene Mariama Bâ gilt als Pionierin. Sie hat eine weibliche Stimme in die bis dahin männerdominierte afrikanische Literatur gebracht und hat sich den Themen Familie und Beziehungen gewidmet, die gemeinhin als Frauenthemen bezeichnet werden, genau genommen aber gesellschaftlich relevante Themen sind. Auch ihr zweiter Roman beschäftigt sich mit einem Beziehungsthema,
          &#xD;
    &lt;a href="https://www.amazon.de/scharlachrote-Gesang-Franz%C3%B6sischen-Irmgard-Rathke/dp/B002BLNWJC/ref=sr_1_5?s=books&amp;amp;ie=UTF8&amp;amp;qid=1517472012&amp;amp;sr=1-5&amp;amp;keywords=der+scharlachrote+gesang"&gt;&#xD;
      
           „Der scharlachrote Gesang“
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          erzählt von der Ehe zwischen einem senegalesischen Mann und einer französischen Frau. Die Diplomatentochter Mireille entzweit sich für die Ehe mit Ousman von ihrer Familie, doch in ihrer Schwiegerfamilie wird sie nicht heimisch. Im Laufe ihrer Ehe fühlt ihr Mann sich zunehmend überfordert damit, die Konflikte aus dem Zusammentreffen der unterschiedlichen Kulturen auszutragen und nimmt sich – ganz in seiner Kultur verhaftet bleibend – eine zweite Ehefrau. Das kann nur ein tragisches Ende nach sich ziehen. Auch dieser Roman ist bereits aus den achtziger Jahren. Vielleicht ist die senegalesische Gesellschaft inzwischen moderner und offener geworden. Jedenfalls sind mir einige schwarz-weiße Paare aufgefallen, aber wer kann schon hinter die Fassade schauen?
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Nachmittags spazieren wir ans Meer. Vor Läden auf der Hauptstraße hängen Kleider oder stehen Stapel mit Eimern und Schüsseln. Irgendwo gibt es auch Gemälde, Masken oder Schmuck – das Angebot richtet sich offensichtlich sowohl an Einheimische als auch an Touristen. Allerdings sind auch am Nachmittag weder die einen noch die anderen unterwegs, nur ein paar Kinder schauen mich an, als hätten sie von ihren Eltern eingetrichtert bekommen: Sprich nie mit Weißen. Als wir von der Hauptstraße abbiegen, wird es vollkommen still. Nicht einmal Hunde bellen, sondern haben sich zur Siesta an schattige Orte begeben. Ich sauge die Blütenpracht der Bougainvilleen auf und später den Geruch des Meeres. In zwei Tagen werde ich schon auf dem Weg zurück nach Deutschland sein und es ist Zeit, mir bewusst ein Reservoir der schönen Eindrücke anzulegen, auf das ich im grauen Berliner Winter zurückgreifen kann.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
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  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
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  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Am Strand flanieren Händlerinnen an uns vorbei und bieten aus ihren auf den Köpfen getragenen Körben Schmuckstücke an. Ich habe mich bislang auf dieser Reise an meinen Entschluss gehalten, keine neuen Dinge mitzubringen, hatte ich doch die letzten Wochen zu Hause mit etwas zu kämpfen, was in Afrika kein Thema ist: Zu viel von allem zu haben. Aber diese Händlerin in ihrem gelb-rot-schwarzen Kleid, die ihren Sohn auf dem Rücken bei sich trägt, ist mir die ganze Zeit schon aufgefallen und ich winke nicht ab, als sie an unserem Tisch stehenbleibt. Für einen Armreif einigen wir uns auf 6000 CFA. Weil ich nur einen 10000er Schein bei mir habe, wechselt Nar ihn bei der Kellnerin ein. Als er zurückkommt, entspinnt sich zwischen ihm und der Händlerin eine Diskussion auf Wolof, die damit endet, dass Nar den Armreif zurück in den Korb legt, weil die Händlerin inzwischen den Preis erhöht hat. Das ist ein Problem, sagt er, sie glauben, wenn sie einmal einen Weißen an der Angel haben, müssten sie immer noch mehr herausschlagen. Der Vorfall lässt mich ratlos zurück. Ich hätte auch 1000 oder 2000 CFA mehr bezahlt, aber damit die irritierende Angewohnheit des Nachverhandelns unterstützt. Hat Nar also richtig für mich entschieden? Ich schüttle die Ratlosigkeit nur langsam ab.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
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  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Am Abend wird der kleine Ort lebendig, Dutzende Leute sind unterwegs in den bis spät in die Nacht geöffneten Läden, in den Restaurants. Ein Auto fährt mit laut dröhnender Musik auf der Hauptstraße des Orts auf und ab, um die abendlichen Spaziergänger in eine Diskothek zu locken. In einer Dibiterie, einem Imbiss mit dem Charme einer Bahnhofshalle, dessen Anziehungskraft vom Duft des Grills vor dem Haus ausgeht, bestellen wir zwei Portionen Lammfleisch, die frisch zubereitet werden. Die Wartezeit nutzen wir, um uns Brot und eine Flasche Rotwein zu besorgen. Das einfache, aber köstliche Mahl genießen wir auf der Terrasse unseres Quartiers.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Genussvolle Grüße
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 03 Feb 2018 22:42:00 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Reisen und Lesen im Senegal, Teil 4: Vom Charme des Verfalls</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/reisen-und-lesen-im-senegal-teil-4-vom-charme-des-verfalls</link>
      <description>Am nächsten Tag reise ich nach Saint Louis, dem eigentlichen Ziel meiner Reise. Ich bin froh, dass Nar mich zum Gare Routiere, dem Busbahnhof, begleitet und für mich die Auswahl eines Fahrzeugs übernimmt. Nicht dass es viel zu wählen gäbe: Alle Autos sind mindestens dreißig, vermutlich eher vierzig Jahre alt, keines hat eine intakte Windschutzscheibe. […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Am nächsten Tag reise ich nach Saint Louis, dem eigentlichen Ziel meiner Reise. Ich bin froh, dass Nar mich zum Gare Routiere, dem Busbahnhof, begleitet und für mich die Auswahl eines Fahrzeugs übernimmt. Nicht dass es viel zu wählen gäbe: Alle Autos sind mindestens dreißig, vermutlich eher vierzig Jahre alt, keines hat eine intakte Windschutzscheibe.
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    
          Ich erwähne Nar gegenüber den Unfall mit über zwanzig Toten, von dem ich während meiner Reisevorbereitungen gelesen habe. Er ereignete sich kürzlich auf dieser Strecke. Er erwidert: „In Deutschland gibt es auch Unfälle, jedenfalls habe ich das schon einmal in einer Zeitung gelesen.“ Touché.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
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  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Am Busbahnhof ist es laut, Autos rangieren in Schlangen hin und her, auf Handkarren wird Gepäck transportiert, und von der Marktfrau im mehrfach geflickten Kleid über den scheinbar gelangweilten Jugendlichen bis zum distinguierten älteren Herrn in feierlichem Boubou finden sich hier Fahrgäste aus allen Schichten. Sobald ein Auto seine Position einnimmt, rennen die potenziellen Mitfahrer dorthin, um die besten Plätze zu ergattern. Immer wieder gibt es Streit darum, wer auf der Mittelbank sitzen darf und wer auf die hintere Bank mit den unbequemen Plätzen verbannt wird. Gestritten wird je nach Temperament laut keifend oder mürrisch maulend, immer aber auf Wolof, das mit so vielen französischen Worten durchsetzt ist, dass ich die ganze Zeit denke, ich müsste es verstehen. Mit Nars Hilfe sichere ich mir einen Fensterplatz in der mittleren Reihe, doch erst eine Stunde später geht es los. Zunächst nur ein paar Meter, dort wird noch Ladung auf das Dach geworfen. Mit jedem Stück, das oben landet, sinken die Achsen etwas tiefer, und meine Zweifel wachsen: Fährt dieses Auto überhaupt irgendwohin? Der Fahrer selbst scheint dessen sicher, allerdings macht er den Motor – nachdem der einmal nach mehreren Versuchen angesprungen ist – nicht mehr aus. Nicht, während geladen wird, nicht während der Polizeikontrollen an der Strecke, nicht während der einzigen Pinkelpause, die wir einlegen, weil der kleine Junge, der hinter mir sitzt, ein dringendes Bedürfnis verspürt. Ich trinke vorsorglich nur kleine Schlucke aus meiner Wasserflasche, da ich mir hier keinen Busch suchen will. Von denen gibt es in der Savanne nämlich nur sehr wenige. Vor dem Fenster ziehen weite, sandige Flächen vorbei, auf die jemand hier und da einen Baum oder Busch getupft hat. Sobald wir durch Dörfer fahren und langsamer werden – weil eine Polizeistreife winkt oder eine Herde Ziegen über die Straße trabt – umringen Händlerinnen das Auto, bieten Erdnüsse, Orangen oder Wasser in Plastiktüten an und lassen trotz unseres energischen Kopfschüttelns erst von uns ab, wenn der Fahrer wieder Gas gibt. Wir reden nicht miteinander, alle starren vor sich hin und warten, bis diese Tortour vorbei ist. Für ein Gespräch ist es auch viel zu laut, der Fahrtwind pfeift uns durch die offenen Fenster um die Ohren. Fünf Stunden. Die ersten zwei bin ich noch neugierig auf die Gegend, auf die Menschen, die ich in den Dörfern sehe, auf alles. Doch nach zwei Stunden Fahrt vorbei an immer gleichen rötlich-gelben Sandfeldern und durch scheinbar immer wieder dasselbe Dorf mit ein paar Hütten und verzweifelten Händlerinnen wünsche ich nur noch, endlich anzukommen – meine Beine möchten sich bewegen, und mein Rücken beschwert sich über das lange unbequeme Sitzen. Bei einem Schlenker schwappt eine rote Flüssigkeit von der Ladung auf dem Dach über meinen Arm und meine Hand, in einem Schwall, von dem sogar der Mann neben mir noch etwas abbekommt. Kurz gibt es Aufregung, aber wegen einer solchen Lappalie hält der Fahrer nicht an. Ich wische mir die Flüssigkeit ab und schnuppere: Farbe, Rotwein oder Blut eines frisch geschlachteten Tiers? Ich nehme mir fest vor, dem Rätsel bei Ankunft in Saint Louis auf den Grund zu gehen, aber als das Auto uns dort endlich ausspuckt, bin ich so froh, meine Gliedmaßen wieder bewegen zu dürfen, dass ich es vollkommen vergesse.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Das Hotel hat – wie die Stadt Saint Louis – seine besten Zeiten hinter sich. Überall in der Stadt zeigt sich der Verfall, mit dem man hier einfach lebt. Das Obergeschoss eines Hauses ist eingestürzt? Dann nutzt man halt nur das Erdgeschoss. Doch das Zimmer im Hotel ist groß und hoch, es gibt warmes Wasser aus der Leitung, das Moskitonetz ist ganz, und der Hotelbesitzer, ein behäbiger, freundlicher Franzose, lässt es sich nicht nehmen, jeden Gast nach seiner Zufriedenheit zu befragen. Vom Balkon aus blicke ich auf ein Gebäude, das irgendwie offiziell aussieht, dessen Eingangsschild jedoch so von Blumen in schönstem Rot überwuchert ist, dass ich nicht erkenne, was es ist.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;a href="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/IMG_1279.jpg" target="_top"&gt;&#xD;
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  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Erst an einem der nächsten Tage wird mir klar, dass es das Gericht ist. An einem Morgen werden Gefangene vorgefahren – sechs in fröhlich-farbige Boubous gekleidete Männer, die jeweils zu zweit in Handschellen aneinandergebunden sind, werden in den Hof geführt. Einer von ihnen könnte Bakar Diop sein, der Held in Aminata Sow Falls Roman
          &#xD;
    &lt;a href="https://www.amazon.de/wundersame-Verwandlung-Bakar-Diop-Roman/dp/3889775039/ref=sr_1_3?s=books&amp;amp;ie=UTF8&amp;amp;qid=1517087120&amp;amp;sr=1-3"&gt;&#xD;
      
