Dorrit Bartel Schreiben | Reisen | Fotografieren
Dorrit Bartel Schreiben | Reisen | Fotografieren

Alle hier versammelten Texte sind auch im Blog der 42erAutoren zu lesen. Stöbern Sie gern auch dort einmal. Wir, ein Team aus sieben Autoren, veröffentlichen dort regelmäßig Texte über das Lesen und Schreiben, über Autoren und Bücher und was sonst noch interessant ist.

Interview in Äthiopien, Teil 1 - Kath

 

In den Schreibratgebern heißt es: Führen Sie doch mal ein Interview mit ihrem Protagonisten! Also begab ich mich im letzten Sommer mit einem Diktiergerät bewaffnet nach Äthiopien, um den Helden meiner geplanten Romanbiografie zu befragen, einen Mann, der in Äthiopien geboren wurde, aber etwa ein Drittel seines Lebens in Deutschland verbrachte und manchmal nicht mehr weiß, ob er Deutscher oder Äthiopier ist. [Weiterlesen]

Interview in Äthiopien: Teil 2 – Bombe und Pistole

 

Die ersten Tage meiner Reise standen ganz im Zeichen von Nachrichten und Politik. Schon in Addis Abeba hatte Adane mich mit den Worten begrüßt: „Wir machen Frieden mit Eritrea, kannst du dir das vorstellen?!“ Es waren die ersten Monate der Amtszeit von Ministerpräsident Abiy Ahmed, der von der Bevölkerung sehr verehrt wird, denn er hat tiefgreifende Veränderungen für Äthiopien auf den Weg gebracht. Alle waren elektrisiert von der Aussicht auf Veränderungen zum Guten. [Weiterlesen]

Interview in Äthiopien: Teil 3 – Bohnen, Kartoffeln und Gin

 

Für das Abendessen war die Auswahl nicht groß. Uns lag nicht daran, möglichst viel auszuprobieren. Wir waren pragmatisch und wollten keine Zeit mit langer Suche verlieren. Direkt vor unserem Hotel gab es einen Schlachter, in dessen Küche ein frisch geschlachtetes Rind hing. Erst wenn Fleisch bestellt wurde, schnitt der Schlachter von diesem etwas ab. Hier kamen viele Äthiopier her, um frisches, rohes Fleisch zu essen. Dazu konnte ich mich nicht überwinden, was Adane eigenartig fand, schließlich würde ich doch zu Hause auch rohes Hackfleisch essen. [Weiterlesen]

On est ensemble – Corona im Senegal

 

Es ist still geworden in Dakar. Der Muezzin ruft nicht mehr mehrfach am Tag zum Gebet, nur zwei Mal am Tag meldet er sich über Lautsprecher, um die Gläubigen daran zu gemahnen, das Beten nicht zu vergessen, auch wenn sie dazu nicht mehr in die Moschee gehen dürfen. [Weiterlesen]

Schreiben im Senegal – Teil 1

 

Es ist erst wenige Wochen her, dass meine Mitbewohnerin, eine australische Autorin, mir Grüße von ihrer Schreibresidenz im australischen Varuna schickte, wo sie für zwei Wochen ein Schreibstipendium bekommen hatte. Sie schwärmte davon, wie wunderbar die Arbeit an ihrem Roman voranging, weil jemand für sie kochte und sie den ganzen Tag nur schrieb. Garniert war ihre E-Mail mit Fotos ihres Schreibtischs, der vor einem Fenster stand, durch das blauer Himmel und grüne, blühende Pflanzen zu sehen waren. Und ich starrte in den januargrauen Berliner Himmel und die kahlen Bäume davor und sagte mir nicht zum ersten Mal, dass ich im falschen Land geboren bin. Wie um alles in der Welt sollte ich hier über einen afrikanischen Nachthimmel schreiben? Also buchte ich einen Flug nach Dakar. Nur den Hinflug. [Weiterlesen]

Schreiben im Senegal – Teil 2

 

Wer sich einbildet, in der Mitte von Nirgendwo am besten schreiben zu können, muss einiges auf sich nehmen, um dort hinzukommen. Ich muss zunächst nach Toubakouta, das ca. 250 Kilometer von Dakar entfernt liegt und als zumindest nicht ganz kleiner Ort auf der Karte zu finden ist. Auf dem Weg zum Gare Routiere in Dakar ist natürlich Stau, dort angekommen heißt es warten, bis sich genügend Mitfahrer finden. Bei einem Bus mit Plätzen für dreizehn Mitfahrer dauert das halt eine Weile. Knapp eineinhalb Stunden in meinem Fall. Schon ist Mittag. [Weiterlesen]

Schreiben im Senegal – Teil 3

 

Als ich auf der Insel ankomme, wird mir mit einem Schlag klar, dass ich seit dem Frühstück in Dakar nichts mehr gegessen habe. Christine verspricht mir ein Abendessen, während sie mich zu meiner Hütte begleitet. Wunschgemäß steht dort ein Tisch. Bestens, sage ich und füge hinzu, dass ich Schriftstellerin bin und arbeiten muss. Das französische ecrivain geht mir interessanterweise leichter über die Lippen als das deutsche Wort Schriftstellerin. Christine freut sich, weil alles zu meiner Zufriedenheit ist, und sagt, ich könne mir auch draußen einen Platz suchen, wenn es mir gefällt. Ich verschiebe die Entscheidung, jetzt will ich nur essen und mich von einem Tag auf afrikanischen Pisten erholen.