           „Die wundersame Verwandlung des Bakar Diop“
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          . Bakar tut alles für seine Frau, doch leider sind seine finanziellen Mittel beschränkt, und er weiß sich keinen anderen Ausweg als Unterschlagung. Als er nach Monaten im Gefängnis wieder nach Hause kommt, hat seine Frau einen anderen, und – was noch viel schlimmer ist – seine Lieblingsschwester spricht nicht mehr mit ihm. So von allen geächtet und ohne Chance auf einen neuen Job, greift er zu einer pfiffigen List, um wieder zu Geld zu kommen. Aminata Sow Fall ist in Saint Louis aufgewachsen, lebt heute in Dakar und ist eine der großen alten Damen der senegalesischen Literatur. Es ist ein merkwürdiger Zufall, dass ich in Saint Louis
          &#xD;
    &lt;a href="https://www.amazon.de/Sonnenpr%C3%A4sident-Roman-Lamuv-Taschenb%C3%BCcher/dp/388977492X"&gt;&#xD;
      
           „Der Sonnenpräsident“
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          von ihr lese und über den Hotelfernseher erfahre, dass in Simbabwe gerade Präsident Mugabe unter Hausarrest gestellt und damit das Ende seiner über dreißigjährigen Herrschaft eingeleitet wurde. Bei Sow Falls tritt der Präsident eines fiktiven afrikanischen Landes freiwillig zurück, nachdem er erkannt hat, dass er seine ursprünglich besten Absichten nicht durchsetzen kann. Er wollte sich für die Menschen seines Landes einsetzen und hat sich – überfordert von der Komplexität seiner Aufgaben – auf falsche Berater eingelassen. Sein Rücktritt wird für ihn persönlich zur Tragödie, aber vor allem für das Land und seine Bewohner, die nämlich einem Nachfolger ausgeliefert sind, der sich nicht um die Interessen seiner Bürger schert. Der Roman liefert einen winzigen Baustein für die Antwort auf die Frage, warum in afrikanischen Staaten so viele Dauerpräsidenten herrschen und kaum einer freiwillig von der Macht lässt. Überhaupt stellt Aminata Sow Falls sich in ihren Romanen den gesellschaftlichen und sozialen Fragen afrikanischer Staaten im Widerspruch zwischen traditionellem Leben und westlichen Einflüssen. Für mich, die Europäerin, ist es spannend, wenn auch manchmal unbequem, von diesen Widersprüchen aus der Sicht einer Afrikanerin zu lesen.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;a href="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/IMG_1299.jpg" target="_top"&gt;&#xD;
    &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/IMG_1299.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Weil ich auf die Sicht der Afrikaner neugierig bin, darauf, was sie mir erzählen und von ihrem Land zeigen, sage ich zu, als Nar am nächsten Morgen anruft und mir seine Begleitung für die nächsten Tage anbietet. Er kommt am Nachmittag an, und tatsächlich sehe ich Saint Louis durch ihn mit anderen Augen. Er führt mich in ein Kulturzentrum, das ich ohne ihn nie gefunden hätte und in dem eine französische Freundin von ihm gemeinsam mit einigen Einheimischen an einem Projekt arbeitet, geduldig und positiv, wie er immer wieder betont. Wenn Kinder mir „Toubab, Toubab“ („Weiße“) nachrufen, verblüfft Nar sie, indem er ihnen mit „Nuulai“ („Schwarze“) antwortet. Einmal deutet eine Frau mit energischem Kopfschütteln auf meine Kamera. Er beschwichtigt die Frau, doch fortan fotografiere ich nur noch vorsichtig. Auf einem Markt, auf dem ich die einzige „Toubab“ bin, drücke ich ihm die Kamera in die Hand, mit der Bitte, ein paar Fotos zu machen. Was er – wie ich finde – ziemlich gut macht.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ich selbst lasse mich treiben und überwältigen von den Gerüchen der Gewürze, Früchte und Fische, dem Stimmengewirr, in das sich Pferdegetrappel mischt, und von den leuchtenden Farben der Kleider, der Häuser und des Himmels.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Schauende Grüße
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 27 Jan 2018 22:42:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/reisen-und-lesen-im-senegal-teil-4-vom-charme-des-verfalls</guid>
      <g-custom:tags type="string">Senegal,Reisen,Buchtipp</g-custom:tags>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Reisen und Lesen im Senegal Teil 3: Nachdenklich in Dakar</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/reisen-und-lesen-im-senegal-teil-3-nachdenklich-in-dakar</link>
      <description>Sonntagvormittag besorgt Nar mir ein Taxi, ich will ins IFAN, das Museum für Afrikanische Kunst. Er handelt den Preis von 2000 CFA (ca. 3 €) aus und fragt den Fahrer zwei Mal, ob er wisse, wo das Museum sei. Der nickt, aber vorsichtshalber sagt Nar mir noch, es sei ganz in der Nähe des Parlaments, […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Sonntagvormittag besorgt Nar mir ein Taxi, ich will ins IFAN, das Museum für Afrikanische Kunst. Er handelt den Preis von 2000 CFA (ca. 3 €) aus und fragt den Fahrer zwei Mal, ob er wisse, wo das Museum sei. Der nickt, aber vorsichtshalber sagt Nar mir noch, es sei ganz in der Nähe des Parlaments, an dem wir am Tag zuvor vorbeigegangen sind.
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    
          Er tut gut daran, denn zwei Mal hält der Taxifahrer am Straßenrand an, um einen Passanten nach dem Weg zu fragen, was nur bedingt weiterhilft, denn schließlich entdecke ich das Museum, als wir schon fast daran vorbeigefahren sind.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;a href="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/IMG_1226.jpg" target="_top"&gt;&#xD;
    &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/IMG_1226.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Im IFAN bin ich die einzige Besucherin und bewundere die Exponate aus verschiedenen Teilen Westafrikas und ganz besonders die farbigen Stoffe, die im Obergeschoss ausgestellt sind. Pagne wird mit Lendenschurz übersetzt, ist aber ein großes Tuch, das auch als Kleid getragen wird. Hier finden sich Pagnes in allen Farben und mit gewebten, aufgedruckten oder gestickten Szenen aus dem afrikanischen Leben. Für europäische Gewohnheiten ist das Museum klein und ich denke an die vielen Kunstwerke, die hier sein sollten, stattdessen aber in europäischen Museen ausgestellt sind und frage mich, ob die afrikanischen Länder dafür wohl angemessen entschädigt wurden.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Auf der Rückfahrt bin ich froh, dass ich am Monument wohne, denn das kennt hier wirklich jeder. Ich wende an, was ich inzwischen von Nar gelernt habe – als der Taxifahrer 5000 CFA verlangt, schüttle ich entrüstet den Kopf: „Ich kenne die Preise!“ Meine Verhandlungsposition untermauere ich, indem ich einen kleinen Schritt zurücktrete und mich nach einem anderen Taxi umsehe. Wir einigen uns auf 2500 CFA.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Eine andere Touristenattraktion lasse ich diesmal aus, die Sklaveninsel La Goree habe ich vor vier Jahren besucht. Von dort sollen in den vergangenen Jahrhunderten tausende Sklaven nach Amerika verschifft worden sein. Die Insel ist sehenswert, nicht nur wegen des Sklavenhauses, eines Museums, in dessen Gästebuch sich in den letzten Jahrzehnten prominente Besucher wie Nelson Mandela und Bill Clinton eingeschrieben haben. Es ist heute auch ein Erholungsort, ohne Autoverkehr, mit bunt gestrichenen Häusern und einem Kunstmarkt. Von einem Hügel hat man einen Blick auf Dakar. Ich hatte damals gerade
          &#xD;
    &lt;a href="https://www.amazon.de/Wurzeln-%C2%BBRoots%C2%AB-Roman-Alex-Haley/dp/3596224489"&gt;&#xD;
      
           „Roots“ von Alex Haley
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          gelesen, eine Familiensaga, die in Gambia – also ganz in der Nähe – beginnt. Dort wird 1767 Kunta Kinte von Sklavenhändlern gefangen und nach Amerika verkauft. Auf 700 Seiten erzählt Haley die Geschichte von Kunta Kinte und seinen Nachfahren. Das Buch las sich nicht leicht, sprachlich war es manchmal sperrig und mich störte, dass der Autor Kunta Kinte fast 400 Seiten widmete, während die nachfolgenden Generationen auf nur 300 Seiten Raum bekamen. Und doch erinnere ich mich daran, dass mich bei der Lektüre die Ungeheuerlichkeit der Versklavung getroffen hat, die Vorstellung, eines Tages aus dem gewohnten Leben gerissen zu werden und fortan jederzeit verkauft werden zu können. Haleys Verdienst ist sicher, dass er als einer der ersten aus der afroamerikanischen Gemeinschaft die nachhaltigen Auswirkungen der Sklaverei dieses Thema aufgegriffen hat und die Sicht eines Betroffenen in eine breite Öffentlichkeit getragen hat, wo es auch durch die Verfilmung zu einem größeren Interesse an dem Thema geführt hat.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Moderner und ausgewogener greift Yaa Gyasi das Thema in ihrem 2017 erschienenen Roman
          &#xD;
    &lt;a href="https://www.amazon.de/Heimkehren-Roman-Yaa-Gyasi-ebook/dp/B071951FN4/ref=sr_1_1?s=books&amp;amp;ie=UTF8&amp;amp;qid=1516476115&amp;amp;sr=1-1&amp;amp;keywords=heimkehren+yaa"&gt;&#xD;
      
           „Heimkehren“
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          auf, der die Geschichte zweier Schwestern aus Ghana und ihrer Nachkommen erzählt. Eine von ihnen wird im 18. Jahrhundert nach Amerika verkauft, die andere bleibt zu Hause und profitiert vom Sklavenhandel, denn der hat ihren Mann reich gemacht. Bis ins 21. Jahrhundert verfolgt Gyasi die Familiengeschichte beider Schwestern und deckt auf, wie Vergangenheit bis in heutiges Leben hineinwirkt. Das alles erzählt sie wunderbar, lebendig und ohne Schuldzuweisung oder Verbitterung – und hat mit ihrem Buch dazu beigetragen, dass sich die Welt weiterhin mit dem Thema Sklaverei auseinandersetzt.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Gleichzeitig erinnere ich mich daran, dass ich auf La Gorée entdeckte, wie tief und versteckt in mir selbst ein Schuldbewusstsein über deutsche Vergangenheit steckt. Denn ich spürte auf La Gorée eine ungeahnte Erleichterung darüber, dass Deutschland am großen Sklavenhandel nicht beteiligt war. Fast fröhlich dachte ich angesichts des Kerkers im Sklavenhaus: Hier mögen die Franzosen, Engländer, Spanier und Portugiesen ihr schlechtes Gewissen haben. Nicht, dass ich mir Illusionen über den Grund der deutschen Zurückhaltung in Afrika mache – es war schlicht ein Mangel an Gelegenheit.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;a href="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/DSC01050.jpg" target="_top"&gt;&#xD;
    &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/DSC01050.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
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    &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/DSC01049.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;a href="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/DSC01062.jpg" target="_top"&gt;&#xD;
    &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/DSC01062.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Darüber denke ich nach, während wir bei Gazelle von Dakar aus La Gorée in der hereinbrechenden Dunkelheit verschwinden sehen und darüber sprechen, dass ich als Touristin ohne ein Visum in dieses Land eingereist bin, was umgekehrt für die meisten Landsleute von Nar nicht möglich ist. Das sei ungerecht, sagt er, und er werde mir bei meiner Rückreise einen Brief für unseren Präsidenten mitgeben. Wir grinsen beide breit und ich erkläre ihm ernsthaft, dass er den Brief eher an unsere Kanzlerin schicken sollte und er nickt wissend: „Mdm Kermel.“ Ich vergewissere mich, ob er das Anagramm bewusst gesetzt hat, doch da ist kein Schalk in seinen Augen. Mein amüsiertes Lachen stirbt irgendwo zwischen Bauch und Gesicht, als ich mich frage, wie eigentlich der Präsident des Senegal heißt. Außer Senghor, dessen Amtszeit bereits 1980 endete, fällt mir nur Wade ein; doch der ist inzwischen auch ein Ex-Präsident.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Nar gegenüber mag ich meine Unwissenheit nicht eingestehen und lenke das Gespräch auf etwas Unverfängliches: Abendessen. Es wird Pizza beim Libanesen, die eine große Gruppe von Einwanderern im Senegal stellen und sich oft als Händler betätigen. Oder als Pizzabäcker, die mir eine der leckersten Pizzen meines Lebens servieren.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Auf dem Heimweg werden wir uns das erste Mal nicht mit dem Taxifahrer einig. Er ruft 5000 CFA auf und lässt nicht mit sich handeln. Also gehen wir ein Stück zu Fuß durch die afrikanische Nacht, irgendwo in Dakar, ehe uns ein anderer Taxifahrer einsammelt und für einen anständigen Preis nach Hause bringt.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Nachdenkliche Grüße
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 20 Jan 2018 19:42:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/reisen-und-lesen-im-senegal-teil-3-nachdenklich-in-dakar</guid>
      <g-custom:tags type="string">Senegal,Reisen,Buchtipp</g-custom:tags>
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      </media:content>
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        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Reisen und Lesen im Senegal, Teil 2: Gastfreundschaft am Fuße des Monuments</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/reisen-und-lesen-im-senegal-teil-2-gastfreundschaft-am-fusse-des-monuments</link>
      <description>Der Blick von der Dachterrasse meiner Gastgeber ist fast so gut wie vom Hotel; mein Zimmer in der Erdgeschosswohnung mit Bett und Tisch allerdings viel spartanischer eingerichtet, und die Dusche hat kein warmes Wasser. Yacine, Nars Mitbewohnerin, bereitet gerade riesige Mengen Couscous für eine Abschiedsparty zu, denn morgen wandert sie in die USA aus. Weil […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Der Blick von der Dachterrasse meiner Gastgeber ist fast so gut wie vom Hotel; mein Zimmer in der Erdgeschosswohnung mit Bett und Tisch allerdings viel spartanischer eingerichtet, und die Dusche hat kein warmes Wasser.
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    
          Yacine, Nars Mitbewohnerin, bereitet gerade riesige Mengen Couscous für eine Abschiedsparty zu, denn morgen wandert sie in die USA aus. Weil sie dazu alle Gemeinschaftsräume im Erdgeschoss besetzt, nehme ich Nars Einladung auf die Dachterrasse gern an.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Von oben sehe ich Hütten aus Wellblech und eine aus Pappkarton, viele halb fertige und einige fertige mehrstöckige Häuser sowie dazwischen einen Esel und ein Pferd, die am Straßenrand angepflockt sind. Ein ganz normales Viertel in Dakar, vermute ich.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;a href="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/IMG_1247.jpg" target="_top"&gt;&#xD;
    &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/IMG_1247.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Wir trinken Bier; obwohl sich die Mehrzahl der Bewohner des Senegal zum Islam bekennt, bekomme ich überall Bier und es stört auch niemanden, wenn ich welches trinke. Während das Nachmittagslicht in Dämmerung und schließlich in Dunkelheit übergeht, finden sich auf dem Dach Khady, Nars Schwester, weitere Hausbewohner und ein paar Freunde ein. Khadys Sohn Mohammed tapst mit dem Lächeln des Kindes, das sich geliebt weiß, von einem Gast zum nächsten. Zur Vertrauensbildung schneide ich eine Grimasse, auf die er glucksend antwortet, ehe er sich wieder hinter seiner Mutter versteckt. Khady bringt mir ungefragt einen Teller Reis mit Huhn. Ich bin froh, denn ich bin viel zu müde, um noch zum Essen auszugehen. Und auch zu müde, mich darüber zu wundern, wie schnell ich in die Gemeinschaft dieser Leute aufgenommen wurde, die ich drei Stunden zuvor noch gar nicht kannte.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Später im Erdgeschoss bekomme ich noch einmal ungefragt Essen: Couscous mit Hühnchen. Ich hocke mich zu Yacines zwanzig oder dreißig Gästen, die auf abgenutzten Sofas oder auf dem Boden sitzen, leise miteinander reden und essen. Hier gibt es keine lauten Stimmen, kein dröhnendes Lachen, man unterhält sich einfach leise und dennoch angeregt. Vielleicht liegt es daran, dass niemand Alkohol trinkt. Keiner spricht mit mir, nur einige Kinder mustern mich scheu und bald darauf lasse ich mich vom Stimmengemurmel aus der Halle in tiefen, ruhigen Schlaf begleiten.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Am nächsten Morgen bietet Nar sich als Begleiter für einen Tagesausflug nach Ngor an. Die kleine Insel vor Dakar wird sowohl von Touristen als auch von Einheimischen zur Erholung besucht.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;a href="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/IMG_1136.jpg" target="_top"&gt;&#xD;
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  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;a href="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/IMG_1132.jpg" target="_top"&gt;&#xD;
    &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/IMG_1132.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Mit einer kleinen Piroge setzen wir vom Festland über. Mit einem ähnlichen, etwas größeren Boot sind nicht weit von hier die Helden des Buches
          &#xD;
    &lt;a href="https://www.amazon.de/Die-Piroge-Roman-Abasse-Ndione-ebook/dp/B00M92068I/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;amp;qid=1515867797&amp;amp;sr=8-1&amp;amp;keywords=die+piroge"&gt;&#xD;
      