Das Abendessen ist delicieux. [Weiterlesen]

Schreiben im Senegal – Teil 4

 

Als am fünften Tag eine Reisegruppe von 12 Leuten ins Camp „einfällt“, muss ich leider meinen Arbeitsplatz im Salle à manger räumen. Nun kommt der Tisch in meiner Hütte doch noch zum Einsatz, ich stelle ihn vor die Hütte und verrücke ihn nach Stand der Sonne, damit weder mein Computer noch ich selber dahinschmelzen. [Weiterlesen]

Schreiben im Senegal – Teil 5

 

Wenn ich mit Einheimischen spreche, ist Reisen immer ein Thema. Khady sagt, die Politik müsse sich bemühen, den Zustand zu ändern, der im Moment herrscht: Die Europäer reisen ohne großen Aufwand hierher, während die Senegalesen zunächst einmal für viel Geld eine Menge Papiere besorgen müssen, ehe sie überhaupt ein Visum für Europa beantragen können, das dann trotzdem oft abgelehnt wird. Das ist nicht gerecht. [Weiterlesen]

Wie ich einmal fast Hebräisch lernte

 

Als ich vor über zehn Jahren für eine kleine Berliner Stiftung arbeitete, erhielt ich einmal den Anruf eines Mannes, der mich auf Englisch fragte, ob wir hebräisch miteinander sprechen könnten. Das Fragezeichen am Ende meiner abschlägigen Antwort spüre ich heute noch.

Die Erklärung bekam ich einige Zeit später, als ein Mann – nennen wir ihn J. – in mein Leben trat. [Weiterlesen]

Dorrit liest: NoViolet Bulawayo – Wir brauchen neue Namen

Paradise und das gelobte Land

 

Für ihren autobiografischen Roman erhielt NoViolet Bulawayo 2014 den Hemingway Foundation PEN Award. Sie stand außerdem mit diesem Roman auf der Shortlist des Man Booker Prize und auf der Shortlist des Internationalen Literaturpreises des Hauses der Kulturen der Welt in Berlin. Und das alles vollkommen zu Recht. [Weiterlesen]

Bücher statt Postkarten

 

In diesem Jahr stand Äthiopien auf meinem Reiseplan: die Wiege der Menschheit, das Dach Afrikas und das einzige Land auf dem schwarzen Kontinent, das niemals kolonialisiert wurde. Überhaupt war ich noch nie in Ostafrika gewesen. Im Februar also flog ich nach Addis Abeba, um nach einigen Tagen von dort aus auf eine Rundreise durch Äthiopien aufzubrechen.

Drei Tage zum Akklimatisieren waren eine gute Idee. Ich hatte das, was auf Rundreisen immer knapp bemessen ist: Zeit, einfach mal eine Stunde oder länger in einem Cafe zu sitzen und die Stadt auf mich wirken lassen. [Weiterlesen]

Reisen und Lesen im Senegal – Teil 1: Der Pulsschlag Afrikas

 

Seit ich 2013 zum ersten Mal in Saint Louis an der westafrikanischen Küste war, träume ich davon, dort einmal meinen Winter zu verbringen und unter afrikanischem Himmel im Charme einer verfallenen Kolonialstadt einen Roman zu schreiben. Im vergangenen Oktober musste ich mir eingestehen, dass ich auch in diesem Winter die meiste Zeit in Deutschland sein werde, und beschloss, wenigstens für ein paar Tage in das kleine Städtchen mit den bunten Häusern zu fahren. [Weiterlesen]

Reisen und Lesen im Senegal, Teil 2: Gastfreundschaft am Fuße des Monuments

 

Der Blick von der Dachterrasse meiner Gastgeber ist fast so gut wie vom Hotel; mein Zimmer in der Erdgeschosswohnung mit Bett und Tisch allerdings viel spartanischer eingerichtet, und die Dusche hat kein warmes Wasser. Yacine, Nars Mitbewohnerin, bereitet gerade riesige Mengen Couscous für eine Abschiedsparty zu, denn morgen wandert sie in die USA aus. Weil sie dazu alle Gemeinschaftsräume im Erdgeschoss besetzt, nehme ich Nars Einladung auf die Dachterrasse gern an. Von oben sehe ich Hütten aus Wellblech und eine aus Pappkarton, viele halb fertige und einige fertige mehrstöckige Häuser sowie dazwischen einen Esel und ein Pferd, die am Straßenrand angepflockt sind. Ein ganz normales Viertel in Dakar, vermute ich. [Weiterlesen]

Reisen und Lesen im Senegal, Teil 3: Nachdenklich in Dakar

 