           „Die Piroge“
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          nach Europa gestartet. Vom Autor Abasse Ndione, heißt es, er würde seine Bücher zunächst auf Wolof (der am weitesten verbreiteten Stammessprache im Senegal) entwerfen und anschließend ins Französische übersetzen – die meisten senegalesischen Autoren schreiben direkt auf Französisch. „Die Piroge“ würde ich mit seinen ca. 65 Seiten keinen Roman nennen, aber mich hat die Erzählung über die dreißig Menschen, die von Dakar aus ihren Weg nach Europa antreten, berührt. Sparsam umreißt Ndione die Gründe der einzelnen Reisenden, die mutig den Weg in eine verheißungsvolle Zukunft starten. Übers Meer, obwohl die meisten von ihnen nicht einmal schwimmen können. Beinahe geht alles gut, tagelang bleiben Wetter und Stimmung stabil, ehe das Schiff knapp vor dem Ziel Europa von einem Sturm heimgesucht wird. „Die Piroge“ ist übrigens auch
          &#xD;
    &lt;a href="https://www.amazon.de/Die-Piroge-OmU-Moussa-Tour%C3%A9/dp/B00WW3J1TE/ref=sr_1_2?ie=UTF8&amp;amp;qid=1515867797&amp;amp;sr=8-2&amp;amp;keywords=die+piroge"&gt;&#xD;
      
           verfilmt
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          und mit vielen europäischen Filmpreisen bedacht worden.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Da mein Französisch allmählich wieder konversationstauglich wird und Gazelle, das heimische Bier, die Zunge löst, erfahre ich mehr über Nar, der erst kürzlich zurückgekehrt ist. Fünfzehn Jahre hat er in Frankreich gelebt, die Papiere für die Familie hat sein Großvater für seinen Kampf im Zweiten Weltkrieg an der Seite Frankreichs gegen die Deutschen bekommen. In Toulouse hat er gearbeitet, war verheiratet und hat seine Eltern und Geschwister vermisst. Jetzt vermisst er seine Tochter. Aber er will sich hier im Senegal wieder ein Leben aufbauen, nach der Scheidung, über die er nur sagt, dass sie sehr schmerzhaft war. Es tue dem Land gut, dass Leute wie er nach und nach zurückkehren und ihre Erfahrungen in das Land zurückbringen, sagt er optimistisch. Über sein Leben in Frankreich erzählt er wenig, aber das tut
          &#xD;
    &lt;a href="https://www.amazon.de/Bauch-Ozeans-detebe-Fatou-Diome/dp/3257235216/ref=sr_1_1?s=dvd&amp;amp;ie=UTF8&amp;amp;qid=1515867906&amp;amp;sr=8-1&amp;amp;keywords=der+bauch+des+ozeans"&gt;&#xD;
      
           Fatou Diome in „Der Bauch des Ozeans“
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          . Die senegalesische Einwanderin in Frankreich schaut sich jedes große Spiel des italienischen Fußballers Maldini an, nicht etwa, weil sie selbst Fan ist, sondern weil sie so ihrem kleinen Bruder Madické zu Hause nah sein kann, während sie sich innerlich immer mehr von ihrem Heimatland entfernt. Sie arbeitet hart und spart viel Geld, das sie Madické schickt, um ihn davon abzuhalten, sich selbst auf den Weg nach Europa zu machen. Denn der will Profifußballer werden, wie sein großes Idol Maldini und wie so viele seiner Freunde. Seine Vorstellungen von Europa sind die von einem gelobten Land – aber wie soll er es besser wissen? Das Buch erzählt von den Träumen jener, die sich nach Europa sehnen, und davon, wie diese Träume entstehen. Zugleich macht es die Entfremdung jener fühlbar, die es dorthin geschafft haben, Geld nach Hause schicken und allmählich ihre Illusionen verlieren, ohne zu Hause davon erzählen zu können. Das alles erzählt Fatou Diome mit wunderbarer Leichtigkeit.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Nar scheint sich nach seiner Rückkehr aus Frankreich nicht fremd zu fühlen, er strahlt ungebrochenen Optimismus und große Freundlichkeit aus, die sich leicht überträgt. So am späten Nachmittag, als er die mit Maschinengewehren bewaffneten Soldaten grüßt. Sie stehen zur Sicherheit vor dem Präsidentenpalast, aber auch auf der Corniche. Der Anblick bewaffneter Männer fördert mein Sicherheitsgefühl nicht. Trotzdem schließe ich mich Nars Gruß an. Für „Salem Aleikum“ bin ich nicht gläubig genug, aber mein „Bonsoir“ tut es auch. Der wachsame Ausdruck auf den Gesichtern der Männer weicht für einen Moment einem Lächeln. „Aleikum Salam.“
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Geschützte Grüße
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <enclosure url="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/IMG_1124-300x200.jpg" length="10799" type="image/jpeg" />
      <pubDate>Sat, 13 Jan 2018 22:42:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/reisen-und-lesen-im-senegal-teil-2-gastfreundschaft-am-fusse-des-monuments</guid>
      <g-custom:tags type="string">Senegal,Reisen,Buchtipp</g-custom:tags>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Reisen und Lesen im Senegal – Teil 1: Der Pulsschlag Afrikas</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/reisen-und-lesen-im-senegal-teil-1-der-pulsschlag-afrikas</link>
      <description>Seit ich 2013 zum ersten Mal in Saint Louis an der westafrikanischen Küste war, träume ich davon, dort einmal meinen Winter zu verbringen und unter afrikanischem Himmel im Charme einer verfallenen Kolonialstadt einen Roman zu schreiben. Im vergangenen Oktober musste ich mir eingestehen, dass ich auch in diesem Winter die meiste Zeit in Deutschland sein […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Seit ich 2013 zum ersten Mal in Saint Louis an der westafrikanischen Küste war, träume ich davon, dort einmal meinen Winter zu verbringen und unter afrikanischem Himmel im Charme einer verfallenen Kolonialstadt einen Roman zu schreiben.
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    
          Im vergangenen Oktober musste ich mir eingestehen, dass ich auch in diesem Winter die meiste Zeit in Deutschland sein werde, und beschloss, wenigstens für ein paar Tage in das kleine Städtchen mit den bunten Häusern zu fahren.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;a href="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/IMG_1303.jpg" target="_top"&gt;&#xD;
    &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/IMG_1303.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ich buchte mir ein Zimmer im Hotel du Palais, um in einer Woche im November afrikanische Sonne und Gelassenheit für einen grauen Berliner Winter zu tanken. Darüber, wie ich dorthin kommen würde, dachte ich erst anschließend nach. Natürlich würde ich nicht auf die luxuriöse Art reisen wie beim letzten Mal, als wir auf einer Rundreise zu viert von einem Fahrer und einem Reiseleiter begleitet wurden, die stets dafür sorgten, dass uns die Widrigkeiten afrikanischen Lebens nur marginal behelligten: Stets war das – moderne – Auto vollgetankt, Staus wurden weitgehend umfahren, es war immer genug zu essen da, und wenn die ganze Straße keinen Strom hatte, wohnten wir in einem Hotel mit Stromaggregat. Ibrahim wusste, wo es saubere Toiletten gab, und sorgte für ausreichend Trinkwas
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    
          ser. Diesmal würde ich mich um all das selbst kümmern, wälzte schon mal Reiseführer und fand heraus, dass ich von Dakar nach Saint Louis mit einem öffentlichen Verkehrsmittel – einem Taxibus oder einem „Sept-Places“ – fahren würde und diese Fahrzeuge sehr alt sind.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;a href="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/IMG_1339.jpg" target="_top"&gt;&#xD;
    &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/IMG_1339.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Nebenbei las ich Gedichte von Léopold Sédar Senghor (1906–2001), dem ersten Präsidenten des seit 1960 von Frankreich unabhängigen Senegal, der außerdem Dichter war. „Wir werden schwelgen, Freundin“ ist eine französisch-deutsche Ausgabe seiner Gedichte, die 1984 im Verlag Volk und Welt (Ost-)Berlin erschienen und antiquarisch gelegentlich noch erhältlich ist. Es gibt auch ein paar
          &#xD;
    &lt;a href="https://www.amazon.de/s/ref=dp_byline_sr_book_1?ie=UTF8&amp;amp;text=Leopold+S.+Senghor&amp;amp;search-alias=books-de&amp;amp;field-author=Leopold+S.+Senghor&amp;amp;sort=relevancerank"&gt;&#xD;
      
           West-Ausgaben mit Gedichten und Essays
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          von ihm, aber mich rührt die auf einer Schreibmaschine niedergeschriebene Zusammenfassung aus Ostzeiten der Bibliothek: „Er übt Kritik an den weißen Unterdrückern, setzt sich für den Frieden ein …“ Kein Wort über Senghors umstrittene Rolle als afrikanischer Langzeitpräsident (1960–80), dem Kritiker vorwerfen, Frankreich auch nach der Unabhängigkeit zu viel Einfluss in der ehemaligen Kolonie zugestanden zu haben. „Lauschen wir dem dumpf pochenden Pulsschlag Afrikas im Nebel verlorener Dörfer“, sagt Senghor, und ich fragte mich, ob mir das gelingen würde.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Vorher musste ich noch ein paar Dinge erledigen: Ich buchte einen Flug nach Dakar und ein Zimmer bei Einheimischen – dort lässt sich dem Pulsschlag Afrikas womöglich besser lauschen als in einem Hotel. Ich besorgte mir weitere Bücher senegalesischer Autoren, ließ meine Impfungen auffrischen und las die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes: Senegal sei ein Land nahezu ohne Gewaltkriminalität, erzählte ich meiner Mutter am Telefon. Allerdings habe es in letzter Zeit hin und wieder Entführungen von europäischen Frauen gegeben, die angebliche Internetbekanntschaften besuchen wollten und erst nach Zahlung von Lösegeld wieder freigelassen wurden. Das erzählte ich meiner Mutter nicht. Ich wollte keine Internetbekanntschaft besuchen, hatte nur ein Zimmer bei Einheimischen gebucht.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Da ich abends angereist bin, verbringe ich die erste Nacht in einem Hotel. Von dort aus absolviere ich am nächsten Vormittag erste Erkundungsgänge. Die farbenfrohen Gewänder der Frauen und die Sonne zaubern mir ein Lächeln ins Gesicht, das einem Unbehagen weicht, als ich am Generalkonsulat von Frankreich ein Hinweisschild „Schengen-Visa“ entdecke und das Gewimmel von Menschen davor betrachte. Ich bin ohne ein Visum eingereist, wie man es in den meisten Ländern der Erde einfach macht – als Europäerin. Ich besorge mir eine Telefonkarte und Trinkwasser, verlaufe mich im Chaos und Lärm des Verkehrs und finde mein Hotel durch einen glücklichen Zufall wieder. Mit angehaltenem Atem schleiche ich an den in bunten Boubous gekleideten Männern vorbei, die am frühen Nachmittag überall in der Stadt – auf Straßen, Kreuzungen, in Hauseingängen – für ihr Gebet niederknien und die Stadt in einen Ort der Stille und der Andacht verwandeln. Kurze Zeit später, als die Straßen nach dem Freitagsgebet wieder von ständig hupenden Autos verstopft sind, stehe ich mitsamt meinem Gepäck dort, wo laut meiner Karte und Adressangabe mein Privatquartier sein soll. Nur gibt es in der Rue de Essart keine Nummer 22. Wenigstens steht vor einem nach Bank aussehenden Gebäude ein Wachmann, der sich hilfsbereit zeigt und zur Unterstützung einen Fußgänger heranwinkt. Dem Mann im hellblauen Boubou vertraue ich sofort. Worüber ich froh bin, denn ich weiß gerade nicht, ob für den Anbieter meines Privatquartiers das Gleiche gilt. Bin ich einem Betrug aufgesessen? Aber da ich noch nichts bezahlt habe, kann das nicht sein. Zu dritt diskutieren wir eine Weile, dann wähle ich die angegebene Telefonnummer. Am anderen Ende der Leitung nimmt eine Frau ab und überschüttet mich mit einem Schwall Französisch, dessen Tempo dem meiner Pariser Freunde gleicht und das vom typisch afrikanischen Akzent durchsetzt ist. Für einen Moment sehne ich mich in das komfortable Hotel zurück, ehe ich das Telefon an den Mann meines Vertrauens weiterreiche. Er übersetzt in langsames Französisch: Ich müsse zum „Monument de la Renaissance Africaine“ fahren und dann noch einmal anrufen, dort würde ich abgeholt werden. Das sei doch am anderen Ende der Stadt, protestiere ich, aber das Telefonat ist schon beendet. Mein Retter in Hellblau ruft ein Taxi, handelt einen guten Preis für mich aus, sorgt dafür, dass ich mein Gepäck vollständig mitnehme, und bleibt stehen, bis sich das Taxi in den Freitagnachmittagsverkehr einfädelt.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Der Pulsschlag Afrikas ist eine Autohupe, die der Taxifahrer vorsorglich etwa alle dreißig Sekunden betätigt. Und das „Monument de la Renaissance Africaine“ ist mit einer Höhe von neunundvierzig Metern das größte Monument Afrikas. Ich habe es am Abend zuvor schon kopfschüttelnd betrachtet – es ist gigantisch, sowohl in Größe als auch stilistisch.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;a href="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/IMG_1257.jpg" target="_top"&gt;&#xD;
    &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/IMG_1257.jpg" alt="" title=""/&gt;&#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Dort angekommen, telefoniere ich erneut und verstehe, dass der Bruder der Vermieterin jeden Moment hier sein und mich abholen wird. Ob er mich erkennen wird? Vermutlich, denn ich bin die einzige Weiße. Kurze Zeit später stürzt tatsächlich ein junger Mann auf mich zu und stellt sich als Nar vor. Es sei nicht weit, sagt er, aber wir würden trotzdem mit dem Auto fahren. Entführung, flüstert eine Stimme in meinem Hinterkopf, aber Nar hat meinen Rucksack bereits im Kofferraum verstaut und sieht eigentlich vertrauenswürdig aus. Außerdem habe ich nicht wirklich eine Wahl – irgendwo in Dakar, erschöpft und der Sprache nur halbwegs mächtig.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Lauschende Grüße
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <enclosure url="https://cdn.website-editor.net/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/IMG_1303.jpg" length="1191239" type="image/jpeg" />
      <pubDate>Sat, 06 Jan 2018 22:42:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/reisen-und-lesen-im-senegal-teil-1-der-pulsschlag-afrikas</guid>
      <g-custom:tags type="string">Senegal,Reisen,Buchtipp</g-custom:tags>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Reisen und Lesen im Senegal</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/reisen-und-lesen-im-senegal</link>
      <description>Kürzlich fragte mich eine Freundin nach Buchempfehlungen – gern aus warmen Regionen, sagte sie, denn im Winter lese sie bevorzugt Bücher, die in der Sonne spielen. Nichts leichter als das, denn meine Bibliothek vor allem afrikanischer Literatur wächst stetig. Im vergangenen November habe ich mich einer ganz bestimmten Region mal wieder etwas intensiver gewidmet, weil […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Kürzlich fragte mich eine Freundin nach Buchempfehlungen – gern aus warmen Regionen, sagte sie, denn im Winter lese sie bevorzugt Bücher, die in der Sonne spielen. Nichts leichter als das, denn meine Bibliothek vor allem afrikanischer Literatur wächst stetig.
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Im vergangenen November habe ich mich einer ganz bestimmten Region mal wieder etwas intensiver gewidmet, weil ich gereist bin. Der Senegal ist ein kleines, eher unauffälliges Land im Westen Afrikas, eine frühere französische Kolonie, gut halb so groß wie Deutschland. Mitten in die weiten, sandigen Flächen der Savanne hat hier und da jemand einen Strauch oder Baum getupft. In den Dörfern sitzen Familien vor Hitze geschützt unter den Bäumen, die Frauen stürmen zu den durchreisenden Autos, in der Hoffnung, Wasser, Erdnüsse oder Orangen zu verkaufen. Wilde Tiere, die der Reisende erwarten mag, gibt es hier kaum mehr, woran die alten Kolonialherren nicht unschuldig sind, wie an manch anderem. Die Afrikaner tragen es ihnen nicht nach, gestatten ihnen Erholung an der Petite Côte und behalten die Hauptstadt für sich. Denn wer sich nicht auskennt, geht leicht verloren, und auf Taxifahrer kann man sich nicht verlassen.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Vom Reisen und Lesen im und über den Senegal erzähle ich Ihnen an den folgenden Sonntagen, um auch Ihnen etwas Sonne in den grauen deutschen Winter zu bringen.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Besser ist natürlich, Sie reisen selbst in die Sonne – ich kann es nur empfehlen.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Aber lesen Sie selbst.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Fri, 05 Jan 2018 22:42:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/reisen-und-lesen-im-senegal</guid>
      <g-custom:tags type="string">Senegal,Reisen,Buchtipp</g-custom:tags>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Platzhalter+Reisen.jpg">
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      </media:content>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Dorrit liest: Abraham Verghese „Rückkehr nach Missing“</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/dorrit-liest-abraham-verghese-rueckkehr-nach-missing</link>
      <description>Opulent kommt Vergheses Roman „Rückkehr nach Missing“ daher – allein der Umfang von mehr als 800 Seiten flößt Respekt ein. Wer liest denn heute überhaupt noch solche Wälzer? Ich! Und ich bereue keine einzige Seite. Zwei Tage lang habe ich weder meinen Computer angeschaltet noch zum Telefon gegriffen oder geschrieben. Stattdessen habe ich mich von […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Opulent kommt Vergheses Roman
          &#xD;
    &lt;a href="https://www.amazon.de/R%C3%BCckkehr-nach-Missing-Abraham-Verghese/dp/3458174508"&gt;&#xD;
      