Sonntagvormittag besorgt Nar mir ein Taxi, ich will ins IFAN, das Museum für Afrikanische Kunst. Er handelt den Preis von 2000 CFA (ca. 3 €) aus und fragt den Taxifahrer zwei Mal, ob er wisse, wo das Museum sei. Der nickt, aber vorsichtshalber sagt Nar mir noch, es sei ganz in der Nähe des Parlaments, an dem wir am Tag zuvor vorbeigegangen sind. Er tut gut daran, denn zwei Mal hält der Taxifahrer am Straßenrand an, um einen Passanten nach dem Weg zu fragen, was nur bedingt weiterhilft, denn schließlich entdecke ich das Museum, als wir schon fast daran vorbeigefahren sind. [Weiterlesen]

Reisen und Lesen im Senegal, Teil 4: Vom Charme des Verfalls

 

Am nächsten Tag reise ich nach Saint Louis, dem eigentlichen Ziel meiner Reise. Ich bin froh, dass Nar mich zum Gare Routiere, dem Busbahnhof, begleitet und für mich die Auswahl eines Fahrzeugs übernimmt. Nicht dass es viel zu wählen gäbe: Alle Autos sind mindestens dreißig, vermutlich eher vierzig Jahre alt, keines hat eine intakte Windschutzscheibe. Ich erwähne Nar gegenüber den Unfall mit über zwanzig Toten, von dem ich während meiner Reisevorbereitungen gelesen habe. Er ereignete sich kürzlich auf dieser Strecke. Er erwidert: „In Deutschland gibt es auch Unfälle, jedenfalls habe ich das schon einmal in einer Zeitung gelesen.“ Touché. [Weiterlesen]

Reisen und Lesen im Senegal Teil 5: Von Mahlzeiten, Machos und Meer

 

Reis ist das Hauptnahrungsmittel im Senegal, es gibt ihn zu beinahe jedem Essen, heute Yassa Poulet – Reis mit Hühnchen. Ich werde das zu Hause einmal nachzukochen, denn es ist ausgesprochen lecker. Wie übrigens alles, was ich in diesen Tagen serviert bekomme. Nar weiß, wo in Saint Louis am besten gekocht wird. Als wir noch zufällig einen seiner ehemaligen Mitbewohner aus Dakar treffen, und wir einen heiteren Abend in einer Bar verbringen, ist mein Aufenthalt in Saint Louis perfekt. [Weiterlesen]

Reisen und Lesen im Senegal Teil 6: Letzte Momente

 

Zurück in Dakar brechen die letzten Stunden meiner Reise an. Im Haus am Monument gibt es weder Wasser noch Strom noch Internet. Also kann ich nicht online einchecken. Ganz afrikanisch gelassen schalte ich das Smartphone aus und lehne mich im Sessel zurück. Dann checke ich eben morgen früh am Flughafen ein. Ansonsten brauche ich schon seit Tagen kein Internet mehr – was immer in der Welt geschieht, geschieht auch, ohne dass ich dabei zusehe. [Weiterlesen]

Früher war mehr Zukunft

 

Ich liebe Berlin, aber die Gegend um Friedrichstadtpalast, Tacheles und Oranienburger Straße meide ich so gut es geht. Ich glaube, ich bin schlicht zu alt für die hippen Mittzwanziger, die irgendwas mit Medien machen. Oder mit Internet. [Weiterlesen]

Reisen in das Herz des Fremden

 

Ich war am Wochenende mal wieder in Afrika. Leider musste ich diesmal wieder eine Reise auf dem Papier unternehmen, für mehr fehlen mir im Moment Zeit und Geld. Außerdem rät das Auswärtige Amt dringend von allen nicht notwendigen Reisen in den Kongo ab. Ich bezweifle, dass das Kennenlernen von Land und Leuten unter „notwendige Reisen“ fällt. Deshalb bin ich froh, dass Lieve Joris mehrfach in den Kongo gereist ist und davon so fesselnd erzählt, dass ich nicht aufhören konnte, ehe ich die Bücher über ihre ersten beiden Reisen dorthin, „Das schwarze Herz Afrikas“ und „Der Tanz des Leoparden“, ausgelesen hatte. [Weiterlesen]

Biographie eines Generals

 

Assani ist nicht der wirkliche Name des Generals, dessen Lebensgeschichte Lieve Joris in ihrem Buch „Die Stunde der Rebellen“ erzählt und doch sind die Fakten alle gründlich recherchiert und es gibt ein reales Vorbild für die Gestalt des Assani in diesem Buch. Lieve Joris ist es – wieder einmal – zu verdanken, dass sie ein Stück afrikanischer Gegenwart in das Bewusstsein des europäischen Lesers trägt. [Weiterlesen]

Von Weltuntergang, SuB und LuB

 

Als vor ein paar Jahren mal wieder Weltuntergang angekündigt war, fragte mich eine Freundin, was ich bis dahin tun würde, wenn es ganz sicher wäre, dass die Welt untergeht. Ich musste nicht lange überlegen: Ich würde mich in die Hängematte legen und lesen. Ab und zu vielleicht auch mal schlemmen, mit Freunden feiern oder Sex haben, aber die meiste Zeit würde ich lesen. [Weiterlesen]