           „Rückkehr nach Missing“
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          daher – allein der Umfang von mehr als 800 Seiten flößt Respekt ein. Wer liest denn heute überhaupt noch solche Wälzer?
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ich!
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Und ich bereue keine einzige Seite.
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    
          Zwei Tage lang habe ich weder meinen Computer angeschaltet noch zum Telefon gegriffen oder geschrieben. Stattdessen habe ich mich von Abraham Verghese nach Äthiopien entführen lassen. Ich bin ihm in das Missing-Hospital in Addis Abeba gefolgt, in dem Marion und Shiva 1954 geboren werden, als eineiige, siamesische Zwillingsbrüder, deren Verbindung am Kopf während der Geburt getrennt wird und doch in ihrem weiteren Leben spürbar bleibt. Allein 180 Seiten – keine zuviel – des Buches ranken sich um die Geburt und die die Geschichten der Menschen, die zu dieser Zeit im Missing-Hospital leben und sterben. Denn die Mutter überlebt die Geburt nicht und der Vater verschwindet.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          So wachsen die Zwillinge bei Hema und Gosh auf. Die beiden sind die einzigen Ärzte am Missing, Hema ist Gynäkologin und Gosh Chirurg. Ihre Berufe spielen in dem Buch auch eine Rolle – immer wieder geht es auch um die Möglichkeiten der Medizin unter den bestehenden Umständen. Die Jungen wachsen zunächst als MarionShiva auf, erst im Laufe der Jahre entfernen sie sich voneinander und in ihrer Jugend kommt es zum Bruch. Bis dahin aber vergehen weitere 350 Seiten des Buches voller Geschichten aus dem Äthiopien der fünfziger und sechziger Jahre, in denen Kaiser Haile Selassie nach zu langer Regierungszeit auf gesellschaftliche Veränderungen keine Antworten mehr hatte. Ein Offizier, der im Haus der Familie regelmäßig Bridge spielt, scheitert mit einem Putschversuch und wird gehängt. Dieses Ereignis übersteht die Familie noch halbwegs glimpflich, doch der geglückte Putsch von 1974 und die darauffolgende brutale Herrschaft von Major Mengistu haben weitreichende Folgen: Marion flieht nach Amerika. Dort trifft die Familie erst Jahre später wieder zusammen – inklusive des einst verschwundenen Vaters. Ein Happy-End wird das allerdings nicht.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Um Mitternacht hatte ich noch etwa einhundert Seiten vor mir, war aber so gebannt von der Geschichte der Zwillinge, dass ich mir noch einen Tee kochte und erst ins Bett ging, als ich zu Ende gelesen hatte. Ich erinnere mich nicht, aber ich bin sicher, dass ich in der folgenden Nacht von Afrika träumte.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Gebannte Grüße
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ihre Dorrit Bartel
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          P.S. Tipp für Unschlüssige: Mit der Danksagung beginnen. Allein die Erwähnung der Recherchen und Menschen, die bei der Entstehung des Buches geholfen haben, macht neugierig.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 17 Oct 2017 22:00:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/dorrit-liest-abraham-verghese-rueckkehr-nach-missing</guid>
      <g-custom:tags type="string">Äthiopien,Buchtipp</g-custom:tags>
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      </media:content>
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        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Dorrits Buchtipp: Dinaw Mengestu „Zum Wiedersehen der Sterne“</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/dorrits-buchtipp-dinaw-mengestu-zum-wiedersehen-der-sterne</link>
      <description>Sepha betreibt einen Lebensmittelladen in Washington. Sein kleines, abgewirtschaftetes Geschäft  liegt in einem heruntergekommenen Viertel, in dem hauptsächlich Schwarze wohnen. Er floh als junger Erwachsener in den siebziger Jahren aus Äthiopien, zu einer Zeit, als nach dem Sturz des Kaisers Haile Selassie reihenweise Menschen abgeholt wurden und nicht wiederkamen. Wie Sephas Vater. Anfangs schwankte Sepha […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Sepha betreibt einen Lebensmittelladen in Washington. Sein kleines, abgewirtschaftetes Geschäft  liegt in einem heruntergekommenen Viertel, in dem hauptsächlich Schwarze wohnen. Er floh als junger Erwachsener in den siebziger Jahren aus Äthiopien, zu einer Zeit, als nach dem Sturz des Kaisers Haile Selassie reihenweise Menschen abgeholt wurden und nicht wiederkamen. Wie Sephas Vater.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Anfangs schwankte Sepha zwischen der Idee, an einer amerikanischen Universität zu studieren und der Hoffnung, bald wieder nach Hause zu gehen. Die Universität konnte er sich nicht leisten. Der Weg zurück war ihm verwehrt. Der Laden, in dem er lesend die kundenfreie Zeit verbringt, ist der mögliche Kompromiss. An guten Geschäftstagen ist Sepha mit Amerika versöhnt – „es ist ein wunderbares Land, es hat so viel zu bieten, der Sprit ist billig, hier lässt es sich gut leben. Es könnte schlimmer sein.“ An schlechten Tagen hasst er Amerika von ganzem Herzen.
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    
          Einmal in der Woche trifft er sich mit zwei Freunden, ebenfalls afrikanischen Einwanderern. Sie vertreiben sich die Zeit unter anderem mit einem Spiel, in dem einer von ihnen den Namen eines afrikanischen Diktators nennt und die anderen dazu das Land und die Jahreszahl des mit dem Namen verbundenen Staatsstreiches erraten. Dazu schauen sie gemeinsam auf die Afrikakarte, als müssten sie sich der Existenz ihrer Heimatländer vergewissern. „Ich bin aus Zaire“, pflegte Joseph früher zu sagen. Neuerdings sagt er, er sei aus der Demokratischen Republik Kongo, aber womöglich würde das Land morgen schon Laurent Kabilas befreites Land heißen, so genau wisse er das nicht. Diese Szenen sind voll Galgenhumor, nicht nur einmal bleibt mir ein Lachen im Halse stecken.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Eines Tages taucht in dem „schwarzen“ Viertel Judith auf, eine Weiße. Sie lässt ein Haus renovieren, um dort mit ihrer Tochter Naomi zu leben. Deren offenkundig schwarzer Vater zieht jedoch nicht mit ein. Naomi und Sepha freunden sich an, nachmittags sitzt sie oft bei ihm im Laden, gemeinsam lesen sie Dostojewskis „Brüder Karamasow“. Sepha verliebt sich in Naomis Mutter. Doch wohin soll das führen: eine Geschichte zwischen der gutsituierten Weißen und dem schwarzen Ladenbesitzer, der von der Hand in den Mund lebt? Im Viertel wird Judith argwöhnisch beäugt. Zieht sie weitere Weiße hierher und werden sie die angestammten Bewohner vertreiben, die dort seit Jahrzehnten zwar nicht gut, aber immerhin überleben können? Mag sein, dass Judith und Sepha einander mögen, mag sein, dass sie einander etwas zu sagen haben, doch das zwischen ihnen ist eine unmögliche Geschichte. Jedenfalls in dieser Zeit und in diesem Land. Doch die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Dinaw Mengestu weiß, worüber er schreibt, er selbst wanderte mit seinen Eltern aus Äthiopien in die USA ein, als er ein Jahr alt war. Damit gehört er einer späteren Generation an als der, über die er schreibt. Vielleicht gelingt ihm deshalb der präzise und zugleich zärtliche Blick auf seine Figuren, mit dem die Lektüre zu einem berührenden Erlebnis wird. Da prallen völlig verschiedene und nebeneinander existierende Welten aufeinander, und die Beschränkungen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten werden sichtbar. Beschränkungen, die exemplarisch stehen für ein globales Ungleichgewicht, in der für die einen immer mehr Möglichkeiten selbstverständlich sind, während diejenigen aus dem anderen Teil der Welt davon ausgeschlossen bleiben, selbst wenn sie es in die gelobten Länder schaffen. Immer wieder spüre ich, dass meine Geburt in dem Teil der Welt mit den Wahlmöglichkeiten ein Geschenk ist und frage mich, wie mein Leben ohne dieses Geschenk verlaufen wäre.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Am Ende der Lektüre dieses wunderbaren Buches fühle ich mich auf eigenartige Weise getröstet. Liebe kann Brücken zwischen den unterschiedlichen Teilen der Welt bauen, selbst wenn sie nicht von Dauer ist.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Getröstete Grüße
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 26 Sep 2017 19:07:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/dorrits-buchtipp-dinaw-mengestu-zum-wiedersehen-der-sterne</guid>
      <g-custom:tags type="string">Äthiopien,Buchtipp</g-custom:tags>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Dorrit liest gerade: Paul Theroux – Dschungelliebe</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/dorrit-liest-gerade-paul-theroux-dschungelliebe</link>
      <description>Aus verschiedenen Gründen habe ich vor einiger Zeit darüber nachgedacht, nach Afrika auszuwandern und  immerhin schon mehrfach einige Wochen am Stück dort verbracht. Der Mann, der einen nicht unwesentlichen Anteil an den Auswanderplänen hatte, pflegte allerdings zu sagen, dass ich es gewiss nicht länger als zwei Wochen ertragen würde. Ich komme nicht umhin, ihm zuzustimmen […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Aus verschiedenen Gründen habe ich vor einiger Zeit darüber nachgedacht, nach Afrika auszuwandern und  immerhin schon mehrfach einige Wochen am Stück dort verbracht. Der Mann, der einen nicht unwesentlichen Anteil an den Auswanderplänen hatte, pflegte allerdings zu sagen, dass ich es gewiss nicht länger als zwei Wochen ertragen würde. Ich komme nicht umhin, ihm zuzustimmen und beschränke mich vorerst darauf, bei anderen nachzulesen, wie es Angehörigen unserer westlichen Kultur ergeht, wenn sie sich darauf einlassen.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Paul Theroux erzählt in „Dschungelliebe“ witzig über dieses Zusammentreffen westlicher Kultur mit der afrikanischen.
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    
          Das Buch ist schon etwa dreißig Jahre alt, aber einiges von dem, was er dort erzählt, trifft heute noch zu. Seine Hauptfigur Calvin ist Versicherungsvertreter und versucht, im Auftrag einer amerikanischen Gesellschaft Lebensversicherungen zu verkaufen, mit – wie sich denken lässt – mäßigem Erfolg. Einmal fragt ihn ein Afrikaner mit großen Augen: „Aber sterben muss ich doch trotzdem?“
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Die Verwandlung Calvins in einen Beinahe-Einheimischen findet später statt, er hat inzwischen eine Afrikanerin geheiratet, den Verkauf von Versicherungen wegen Erfolglosigkeit eingestellt und verbringt seine Tage mehr oder weniger wie die anderen Männer im Dorf, auf der Veranda vor seinem Haus dem Lauf der Tage zusehend. Einmal steht er ratlos dort und wird vom Wirt der nebenan liegenden Kneipe (was man im ländlichen Afrika halt so Kneipe nennt: eine Hütte, in der vor allem lauwarmes Flaschenbier über den Tresen geschoben wird) befragt, wieso er nicht in seinem Sessel sitze. Er zeigt nur auf das  von Ameisen bevölkerte Sitzmöbel. Der Kneipenwirt verschwindet und kommt kurz darauf mit Servietten zurück, in die er eifrig die Ameisen einsammelt. Eine Stunde später stellt Calvin fest, dass geröstete Ameisen durchaus eine leckere Abwechslung des Speiseplans darstellen. Nicht nur an dieser Stelle habe ich gekichert – hin und wieder habe ich sogar losprusten müssen, weil Theroux das Aufeinandertreffen der gegensätzlichen Welten wunderbar bildhaft beschreibt.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          In Theroux’ Buch finden sich neben Calvin weitere westliche Gestalten, die ihren Anspruch auf Afrika geltend machen. Ein Führer, der eine Revolution anzuzetteln versucht. Als aber dem Führer die Lebensmittel ausgehen, interessieren sich die Einheimischen nicht mehr für die Revolution. Ein alter englischer Major wartet darauf, dass alle Länder vom Kap bis nach Kairo wieder an die Krone gehen, denn Afrika unter britischer Fuchtel sei der natürliche Zustand. Die Figuren sind  überzeichnet, aber ich habe einen Heidenspaß daran gehabt, sie in ihrem afrikanischen Leben zu begleiten. Und gleichzeitig die Afrikaner zu beobachten, die den verschiedenen westlichen Ideen gleichgültig gegenüberstehen und einfach überleben wollen – wie schon immer.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Wer braucht schon Revolutionen oder Lebensversicherungen, wenn wir am Ende doch alle sterben müssen?
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Westliche Grüße
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Tue, 20 Jun 2017 22:42:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/dorrit-liest-gerade-paul-theroux-dschungelliebe</guid>
      <g-custom:tags type="string">Buchtipp</g-custom:tags>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Reisen in das Herz des Fremden</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/reisen-in-das-herz-des-fremden</link>
      <description>Ich war am Wochenende mal wieder in Afrika. Leider musste ich diesmal wieder eine Reise auf dem Papier unternehmen, für mehr fehlen mir im Moment Zeit und Geld. Außerdem rät das Auswärtige Amt dringend von allen nicht notwendigen Reisen in den Kongo ab. Ich bezweifle, dass das Kennenlernen von Land und Leuten unter „notwendige Reisen“ […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ich war am Wochenende mal wieder in Afrika. Leider musste ich diesmal wieder eine Reise auf dem Papier unternehmen, für mehr fehlen mir im Moment Zeit und Geld. Außerdem rät das Auswärtige Amt dringend von allen nicht notwendigen Reisen in den Kongo ab. Ich bezweifle, dass das Kennenlernen von Land und Leuten unter „notwendige Reisen“ fällt. Deshalb bin ich froh, dass Lieve Joris mehrfach in den Kongo gereist ist und davon so fesselnd erzählt, dass ich nicht aufhören konnte, ehe ich die Bücher über ihre ersten beiden Reisen dorthin,
          &#xD;
    &lt;a href="http://www.amazon.de/Das-schwarze-Herz-Afrikas-Meine/dp/3492240488/ref=sr_1_5?ie=UTF8&amp;amp;qid=1462903959&amp;amp;sr=8-5&amp;amp;keywords=das+schwarze+herz+afrikas "&gt;&#xD;
      
           „Das schwarze Herz Afrikas“
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          und
          &#xD;
    &lt;a href="http://www.amazon.de/Tanz-Leoparden-Mein-afrikanisches-Tagebuch/dp/3492242472/ref=sr_1_3?s=books&amp;amp;ie=UTF8&amp;amp;qid=1462904142&amp;amp;sr=1-3"&gt;&#xD;
      
           „Der Tanz des Leoparden“
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
            , ausgelesen hatte.
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Das erste Mal reiste die Belgierin Lieve Joris in den 1980er Jahren in den Kongo, der damals Zaire hieß, was es der Afrikanisierungskampagne des damaligen Präsidenten Mobuto zu verdanken hatte. Joris begab sich auf die Spuren ihres Onkels, der in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts als Missionar im Kongo tätig war. Wie ihr Ahne fuhr sie auf einem Schiff von Europa nach Matadi, einer Küstenstadt des Kongo. Mit ihr reisten Kolonisten, die ihr eine Menge darüber erzählten, wie „die Schwarzen“ so seien. Sie hörte sich das alles an und war froh, als sie in Kinshasa endlich beginnen konnte, sich ihr eigenes Bild zu machen. Doch sie stellte bald fest, dass die belgischen Landsleute, bei denen sie zunächst unterkam, kaum Kontakte zur einheimischen schwarzen Bevölkerung hatten und daran auch gar nicht interessiert waren. Erst nach und nach öffnete sich ihr hier und da eine Tür in die fremde Welt und jeder Kontakt zog einen neuen nach sich.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Das macht ihre Bücher zu etwas Besonderem: sie begibt sich in das alltägliche Leben der Zairer/Kongolesen, das sich nicht auf Schlagworte wie Armut, politische Instabilität, Korruption oder HIV reduzieren lässt. Diese Zustände bilden nur den Hintergrund für ihre Erzählungen. Einmal schreibt sie zum Beispiel darüber, wie sie einen Angestellten einer Telefongesellschaft bestach, weil sie ein dringendes Telefonat nach Europa führen musste – ein nahezu unmögliches Unterfangen. Sie erzählt, wie aufgeregt und unsicher sie dabei war. Am Ende, als es geklappt hatte, überwog das Gefühl, jetzt ein bisschen mehr dazuzugehören. Nicht jenes, in ein schrecklich unzivilisiertes Land geraten zu sein.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ein halbes Jahr lang war sie in Zaire/Kongo, sie hat verschiedene Provinzen dieses Landes besucht, das sechseinhalb Mal so groß ist wie Deutschland. Mit einem Schiff  schipperte sie auf dem Fluss Kongo – auf der Strecke, von der schon Joseph Conrad in
          &#xD;
    &lt;a href="http://www.amazon.de/Herz-der-Finsternis/dp/B003O9GMSI/ref=sr_1_4?ie=UTF8&amp;amp;qid=1462903959&amp;amp;sr=8-4&amp;amp;keywords=das+schwarze+herz+afrikas"&gt;&#xD;
      
           „Herz der Finsternis“ 
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          erzählt  – als  einzige Weiße unter dreitausend Schwarzen. Sie flog mit Flugzeugen, die in Europa nicht zugelassen würden, und fuhr selten Auto oder Motorrad – der Kongo besitzt bis heute kein ausgebautes Straßennetz. Neugier auf das einfache Leben der Menschen trieb sie an, und dafür konnte sie auch stillsitzen. So blieb sie in einer Stadt wie Kisangali (Schauplatz des Romans „
          &#xD;
    &lt;a href=" http://www.amazon.de/Biegung-gro%C3%9Fen-Flusses-Roman/dp/3596190169/ref=sr_1_1?s=books&amp;amp;ie=UTF8&amp;amp;qid=1462904483&amp;amp;sr=1-1&amp;amp;keywords=an+der+biegung+des+gro%C3%9Fen+flusses"&gt;&#xD;
      
           An der Biegung des großen Flusses“ von V.S. Naipaul )
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          mehrere Wochen, obwohl es nicht viel zu sehen gab. Aber dort lebten Menschen, von denen sie mehr wissen wollte. Die Neugier war durchaus gegenseitig; immer wieder wurde sie von den Menschen eingeladen, einen Moment ihres Lebens mit ihnen zu teilen.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Am Ende geriet sie doch noch in Schwierigkeiten, nicht mit den Menschen, sondern mit dem System – als sie gemeinsam mit einer europäischen Journalistin einen Weißen interviewte, der Dinge wusste, die im Ausland nicht bekannt werden sollten. Joris landete für kurze Zeit im Gefängnis.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Das hat sie nicht davon abgehalten, wieder nach Zaire zu reisen, elf Jahre später, als sich die politischen Verhältnisse gerade änderten – besser gesagt: ein autokratischer Machthaber vom nächsten abgelöst wurde. In diesen unruhigen Zeiten besuchte sie Freunde, die dem Leser schon aus ihrem ersten Buch bekannt sind, und schloss neue Freundschaften. Sie blieb sogar noch im Land, als die Botschaften schlossen und westliche Diplomaten und Geschäftsleute das Land verließen, weil die Lage unübersichtlich und gefährlich wurde. Sie blieb an der Seite ihrer Freunde, selbst wenn in diesen Zeiten die Freundschaften auf harte Proben gestellt wurden, denn Machtvakuum und Chaos ließen alte Konflikte aufbrechen. Lieve Joris blieb und trägt heute die Geschichten der Kongolesen in die westliche Welt – als Beitrag zu mehr Verständnis und Verständigung. Sie leugnet ihren westlich geprägten Blickwinkel nicht, aber es gelingt ihr, ihn nicht zum Maßstab zu machen, gerade in Momenten, in denen sie einer vollkommen fremden Welt gegenübersteht.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Dafür sind ihre Bücher sowohl in Frankreich als auch in Belgien und den Niederlanden mehrfach ausgezeichnet worden. Trotzdem gibt es nicht einmal einen deutschen Wikipedia-Eintrag über sie, was mich überrascht hat.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Von ihren Büchern sind einige übersetzt worden und ich freue mich schon sehr auf weitere Reisewochenenden mit ihr. Es geht noch einmal in den Kongo, in
          &#xD;
    &lt;a href=" http://www.amazon.de/Die-Stunde-Rebellen-Begegnungen-Kongo/dp/3890293514/ref=sr_1_1?s=books&amp;amp;ie=UTF8&amp;amp;qid=1462904142&amp;amp;sr=1-1"&gt;&#xD;
      
           „Die Stunde  der Rebellen“
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          . Vielleicht lasse ich mich verzaubern von
          &#xD;
    &lt;a href="http://www.amazon.de/Die-S%C3%A4ngerin-von-Sansibar-Reiseberichte/dp/3890291481/ref=sr_1_6?s=books&amp;amp;ie=UTF8&amp;amp;qid=1462904142&amp;amp;sr=1-6"&gt;&#xD;
      
           „Die Sängerin von Sansibar – Reiseberichte aus einer magischen Welt“
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
            . Oder ich kriege den
          &#xD;
    &lt;a href=" http://www.amazon.de/Mali-Blues-Lieve-Joris/dp/3890291082/ref=sr_1_2?s=books&amp;amp;ie=UTF8&amp;amp;qid=1462904142&amp;amp;sr=1-2"&gt;&#xD;
      
           „Mali Blues“
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          .
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Den können Sie auch bekommen und glauben Sie mir: Es lohnt sich.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Neugierige Grüße
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          P.S. Lieve Joris ist nicht nur in Afrika gereist. Gespannt bin ich auch auf
          &#xD;
    &lt;a href="http://www.amazon.de/Die-Tore-Damaskus-Lieve-Joris/dp/3890291074/ref=sr_1_5?s=books&amp;amp;ie=UTF8&amp;amp;qid=1462904142&amp;amp;sr=1-5"&gt;&#xD;
      
           „Die Tore von Damaskus“
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          , für das sie einige Monate mit einer syrischen Freundin und ihrer Tochter deren Leben geteilt hat. Vor dem Hintergrund aktueller Debatten erhoffe ich mir davon spannende Einsichten in das Leben der Fremden, von denen ein kleiner Teil jetzt bei uns Zuflucht vor Krieg sucht.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Sat, 09 Jul 2016 22:05:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/reisen-in-das-herz-des-fremden</guid>
      <g-custom:tags type="string">Buchtipp</g-custom:tags>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Platzhalter+Lesetipp.jpg">
        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Platzhalter+Lesetipp.jpg">
        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Jenseits von Afrika</title>
      <link>https://www.dorritbartel.eu/jenseits-von-afrika</link>
      <description>Ich hasse Reisen. Oder besser gesagt, ich hasse alles, was davor und danach kommt: das Kofferpacken und -auspacken, das Kofferschleppen, Nächte im Flugzeug mit übergewichtigen Sitznachbarn … Sie wissen, wovon ich rede. Aber: Ich liebe es, an anderen Orten zu sein. Schließlich geht nichts über den ersten afrikanischen Sonnenstrahl auf der Haut, wenn man eben […]</description>
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ich hasse Reisen. Oder besser gesagt, ich hasse alles, was davor und danach kommt: das Kofferpacken und -auspacken, das Kofferschleppen, Nächte im Flugzeug mit übergewichtigen Sitznachbarn … Sie wissen, wovon ich rede.
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  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Aber: Ich liebe es, an anderen Orten zu sein. Schließlich geht nichts über den ersten afrikanischen Sonnenstrahl auf der Haut, wenn man eben noch im europäischen Winter gewesen ist. Deshalb reise ich; widerwillig packe ich meinen Koffer ein und aus und bin angestrengt freundlich zu meinen Sitznachbarn.
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    &lt;span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Es soll ja Leute geben, die konsequenter sind. Sie hassen Reisen, also reisen sie nicht. An fremde Orte gelangt man schließlich auch mit Büchern. Deshalb sind meine Lese-Geschenk-Empfehlungen im Grunde Reiseempfehlungen. Reisen Sie nach Afrika!
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  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ich habe das im letzten Jahr getan. Lesend und tatsächlich.
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  &lt;/p&gt;&#xD;
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  &lt;/p&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Überrascht stellte ich in Südafrika fest, dass ich die Einzige in unserer Reisegruppe war, die einen Roman dabei hatte, der in Kapstadt spielte. Dabei ist
          &#xD;
    &lt;a href="http://www.amazon.de/Bekenntnisse-einer-Spielerin-Rayda-Jacobs/dp/3442737362"&gt;&#xD;
      
           Rayda Jacobs’ „Bekenntnisse einer Spielerin“
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          eine ganz wunderbare Urlaubslektüre. Die Grundkonstellation: alleinstehende Frau, Mutter mehrerer erwachsener Kinder, von denen eines schwul und HIV-positiv ist, die den Mann, den sie liebt, nicht bekommen kann und stattdessen mit finanziellen Sorgen zu kämpfen hat, an denen sie wegen Spielsucht auch noch selbst schuld ist. Ich gebe zu, einen deutschen Roman mit dieser Konstellation würde ich nicht lesen, weil zu vermuten wäre, dass die Auflösung irgendwie mit dem richtigen Mann zu tun hätte. Aber bei Rayda Jacobs funktioniert das, vielleicht, weil die Aspekte Südafrika und Muslima dem Buch eine Prise natürlicher Exotik beifügten.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Vor meiner Reise hatte ich mir noch
          &#xD;
    &lt;a href="http://www.amazon.de/Ein-sch%C3%B6ner-Ort-sterben-Roman/dp/3352007713/ref=sr_1_1?s=books&amp;amp;ie=UTF8&amp;amp;qid=1448567492&amp;amp;sr=1-1&amp;amp;keywords=malla+nunn+ein+sch%C3%B6ner+ort+zum+sterben"&gt;&#xD;
      
           Malla Nunn „Ein schöner Ort zum Sterben“
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          vorlesen lassen – ein Kriminalroman, der vom Südafrika der 50er Jahre handelt, in einer Zeit also, in der die Welt dort noch deutlich in Schwarz und Weiß geteilt war. Das hat mich sensibilisiert für die Schwierigkeiten, die eine Gesellschaft haben muss, die so lange mit dieser Art von Teilung gelebt hat. Malla Nunn hat inzwischen weitere Kriminalromane um ihren Ermittler Emmanuel Cooper geschrieben, die, unverdient, in Deutschland noch nicht so bekannt sind.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Kein Geheimtipp mehr hingegen ist
          &#xD;
    &lt;a href="http://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_ss_i_1_6?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;amp;url=search-alias%3Dstripbooks&amp;amp;field-keywords=deon+meyer&amp;amp;sprefix=deon+meyer%2Cstripbooks%2C214"&gt;&#xD;
      
           Deon Meyer
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          . Man muss kein Südafrika-Fan sein, um seine Krimis zu lesen, allerdings sollte man eine gewisse Dosis Gewalt vertragen können, denn sie spielt in seinen Büchern eine wichtige Rolle. Das wirkt jedoch nicht wie eine verkaufsfördernde Maßnahme, wie bei anderen zeitgenössischen Krimi- oder Thrillerautoren, sondern ergibt sich aus dem Handlungsort: Einem Land, das 25 Jahre nach dem Ende der Apartheid noch immer unter den Folgen leidet und als eines der gefährlichsten Länder der Welt gilt. Ein Menschenleben sei nichts wert, war ein Satz, den ich in Südafrika nicht nur einmal hörte. Dem widerspricht Deon Meyer mit seinen Büchern, in denen er Figuren aus allen Kreisen der Gesellschaft lebendig werden lässt.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Ebenfalls kein Geheimtipp, aber immer noch und immer wieder empfehlenswert:
          &#xD;
    &lt;a href="http://www.amazon.de/lange-Weg-zur-Freiheit-Autobiographie/dp/3596138043/ref=sr_1_1?s=books&amp;amp;ie=UTF8&amp;amp;qid=1448567609&amp;amp;sr=1-1&amp;amp;keywords=nelson+mandela+der+lange+weg+zur+freiheit"&gt;&#xD;
      
           Nelson Mandelas „Der lange Weg zur Freiheit“
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          . Die Biographie eines aufrechten Menschen, Freiheitskämpfers, Politikers, der ein Land verändert hat und dem Kampf dafür sein ganzes Leben gewidmet hat, weil es ihm das wirklich Wichtigste war.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Aus dieser Freiheit ein neues Leben gestalten, neue Orientierung finden, wo die alten Werte nicht mehr gelten, das allerdings müssen die Bewohner des Landes selbst tun. Das fällt ihnen – vornehmlich den weißen Bewohnern – schwer. Davon erzählt
          &#xD;
    &lt;a href="http://www.amazon.de/Schande-Roman-J-M-Coetzee/dp/3596150981/ref=sr_1_1?s=books&amp;amp;ie=UTF8&amp;amp;qid=1448567668&amp;amp;sr=1-1&amp;amp;keywords=coetzee+schande"&gt;&#xD;
      
           J.M. Cotzees Roman „Schande“
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          . David, ein in Ungnade gefallener Universitätsprofessor, der sich in der Welt nicht mehr zurechtfindet, nachdem seine privilegierte, zivilisierte Existenz nicht mehr der Maßstab der Gesellschaft ist. Ein trauriges, verstörendes Buch, dessen Autor Südafrika inzwischen verlassen hat.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Für europäische Lesegewohnheiten fremd liest sich
          &#xD;
    &lt;a href="http://www.amazon.de/Walrufer-Unionsverlag-Taschenb%C3%BCcher-Zakes-Mda/dp/3293204481/ref=sr_1_1?s=books&amp;amp;ie=UTF8&amp;amp;qid=1448567710&amp;amp;sr=1-1&amp;amp;keywords=der+walrufer"&gt;&#xD;
      
           „Der Walrufer“
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          von Zakes Mda. Es ist eine Dreiecksgeschichte besonderer Art: konkurrieren doch hier eine Frau und ein Wal miteinander, wenn auch im Fall des Wales gänzlich unbewusst. Dieser Roman spielt ca. 100 Kilometer von Kapstadt entfernt, in Hermanus, einem Ort, der als einer der besten Walbeobachtungsorte der Welt gilt. Der Roman erzählt von einem Mann, dem Walrufer, für den die Wale in Hermanus seit seiner Kindheit zum Leben gehören und der sich jetzt über die Touristen wundert, die neuerdings in Scharen in seine Heimatstadt einfallen, um die Tiere zu fotografieren. Er selbst hat immer nur eine der Walfrauen geliebt und wartet jedes Jahr ungeduldig auf ihre Ankunft. Selbst als er von der Säuferin Saluni umworben wird, kann er nicht aufhören, die Nähe seiner Walfrau zu suchen. Ein poetisches Buch, das von Einsamkeit und der Unmöglichkeit von Liebe erzählt.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Mit Literatur aus Afrika ging es mir, wie es oft passiert: Wenn man einmal angefangen hat, etwas zu entdecken, dann eröffnen sich plötzlich ganz viele neue Fenster. So habe ich lesend im vergangenen Jahr nicht nur Südafrika bereist. Ich war auch mit Chigozie Obioma in Nigeria; sein Buch
          &#xD;
    &lt;a href="http://www.amazon.de/Walrufer-Unionsverlag-Taschenb%C3%BCcher-Zakes-Mda/dp/3293204481/ref=sr_1_1?s=books&amp;amp;ie=UTF8&amp;amp;qid=1448567710&amp;amp;sr=1-1&amp;amp;keywords=der+walrufer"&gt;&#xD;
      
           „Der dunkle Fluss“
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          ist völlig unverdient im neuen „Literarischen Quartett“ verrissen worden. Mich hat die Geschichte einer Familie, die an einer Prophezeiung zugrunde geht, berührt und erschüttert wie lange kein Buch mehr – und ich liebe Bücher, die das schaffen.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Mit Francesca Marciano war ich in Kenia, wo ihre Heldin Esmé, eine Europäerin, mit ihrem kenianischen Mann unter dem
          &#xD;
    &lt;a href="http://www.amazon.de/Himmel-%C3%BCber-Afrika-Francesca-Marciano/dp/344244585X/ref=sr_1_1?s=books&amp;amp;ie=UTF8&amp;amp;qid=1448567804&amp;amp;sr=1-1&amp;amp;keywords=himmel+%C3%BCber+afrika"&gt;&#xD;
      
           „Himmel über Afrika“
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          lebt und sich in einen britischen Kriegsreporter verliebt. Sie alle gehören zu der weißen Community, an die Esmé einerseits aus naheliegenden Gründen gebunden ist, gleichzeitig aber hinterfragt und nur schwer erträgt. In diesem Fall hat der erste Absatz gereicht, mich in das Buch hineinzuziehen. „In gewisser Weise ist hier immer alles aus zweiter Hand … Du schläfst mit einem Mann, der schon mit allen deinen Freundinnen geschlafen hat.“ Das ist Afrika jenseits von Robert Redford und Meryl Streep, deren Afrika es sowieso nicht mehr gibt.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Reisen durch Bücher ist wirklich eine gute Alternative: Sie bekommen keinen Sonnenbrand, brauchen keine Malariaprophylaxe, laufen nicht Gefahr, sich irgendwann einer auf Sie gerichteten Waffe gegenüber zu sehen und lernen trotzdem andere Welten kennen. Und falls das eine oder andere Buch doch mal die Reiselust in Ihnen weckt, sind Sie vorbereitet auf das, was Sie in der Fremde erwartet.
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
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  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    
          Reiselustige Grüße
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Ihre Dorrit Bartel
         &#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <pubDate>Sun, 29 Nov 2015 06:42:00 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.dorritbartel.eu/jenseits-von-afrika</guid>
      <g-custom:tags type="string">Reisen,Buchtipp</g-custom:tags>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/s/426d376bbcd2425a869b92a8eefbdf57/dms3rep/multi/Platzhalter+Lesetipp.jpg">
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      </media:content>
    </item>
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